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Pyramide (Bauwerk)
Pyramiden wurden vorwiegend als Gebäude mit religiösem (Totenkult) und/oder zeremoniellem Charakter errichtet. Pyramiden von Gizeh · Pyramiden von Meroe Maya- …
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Grundform und Ursprung
Eine Pyramide ist eine Bauform, meist mit quadratischer Grundfläche und nach oben zulaufenden Seiten. Sie ist aus verschiedenen alten Kulturen bekannt, unter anderem aus Ägypten, Lateinamerika und China. Pyramiden wurden vor allem als religiöse Gebäude, besonders im Totenkult, oder als zeremonielle Bauwerke errichtet.
Stufenpyramiden und pyramidenähnliche Bauten entstanden im Altertum zu unterschiedlichen Zeiten auf verschiedenen Kontinenten. Nach heutiger Forschung wird meist angenommen, dass diese Kulturen wegen ihrer großen geographischen Entfernung keine direkten Verbindungen hatten, sondern solche Bauformen unabhängig voneinander entwickelten. Als sehr frühes Beispiel wird eine altsteinzeitliche Pyramide in West-Java in Indonesien genannt.
Für den Ursprung der Bauform gibt es mehrere Theorien. In der Ägyptologie wurde vorgeschlagen, dass besonders die Stufenpyramide die hierarchische Sozialstruktur des Alten Ägypten abbilden sollte. Eine andere Theorie sieht die Pyramide als bautechnische Weiterentwicklung älterer Grabbauten: in Ägypten von rechteckigen Grabhügeln aus Sand über Mastabas, also flache rechteckige Grabbauten, bis zu Stufenpyramiden. Für andere Kulturen kann statt eines Grabhügels auch ein Kulthügel als Ausgangspunkt angenommen werden.
Ägyptische Pyramiden
Die bekanntesten Pyramiden sind die ägyptischen. Viele Herrscher des Alten Reiches, etwa von ca. 2680 bis 2180 v. Chr., und Teile ihres Hofstaates wurden in Pyramiden bestattet. Diese Pharaonen werden deshalb auch Pyramidenbauer genannt. Die Entwicklung begann mit Mastabas aus Lehmziegeln. Später wurden auf solche flachen Bauten weitere Stufen gesetzt. In der 3. Dynastie entstanden Stufenpyramiden; fertiggestellt wurde vor allem die Stufenpyramide des Djoser in Sakkara, während die Sechemchet-Pyramide und die Pyramide des Chaba unfertig blieben.
In der 4. Dynastie ließ Pharao Snofru innerhalb weniger Jahre drei große Pyramiden errichten: die Meidum-Pyramide, die Knickpyramide und die Rote Pyramide in Daschur. Zusammen mit den drei Pyramiden von Gizeh machen sie etwa 3/4 der Gesamtmasse aller ägyptischen Pyramiden aus, und zwar schon innerhalb der ersten 100 Jahre der etwa 2700 Jahre dauernden Pyramidenzeit. Trotz unterschiedlicher Bauweise beruhen sie auf einem gemeinsamen Grundprinzip: einer inneren Stufenpyramide aus nach innen geneigten Strebemauern und gegebenenfalls einem glatten äußeren Mantel.
In Ägypten sind ungefähr 80 Pyramiden bekannt. Die größte ist die Cheops-Pyramide bei Gizeh. Ihre Grundfläche beträgt etwa 230 × 230 Meter; nach der Fertigstellung war sie ca. 146,60 m hoch, heute noch 138,75 m. In ihrer Nähe stehen die Chephren-Pyramide und die Mykerinos-Pyramide. Die Chephren-Pyramide war ursprünglich etwa 143,5 m hoch und wirkt wegen ihres 10 m höheren felsigen Untergrunds größer. Die Mykerinos-Pyramide ist mit 65,5 m deutlich kleiner. Alle Pyramiden des Gizeh-Plateaus entstanden in der 4. Dynastie, ca. 2630–2525 v. Chr.
Nach dem Alten Reich wurden die Pyramiden kleiner, und es wurden auch andere Grabbauten gewählt. In der zweiten Zwischenzeit begannen viele Herrscher zwar Pyramiden, doch fast keine wurde vollendet. Der letzte ägyptische König, der eine Pyramide fertigstellen ließ, war Ahmose I., der um ca. 1550 v. Chr. die 18. Dynastie begründete. Seine Pyramide hatte einen Geröllkern und ist heute zerfallen. Danach wurden erst im Reich von Kusch ab ca. 750 v. Chr. wieder neue Pyramiden gebaut.
Bedeutung und Bauweise
Im Alten Ägypten dienten Pyramiden als Begräbnisstätten der Pharaonen. Bis einschließlich der 4. Dynastie waren die Innenwände undekoriert; seit der 5. Dynastie finden sich in Grabkammern sogenannte Pyramidentexte. Die Wege zu den Grabräumen führten durch lange Tunnel. Zum Schutz vor Grabräubern waren die Eingänge versteckt und sorgfältig verschlossen. Viele Pyramiden wurden nahe am Nil gebaut, damit Steinblöcke auf dem Wasserweg herangebracht und das letzte Stück auf Schlitten gezogen werden konnten.
Die Djoser-Pyramide zeigt die Entwicklung gut. Sie wurde während ihrer Bauzeit fünfmal erweitert. Aus einem massiven Steinbau in Mastabaform mit 63 Metern Seitenlänge und 8 Metern Höhe wurde schließlich eine Stufenpyramide mit einer Gesamtfläche von 125 × 110 Metern und 60 Metern Höhe. Eine Deutung sieht in ihr eine riesige Steintreppe zum Himmel, durch die der verstorbene König Unsterblichkeit in seinem „Haus der Ewigkeit“ erlangen sollte.
Die Bauweise der Pyramiden ist nicht vollständig überliefert. Viele Angaben beruhen auf Überlieferungen, Studien, Versuchen und Schätzungen. Werkzeuge bestanden aus Kupfer, Stein und Holz; Kupfergeräte, Meißel, Sägen und Äxte mussten häufig nachgehärtet werden. Für die Verkleidung wurde weißer Kalkstein verwendet, unter anderem aus Mokatan oder Tura. Für den Kernbau nutzte man groberen lokalen Nummulitenkalkstein. Hartes Tiefengestein wie Rosengranit aus Assuan wurde etwa für Sarkophagkammern, Blockierungsblöcke, Gangsysteme und Tempelteile verwendet. Ägyptischer Alabaster diente unter anderem für Tempelböden, Sarkophage und Altäre; Basalt wurde beim Tempelboden und der Hafenanlage der Cheops-Pyramide verwendet.
Holz war in Ägypten knapp. Dattelpalmen-, Akazien-, Dumpelpalmen- und Tamariskenholz eignete sich nur begrenzt für große Bauprojekte. Nadelhölzer aus dem syrisch-palästinensischen Raum wurden importiert, besonders für Schlitten, Rollen, Hebel und Hämmer. Steinblöcke wurden wahrscheinlich mit Holzschlitten oder Holzrollen, Seilen und Muskelkraft bewegt. Neuere Forschung weist darauf hin, dass zur Zeit des Pyramidenbaus der Khufu-Arm des Nils nahe genug an Gizeh vorbeifloss, um Steine zu transportieren.
Vermessung, Arbeit und Transport
Eine Pyramide stand auf einer sehr genau ausnivellierten Fläche; die vertikale Abweichung betrug nur wenige Zentimeter. Dazu wurde das Gelände planiert, mit Gräben versehen und diese mit Wasser gefüllt, um die Basisfläche auszurichten. Die Ecksteine wurden vertieft, und Fundamentsteine wurden um zwei bis drei Grad nach innen geneigt, damit das Bauwerk gegen Verschiebungen gesichert war. Die Kanten der Grundfläche wurden genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, wahrscheinlich mithilfe von Sternbeobachtungen.
Für die Kontrolle des Steigungswinkels war vermutlich das Lot wichtig, mit dem der Mittelpunkt des quadratischen Grundrisses während des Baufortschritts nach oben übertragen wurde. Weil durchgehende Lotschächte archäologisch nicht bestätigt sind und ein Quadrat auch durch zwei Diagonalen bestimmbar ist, ging es vor allem darum, Verdrehungen oder Verschiebungen der Kanten zu verhindern. Erhaltene Verkleidungssteine helfen bei der späteren Vermessung: Aus dem Neigungswinkel der Seitensteine kann die ursprüngliche Höhe einer Pyramide berechnet werden. Fehlen Verkleidung und sichere Reste, bleiben Höhe und Winkel nur Schätzungen.
Am Bau einer Pyramide arbeiteten mehrere tausend Menschen. Für die Cheops-Pyramide nennen Überlieferungen 70.000–100.000 Arbeiter, was nach heutiger Forschung logistisch unmöglich erscheint. Wahrscheinlicher ist, dass in Steinbrüchen und an der Pyramide rund 8.000 Arbeiter beschäftigt waren. Die meisten Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Arbeiter im Alten Reich keine Sklaven waren. Arbeitergräber nennen Versorgung durch den Pharao, und Knochenfunde deuten auf medizinische Behandlung. Einzelne Quellen berichten aber auch von ausländischen Frauen als Tribut und von asiatischen Gefangenen bei späteren Pyramiden.
Für die Cheops-Pyramide wird geschätzt, dass 2,3 Millionen Steine mit durchschnittlich 2,5 Tonnen Gewicht verbaut wurden. Wie die Blöcke genau nach oben gebracht wurden, ist nicht endgültig geklärt. Vermutet werden Rampen, etwa spiralförmig um die Pyramide, innenliegend, außenliegend oder kombiniert. Wichtig war besonders der Transport der bis zu 50 Tonnen schweren Steinplatten der Grabkammer. Viele Theorien zum Pyramidenbau wurden widerlegt; keine gilt als endgültig bewiesen.
Pyramiden außerhalb Ägyptens
In Nubien wurde die Pyramide ab ca. 800 v. Chr. ebenfalls als Bestattungsstätte genutzt. Besonders wichtig sind die Königsgräber von Meroë. In Mesopotamien gab es Zikkurats, also pyramidenartige Stufentempel. Das Wort bedeutet im Babylonischen etwa „hoch aufragend“, „Himmelshügel“ oder „Götterberg“. Etwa 25 solche Bauwerke sind in Babylonien nachgewiesen; die biblische Überlieferung vom Turmbau zu Babel geht möglicherweise auf einen solchen Bau zurück.
In Lateinamerika entwickelten sich Pyramiden nach bisherigem Forschungsstand teilweise aus von Menschen aufgeschütteten Erdhügeln, die darauf stehende Häuser, Paläste oder Tempel vor Überschwemmungen schützen sollten. In Mesoamerika entstanden aus Stein gebaute Tempelpyramiden vor allem als Unterbauten für Tempel auf der Spitze. Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass in einigen, aber nicht allen, auch Bestattungen vorgenommen wurden oder dass sie über Gräbern von Herrschern, Priesterkönigen, Schreibern und Geopferten errichtet wurden. Viele mesoamerikanische Tempelpyramiden wurden mehrfach überbaut.
In Südamerika sind besonders peruanische Lehmziegelpyramiden wichtig. Sie sind schlecht erhalten, liefen nach heutigem Kenntnisstand nicht spitz zu, sondern endeten in einer künstlichen Hochebene. In oder auf solchen Huacas an der peruanischen Pazifikküste wurden Gräber, etwa des Herrn von Sipán, und Keramikscherben gefunden. Genannt werden unter anderem die Sonnenpyramide der Moche, die Mondpyramide der Moche, die Pyramiden von Caral und die Lehmpyramiden von Túcume.
Weitere und moderne Beispiele
Auch in anderen Regionen wurden Pyramidenformen gebaut. In Griechenland gibt es sogenannte Pyramiden wie die Pyramide von Hellinikon, vermutlich aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., außerdem die Pyramide von Ligourio und die Pyramide von Viglaphia. Im Römischen Reich entstanden nach der Eroberung Ägyptens Grabstätten in Pyramidenform, darunter die 36,4 m hohe Cestius-Pyramide in Rom und die Pyramide de Couhard im Burgund.
In der Moderne wurden ebenfalls pyramidenförmige Bauwerke errichtet. Die Karlsruher Pyramide entstand 1823–1825 nach einem Entwurf Friedrich Weinbrenners über dem Grab des Stadtgründers Markgraf Karl Wilhelm. Im Branitzer Park des Fürsten von Pückler-Muskau gibt es mehrere Pyramiden, von denen eine als Grabstätte des Gartenkünstlers und seiner Frau dient. Weitere Beispiele sind das 1880 errichtete, 18 m hohe Ames Monument in Wyoming, die Transamerica Pyramid in San Francisco, das Luxor Hotel and Casino in Las Vegas und die Glaspyramide im Innenhof des Louvre in Paris, die in den 1980er Jahren erbaut wurde.
Die Pyramiden von Güímar auf Teneriffa bestehen aus sechs rechteckig langgestreckten, pyramidenförmigen Terrassenbauten aus mörtelfrei geschichteten Lavasteinen. Ihre Datierung in das 19. Jahrhundert ist durch archäologische Grabungen gesichert, ihre ursprüngliche Funktion aber nicht eindeutig geklärt.
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