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Deutsche Bank

Geschichte · Gründung 1870 und erste Anfänge · Zunehmende Industrieprojekte ab 1880 · Filialnetz und Fusionen bis 1929 · Weltwirtschaftskrise und Zeit des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Organisation und Arbeitsweise
  3. 3. Von der Gründung bis zur Neugründung
  4. 4. Internationalisierung und Industrieverflechtungen
  5. 5. Umbau, Finanzkrise und jüngere Entwicklung
  6. 6. Kritik, Kontroversen und Verantwortung

Profil und Bedeutung

Die Deutsche Bank Aktiengesellschaft ist ein deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Frankfurt am Main und nach Bilanzsumme das größte Kreditinstitut Deutschlands. Sie wurde am 10. März 1870 in Berlin gegründet und ist heute eine Universalbank, also eine Bank, die verschiedene Bankgeschäfte wie Einlagen, Kredite, Wertpapierhandel, Vermögensverwaltung und Zahlungsverkehr anbietet. Besonders wichtig ist das Investmentbanking, etwa die Ausgabe und der Handel von Aktien, Anleihen und Zertifikaten.

2025 betrug die Bilanzsumme 1435 Mrd. Euro. Die Bank hatte 692 Mrd. Euro Einlagen, 479 Mrd. Euro Kundenkredite, 89.879 Beschäftigte als Vollzeitäquivalente und 1179 Geschäftsstellen. Niederlassungen bestehen unter anderem in London, New York City, Singapur, Hongkong und Sydney. Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing, Aufsichtsratsvorsitzender Alexander Wynaendts. Die Angaben zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden unterscheiden sich im Artikel: In den Geschäftsdaten wird Fabrizio Campelli, im Organisationsstand Mai 2026 James von Moltke genannt.

Die Bank ist in Investmentbanking, Unternehmensbank, Privatkundenbank und Vermögensverwaltung gegliedert. Global Markets betreut internationale Großunternehmen, Regierungen und institutionelle Anleger im Wertpapier-, Devisen-, Rohstoff- und Derivategeschäft. Corporate Finance berät unter anderem bei Unternehmensübernahmen, Börsengängen und Großprojekten. Global Transaction Banking wickelt Außenhandel, Zahlungsverkehr, Liquiditätsmanagement und Wertpapierverwahrung ab; das verwaltete Depotvermögen betrug rund 4,0 Billionen Euro. Im Privatkundengeschäft werden sowohl breite Kundenkreise als auch kleine und mittlere Unternehmen betreut. Sehr vermögende Kunden erhalten im Private Wealth Management individuelle Anlageberatung.

Über die Tochtergesellschaft DWS ist die Deutsche Bank im Fondsgeschäft tätig. Das verwaltete Vermögen der DWS-Gruppe erreichte 2025 1,085 Billionen Euro. 2017 hatte DWS Investments in Deutschland einen Marktanteil von etwa 26 Prozent bei Publikumsfonds. Einschließlich der Postbank lag der Marktanteil der Deutschen Bank im deutschen Privatkundengeschäft 2010 bei rund 15 Prozent. Seit der Verschmelzung mit der Postbank gilt sie als Hausbank der Deutschen Post AG.

Das Financial Stability Board stuft die Deutsche Bank als systemisch bedeutsames Finanzinstitut ein. Seit 2011 steht sie auf der Liste global systemrelevanter Banken. Deshalb gelten für sie besondere Überwachungs- und Eigenkapitalanforderungen; nach den Standards von Basel III muss sie einen Eigenkapitalzuschlag von 1,0 Prozentpunkten vorhalten.

Organisation und Arbeitsweise

Die Aufbauorganisation des Konzerns folgt einer doppelten Matrix: Das operative Geschäft ist nach Sparten und Geschäftsbereichen gegliedert, gleichzeitig besteht eine zentrale Verantwortung für die Regionen. Die Leiter dieser Bereiche bilden gemeinsam das Group Executive Committee. Zentrale Querschnittsfunktionen sind unter anderem Finanzen, Risikomanagement, Technologie, Compliance und Personal.

Zu den wichtigsten Organisationseinheiten gehören die Investmentbank mit Emission, Sales und Trading, die Unternehmensbank mit Firmenkundengeschäft und Global Transaction Banking, die Privatkundenbank einschließlich Postbank sowie die Vermögensverwaltung über die DWS Group. Die Verwaltung eigener Beteiligungen wird als Corporate Investment geführt.

Bereichsübergreifende Steuerungs-, Abwicklungs- und Verwaltungsaufgaben werden in Infrastrukturbereichen zusammengefasst. Dort arbeiten mehr als 20.000 Menschen. Finance beschäftigt über 5000 Mitarbeiter an 50 Standorten, das Kreditrisikomanagement etwa 3000. Group Technology & Operations ist mit über 15.000 Beschäftigten die größte Organisationseinheit und stellt Software, Rechenzentren, Netzwerke und laufende Transaktionsprozesse bereit.

Seit den 1990er-Jahren lagert die Deutsche Bank standardisierte Aufgaben zunehmend aus. Outsourcing bedeutet die Übertragung von Leistungen an externe Unternehmen; Offshoring bezeichnet zusätzlich die Verlagerung ins Ausland. 2002 wurden die europäischen Rechenzentren mit 750 Mitarbeitern für 2,5 Mrd. Euro an IBM übertragen. Die Bank erwartete dadurch jährliche Einsparungen von 100 Mio. Euro. Weitere Beispiele sind die Übertragung der Sinius an Siemens 2003, der Einkaufsfunktion an Accenture 2004 sowie die Nutzung von Dienstleistern in Irland, den USA, Indien, Australien und Russland. Als Kernkompetenzen betrachtet die Bank vor allem Kundenprozesse, Vertrieb, Produktentwicklung und Risikomanagement.

Von der Gründung bis zur Neugründung

Die Deutsche Bank entstand aus dem Ziel, den deutschen Außenhandel unabhängiger von britischen Banken zu machen. Das Gründungsstatut bestimmte als Geschäftszweck den Betrieb von Bankgeschäften aller Art, besonders die Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen Deutschlands mit Europa und überseeischen Märkten. Das Aktienkapital betrug fünf Millionen Taler; zwei Millionen Taler wurden öffentlich angeboten und bis Ende März fast 150-mal überzeichnet. Am 9. April 1870 begann der Geschäftsbetrieb in Berlin.

Frühe Niederlassungen entstanden in Bremen, Hamburg und London. Filialen in Shanghai und Yokohama mussten 1875 wegen Verlusten durch die Entwertung von Silberwährungen geschlossen werden. Nach der Gründerkrise von 1873 wuchs die Bank durch Übernahmen, darunter 1876 der Berliner Bankverein und die Deutsche Union-Bank. 1886 wurde die Deutsche Übersee-Bank gegründet, 1889 beteiligte sich die Deutsche Bank an der Deutsch-Asiatischen Bank. Dadurch baute sie ein internationales Netz über Tochterinstitute auf.

Ab den 1880er-Jahren verstärkte die Bank ihre Verbindungen zur Industrie. Sie finanzierte unter anderem Krupp, Bayer, BASF, AEG, Siemens & Halske und Mannesmann. Weitere bedeutende Projekte waren der internationale Eisenbahnbau, die Finanzierung der Bagdadbahn ab 1888 und Beteiligungen an Unternehmen in Südamerika und Asien. Bis zum Ersten Weltkrieg entstand ein umfangreiches Filial- und Beteiligungsnetz.

1914 begann die Deutsche Bank, stärker mit eigenen Filialen in den Regionen aufzutreten. Durch Fusionen entstanden 38 neue Niederlassungen; 1923 verfügte die Bank über 146 Niederlassungen. 1929 fusionierte sie mit der Disconto-Gesellschaft zur Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft. Das neue Institut hatte 289 Niederlassungen und eine Bilanzsumme von 5,5 Mrd. RM. Es wurde zur führenden Bank in Deutschland.

Die Weltwirtschaftskrise führte zu hohen Abschreibungen: 1930 und 1931 zusammen 400 Mio. RM. Während der NS-Zeit wurde die Bank durch die Entfernung jüdischer Vorstandsmitglieder, die Beteiligung an der Arisierung von mehr als 363 Unternehmen und Geschäfte in den besetzten Gebieten belastet. Nach dem Zweiten Weltkrieg empfahl die US-Militärregierung wegen dieser Verflechtungen die Zerschlagung. Ab 1948 arbeitete die Deutsche Bank in den Westzonen mit zehn Regionalbanken. 1952 entstanden daraus drei Nachfolgeinstitute; am 2. Mai 1957 wurde die neue Deutsche Bank AG mit Sitz in Frankfurt am Main gegründet.

Internationalisierung und Industrieverflechtungen

Die internationale Entwicklung verlief nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Phasen. In den 1960er- und frühen 1970er-Jahren arbeitete die Bank vor allem mit Korrespondenzbanken und Repräsentanzen. Ab Mitte der 1970er-Jahre baute sie eigene Filialen und Tochtergesellschaften auf. Seit Mitte der 1980er-Jahre gewann sie durch internationale Übernahmen nennenswerte Marktanteile.

Zunächst war die Deutsche Bank im europäischen Bankennetz EBIC und in gemeinsamen Instituten mit Partnerbanken engagiert. Eigene Auslandsaktivitäten entstanden unter anderem in London, New York, Tokio, Buenos Aires, São Paulo, Singapur, Toronto und Australien. Bis 1988 wurden die EBIC-Beziehungen weitgehend aufgelöst; die Deutsche Bank integrierte mehrere Aktivitäten in die eigene Organisation. 1986 übernahm sie die Banca d’America e d’Italia in Mailand, 1989 die britische Investmentbank Morgan Grenfell. 1998 folgte die Übernahme der US-Investmentbank Bankers Trust für 16,5 Mrd. DM. Dadurch erhielt die Deutsche Bank in den USA ein wesentliches Standbein im Investmentbanking mit mehr als 12.000 Mitarbeitern.

Die Bank war zugleich über Kredite, Aktienemissionen und Aufsichtsratsmandate eng mit der deutschen Industrie verbunden. Ihre Beteiligungen an Unternehmen wie Daimler-Benz, Allianz, Linde, Metallgesellschaft oder Philipp Holzmann trugen zur sogenannten Bankenmacht bei. Diese beruhte vor allem auf Industriebeteiligungen, Mandaten in Aufsichts- und Beiräten sowie dem Depotstimmrecht. Seit den 1970er-Jahren und verstärkt ab Mitte der 1990er-Jahre wurden viele Beteiligungen verkauft. 2009 veräußerte die Bank mit den verbliebenen Anteilen an Daimler-Benz und Linde die letzten Beteiligungen aus einer wichtigen historischen Liste.

Umbau, Finanzkrise und jüngere Entwicklung

Seit 2000 prägten gescheiterte Fusionen, Übernahmen und grundlegende Umbauten die Deutsche Bank. Eine Fusion mit der Dresdner Bank scheiterte im April 2000. 2001 begann der Handel der Aktie an der New York Stock Exchange. 2008 wurde die Übernahme der Postbank angekündigt; 2010 hielt die Deutsche Bank die Mehrheit und konnte die Postbank konsolidieren. 2009 übernahm sie Sal. Oppenheim für eine Milliarde Euro. 2010 zahlte sie im Zusammenhang mit Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA 550 Mio. Dollar.

In der Finanzkrise ab 2007 verkaufte die Deutsche Bank einen Teil gefährdeter Subprime-Anleihen an die IKB Deutsche Industriebank. Aus staatlichen Hilfen für AIG konnten 2009 11,8 Mrd. Dollar an Verbindlichkeiten gegenüber der Deutschen Bank beglichen werden; durch die Rettung der Hypo Real Estate waren nach einer Einschätzung von 2008 weitere 1,8 Mrd. Verbindlichkeiten abgesichert. Ein US-Senatsausschuss bezeichnete die Deutsche Bank 2011 neben Ratingagenturen und Goldman Sachs als führend verantwortlich für die Krise. Das Verfahren gegen MortgageIT wegen betrügerisch erlangter staatlicher Garantien endete 2012 mit einer Zahlung von 202 Mio. Dollar. 2017 schloss die Bank mit dem US-Justizministerium einen Vergleich über 7,2 Mrd. Dollar, davon 3,1 Mrd. Dollar Bußgeld und 4,1 Mrd. Dollar Entschädigungen.

2019 beschloss die Bank einen umfassenden Umbau mit einer Bad Bank, dem Abbau von 18.000 Vollzeitstellen und der Einstellung des weltweiten Aktienhandels. Ab 2020 waren weitere Umstrukturierungen und rund 18.000 zusätzliche Stellenstreichungen geplant. 2022 begann die Bank nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, ihr Russlandgeschäft herunterzufahren. 2023 setzte die BaFin wegen Problemen im Kundenservice von Postbank und DSL Bank einen Sonderbeauftragten ein. 2025 kündigte die Deutsche Bank den Abbau von fast 2000 Stellen an, nachdem im Vorjahr 125 Filialen geschlossen worden waren; zugleich erzielte sie einen Rekordgewinn vor Steuern von 9,7 Mrd. Euro.

Kritik, Kontroversen und Verantwortung

Die Deutsche Bank steht wegen ihrer Größe, ihrer politischen und industriellen Beziehungen sowie ihrer internationalen Geschäfte häufig in der Kritik. Von 2000 bis 2009 spendete sie mehr als 4,4 Mio. Euro an Bundestagsparteien, vor allem an CDU und FDP. Seit 2010 sind Parteispenden aufgrund einer internen Richtlinie untersagt. Öffentliche Kontroversen betrafen unter anderem Hilmar Koppers Bezeichnung offener Handwerkerrechnungen als Peanuts, ein Interview von Rolf-E. Breuer über Leo Kirch, Josef Ackermanns Auftreten im Mannesmann-Prozess und sein Renditeziel von 25 Prozent.

Besonders schwerwiegend waren Vorwürfe wegen Regelverstößen im Finanz- und Hypothekengeschäft. Bei CDOs, also strukturierten Schuldverschreibungen, verlangte die Federal Home Loan Bank of San Francisco Schadensersatz für Käufe von 33 Paketen im Wert von 5,4 Mrd. Dollar. Bei CDS, sogenannten Ausfallversicherungen, soll die Bank vor dem Immobiliencrash Risiken in Milliardenhöhe übernommen haben. Kommunen wie Hagen, Pforzheim, Würzburg, Neuss und Mailand verloren durch riskante Swap-Geschäfte Millionenbeträge. Die Bank wurde außerdem wegen problematischer Zwangsvollstreckungen in den USA kritisiert.

2012 wurde die Manipulation der Referenzzinssätze LIBOR und EURIBOR bekannt. Die EU-Kommission verhängte 2013 gegen mehrere Banken Bußgelder von insgesamt 1,7 Mrd. Euro; 725 Mio. Euro entfielen auf die Deutsche Bank. 2015 verhängten US-amerikanische und britische Behörden zusätzlich eine Strafzahlung von 2,5 Mrd. Dollar. Weitere Verfahren betrafen Offshore-Konstruktionen, Luxemburg-Leaks, russische und aserbaidschanische Geldwäsche, Cum-Ex-Geschäfte sowie den Vorwurf, bei Geschäftsbeziehungen in China, Saudi-Arabien und Abu Dhabi Korruptions- und Geldwäschekontrollen verletzt zu haben. 2020 zahlte die Bank wegen Geschäftsbeziehungen zu Jeffrey Epstein 150 Mio. Dollar.

Umweltorganisationen kritisieren Investitionen in Kohle und fossile Energien. Zwischen 2016 und 2019 finanzierte die Deutsche Bank fossile Energieträger mit rund 69 Mrd. Dollar. Außerdem wurde ihr Beteiligung an Nahrungsmittelspekulationen und Landnahme vorgeworfen.

Die Bank bekennt sich zum UN Global Compact, zu Nachhaltigkeit, Mikrofinanzierung und gesellschaftlichem Engagement. Kritiker halten solche Selbstverpflichtungen teilweise für bloße Erklärungen. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören die Deutsche Bank Collection, die Förderung der Berliner Philharmoniker, der Deutschen Sporthilfe und verschiedener Stiftungen. Die Deutsche Bank Stiftung verfügte über ein Stiftungskapital von 135,5 Mio. Euro. Das bekannte Logo mit dem Schrägstrich im Quadrat wurde 1974 eingeführt; der Schrägstrich soll Wachstum, der Rahmen Sicherheit und ein kontrolliertes Umfeld symbolisieren.

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