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Indonesien

Der indonesische Archipel war mindestens seit dem 7. Jahrhundert eine bedeutende Handelsregion, als das Srivijaya-Reich auf Sumatra und später das Majapahit- …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und Bedeutung
  2. 2. Lage, Natur und Umwelt
  3. 3. Bevölkerung, Religion und Bildung
  4. 4. Geschichte und Politik
  5. 5. Wirtschaft und Infrastruktur
  6. 6. Kultur und Tourismus

Staat und Bedeutung

Indonesien (indonesisch Indonesia) ist eine präsidentielle Republik in Südostasien und Ozeanien zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean. Mit mehr als 17.000 Inseln, darunter Sumatra, Java, Sulawesi sowie Teile Borneos und Neuguineas, ist es der weltweit größte Inselstaat. Die Infobox nennt eine Fläche von 1.904.569 km²; die regionale Übersicht summiert sich auf 1.911.073 km². Indonesien ist mit über 280 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land der Welt und das bevölkerungsreichste muslimisch geprägte Land. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt auf Java, der am dichtesten besiedelten Insel der Welt.

Amtssprache ist Indonesisch, die Währung die Rupiah (IDR). Jakarta ist Hauptstadt sowie Handels- und Finanzzentrum; Nusantara auf Borneo soll künftig die Hauptstadt werden. Staats- und Regierungschef ist seit 2024 Präsident Prabowo Subianto. Das Staatsmotto Bhinneka tunggal ika bedeutet „Einheit in Vielfalt“ und verweist auf die ethnische, sprachliche, kulturelle und religiöse Verschiedenheit des Landes.

Indonesien entwickelte sich von einer wichtigen Handelsregion und einer niederländischen Kolonie zu einem neu industrialisierten Staat. 2024 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt 1,4 Billionen USD, nach Kaufkraftparität 4,7 Billionen USD. Damit lag das Land weltweit auf Platz 16 nach nominalem BIP und auf Platz 8 nach Kaufkraftparität. Indonesien gilt als drittgrößte Demokratie der Welt, als Regional- und Mittelmacht und ist Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen, darunter UN, WTO, G20, MIKTA, BRICS, ASEAN, APEC und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit.

Lage, Natur und Umwelt

Indonesien umfasst 17.508 Inseln, von denen 6044 bewohnt sind. Das Staatsgebiet reicht von 5° 54’ 08” nördlicher bis 11° 08’ 20” südlicher Breite und von 95° 00’ 38” bis 141° 01’ 12” östlicher Länge. Es grenzt unter anderem an Malaysia, Singapur, die Philippinen, Papua-Neuguinea, Osttimor und Australien. Zum Land gehören die Großen und Kleinen Sundainseln, die Molukken und Westneuguinea. Wichtige Meeresräume und Verkehrswege sind die Straße von Malakka, die Javasee, die Sunda- und Lombokstraße, die Straße von Makassar, die Bandasee und die Arafurasee.

In Borneo, Sumatra, Westjava, Papua, den Molukken und Sulawesi herrscht immerfeuchtes Tropenklima. Die mittleren Temperaturen liegen bei 25 °C bis 27 °C, die Niederschläge bei 2000 mm bis 4000 mm jährlich. Auf Teilen Javas, den Kleinen Sundainseln und den Aruinseln prägt der Monsun das Klima. Der Nordostmonsun bringt eine Trockenzeit, der feuchte Südwestmonsun kann an einem Tag bis zu 50 mm Niederschlag und Überschwemmungen verursachen.

Indonesien liegt am Pazifischen Feuerring und am Alpidischen Gebirgsgürtel. Die Subduktion der östlichen Platte des Indischen Ozeans unter den Sunda-Schelf verursacht zahlreiche Vulkane und Erdbeben. Beim Seebeben vom 26. Dezember 2004 mit der Stärke 9,1 folgte nach etwa 15 Minuten ein bis zu 15 Meter hoher Tsunami; allein in Indonesien starben über 170.000 Menschen. Weitere schwere Ereignisse waren das Erdbeben bei Yogyakarta am 27. Mai 2006 mit annähernd 5800 Toten sowie Erdbeben und Tsunamis unter anderem 2006, 2008, 2009 und 2018.

Die Wallace-Linie trennt eine westlich asiatisch und eine östlich australisch geprägte Tier- und Pflanzenwelt. Indonesien gehört zu den Megadiversitätsländern und beherbergt viele endemische Arten. Im Korallendreieck leben nach WWF-Angaben rund 75 % aller bekannten Korallenarten und mehr als 3000 Fischarten. Gleichzeitig werden Regenwälder durch Holzeinschlag, Bergbau, Plantagen und Brandrodung zerstört. 1990 war noch etwa zwei Drittel des Landes bewaldet, 2010 nur noch gut die Hälfte, nämlich 94 Millionen Hektar. Entwaldung verursacht 80 % der CO₂-Emissionen Indonesiens; Waldbrände setzen besonders auf Torfböden große Kohlenstoffmengen frei. Auch Korallenbleiche, Cyanidfischerei, Dynamitfischerei und die Abraum- und Grubenwasserbelastung der Grasberg-Mine bedrohen die Umwelt.

Bevölkerung, Religion und Bildung

Die Bevölkerung stieg von 69.543.000 im Jahr 1950 auf 273.524.000 im Jahr 2020 und 277,5 Millionen im Jahr 2023. Das Wachstum verlangsamte sich; 2023 lag es bei 0,7 %. 2022 betrugen die Geburtenziffer 16,2 und die Sterbeziffer 9,6 je 1000 Einwohner. Die Geburtenzahl pro Frau lag 2022 bei 2,2. Die Lebenserwartung betrug 2022 68,3 Jahre, bei Frauen 70,4 und bei Männern 66,2 Jahren. 2023 waren 24,9 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und 7,0 % älter als 64 Jahre; der Altersmedian lag 2021 bei 29,4 Jahren.

Die Bevölkerungsdichte ist sehr ungleich verteilt. In Papua, Maluku und den Nordmolukken leben durchschnittlich höchstens 30 Menschen je km², auf Sumatra 30 bis 300 und im indonesischen Teil Borneos 10 bis 100. Auf Java leben über 1000 Menschen je km². Das seit 1969 betriebene Transmigrasi-Programm siedelte Familien von Java auf dünner besiedelte Inseln um, führte dort aber zu Konflikten und teilweise blutigen Zusammenstößen mit der einheimischen Bevölkerung.

Bei der Volkszählung von 2001 wurden fast 360 verschiedene Völker erfasst. Die größten Gruppen sind Javaner (41,7 %), Sundanesen (15,4 %), Malaien (3,4 %), Maduresen (3,3 %), Batak (3,0 %), Minangkabau (2,7 %), Betawi und Bugis (je 2,5 %). Javaner, Sundanesen und Maduresen gehören zu den Jungmalaien und stellen zusammen rund zwei Drittel der Bevölkerung. In Westneuguinea gehören die ursprünglichen Bewohner zu den Melanesiern beziehungsweise Papua; durch Zuwanderung ist ihr Anteil auf etwa die Hälfte gesunken. Die chinesische Minderheit umfasst 2,83 Millionen Menschen. Nach früherer Diskriminierung wurden die meisten entsprechenden Gesetze in den 2000er Jahren abgeschafft.

Mit ungefähr 230 Millionen Muslimen besitzt Indonesien die größte muslimische Bevölkerung der Welt. Der Islam ist jedoch nicht Staatsreligion. Nach der Staatsideologie Pancasila müssen sich Bürger zu Islam, Christentum, Buddhismus, Konfuzianismus oder Hinduismus bekennen. Rund 87 % sind Muslime, meist Sunniten; etwa 10 % sind Christen, 1,8 % Hindus und 1 % Buddhisten. Traditionelle Glaubensvorstellungen, Ahnenkult und Geisterglaube bestehen teilweise fort.

Die mittlere Schulbesuchsdauer der über 25-Jährigen stieg von 3,3 Jahren 1990 auf 7,9 Jahre 2015. Die Bildungserwartung der aktuellen Generation beträgt 12,9 Jahre; 2015 konnten 93,6 % lesen und schreiben. Probleme des Gesundheitswesens sind unter anderem Luftverschmutzung, Mütter- und Kindersterblichkeit, hohe Raucherraten, Tropenkrankheiten und Ärztemangel. 2020 kamen 6,3 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner. 2014 wurde die Nationale Gesundheitsversicherung eingeführt. Die Unter-Fünfjährigen-Sterblichkeit lag 2022 bei 21,3 je 1000 Lebendgeburten.

Geschichte und Politik

Java war vermutlich schon vor mehr als einer Million Jahren von Homo erectus besiedelt. Die heutige Bevölkerung geht ursprünglich auf austronesische Einwanderungswellen zurück. Seit dem ersten Jahrtausend n. Chr. prägten Buddhismus und Hinduismus die Inselwelt. Handelsreiche wie Srivijaya auf Sumatra, Singhasari und Majapahit auf Java kontrollierten zeitweise große Teile des Archipels. Ab dem 15. Jahrhundert verbreitete sich durch arabische Händler der Islam.

Europäische Mächte wollten den Gewürzhandel beherrschen. Nach fast 100-jähriger portugiesischer Dominanz setzten sich um 1600 die Niederländer durch. Bis 1908 dehnten sie von Java aus ihre Herrschaft auf den gesamten Archipel aus. 1942 besetzte Japan Niederländisch-Indien; nach der japanischen Kapitulation am 15. August 1945 riefen Sukarno und Mohammad Hatta am 17. August 1945 die Unabhängigkeit aus. Im Niederländisch-Indonesischen Krieg konnten die Niederlande zunächst große Gebiete zurückerobern, mussten aber unter internationalem Druck verhandeln. Am 27. Dezember 1949 wurde die Souveränität Indonesiens anerkannt; Niederländisch-Neuguinea blieb zunächst unter niederländischer Verwaltung.

1955 fanden erstmals Wahlen statt. Die Ablehnung der Bildung Malaysias führte ab 1963 zur Konfrontasi. Nach dem Putschversuch vom 30. September/1. Oktober 1965 übernahm General Suharto die Macht, verbot die PKI und ließ mutmaßliche Kommunisten verfolgen. Nach Schätzungen von Amnesty International wurden in den folgenden Monaten fast eine Million Menschen getötet. 1975 marschierten indonesische Truppen in Osttimor ein. Nach der Wirtschaftskrise 1998 trat Suharto zurück. 1999 wurde Abdurrahman Wahid erster frei gewählter Staatspräsident, ihm folgte Megawati Sukarnoputri. Seit 2004 werden die Präsidenten direkt gewählt; 2014 wurde Joko Widodo gewählt, 2024 Prabowo Subianto.

Indonesien ist eine Präsidialrepublik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber. Seine Amtszeit ist auf zwei Perioden von jeweils fünf Jahren begrenzt. Das Parlament besteht aus dem Abgeordnetenhaus DPR und dem Regionalvertretungsrat DPD; der DPD besitzt vor allem Anhörungs- und Vorschlagsrechte. Indonesien hat ein Mehrparteiensystem. Die größte Fraktion ist die PDI-P.

Die Außenpolitik folgt dem Grundsatz „bebas dan aktif“ („unabhängig und aktiv“). Indonesien spielt eine führende Rolle in ASEAN und schloss 2009 ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der EU. 2024 bewertete der Demokratieindex das Land mit 6,44 von 10 Punkten als „unvollständige Demokratie“, Freedom in the World stufte es als „teilweise frei“ ein. Menschenrechtsprobleme bestehen unter anderem durch Todesstrafe, Zensur, Einschränkungen der Pressefreiheit und die Scharia in Aceh. Das neue Strafgesetzbuch trat am 2. Januar 2026 in Kraft.

Wirtschaft und Infrastruktur

Indonesiens Marktwirtschaft wird an vielen Stellen staatlich beeinflusst; einige große Unternehmen befinden sich in Staatsbesitz. Nach der Asienkrise 1997/98, in der die Währung 75 % ihres Wertes verlor, stabilisierte sich die Wirtschaft. Das reale BIP-Wachstum lag in vielen Jahren bei 5 bis 6 %, 2020 jedoch bei −2,1 %. 2024 betrug das BIP nach Kaufkraftparität 4.670 Milliarden USD, das BIP pro Kopf 16.582 USD. Die Staatsverschuldung lag bei 40 % des BIP. 2016 betrug das Haushaltsdefizit 2,4 % des BIP.

2020 entfielen 28,6 % der BIP-Entstehung auf Bergbau und Industrie, 16,1 % auf Handel und Tourismus, 14,2 % auf Landwirtschaft, 11,1 % auf Bau sowie 9,3 % auf Transport und Kommunikation. 2016 arbeiteten 32 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 47 % im Dienstleistungssektor und 21 % in der Industrie. Die Arbeitslosenquote wurde 2017 mit 5,6 % angegeben; informelle Beschäftigung und Unterbeschäftigung sind weit verbreitet.

Wichtige Exportgüter sind Gold, Kupfer, Nickelerz, Kohle, Holzprodukte, Palmöl, Reis, Erdnüsse, Kakao, Kaffee, Textilien und andere Mineralien. 2021 exportierte Indonesien Waren im Wert von 228,2 Milliarden USD und importierte Waren im Wert von 195,7 Milliarden USD. Wichtigster Exportpartner war China mit 19,5 %, gefolgt von den USA mit 11,4 % und Japan mit 8,4 %. 2024 stammten 60 % des weltweiten Nickelangebots aus Indonesien; 2025 waren 75 % der Nickelbergwerke und Nickelschmelzen in chinesischer Hand. Die Ausweitung des Palmölanbaus auf 13 Millionen Hektar ist wirtschaftlich bedeutend, steht aber wegen Regenwaldzerstörung und Landkonflikten in der Kritik.

Hohe Transportkosten von schätzungsweise 24 % bis 27 % des BIP erschweren die Entwicklung. Das Straßennetz umfasste 2011 496.607 km, davon 283.102 km asphaltiert. Das Schienennetz ist etwa 8000 km lang; der erste Abschnitt der Hochgeschwindigkeitsstrecke Jakarta–Bandung wurde 2023 fertiggestellt. Wegen der vielen Inseln ist der Luftverkehr besonders wichtig. Die staatliche Fährreederei Pelni verbindet größere Inseln; seit 1983 besitzt sie ein Monopol im innerindonesischen Passagierverkehr. 2023 nutzten 69,2 % der Bevölkerung das Internet, wobei der Zugang zwischen Jakarta, Java und Bali sowie den Außeninseln stark unterschiedlich ist.

Kultur und Tourismus

Die Kultur Indonesiens wurde zunächst durch Buddhismus und Hinduismus geprägt und entwickelte sich später in enger Verbindung mit islamischen und lokalen Traditionen. Die Batik ist eine aufwendige Textiltechnik mit Mustern wie Blumen, Vögeln, Spiralen und fantasievollen Strukturen; heute ist sie auch ein Exportprodukt.

Reis ist in den meisten Regionen ein Grundnahrungsmittel und wird teilweise bis zu dreimal täglich gegessen. In der regional unterschiedlichen Küche spielen außerdem Maniok und weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse eine Rolle. Auf Java und Bali ist besonders der Pawukon-Kalender verbreitet.

Die Nationalhymne heißt Indonesia Raya. Das klassische indonesische Orchester wird Gamelan genannt. Wayang bezeichnet auf Javanisch dramatische Inszenierungen mit Puppen oder menschlichen Darstellern. Bekannt ist besonders das Schattenspiel Wayang kulit; daneben gibt es die Stabpuppen Wayang golek, die flachen Holzpuppen Wayang klitik und das nahezu verschwundene Bildrollendrama Wayang beber.

Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Bali wird jährlich von etwa vier Millionen Touristen besucht. 2015 kamen insgesamt 9,9 Millionen Touristen nach Indonesien und gaben 10,8 Milliarden US-Dollar aus. Das Land besitzt acht UNESCO-Welterbestätten. Zu den bedeutenden Zielen gehören Borobudur, Prambanan, Yogyakarta, der Vulkan Bromo, die Strände Javas, der Komodo-Nationalpark mit dem Komodowaran, die Tauchgebiete um Bunaken und die Lembeh-Straße sowie das Toraja-Hochland auf Sulawesi. Anschläge auf Bali 2002 und 2005 sowie Terrorwarnungen führten zu Einbußen im Tourismus.

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