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Recife
Sie ist eine Hafenstadt am Atlantischen Ozean mit über 1,6 Millionen Einwohnern und Zentrum der Metropolregion Recife. Der Name „Recife“ ist eine Anspielung auf …
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Überblick und Bedeutung
Recife, amtlich Município do Recife, ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco im Nordosten des Landes. Die Hafenstadt liegt am Atlantischen Ozean und ist Zentrum der Metropolregion Recife. Der Artikel beschreibt mehr als 1,6 Millionen Einwohner; für 2010 werden 1.537.704 Einwohner und für den 1. Juli 2021 eine Schätzung von 1.661.017 Einwohnern angegeben. Mit 218,8 km² Fläche und 7.026,5 Einwohnern je km² ist Recife sehr dicht besiedelt.
Die Stadt liegt nur etwa vier Meter über dem Meeresspiegel und gehört damit zu den niedrigst gelegenen Städten Brasiliens. Flüsse, Kanäle, Inseln, Strände und vorgelagerte Riffe prägen ihr Erscheinungsbild. Daher trägt Recife unter anderem den Beinamen „Veneza Brasileira“ („brasilianisches Venedig“). Der Stadtname bedeutet „Riff“ und bezieht sich auf Muschelbänke und Korallenriffe, die parallel zur Küste verlaufen, die Wellen bremsen und ein ruhiges, zum Schwimmen geeignetes Wasserbecken bilden.
Recife ist zugleich Verwaltungszentrum, Hafen- und Industriestandort, Bildungszentrum sowie ein wichtiger Ort für Kultur und Musik. Die Stadt ist für Bürgerbeteiligungsprojekte bekannt; ihr Bürgerhaushalt wurde 2011 mit dem Reinhard-Mohn-Preis ausgezeichnet.
Historische Entwicklung
Die Gegend wurde 1537 von Portugiesen besiedelt. Zwischen 1630 und 1654 war Recife der wichtigste Stützpunkt und das Handelszentrum der Niederländer in Niederländisch-Brasilien. Johann Moritz von Nassau-Siegen, deutscher Reichsgraf und niederländischer Generalgouverneur im Dienst der Niederländischen Westindien-Kompanie, gilt als eigentlicher Stadtgründer. Er gab der Stadt den Namen Mauritsstad beziehungsweise Maurícia und förderte ihre wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung.
Die Niederländer machten die von Sümpfen und Inseln geprägte Umgebung durch Kanäle bewohnbar. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Gebäude erhalten. Nach der Schlacht von Guararapes mussten sie 1654 die Kolonie aufgeben; Maurícia wurde wieder portugiesisch. 1710 erhielt die Stadt den Namen Vila do Recife. Zwischen 1793 und der späteren Abschaffung des Sklavenhandels wurden in Recife etwa 854.000 versklavte Menschen angelandet und auf Plantagen im Umland verkauft.
1823 löste Recife Olinda als Hauptstadt Pernambucos ab. Eine technische Besonderheit der neueren Geschichte ist der Zeppelinturm: 1930 überquerte das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ erstmals nonstop den Südatlantik von Sevilla nach Recife. Der in der Stadt erhaltene Ankermast ist der einzige vollständig erhaltene, der im Transatlantikverkehr eingesetzt wurde.
Lage, Landschaft und Klima
Recife liegt am Fluss Capibaribe, der nach rund 240 Kilometern in den Atlantik mündet. Weitere Flüsse und ein Kanal bestimmen das Stadtbild. Das historische Zentrum liegt auf zwei Inseln wenige Meter vom Festland entfernt. Die Metropolregion umfasst neben Recife Jaboatão dos Guararapes, Olinda, Paulista, Abreu e Lima, Igarassu, Camaragibe, Cabo de Santo Agostinho und São Lourenço da Mata. Olinda ist eine der ältesten Kolonialstädte Brasiliens und wurde 1982 mit ihrer barocken Architektur in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.
Die Umgebung ist durch die Flüsse fruchtbar; unter anderem wird Zuckerrohr angebaut. Nach wenigen Kilometern beginnen die Hügel des brasilianischen Berglandes. Der wichtigste Strand innerhalb der Stadt ist Boa Viagem. In der näheren Umgebung liegen außerdem Gaibu und Calhetas, Porto de Galinhas, Itamaracá, São José da Coroa Grande und Mangue Seco. Seit 1992 wurden 50 Haiangriffe verzeichnet, bei denen 18 Menschen starben und 32 schwer verletzt wurden. Die Todesfälle ereigneten sich vor allem an den Stränden Boa Viagem, Pina und Piedade.
Das Klima ist tropisch und wird als As klassifiziert. Für Recife-Curado beträgt die mittlere Tageshöchsttemperatur im Jahresdurchschnitt 29,2 °C, die mittlere Tagestiefsttemperatur 21,8 °C. Die Jahresniederschlagsmenge liegt bei 2.459 mm und verteilt sich auf 187 Regentage. Die niederschlagsreichsten Monate sind Juni mit 390 mm und Juli mit 386 mm; die trockensten Monate sind November mit 48 mm und Oktober mit 66 mm. Die durchschnittliche Wassertemperatur beträgt 26,7 °C, die Luftfeuchtigkeit 79,8 Prozent und die tägliche Sonnenscheindauer sieben Stunden. Wegen der niedrigen Lage gilt Recife durch den klimawandelbedingten Anstieg des Meeresspiegels als gefährdet.
Bevölkerung, Verwaltung und politische Bedeutung
Die Einwohnerzahl stieg langfristig stark an: Sie lag 1872 bei 116.671, 1950 bei 524.682, 1970 bei 1.084.459, 2000 bei 1.422.905 und 2010 bei 1.537.704. Für 2021 nennt der Artikel 1.661.017 Einwohner. Die Angaben unterscheiden sich je nach Jahr und Status, da neben Volkszählungswerten auch Schätzungen verwendet werden.
Recife ist Sitz des Gouverneurs und der Legislativversammlung von Pernambuco. Auf kommunaler Ebene besteht die Verwaltung aus einer Exekutive unter Leitung des Stadtpräfekten und einer Legislative. Für die Amtszeit 2017 bis 2020 war Geraldo Júlio Stadtpräfekt; nach der Kommunalwahl 2020 übernahm João Henrique Campos das Amt für 2021 bis 2024. Beide gehören dem Partido Socialista Brasileiro (PSB) an. Für die 17. Legislaturperiode wurden 39 Stadträte gewählt.
Die Stadt ist in sechs Verwaltungsregionen, portugiesisch regiões político-administrativas, und 96 Bairros gegliedert. Die Regionen heißen Centro, Norte, Noroeste, Oeste, Sudoeste und Sul. Zu ihnen gehören unter anderem das historische Zentrum, Boa Viagem, Casa Amarela, Várzea, Curado und Ibura. Die genaue Gliederung dient der kommunalen Verwaltung der Stadtviertel.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Auf der Insel Ilha de Antônio Vaz liegen die Altstadtviertel Santo Antônio und São José. Zu den wichtigen Bauwerken zählen der Palácio das Princesas, das klassizistische Teatro Santa Isabel, die 1697 erbaute Igreja da Ordem Terceira de São Francisco, die 1767 fertiggestellte Basílica de Nossa Senhora do Carmo und die „Goldene Kapelle“ (capela dourada). Die Basilika Nossa Senhora da Penha gehört zu einem Kapuzinerkloster, war die erste Kirche dieses Ordens in Brasilien und trägt den Titel Basilica minor.
Weitere bedeutende Orte sind die 1636 gegründete Kahal-Zur-Israel-Synagoge, die als älteste Synagoge der Neuen Welt gilt, sowie das Casa da Cultura. Dieses ehemalige Gefängnis nutzt heute seine 150 Zellen für kleine Kunsthandwerksbetriebe. Der Casa-Forte-Platz wurde 1935 mit brasilianischen Regenwaldpflanzen gestaltet; auf dem Euclides-da-Cunha-Platz dominieren Pflanzen der lokalen Caatinga, besonders Kakteen. Der Ankermast Torre do Zeppelin steht im Stadtteil Jiquiá nahe der Metrostation Mangueira und wurde ab 1930 für den transatlantischen Verkehr genutzt.
Recife und das benachbarte Olinda sind für einen vielfältigen Karneval bekannt. Charakteristisch sind meterhohe Puppen, die Bonecos de Olinda, Frevo- und Maracatu-Rhythmen sowie der große Karnevalsblock Galo da Madrugada. Recife gilt als Ursprungsort von Frevo, Mangue Beat, Maracatu und Brega Funk.
Das Museu do Homem do Nordeste dokumentiert Kolonialgeschichte und Kultur des Nordostens, darunter Sklaverei, Zuckerherstellung, Handarbeit, Folklore, Kleidung und Musik. Das Museu do Estado de Pernambuco zeigt Kunstgegenstände und Möbel aus der Kolonial- und Kaiserzeit Brasiliens. Der Artikel nennt außerdem mehrere bekannte Einwohner aus Politik, Kirche, Pädagogik, Soziologie und Literatur.
Wirtschaft, Bildung, Verkehr und soziale Lage
Südlich der Stadt liegt ein Industriegebiet mit Brauereien, Verpackungsindustrie, Autoelektrik, Süßwaren- und Textilbetrieben. Ein weiterer Schwerpunkt ist der „Digitale Hafen“ mit IT-Unternehmen, darunter Sun Microsystems, IBM und Microsoft. Für das Bruttoinlandsprodukt werden 2019 insgesamt 54.691.223 Tausend Real und 33.232 Real je Einwohner genannt; an anderer Stelle wird für 2021 ein Pro-Kopf-BIP von 33.094 Real angegeben. Der Index der menschlichen Entwicklung lag 2010 bei 0,772, gegenüber 0,576 im Jahr 1991.
Zu den örtlichen Hochschulen zählen die Universidade Federal de Pernambuco, die Universidade Federal Rural de Pernambuco, die Universidade Católica de Pernambuco und die Universidade de Pernambuco. Der Flughafen Recife und der Hafen von Suape gehören zur Verkehrsinfrastruktur. Für 2022 wird eine Schulbesuchsquote von 97,57 Prozent bei Kindern zwischen 6 und 14 Jahren angegeben; die Kindersterblichkeit betrug 2023 laut Artikel 1,23 Prozent.
Trotz rückläufiger Werte gehört Recife weiterhin zu den Städten mit den weltweit höchsten Mordraten. Für 2018 werden etwa 53 Morde je 100.000 Einwohner genannt; im Vergleich zu anderen Metropolen des Nordostens lag Recife damit im Mittelfeld. Im Bundesstaat Pernambuco wurden zwischen 1996 und 2005 insgesamt 42.000 Morde verübt, 2006 waren es 4.638. Die Opfer waren überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 29 Jahren. Als besonders gefährlich gilt wegen der Armut die Favela do Coque auf der Insel Joana Bezerra.