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Raelismus
Mit der Rückkehr der Elohim breche dann das Zeitalter der Apokalyptik an, in dem Religionen von der Wissenschaft abgelöst würden. Es soll dann zur Kommunion …
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Grundidee und Organisation
Die Rael-Bewegung, auch Raelismus oder Raelistische Religion genannt, ist eine Neue Religiöse Bewegung mit einem Ufoglauben. Bis 1976 hieß sie MADECH. Im Mittelpunkt steht die Behauptung, außerirdische Wesen hätten das Leben auf der Erde wissenschaftlich erschaffen. Die Bewegung verbindet deshalb religiöse Aussagen und biblische Erzählungen mit Vorstellungen von Gentechnik, Klonen und anderen zukünftigen Technologien. Sie versteht ihre Lehre als rational und ohne Übernatürliches.
Bekannt ist der Raelismus besonders für das Ziel, Menschen zu klonen. Dadurch soll nach seiner Lehre langfristig Unsterblichkeit möglich werden. Die Bewegung verwendet außerdem eine eigene Zeitrechnung: Das Geburtsjahr ihres Gründers Raël, 1946, gilt als Jahr 1.
Anhänger sollen 3 % ihres Nettoeinkommens an die Organisation abführen. Eine weitere Einnahmequelle sind Erbschaften.
Entstehung und Verbreitung
Claude Vorilhon, geboren 1946 und später unter dem Namen Raël bekannt, gründete die Bewegung im Dezember 1973. Er behauptete, am 13. Dezember 1973 einen Vertreter einer außerirdischen Zivilisation getroffen zu haben, der aus einem UFO gestiegen sei. Dabei habe er eine Botschaft für die Menschheit erhalten: Die sogenannten Elohim seien vor 25.000 Jahren erstmals zur Erde gekommen und hätten das Leben mithilfe ihrer Kenntnisse der DNA wissenschaftlich erschaffen. An anderer Stelle der Lehre wird die Erschaffung der Erde auf vor etwa 22.000 Jahren datiert; der Artikel nennt somit zwei unterschiedliche Zeitangaben.
Die Besucher sollen Vorilhon den Namen Rael gegeben haben, erklärt als „der das Licht der Elohim bringt“. Er behauptete außerdem, ein Halbbruder von Jesus Christus zu sein: Seine Mutter sei ohne ihr Wissen in ein UFO gebracht worden, wo JHWH, der älteste der Elohim, ihn am 25. Dezember 1945 gezeugt habe.
Vorilhon veröffentlichte Das Buch, das die Wahrheit sagt und verbreitete seine Lehre durch Fernsehauftritte. Daraus entstand MADECH. Nach zwei Jahren hatte Vorilhon ungefähr 700 Anhänger. Am 7. Oktober 1975 will er den Planeten der Außerirdischen besucht und dort weitere Lebensregeln erhalten haben. Diese veröffentlichte er in Die Außerirdischen haben mich auf ihren Planeten mitgenommen.
Die Bewegung breitete sich über den französischen Sprachraum hinaus aus. 1977 wurde sie in „Rael-Bewegung“ und 1998 in „Raelistische Religion“ umbenannt. Für 2002 gab sie selbst weltweit etwa 40.000 Mitglieder an; andere Quellen nannten zwischen 22.000 und 55.000. Im Juli 2002 erklärte die Organisation auf der Internationalen Bio-Expo in Tokio, sie könne Menschen klonen.
Schöpfungslehre und Zukunftsvorstellungen
Raëlisten, auch Raëlianer oder Raeliens genannt, halten die Elohim für wissenschaftlich hoch entwickelte, menschenähnliche Wesen. Frühere Menschen hätten sie irrtümlich für Götter gehalten. Die Vorstellung, dass außerirdische Besucher die frühe Menschheitsgeschichte beeinflusst hätten, wird als Prä-Astronautik bezeichnet.
Nach Raëls Lehre konnten die Elohim mit überlegener Technik Landschaften gestalten, Atmosphären erzeugen und Menschen durch Klontechnologie nach ihrem eigenen Abbild schaffen. Später sei der technische Fortschritt der Menschen für die Elohim gefährlich geworden. Deshalb hätten diese das Leben auf der Erde mit Kernwaffen vernichtet. Nur Noach habe sich selbst sowie eine Zelle jeder Art in einer Rakete gerettet. In Raëls philosemitischer Lehre, also einer besonders positiven Einstellung gegenüber Juden, gelten die Juden als das am besten gelungene menschliche Volk.
Ein zentrales Ziel ist der Bau eines Botschaftsgebäudes auf neutralem Gebiet, in dem die Elohim empfangen werden sollen. Als bevorzugter Ort gilt Israel. Im Artikel wird als geplante Frist das Jahr 2025 genannt. Mit der Rückkehr der Elohim soll ein neues Zeitalter beginnen, in dem Wissenschaft die Religionen ablöst und die Menschen mit ihren Schöpfern in Verbindung treten.
Wissenschaftlicher Fortschritt und eine Entwicklung des Bewusstseins sollen schließlich paradiesische Zustände und irdische Unsterblichkeit ermöglichen. Als Mittel gelten Meditation, die Vervollkommnung des Klonens und zuletzt das Mind uploading, also die Übertragung des Geistes beziehungsweise der geistigen Inhalte in einen anderen Träger. Auserwählte könnten danach ein göttergleiches Leben führen und selbst Planeten mit Klonen bevölkern.
Religiöse Praxis und Wiederherstellung nach dem Tod
Die raëlistische Entsprechung eines Lebens nach dem Tod besteht in einer technisch gedachten Wiederherstellung. Vorgesehen ist eine Kombination aus sofortigem Ganzkörperklonen und einem „Uploading“ in einen jungen Körper, der aus der eigenen DNA geschaffen wurde. Alternativ wird eine zwischenzeitliche Weiterexistenz in einem fortgeschrittenen Computer angenommen.
Regelmäßige Meditation gehört zur religiösen Praxis. Die Haare sollen dabei als Antennen dienen, über die telepathischer Kontakt zu den Elohim möglich sei. Mindestens einmal im Leben sollen Anhänger sich von Raël oder einer von ihm beauftragten Person die Hand auflegen lassen. Dadurch soll der Bauplan ihres Körpers an einen überwachenden Computer der Elohim übermittelt werden, damit sie nach ihrem Tod wiederhergestellt werden können.
Kritiker wenden gegen diese Vorstellung ein, dass die Identität eines Menschen nicht allein aus seinen Erbanlagen entsteht, sondern auch aus seiner Entwicklung und seinen Erfahrungen im Leben. Die Lehre reduziere den Menschen daher auf seine DNA. Anders als manche Religionen richtet sich die Bewegung nicht gegen Sinnlichkeit, sondern befürwortet sie.
Klonen, Symbol und öffentliche Kritik
Das Klonen von Menschen gilt im Raelismus als erster Schritt zur Unsterblichkeit. Die der Bewegung nahestehende Firma Clonaid behauptete, mehrere Menschen geklont zu haben. Seriöse Wissenschaftler bezweifelten dies, unter anderem weil die Firma Zeugenaussagen zufolge klein und technisch wenig modern war.
Im März 2001 erklärten Raëlisten vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, dass sie das Klonen von Menschen anstrebten. Im selben Jahr versuchte die Bewegung durch eine Klage, das Klonen in den USA legalisieren zu lassen. Brigitte Boisselier, eine führende Raelistin, erklärte, Clonaid habe 2002 die technischen Grundlagen dafür geschaffen. Im Dezember 2002 soll nach ihren Angaben „Eve“, der erste geklonte Mensch, geboren worden sein. Wissenschaftliche Belege fehlten jedoch: Bis 2003 war keine genetische Identität von Mutter und Tochter nachgewiesen. Clonaid kündigte zwar eine Prüfung durch unabhängige Dritte an, nannte aber weder die Eltern noch dazu bereite Wissenschaftler. Deshalb wurde die Behauptung teilweise als Werbemaßnahme ohne reale Grundlage angesehen. Die Food and Drug Administration ermittelte ab 2002 wegen möglicherweise nicht genehmigter Genversuche.
Ethische Kritik verweist auf die geringe Erfolgsquote von nur 2 bis 20 % bei Klonversuchen mit Säugetieren. Fehlgeschlagene Versuche können zum Tod im Mutterleib oder zu schweren Missbildungen führen. Raël führt die Ablehnung des Klonens dagegen auf religiöse Vorurteile zurück, besonders auf den Einfluss der katholischen Kirche.
Das traditionelle Symbol der Bewegung ist ein Hexagramm mit einer Swastika, die für die Unendlichkeit des Universums stehen soll. Nach jüdischen Protesten gegen die Verbindung von Davidstern und Hakenkreuz ersetzte die Bewegung die Swastika in einem neueren Symbol durch eine stilisierte Gänseblümchenblüte. Das ältere Zeichen bleibt dennoch gültig. Raël erklärte 2009 den 23. Juni zum „Swastika-Rehabilitations-Tag“, weil die Bewegung weiterhin auf eine weltweite Akzeptanz des Zeichens hofft.