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Kempten (Allgäu)

Sie ist das Ober-, Schul- und Verwaltungszentrum der umliegenden Wirtschafts-, Urlaubs- und Planungsregion Allgäu mit rund 480.000 Einwohnern. Wappen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Naturraum
  2. 2. Von Cambodunum zur modernen Stadt
  3. 3. Bevölkerung, Religion und kommunale Politik
  4. 4. Kultur, Bauwerke und Freizeit
  5. 5. Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur
  6. 6. Erinnerungskultur und ungeklärte Tötungsdelikte

Profil und Naturraum

Kempten (Allgäu) ist eine kreisfreie Mittelstadt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und das Ober-, Schul- und Verwaltungszentrum der Wirtschafts-, Urlaubs- und Planungsregion Allgäu mit rund 480.000 Einwohnern. Die Stadt gilt als südlichste kreisfreie Stadt Deutschlands und als zweitgrößte Stadt im Regierungsbezirk Schwaben. Im Artikel werden unterschiedliche aktuelle Einwohnerzahlen genannt: 67.916 zum 31. Dezember 2025 und rund 67.645 im März 2026. Kempten liegt an der Iller, am Alpennordrand und nahe der Grenze zu Tirol, Vorarlberg und Baden-Württemberg. Die Stadtfläche beträgt 63,28 km²; die Höhenlage reicht von 646 m bis 915 m ü. NHN. Der Mariaberg ist mit 915 m die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Die Altstadt liegt auf etwa 672 m und ist damit nach Villingen-Schwenningen die zweithöchstgelegene deutsche Stadt über 50.000 Einwohner.

Das Stadtgebiet besteht aus den Gemarkungen Kempten, Sankt Lorenz und Sankt Mang und umfasst 155 Ortsteile. Landschaftlich prägen neben der Iller zahlreiche Bäche, Höhenrücken, Kuppen und künstlich aufgestaute Weiher das Gebiet. Die Fließgewässer sind insgesamt über 176 km lang, davon entfallen 13 km auf die Iller. Landschaftsschutzgebiete sind unter anderem die Schwabelsberger Weiher, der Rottachtobel, das Betzigauer Moos und die Iller. Rund 70 Bäume sowie der Lenzfrieder Höhenrücken sind Naturdenkmäler; mehrere Drumlinfelder, Schluchten, Prallhänge und der Illerdurchbruch sind als Geotope ausgewiesen.

Geologisch liegt Kempten im Voralpinen Moor- und Hügelland. Im Untergrund treffen gefaltete Gesteine des Alpenrandes auf Sedimente des Molassebeckens. Molasse bezeichnet dabei Ablagerungen aus Schotter, Kies, Sand und Ton, die Flüsse aus den aufsteigenden Alpen in ein Vorlandbecken transportierten. Während der Kaltzeiten wurde das Gebiet mehrfach vom Illergletscher überfahren. Findlinge und Drumlins, längliche eiszeitliche Hügel, zeugen davon. Ein historisch belegtes Erdbeben ereignete sich am 24. Februar 1478 mit etwa 5,5 auf der Richterskala.

Kempten hat ein gemäßigtes Klima mit 6,9 °C mittlerer Jahrestemperatur und etwa 1272 mm Niederschlag im Zeitraum 1961 bis 1990. Die Klimatabelle nennt 1274 mm Jahresniederschlag; diese geringfügige Abweichung wird im Artikel nicht erklärt. Föhn und Stauniederschläge an den Alpen treten häufiger auf. Nach dem Pfingsthochwasser 1999 wurde die Hochwasserschutzmauer am linken Illerufer verlängert und bewährte sich beim Alpenhochwasser 2005.

Von Cambodunum zur modernen Stadt

Kempten gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Eine keltische Siedlung namens Kambodounon wird in Strabons um Christi Geburt verfasster Erdbeschreibung erwähnt; sichere archäologische Belege für eine größere vorrömische Siedlung fehlen jedoch. Seit etwa 15 v. Chr. ist die römische Stadt Cambodunum gesichert. Sie war wahrscheinlich im 1. und 2. Jahrhundert Hauptstadt der Provinz Rätien, bevor Augsburg diese Funktion übernahm. Im späteren 3. Jahrhundert wurde Cambodunum zur Grenzstadt am Donau-Iller-Rhein-Limes. Die spätrömische Kastellsiedlung Cambidanum lag von der Burghalde bis zur Kuppe der heutigen St.-Mang-Kirche; dort war eine Abteilung der 3. Italischen Legion stationiert.

Im Mittelalter entwickelte sich Kempten als Doppelstadt. Auf der einen Seite stand die Reichsstadt mit eigener Bürgerschaft und protestantischer Prägung, auf der anderen das katholische Fürststift mit Kloster, Fürstabt und Stiftsstadt. Ein Kloster bestand seit der Mitte des 8. Jahrhunderts auf der linken Illerhochterrasse. Die Karolinger förderten es; dadurch wurde das Fürststift zum bedeutendsten Herrschaftsträger im Allgäu. Die Reichsstadt löste sich schrittweise aus der Herrschaft des Abtes. Ein Privileg Rudolfs von Habsburg von 1289 war ein wichtiger Schritt, doch erst der „Große Kauf“ von 1525 beendete die verbliebenen Besitz- und Nutzungsrechte des Fürstabtes in der Reichsstadt. Die Bürger zahlten dafür 30.000 Gulden. Wirtschaftlich wichtig waren Fernhandel mit Salz, Leinenstoffe, Schmiedeerzeugnisse und ab 1477 Papiermühlen.

Die Reformation verstärkte den Gegensatz zwischen Reichsstadt und Fürststift. Kempten gehörte 1529 zur protestantischen Minderheit auf dem Reichstag zu Speyer und unterzeichnete 1530 die Confessio Augustana. Innerhalb der Reichsstadt kam es zunächst zu Konflikten zwischen reformierten und lutherischen Kräften; in der St.-Mang-Kirche wurden beim Bildersturm Fresken übermalt und Ausstattung zerstört. Ab 1553 setzte sich unter Primož Trubar wieder die lutherische Lehre durch. Das katholische Fürststift blieb dem Katholizismus verbunden.

Im Dreißigjährigen Krieg standen beide Stadtteile auf gegnerischen Konfessionsseiten. 1632 wurde das Kloster durch schwedische Truppen zerstört; am 12. Januar 1633 eroberten kaiserliche und bayerische Truppen die Stadt und töteten über 300 Bürger. Zusammen mit zwei Pestzügen sank die Einwohnerzahl der Reichsstadt von 6000 vor dem Krieg auf 900 im Jahr 1635. Zwischen 1651 und 1674 entstanden die frühbarocke Klosterkirche und Fürstäbtliche Residenz. 1775 fand in Kempten der letzte Hexenprozess auf deutschem Boden statt. Anna Maria Schwegelin wurde zum Tod verurteilt, aber begnadigt und starb 1781 im Gefängnis.

1802 besetzten bayerische Truppen das Allgäu. Reichsstadt und Fürstabtei wurden mediatisiert beziehungsweise säkularisiert und Bayern angeschlossen. Kempten wurde 1806 Hauptstadt des Illerkreises. Am 17. Mai 1818 erfolgte die offizielle Vereinigung von Reichsstadt und Stiftsstadt; die ländlichen Gebiete wurden den Gemeinden Sankt Mang und St. Lorenz zugeordnet. 1852 kam die Eisenbahn, und entlang der Iller entstanden Fabriken. Eine große Baumwollspinnerei und -weberei beschäftigte Ende der 1850er Jahre fast 1000 Menschen an 566 Webstühlen. Am 15. März 1898 wurde in der Kemptener Zündholzfabrik der erste gewerblich genutzte Dieselmotor der Welt in Betrieb genommen.

Im Nationalsozialismus wurde Kempten 1935 Stadtkreis; zugleich kam der Zusatz „Allgäu“ zum Namen. Mit der Prinz-Franz-Kaserne und der Scharnhorstkaserne entstand eine große Garnison. Von 1943 bis 1945 bestanden zwei Außenlager des Konzentrationslagers Dachau mit insgesamt 1500 bis 2000 Häftlingen. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge mussten unter anderem für BMW und Messerschmitt arbeiten. Jüdische Einwohner wurden verfolgt, deportiert und größtenteils ermordet. Alliierte Luftangriffe von 1942 bis 1945 forderten zahlreiche Tote; 1,8 Prozent der Bausubstanz wurden zerstört. Am 27. April 1945 besetzten US-Truppen die Stadt und befreiten über 4000 Zwangsarbeiter und politische Häftlinge.

Die Entnazifizierung nach 1945 gilt laut Artikel als oberflächlich und historisch misslungen. Bis 1949 behandelte die Hauptspruchkammer über 3000 Fälle; die Zahl der als Hauptschuldige Eingestuften sank von 42 auf neun. Nach dem Krieg kamen etwa 10.000 Vertriebene, Geflüchtete und Aussiedler nach Kempten. Dies führte zu starkem Bevölkerungswachstum und Wohnungsmangel. Die Sozialbau-Gesellschaft errichtete viele Wohnungen, wobei zugleich historische Bausubstanz verloren ging. Seit den 1990er Jahren prägten unter anderem das Forum Allgäu, das Wasserkraftwerk Keselstraße, die Sanierung der König-Ludwig-Brücke und mehrere Bürgerentscheide die Stadtentwicklung.

Bevölkerung, Religion und kommunale Politik

Kemptens Einwohnerzahl wuchs besonders nach dem Eisenbahnanschluss und der Industrialisierung, nach 1945 durch den Zuzug von Vertriebenen und 1972 durch die Eingemeindung von Sankt Mang und St. Lorenz. 2011 gab es 496 Geburten, 690 Sterbefälle, 4225 Zuzüge und 3824 Wegzüge; die Einwohnerzahl wuchs dadurch um 207 Personen. Am 31. Dezember 2011 lebten 64.300 Menschen in Kempten, darunter 7310 Ausländer. Der Zensus 2011 korrigierte die bisherige Einwohnerzahl um 2060 beziehungsweise 3,3 Prozent nach oben. 2017 wurde die Marke von 70.000 Einwohnern erreicht. Zwischen 1988 und 2018 stieg die Einwohnerzahl von 60.052 auf 68.907; für 2023 nennt die Tabelle 65.933 Einwohner.

Die konfessionelle Teilung entstand mit der Reformation und prägte Kempten bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Laut Zensus 2011 waren 48,7 Prozent römisch-katholisch, 17,9 Prozent evangelisch und 33,4 Prozent konfessionslos, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder ohne Angabe. Ende 2024 werden 33,4 Prozent Katholiken, 13,3 Prozent Protestanten und 53,4 Prozent Angehörige keiner oder einer anderen Glaubensgemeinschaft genannt; dabei nennt der Artikel 72.288 Einwohner. Heute gibt es neben katholischen und evangelischen Gemeinden unter anderem zwei neuapostolische Gemeinden, eine alt-katholische Gemeinde, Zeugen Jehovas und muslimische Gebetsstätten. Eine eigenständige jüdische Gemeinde besteht nicht mehr; erhalten ist ein jüdischer Friedhof.

Der Stadtrat hat 44 Sitze. Bei der Kommunalwahl 2026 erhielten CSU und Freie Wähler jeweils zehn Sitze, die Grünen acht, die AfD sechs, die SPD drei, Die Linke zwei sowie Volt, FDP, UB/ödp, Junge Union und FutureforKempten jeweils einen Sitz. Die Wahlbeteiligung betrug 53,1 Prozent. Seit dem 1. Mai 2026 ist Christian Schoch (FW) Oberbürgermeister. Er gewann die Stichwahl am 22. März 2026 mit 55 Prozent gegen den bisherigen Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der das Amt vom 1. Mai 2014 bis zum 30. April 2026 innehatte.

Kempten unterhält fünf Städtepartnerschaften: Bad Dürkheim seit 2001, Quiberon seit 1971, Sligo seit 1990, Sopron seit 1987 und Trient seit 1987. Zur Umweltpolitik gehören der Ausbau der Fernwärme, die Modernisierung der Straßenbeleuchtung mit einer Stromersparnis von 35 Prozent zwischen 2002 und 2008 sowie die Auszeichnung als eine von 19 Kommunen im Rahmen des BMU-Programms „Masterplan 100 % Klimaschutz“ im Jahr 2012. Seit 2006 erhebt die Stadt eine Zweitwohnsitzsteuer von 10 Prozent der Jahreskaltmiete. Die Haushaltsschulden sanken von über 41 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 9,6 Millionen Euro im Jahr 2014; Ziel war die Schuldenfreiheit 2020.

Kultur, Bauwerke und Freizeit

Das Stadtbild wird durch das Nebeneinander der früheren Reichsstadt und der barock geprägten Stiftsstadt bestimmt. In Kempten finden sich Baustile von Romanik und Gotik bis zu Renaissance, Barock und moderner Architektur. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind die Burghalde mit Burgenmuseum und Freilichtbühne, das historische Rathaus, die Fürstäbtliche Residenz mit Hofgarten und Orangerie, die St.-Lorenz-Basilika, die evangelische St.-Mang-Kirche, die Erasmuskapelle und die römischen Anlagen von Cambodunum. Technische Baudenkmäler sind die König-Ludwig-Brücke und die Oberen Illerbrücken. Das denkmalgeschützte Stadtensemble umfasst Alt- und Neustadt sowie das Villenviertel Beethovenstraße.

Die katholische St.-Lorenz-Basilika wurde ab 1652 errichtet und erhielt 1960 den Ehrentitel Basilica minor. Weitere katholische Kirchen und Kapellen sind unter anderem St. Anton, Maria-Hilf, St. Franziskus, St. Ulrich, St. Michael, St. Hedwig, Mariä Himmelfahrt in Sankt Mang und die Kapelle Mariä Heimsuchung auf dem Mariaberg. Evangelische Kirchen sind neben St. Mang die Christuskirche, Johanneskirche, Matthäuskirche und Markuskirche. Daneben bestehen eine neuapostolische und eine alt-katholische Kirche.

Die Museumslandschaft umfasst das 2019 eröffnete Stadtmuseum im Zumsteinhaus, das Allgäuer Burgenmuseum, die Kunsthalle in der Stiftsmälzerei und den Archäologischen Park Cambodunum. Das Allgäu-Museum wurde 2018 geschlossen; das Alpinmuseum bestand von 1991 bis 2021 im Marstall. Kulturelle Veranstaltungen finden im Stadttheater, in der bigBOX, im Kornhaus, in der Stiftsmälzerei und in den Innenhöfen der Residenz statt. Zu den regelmäßigen Ereignissen gehören die seit 1949 veranstaltete Allgäuer Festwoche mit über 180.000 Besuchern im Jahr 2014, der Kemptener Jazz Frühling, das Kammermusikfestival CLASSIX, die Musiknacht, der Wochenmarkt auf dem Hildegardplatz, die Kunstnacht, der TANZherbst, Märkte und mehrere Laufveranstaltungen.

Kempten besitzt das Colosseum Center mit sieben Sälen für mehr als 1200 Besucher; auf der Burghalde gibt es im Sommer Freiluftkino. Zur Freizeit gehören das Illerstadion, das 1977 eröffnete Eisstadion, die Kletteranlage im Engelhaldepark, das Erlebnisbad CamboMare sowie zahlreiche Parks. Der Deutsche Alpenverein, Sektion Allgäu-Kempten, war mit rund 22.700 Mitgliedern am 31. Dezember 2021 der größte Verein der Stadt. Weitere bedeutende Sportvereine sind der FC Kempten, TSV Kottern-St. Mang, die Allgäu Comets und TV Kempten. 2022 wurde Kempten als Host Town für Special Olympics Island im Rahmen der World Summer Games 2023 ausgewählt.

Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur

Kempten ist das Oberzentrum der Region Allgäu und wirtschaftlich besonders durch exportorientierte mittelständische Unternehmen geprägt. Schwerindustrie und bedeutende Rohstoffvorkommen fehlen; wichtig sind unter anderem Textilwirtschaft, Holzindustrie, Milchwirtschaft, Maschinenbau, Logistik und Dienstleistungen. 2016 betrug das Bruttoinlandsprodukt innerhalb der Stadtgrenzen 3,59 Milliarden Euro, das BIP pro Kopf 53.401 Euro. In der Stadt arbeiteten etwa 53.200 Erwerbstätige. Zu den ansässigen Unternehmen gehören unter anderem Dachser, Abt Sportsline, Feneberg, Codesys, Edelweiss, Liebherr-Verzahntechnik, Kemptener Maschinenfabrik, Allgäuer Überlandwerk, Ott Hydromet, 3M Technical Ceramics und der Allgäuer Zeitungsverlag. Die frühere Textilindustrie verlor seit den 1990er Jahren durch Konkurrenz aus Fernost an Bedeutung.

Kempten ist eine Schulstadt mit insgesamt 48 Bildungseinrichtungen. Dazu gehören neun Grund- beziehungsweise Volksschulen, vier Mittelschulen, vier Real- und Wirtschaftsschulen, drei Gymnasien, fünf Förderschulen, 13 Berufs- und Berufsfachschulen, vier Fachschulen, drei Fachakademien, eine Fach- und Berufsoberschule sowie private Ersatzschulen. Die Hochschule Kempten wurde 1977 gegründet; im Wintersemester 2015/16 studierten dort 5976 Menschen. Stadtbibliothek, Stadtteilbibliothek und öffentlich zugängliche Hochschulbibliothek ergänzen das Bildungsangebot. Das Stadtarchiv bewahrt unter anderem Urkunden, Chroniken, Meldebücher und Nachlässe.

Kempten ist Sitz wichtiger Justiz-, Finanz- und Verwaltungsbehörden. Das Klinikum Kempten hat 490 Betten; seit 2015 besteht dort ein Bezirkskrankenhaus als psychiatrische Fachklinik. 2011 gab es 747 Plätze in sieben Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie 31 Kindergärten mit 2069 betreuten Kindern. Die Freiwillige Feuerwehr besteht seit 1855. Der Bundeswehrstandort wurde mit der Schließung der Artillerie-Kaserne 2016 beendet.

Im Straßenverkehr ist Kempten an die A 7, A 980, B 12 und B 19 angebunden. Der seit den 1970er Jahren bestehende Mittlere Ring ist durchgehend vierspurig; 2015 wurde die Nordspange als Ost-West-Verbindung eröffnet. Im Schienenverkehr liegt Kempten an der nichtelektrifizierten Allgäubahn Buchloe–Lindau. Weitere Strecken führen nach Neu-Ulm und über Pfronten nach Reutte und Garmisch-Partenkirchen. Der alte Kopfbahnhof wurde 1969 durch den Hauptbahnhof ersetzt. Bis heute sind die Strecken nicht elektrifiziert; im Fernverkehr besteht nur eine Verbindung durch das ICE-Zugpaar „Allgäu“ von Dortmund nach Oberstdorf und zurück. Der Busverkehr wird seit 2014 unter der Marke Mona Allgäu betrieben; im April 2026 gab es 74 Linien. Der Flugplatz Kempten-Durach liegt auf 710 m und ist für Flugzeuge bis 5,7 Tonnen zugelassen.

Die Stromversorgung nutzt Wasserkraftwerke an der Iller sowie Energie aus Müllheizkraftwerken und Fernwärme. 20 Prozent des Trinkwassers stammen aus dem Stadtgebiet, der übrige Anteil aus dem Zweckverband Fernwasserversorgung Oberes Allgäu. Das Leitungsnetz ist 260 km lang, der Jahresverbrauch beträgt 4,7 Millionen m³. Die Abwasserentsorgung umfasst 136 km Kanalnetz; der Anschlussgrad lag 2016 bei 98,1 Prozent. Das Gruppenklärwerk reinigt täglich etwa 35.000 m³ Abwasser bei Trockenwetter und deckt durch Klärgas 90 Prozent seines Energiebedarfs.

Erinnerungskultur und ungeklärte Tötungsdelikte

Der Artikel nennt mehrere ungeklärte Tötungsdelikte aus der Nachkriegszeit und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der siebenjährige Joachim Barth wurde am 12. November 1957 auf dem Gelände der ehemaligen Artillerie-Kaserne tot aufgefunden. Er war mit einem Stein erschlagen worden; die mutmaßliche Tatwaffe wurde nie gefunden. Wegen fehlender verwertbarer Spuren gilt der Fall weiterhin als ungeklärt.

Die 13-jährige Sonja Hurler verschwand in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 1981 auf dem Weg zu ihrer Großmutter in Heiligkreuz. Ihre Leiche wurde Monate später bei einem Stadel entdeckt. 2022 konnte mögliche Täter-DNA an Asservaten gesichert werden. Ein Massenspeicheltest mit rund 300 Männern aus dem damaligen Umfeld ergab im Herbst 2023 keine Übereinstimmung; die Ermittlungen dauern an.

Am 17. November 1990 wurde in der Füssener Straße ein Mehrfamilienhaus angezündet, in dem sechs türkische Familien lebten. Der fünfjährige Ercan D. starb an einer schweren Rauchgasvergiftung; mehrere Bewohner wurden bei Sprüngen aus den oberen Stockwerken verletzt. Der Tatvorwurf wurde erst rund 30 Jahre später von Brandstiftung auf Mord geändert. Nach einer Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ wurde der Fall erneut untersucht; er ist weiterhin ungeklärt.

Am 17. Februar 1996 wurde der 30-jährige Spielhallenaufseher Harald S. in der Spielothek „Joker“ erstochen aufgefunden. Die Obduktion ergab 16 Messerstiche, einer davon traf das Herz. Eine Geldkassette mit etwa 120 DM fehlte; Teile davon wurden später bei Betzigau und Durach gefunden. Die Tatwaffe wurde nie entdeckt. 2018 nahm die Kriminalpolizei die Ermittlungen wegen einer möglicherweise erfolgversprechenden Spur wieder auf, doch auch dieser Fall bleibt ungelöst.

Eine weitere Besonderheit ist Kempton Park in Südafrika. Der Kempter Kaufmann Karl Friedrich Wolff gründete die Stadt 1903 östlich von Johannesburg und benannte sie in Anlehnung an seine Geburtsstadt. Als Erinnerung an historische Personen und Ereignisse nennt der Artikel unter anderem Ehrenbürgerschaften und Denkmäler; der bekannteste Ehrenbürger ist Otto von Bismarck, als letzter wurde 2011 der frühere Oberbürgermeister Josef Höß geehrt.

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