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Quelle (Versandhandel)
Die Quelle GmbH (Name ab 2006) ist seit dem 2. Mai 2013 ein in Burgkunstadt ansässiger eigenständiger Versandhandel und ein Tochterunternehmen der Otto …
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Überblick und Bedeutung
Die Quelle GmbH ist ein deutsches Versandhandelsunternehmen. Seit dem 2. Mai 2013 ist sie als eigenständiger Versandhandel mit Sitz in Burgkunstadt tätig und gehört als Tochterunternehmen zur Otto Group. Die Marke „Quelle“ wird heute als Universalversandhaus genutzt und ist dem Baur Versand innerhalb der Otto Group zuzurechnen.
Historisch war Quelle ein bedeutendes deutsches Familienunternehmen im Versandhandel. Es wurde am 26. Oktober 1927 in Fürth gegründet und entwickelte sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem großen Handelskonzern. 1999 fusionierte Quelle als Quelle Schickedanz AG & Co. mit Karstadt zur KarstadtQuelle AG, die ab 2007 Arcandor AG hieß. Im Zusammenhang mit der Arcandor-Insolvenz wurde das ursprüngliche Versandunternehmen Quelle 2009 aufgelöst und in Teilen verkauft. Wichtige Kennzahlen vor der Insolvenz waren 3385 Mitarbeiter und ein Umsatz von 2,45 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2007/2008.
Gründung, Nationalsozialismus und Wiederaufbau
Quelle wurde am 26. Oktober 1927 von Gustav Schickedanz in Fürth gegründet. Seine Frau Anna Schickedanz arbeitete in der Unternehmensleitung mit. 1929 starben Anna Schickedanz, der gemeinsame Sohn Leo und Gustav Schickedanz’ Vater Leo bei einem Autounfall; Gustav Schickedanz wurde schwer verletzt.
In der Zeit des Nationalsozialismus profitierte Schickedanz von der sogenannten Arisierung, also der Übernahme jüdischen Eigentums unter nationalsozialistischem Druck. Er trat im November 1932 der NSDAP bei und übernahm 1935 unter anderem die Rechte an der Marke Tempo, die Vereinigten Papierwerke in Nürnberg, die Brauerei Geismann und weitere Firmen unter Wert von ihren früheren jüdischen Eigentümern. 1938 hatte Quelle zwei Millionen Stammkunden, 1939 betrug der Umsatz 40 Millionen Reichsmark. 1943 wurde das Lager des Unternehmens durch alliierte Bombenangriffe zerstört; der Versandhandel wurde eingestellt.
Nach 1945 verhängten die Alliierten gegen Gustav Schickedanz ein Berufsverbot, beschlagnahmten sein Eigentum und verurteilten ihn zu Haft mit Zwangsarbeit. 1948 wurde er entlassen. Die treuhänderische Verwaltung übernahm seine Schwester Liesl Kießling. Grete Schickedanz eröffnete 1946 in Hersbruck ein Quelle-Verkaufsgeschäft für Textilien. Ab 1948 wurde das Versandgeschäft wieder aufgebaut. Im Entnazifizierungsverfahren wurde Gustav Schickedanz 1949 als „Mitläufer“ eingestuft und später formal rehabilitiert. In der Anklage hieß es, von seinem Vermögen von 9,3 Millionen DM stammten über 7 Millionen aus jüdischem Besitz; zugleich spielten wirtschaftliche Erwägungen bei seiner Rehabilitierung eine Rolle.
In den 1950er und 1960er Jahren wuchs Quelle stark. Zwischen 1953 und 1969 entstand das große Versandzentrum an der Fürther Straße in Nürnberg. 1954 lag der Umsatz bei 260 Millionen Mark, 1972 bei fünf Milliarden Mark und zwei Jahre später bei 6,4 Milliarden Mark bei 36.000 Mitarbeitern.
Konzernentwicklung bis zur Insolvenz
1975 trat Grete Schickedanz als persönlich haftende Gesellschafterin in die neugebildete Gustav und Grete Schickedanz Holding KG ein. Nach dem Tod Gustav Schickedanz’ am 27. März 1977 übernahm sie die Leitung des Versandhauses. Sie setzte sich im Unternehmen für soziale Verbesserungen ein, darunter ein Altenheim, ein Kindergarten und eine fortschrittliche Altersruhegeldregelung für Quelle-Mitarbeiter.
1983 legte Grete Schickedanz ihre Führungs- und Aufsichtsämter nieder. Später wurden die unternehmerischen Interessen der Tochter Madeleine Schickedanz unter anderem durch ihre Ehemänner Hans-Georg Mangold und Wolfgang Bühler vertreten. 1999 wurde Quelle in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und mit Karstadt zur KarstadtQuelle AG fusioniert; ab 2007 hieß der Konzern Arcandor AG. Zum 1. Januar 2006 wurde aus der Quelle AG die Quelle GmbH. Quelle war das größte Unternehmen der Arcandor-Versandhandelsgruppe Primondo.
Am 9. Juni 2009 stellte die Quelle GmbH Deutschland Insolvenzantrag. Am 16. November 2009 folgte der Konkurs der großen Auslandstochter Quelle AG Österreich. Die Namensrechte an Quelle wurden im November 2009 von der Otto Group gekauft. In Österreich wurde Quelle Anfang Juni 2023 mit dem Online-Versandhändler Universal verschmolzen.
Vertrieb, Standorte und Geschäftsmodell
Quelle war besonders in Fürth, Nürnberg und Leipzig angesiedelt und beschäftigte europaweit etwa 8000 Mitarbeiter. Dazu gehörten Inlandstöchter wie Profectis, Foto Quelle und SB-Gross Handels-GmbH sowie Gesellschaften in vielen europäischen Ländern, darunter Österreich, Schweiz, Polen, Tschechien, Rumänien, Russland, Ungarn und die Türkei.
Ein wichtiger Vertriebsweg waren Sammelbesteller: Mehrere Kunden oder Familien schlossen sich für Bestellungen zusammen und erhielten Rabatte. Daraus entstanden später auch privat geführte kleine Ladengeschäfte. Bedeutend war außerdem der Verkauf auf Kredit. Kleinkredite wurden über eine angeschlossene Bank vergeben, zunächst Noris Kaufhilfe, später Norisbank beziehungsweise Noris Verbraucherbank GmbH.
Quelle sah sich als Multi-Channel-Unternehmen. Das bedeutet, dass mehrere Vertriebskanäle gleichzeitig genutzt wurden: E-Commerce, Katalog, Ladengeschäfte, Mobiltelefon und Teleshopping über HSE24. Quelle hatte kein eigenes Paket-Lieferunternehmen wie der Konkurrent Otto mit Hermes, sondern war einer der größten Kunden der Deutschen Post. Große Artikel wurden über Speditionen geliefert.
Bekannt waren die Quelle-Partnerfilialen, früher „Quelle-Agenturen“. Ihre Zahl sank seit 2004 von 6000 auf 1600 im Juni 2009. Bis in die 1980er Jahre gehörte Quelle außerdem zu den fünf großen deutschen Warenhausketten. In Technikgeschäften unter dem Namen „Quelle-Technorama“ und in Warenhäusern konnten Kunden Katalogware bestellen und versandkostenfrei abholen. Für mangelhafte oder zurückgegebene Ware gab es „Quelle-Fundgrube“-Läden.
Kataloge, Eigenmarken und Onlinehandel
Der Quelle-Hauptkatalog war lange ein zentrales Verkaufsmedium. In der Herbst/Winter-Saison 2009 hatte er eine Auflage von rund acht Millionen Exemplaren und kostete in der Herstellung 20 Millionen Euro. Zusätzlich gab Quelle Deutschland mehr als 20 Spezialkataloge heraus, zum Beispiel für Fotoartikel, Gesundheits- und Pflegehilfsprodukte, Küchen, Möbel, Spielwaren, Mode, Schmuck und Babyartikel. Stammkunden erhielten zeitweise auch Kataloge mit festem Einband.
Neben Markenartikeln verkaufte Quelle viele Eigenmarken. Eigenmarken sind Handelsmarken eines Händlers, deren Produkte oft von anderen Herstellern produziert werden. Bei Quelle wurden sie häufig in Design und Technik vereinfacht, um niedrigere Preise zu ermöglichen. Beispiele waren Quellux, Privileg für Haushalts- und Küchengeräte, Universum für Unterhaltungselektronik und Multimedia, Senator im Premiumsegment der Unterhaltungselektronik, Revue für Fotokameras, Good Play für Spielwaren und Casamaxx für Möbel.
Quelle setzte früh auf E-Commerce, also den Verkauf über das Internet. Dort konkurrierte das Unternehmen mit Amazon und Ebay. Laut einer comScore-Untersuchung von 2007 lag Quelle im Internethandel in Deutschland auf dem dritten Platz hinter Otto-Versand und Amazon. Seit 2008 vertrieb Quelle über den Teleshopping-Kanal HSE24 besonders Küchen. Nach der Insolvenz wurde 2011 unter www.quelle.de ein Online-Marktplatz gestartet, auf dem Händler Waren anbieten konnten. Dieser Marktplatz wurde wegen mangelnden Erfolgs zum 1. Mai 2013 eingestellt. Seit dem 2. Mai 2013 ist Quelle.de wieder ein Universalversandhändler mit Kernsortimenten wie Technik und Möbel.
Insolvenz, Folgen und Verkauf von Unternehmensteilen
Am 9. Juni 2009 stellten Arcandor und Quelle beim Amtsgericht Essen Insolvenzantrag. Die Mitarbeiter erhielten zunächst drei Monate Gehalt über Insolvenzgeldvorfinanzierung, letztlich aus Mitteln der Arbeitsagentur. Die Geschäfte sollten weiterlaufen. Am 29. Juni 2009 wurde ein dringender Massekredit von 50 Millionen Euro vereinbart: 25 Millionen Euro vom Bund, 20,5 Millionen Euro vom Land Bayern und 4,5 Millionen Euro vom Land Sachsen. Der Kredit sollte unter anderem den Druck und die Auslieferung des Herbst-Winter-Katalogs 2009 ermöglichen.
Am 1. September 2009 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, Klaus Hubert Görg wurde Insolvenzverwalter. Am 19. Oktober 2009 teilte er mit, dass Quelle Deutschland abgewickelt werden sollte, weil keine tragfähige Investorenlösung gefunden worden sei. Am 11. November 2009 bestätigte eine Gläubigerversammlung formal die Liquidation.
Die Abwicklung begann mit einem Ausverkauf der Lagerbestände von Anfang November bis kurz vor Weihnachten 2009. Der Verkauf über quelle.de wurde am 30. November 2009 eingestellt, zum 1. Dezember 2009 wurden 1300 Mitarbeiter arbeitslos. Kurz vor Weihnachten 2009 schlossen auch etwa 30 Technikfilialen. In der Region Nürnberg/Fürth entstanden erhebliche arbeitsmarktpolitische Folgen; zum 1. November mussten sich etwa 4000 Mitarbeiter bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos melden, darunter auch Beschäftigte anderer Primondo-Tochterfirmen.
Auch Partner und Auslandsgesellschaften waren betroffen. DHL kündigte die vollständige Schließung der Standorte Bochum, Lehrte und Nürnberg sowie Stellenabbau in Frankfurt am Main an; etwa 960 Mitarbeiter waren betroffen. Für Quelle Österreich mit rund 1100 Mitarbeitern wurde am 16. November 2009 ein Konkursverfahren eröffnet. Bei der Eigenmarke Privileg kam es zu Problemen, weil Lieferanten Eigentumsvorbehalte anmeldeten und Geräte teilweise zurückholten.
Viele Teile des Unternehmens wurden verkauft. Die Marke Quelle und Kundendaten für Deutschland sowie mittelosteuropäische Märkte gingen an die Otto Group. Das Russlandgeschäft wurde ebenfalls an Otto verkauft. HSE24 ging an Axa Private Equity. Küchen-Quelle, Foto Quelle, Profectis und mehrere Auslandsgesellschaften wurden von verschiedenen Käufern übernommen. Privileg wurde von der Otto Group an Whirlpool verkauft, wobei exklusive Vertriebsrechte für Deutschland und Österreich bei Otto blieben. Quelle.de wurde ab 2011 neu gestartet und seit 2013 wieder als Universalversandhändler betrieben.
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