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Wirtschaftskreislauf

Der Wirtschaftskreislauf (englisch Circular flow of income) bezieht sich in der Volkswirtschaftslehre in Form eines Modells auf den Umlaufprozess von Gütern …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bestandteile
  2. 2. Einfacher Kreislauf
  3. 3. Ersparnis, Kredite und Investitionen
  4. 4. Staat und Ausland
  5. 5. Bedeutung und moderne Erweiterungen

Grundidee und Bestandteile

Der Wirtschaftskreislauf (englisch „Circular flow of income“) ist ein Modell der Volkswirtschaftslehre (VWL). Es beschreibt, wie Güter und Dienstleistungen im Güterkreislauf sowie die dazugehörigen Zahlungsmittel im Geldkreislauf zwischen Wirtschaftssubjekten umlaufen. Er ist wichtig, weil er sichtbar macht, wie Einkommen, Ausgaben, Produktion und Nachfrage zusammenhängen.

Realwirtschaft und Finanzwirtschaft sind keine getrennten Bereiche: Sie sind durch komplementäre Interdependenzen, also wechselseitige Ergänzungs- und Abhängigkeitsbeziehungen, verbunden. Die zentrale Transaktion ist der Kauf: Güter oder Dienstleistungen gehen an den Käufer, Geld fließt als Bezahlung in die Gegenrichtung.

Aus Sicht der Transaktionen umfasst der Wirtschaftskreislauf alle ökonomischen Transaktionen, bei denen Wirtschaftsobjekte mit oder ohne Gegenleistung von einem Wirtschaftssubjekt auf ein anderes übergehen. Das Modell zeigt Strömungsgrößen, also Größen, die während eines Zeitraums fließen. Dazu zählen Güterströme und die oft, aber nicht immer, entsprechenden Zahlungsströme.

Für den Sektor Ausland ist nicht die Staatsangehörigkeit entscheidend, sondern der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten. Ein in Deutschland ansässiger ausländischer Arbeitnehmer oder ein dort ansässiges Unternehmen gilt in diesem Zusammenhang als Inländer, auch wenn das Unternehmen eine Tochtergesellschaft einer ausländischen Muttergesellschaft ist.

Einfacher Kreislauf

Der einfache Wirtschaftskreislauf betrachtet nur private Haushalte als Konsumenten und Unternehmen als Produzenten. Staat, Kreditinstitute, Kapitalsammelstellen und Ausland bleiben unberücksichtigt.

Die privaten Haushalte stellen den Unternehmen Produktionsfaktoren zur Verfügung: Arbeit, Boden und Kapital. Die Unternehmen zahlen dafür Einkommen, etwa Lohn, Zins und Grundrente. Diese Entgelte für Produktionsfaktoren – einschließlich Lohn, Zinsen, Miete und Pacht – heißen Faktoreinkommen.

Im Gegenzug produzieren und liefern Unternehmen Konsumgüter, also Waren und Dienstleistungen, an die Haushalte. Die Haushalte verwenden einen Teil ihrer Einkommen für Käufe dieser Konsumgüter; das Geld fließt damit an die Unternehmen zurück.

Es bestehen somit zwei Güterströme: Produktionsfaktoren fließen von Haushalten zu Unternehmen, Konsumgüter von Unternehmen zu Haushalten. Gegenläufig verlaufen zwei Geldströme: Faktoreinkommen an die Haushalte und Konsumausgaben an die Unternehmen. Der Kreislauf ist geschlossen und statisch, also nicht wachsend.

Ersparnis, Kredite und Investitionen

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf berücksichtigt, dass Haushalte nicht ihr gesamtes Einkommen konsumieren, sondern einen Teil sparen. Sparen umfasst jede Form der Vermögensbildung oder Vermögensverwaltung, beispielsweise auch Rücklagen in Unternehmensbilanzen. Aus Ersparnissen können Zinserträge entstehen. Diese sind Einnahmeüberschüsse und müssen durch eine Komplementärgruppe mit Ausgabenüberschüssen finanziert werden.

Die klassische beziehungsweise orthodoxe Kredittheorie stellt häufig dar, Kreditinstitute verliehen verwaltete Sparguthaben als Kredite weiter. Nach dem Artikel trifft dies so nicht zu: Für die Kreditvergabe benötigt eine Bank zunächst keine Gegenposition in Form von Spareinlagen. Durch Kreditvergabe wird Buchgeld geschaffen (Giralgeldschöpfung), durch Tilgung wird es vernichtet und die Bilanz verkürzt. Kreditgeld steht dem privaten und teilweise dem öffentlichen Sektor vorübergehend für Investitionen oder Konsumausgaben gegen Geldverbindlichkeiten zur Verfügung.

Nicht nachfragendes Geldsparen muss gesamtwirtschaftlich durch Ausgabeüberschüsse und damit Nettokreditaufnahme ausgeglichen werden. Werden zu wenige neue Kredite aufgenommen oder wird mehr Kreditvolumen getilgt als neu vergeben, stehen bei sonst gleichen Bedingungen weniger Mittel für Nachfrage zur Verfügung. Tilgungen ohne Verzinsung fließen nicht wieder in den Kreislauf. Können Investitionen wegen fehlender Bankkredite nicht finanziert werden, sinkt die Wirtschaftstätigkeit; Unternehmen kürzen Ausgaben und damit auch Einnahmen innerhalb der Ökonomie.

In einer geschlossenen Volkswirtschaft zeigt sich zwischen privaten Nichtunternehmern und privaten Unternehmen eine Budgetlücke der Unternehmen in Höhe der Einnahmeüberschüsse der privaten Nichtunternehmer. Wenn Unternehmen sich nicht fortlaufend in dieser Höhe verschulden oder andere Sektoren dies nicht ausgleichen, wird der Kreislauf ex post unterbrochen.

Investiert ein Unternehmen zusätzlich bei einem anderen Unternehmen, entsteht dort Einkommen, das wiederum weitere Investitionen ermöglichen kann. Wenn die Gesamtheit der Unternehmen im Ausgabengleichschritt investiert, können sich ihre zusätzlichen Investitionen untereinander selbst finanzieren. Wilhelm Lautenbach formulierte dazu: „Die Nachfrage der Unternehmer ist nicht eine Funktion ihres Einkommens, sondern ihr Einkommen ist eine Funktion ihrer Nachfrage.“ Mehr Rücklagen und damit weniger Ausgaben der Unternehmen wirken dagegen konjunkturdämpfend; sinkende Einnahmen können anschließend auch Haushalte zu geringeren Ausgaben veranlassen.

Staat und Ausland

Im vollständigen Wirtschaftskreislauf kommt der Staat hinzu. Er nimmt von Haushalten und Unternehmen direkte und indirekte Steuern sowie Sozialabgaben ein. Zugleich zahlt er Haushalten Löhne und Transfereinkommen und kauft bei Unternehmen Güter und Dienstleistungen als Staatskonsum. Subventionen an Unternehmen sind Zahlungen, denen kein unmittelbarer Güterstrom als Gegenleistung gegenübersteht.

Wenn die Neuverschuldung durch Private gegenüber gewohnten Vorperioden sinkt und der Ausgabenrückgang nicht durch Entsparen ausgeglichen wird, kann staatliche Schuldenaufnahme im Inland oder Ausland ein Gleichgewicht herstellen.

Eine offene Volkswirtschaft ergänzt den Kreislauf um den Sektor Ausland. Dieser kann mit allen anderen Sektoren verbunden sein: Haushalte können ausländische Faktoreinkommen beziehen oder Einkommen kann von inländischen Unternehmen an Beschäftigte ins Ausland fließen. Auch Ersparnisse können zwischen Ausland und inländischen Kapitalsammelstellen beziehungsweise zwischen inländischen Haushalten und Ausland fließen.

Besonders wichtig ist der Außenbeitrag aus Exporten und Importen. Übersteigen die Exporte die Importe, liegt ein positiver Außenbeitrag vor: Es fließt zusätzlich Geld aus dem Ausland ins Inland; dies heißt Nettoexport. Sind Exporte kleiner als Importe, liegt ein negativer Außenbeitrag beziehungsweise ein Leistungsbilanzdefizit vor. Dann fließt Geld ins Ausland und die Geldmenge im Inland sinkt.

Bedeutung und moderne Erweiterungen

Die Kreislaufanalyse ist eine Grundlage der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und damit der Makroökonomie. Der Wirtschaftskreislauf entsteht aus zunehmender Arbeitsteilung und hängt in seinem Umfang von deren Entwicklung ab. Beteiligt sind Unternehmen, Privathaushalte und Staat; verändert sich ihre Anzahl, beeinflusst dies den Umfang des Kreislaufs. Ohne Ausland handelt es sich um eine geschlossene, mit Ausland um eine offene Volkswirtschaft.

In einer modernen Volkswirtschaft tauschen Unternehmen Güter gegen Geld. Sie kombinieren Produktionsfaktoren zu Endprodukten und zahlen Haushalten für Arbeit Arbeitskosten wie Lohn und Gehalt. Über die Güternachfrage fließt ein Teil dieses Geldes zurück an die Unternehmen. Weil Güter auf dem Gütermarkt gegen Geld zum Marktpreis getauscht werden, ist der Geldkreislauf dem Güterkreislauf entgegengerichtet. Im geschlossenen Kreislauf entspricht deshalb die Summe der Güterabflüsse der Summe der Geldzuflüsse; dies wird Kreislaufaxiom genannt.

Jüngere Ansätze wie das Stock-Flow Consistent Input–Output-Modell versuchen außerdem, Ressourcen, Abfall, Energie und Erderwärmung einzubeziehen. Im Stock-Flow Consistent Model werden sämtliche Finanzströme erfasst: Jede Ausgabe eines Wirtschaftssubjekts muss zugleich Einnahme eines anderen sein. Jede Änderung einer Bestandsgröße, etwa des Kapitalstocks, muss sich gleichzeitig in einer Stromgröße wiederfinden, beispielsweise in zusätzlichen Investitionsausgaben.

Der Wirtschaftskreislauf darf nicht mit der Kreislaufwirtschaft verwechselt werden.

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