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Knickpyramide

Sie wurde um 2650 v. ... Chr. unter Pharao Snofru, dem ersten König der 4. Dynastie, erbaut. Diese Pyramide ist das erste Bauwerk, das von Grund auf als echte …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Einordnung
  2. 2. Planung, Bauphasen und Probleme
  3. 3. Die zwei Kammersysteme
  4. 4. Pyramidenbezirk und Kultbauten
  5. 5. Bedeutung und offene Fragen

Überblick und Einordnung

Die Knickpyramide ist die südliche der beiden großen Pyramiden von Dahschur. Sie wurde um 2650 v. Chr. für Pharao Snofru, den ersten König der 4. Dynastie, errichtet und heißt altägyptisch „Erscheinung des Snofru – Südpyramide“. Mit einer ursprünglichen Höhe von 104,7 m, heute 101,1 m, einer Basis von 189,4 m und einem Volumen von 1.440.808 m³ ist sie die viertgrößte ägyptische Pyramide.

Ihr besonderes Merkmal ist der deutliche Wechsel der Seitenneigung: unten beträgt sie 54° 27′ 44″, im oberen Bereich etwa 43°. Daher unterscheidet sie sich von allen anderen ägyptischen Pyramiden. Ihre Kalksteinverkleidung ist im Gegensatz zu der vieler anderer Pyramiden großenteils erhalten. Die Pyramide war das erste Bauwerk, das von Beginn an als echte, also glattwandige Pyramide geplant und ausgeführt wurde. Nach der vorherigen Arbeit Snofrus an der Stufenpyramide von Meidum markiert sie damit den Übergang von der Stufenpyramide zur echten Pyramide.

Wahrscheinlich diente sie nicht als Grab, sondern als Kenotaph, also als Grabdenkmal ohne Bestattung, oder als Kultstätte. Für Snofru entstand mit der Roten Pyramide eine weitere echte Pyramide, die meist als seine Grabstätte gilt. Seit Juli 2019 ist die Knickpyramide erstmals seit 1965 wieder öffentlich zugänglich.

Planung, Bauphasen und Probleme

Snofru begann den Bau im 15. Regierungsjahr als zweites Grabmal nach der Fertigstellung der Meidum-Pyramide. Der Grund für die Wahl der neuen Nekropole von Dahschur ist nicht bekannt; möglicherweise stand sie mit einer Verlegung der Hauptstadt zusammen. Das Wüstenplateau besitzt einen relativ brüchigen Untergrund aus Tonschiefer. Gebaut wurde mit grob behauenen, örtlich gebrochenen Kalksteinblöcken; Lücken wurden mit Geröll, Schutt und teils Gipsmörtel gefüllt.

In der ersten Bauphase war eine 157 m breite und ungefähr 58°, möglicherweise sogar 60°, steile Pyramide vorgesehen. Ihre rechnerische Höhe hätte etwa 125 m betragen. Die Steine wurden zunächst in geneigten Schichten gesetzt, einer aus Stufenpyramiden bekannten Technik. Ob beobachtete Stabilitätsprobleme den Umbau auslösten, ist nicht abschließend geklärt; ebenso möglich ist eine geplante Erweiterung.

In der zweiten Bauphase sank die Neigung auf 54,27°. Ein 15,70 m breiter Gürtel vergrößerte die Basis auf 188 m. Bei gleichbleibender Neigung hätte das Bauwerk 129,4 m Höhe und etwa 1.524.000 m³ Volumen erreicht. Bei 49 m Bauhöhe wurde der Plan erneut geändert.

In der dritten Phase reduzierte man den Winkel auf 43° und setzte die Steine horizontal. Dies entlastete das Innere durch eine günstigere Druckverteilung und erzeugte den charakteristischen Knick. Die Endhöhe betrug etwa 105 m. Als Gründe werden Bauprobleme, Gestaltung oder Schwierigkeiten beim Rampenbau diskutiert. Bei Tangentialrampen mit bis zu 10° Neigung wurde mit zunehmender Höhe der Platz knapp; später vollendete Pyramiden wie die Rote und die Cheops-Pyramide überschritten die Neigung von 52° nicht mehr.

Der weiche Tonschiefer führte zu Absenkungen und Rissen in Mauerwerk, Gängen und Kammern. Risse wurden mit Gips kaschiert, in den Kammern fanden sich Holzbalken. Deren Funktion ist umstritten: Sie könnten Stützen gewesen sein, nach Edwards aber auch als Katafalk oder Begräbnisgerüst gedient haben. Trotz brüchiger Innenwände sind keine Verformungen des Gesamtbaus messbar. Auch wurde nach der Neigungsänderung noch rund 350.000 m³ Material verbaut; deshalb ist eine akute Gefährdung des gesamten Bauwerks nicht gesichert.

Die zwei Kammersysteme

Die Innenanlage ist einzigartig: Zwei getrennte Kammersysteme besitzen eigene Zugänge und wurden erst nachträglich durch einen Tunnel verbunden.

Der nördliche Eingang liegt 11,80 m über dem Boden. Ein 74 m langer, 25° steiler Gang von 1,05 m Höhe und 1,10 m Breite führt zu einer unterirdischen Vorkammer. Diese ist 5,40 m lang und 12,60 m hoch. Über eine steile Treppe gelangt man 6,50 m höher in die untere Hauptkammer. Sie misst 4,96 m × 6,30 m und ist durch ein Kragsteingewölbe – ein aus vorkragenden Steinlagen aufgebautes Gewölbe – 17,20 m hoch. Es gibt keinen Hinweis auf eine Bestattung. Ein als „Kamin“ bezeichneter Schacht liegt auf der Pyramidenachse und endet oben in einem kleinen Kraggewölbe.

Der zweite Eingang befindet sich auf der Westseite in 33,32 m Höhe. Von ihm führt ein 67,66 m langer absteigender Gang zur oberen Kammer. Der letzte, etwa 20 m lange waagerechte Abschnitt besitzt zwei Sperren. Anders als übliche Fallsteinsperren arbeiteten sie mit schrägen Ebenen, auf denen Sperrsteine in ihre Stellung rutschen konnten. Die äußere Sperre wurde geschlossen und ihr Stein ist noch in Position, aber durchbrochen; die innere wurde nie geschlossen und ihr Stein wird durch einen Holzbalken offen gehalten.

Die obere Kammer misst 7,97 m × 5,26 m und ist 16,50 m hoch. Sie wurde offenbar nicht vollendet, denn ihr Mauerwerk blieb roh. Ein Sarkophag fehlt; gefunden wurden eine Ausmauerung im unteren Bereich und Zedernbalken. Diese könnten einen Sockel oder Sarkophagersatz gebildet haben, aber auch dem Glätten beziehungsweise Abstützen gedient haben. Bauarbeitergrafiken mit Snofrus Namen belegen die Zuordnung der Pyramide. Der später ausgehauene Verbindungsgang ist 0,74 m breit und 0,92 m hoch. Er sollte vermutlich das obere System mit dem Schacht des unteren verbinden, verfehlte ihn aber knapp und endet im oberen Gewölbe der unteren Hauptkammer.

Pyramidenbezirk und Kultbauten

Eine Kalksteinmauer mit quadratischem Grundriss und 298,55 m Seitenlänge umschloss die Hauptpyramide und eine Nebenpyramide. Vor der Ostseite stand statt eines großen Totentempels zunächst nur eine kleine Kapelle mit zwei 9 m hohen Kalksteinmonolithen, die Snofrus Namen trugen. Sie passt zur vermuteten Funktion als Kenotaph oder Kultpyramide; der für den Totenkult nötige vollständige Tempel lag bei der Roten Pyramide. Später wurde die Kapelle mit Lehmziegelmauern zu einem kleinen Tempel erweitert. Renovierungen aus dem Mittleren Reich bezeugen den lange fortdauernden Snofru-Kult.

Die Nebenpyramide im Süden hat 53 m Basislänge, 32 m Höhe und 43° Seitenneigung. Ihre horizontalen Steinlagen sprechen für eine Errichtung in oder nach der letzten Bauphase der Hauptpyramide. Sie ist die größte Nebenpyramide eines ägyptischen Pyramidenkomplexes und die einzige mit komplexer Substruktur. Ein absteigender Gang und eine aufsteigende Galerie führen zu einer 1,6 m langen Kammer im Pyramidenkörper; die Galerie ist ein Vorbild der Großen Galerie der Cheops-Pyramide im Kleinen. Weil die Kammer für eine Bestattung zu klein ist und es keine Bestattungshinweise gibt, gilt der Bau heute als Kultpyramide. An ihrer Ostseite befand sich eine Opferstätte mit Alabasteraltar und zwei 5 m hohen Stelen.

Ein über 700 m langer, nicht nachweislich überdachter Aufweg verband den Bezirk mit dem Taltempel und mündete ungewöhnlicherweise an der Nordseite der Umfassungsmauer. Etwa auf halber Strecke lag der Tempel im Snofrutal. Sein Hof besaß sechs Statuennischen und davor zwei Reihen mit je fünf rechteckigen Pfeilern; Reliefs zeigten königliche Landgüter beim Opfern. Der Kult wurde dort noch im Mittleren Reich vollzogen. In der Umgebung fanden sich Priesterunterkünfte, Arbeiterbaracken und ein Hafenbecken. Nördlich des Taltempels weisen geomagnetisch nachgewiesene Strukturen auf dichte Bebauung hin; ausgegraben wurde unter anderem ein 30 × 35 m großes Lehmziegelgebäude aus der frühen 4. Dynastie.

Bedeutung und offene Fragen

Die Knickpyramide zeigt, dass die Bauweisen der Stufenpyramiden nicht einfach auf die neue Form der glattwandigen Pyramide übertragen werden konnten. Ihre drei Bauphasen lassen sich als Reaktion auf Schwierigkeiten deuten, zugleich aber auch als Ergebnis einer noch nicht abgeschlossenen Formfindung. Wichtige Entwicklungsschritte waren die größere und höhere Anlage gegenüber Meidum, der Bau in einheitlichen Steinlagen und in der Nebenpyramide erstmals horizontalen Lagen sowie der erstmals gelungene Bau einer geglätteten Schrägpyramide.

Ungeklärt bleibt, welche der drei Pyramiden Snofrus tatsächlich sein Grab war. Die meisten Ägyptologen nehmen wegen des vollständigen Totentempels die Rote Pyramide an. Ahmad Fachri hielt dagegen die obere Kammer der Knickpyramide für Snofrus Bestattungsort. Auch für die zwei getrennten Gang- und Kammersysteme gibt es keine zufriedenstellende Erklärung. Die Deutung als „Doppelpyramide“ für Ober- und Unterägypten ist nicht durch Funde belegt.

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