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Nil
Er entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi, durchfließt dann Tansania, Uganda, den Südsudan und den Sudan, bevor er in Ägypten in das Mittelmeer mündet.
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Bedeutung und Grunddaten
Der Nil ist ein Strom im Nordosten Afrikas. Er entspringt mit seinen entferntesten Quellflüssen in den Bergen von Ruanda und Burundi, fließt durch beziehungsweise entlang Tansania, Uganda, Südsudan, Sudan und Ägypten und mündet nördlich von Kairo in das Mittelmeer. Er gilt mit ungefähr 6650 km als längster Fluss der Erde. Ob der Amazonas länger ist, bleibt jedoch umstritten, weil die Ergebnisse vom gewählten Quellfluss und Messweg abhängen. Für den Nil reichen die Angaben von 5499 km bis 7088 km, für den Amazonas von 6275 km bis 7025 km.
Das Einzugsgebiet – die gesamte Fläche, aus der Wasser in den Fluss gelangt – umfasst je nach Quelle 3,108 bis 3,255 Mio. km² und erstreckt sich über elf Länder. Den größten Flächenanteil haben Sudan mit 43,95 %, Südsudan mit 19,54 % und Äthiopien mit 11,50 %, ausgehend von insgesamt 3.176.541 km². Hinzu kommen wenige Quadratkilometer im Tschad, die über das meist trockene Wadi Howar entwässern.
Der Nil ist ein Fremdlingsfluss: Er erhält sein Wasser vor allem aus den feuchteren Tropen Ost- und Zentralafrikas und durchquert anschließend vollständig den subtropischen Trockengürtel mit der Sahara. In den Wüsten Sudans und Ägyptens bildet er eine meist 5 bis 20 km breite, lebenswichtige Flussoase. Diese machte Landwirtschaft möglich, begünstigte die Entstehung des altägyptischen Pharaonenreichs und ist bis heute für Ägypten und Sudan von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung.
Quellflüsse und Oberlauf
Der Nil besitzt zwei Hauptquellflüsse. Der Weiße Nil ist wesentlich länger und bildet die Hauptachse des Flusssystems; der kürzere Blaue Nil führt im Mittel mehr Wasser und verursacht einen großen Teil der jahreszeitlichen Hochwasser.
Der Weiße Nil entsteht aus dem burundischen Luvironza-Ruvuvu und dem ruandischen Rukarara-Nyabarongo. Beide fließen in den Kagera, den größten Zufluss des Victoriasees. Der Kagera ist insgesamt weit über 900 km lang, führt mehr als 230 m³/s und entwässert etwa 60.000 km². Vom Victoriasee bis zum Albertsee heißt der Fluss auf ungefähr 480 km Victoria-Nil; anschließend folgt der rund 210 km lange Albert-Nil. In Uganda durchfließt er unter anderem den Kyogasee und bildet Stromschnellen und Wasserfälle wie die Karuma Falls und Murchison Falls. Ab der Grenze zum Südsudan trägt er den Namen Bahr al-Dschabal.
Im fast 400 km langen Sumpfgebiet Sudd verdunstet etwa die Hälfte seines Wassers; die Wasserführung sinkt von 1048 m³/s auf 510 m³/s. Am No-See vereinigt er sich mit dem langen, aber wasserarmen Bahr al-Ghazal, der nur 2 m³/s beiträgt, und heißt danach Weißer Nil. Bei Malakal münden der Sobat mit 412 m³/s und der unvollendete Jonglei-Kanal. Nach etwa 1000 km erreicht der Weiße Nil Khartum.
Der Blaue Nil entwässert große Teile des niederschlagsreichen äthiopischen Hochlands. Seine Quellflüsse sammeln sich im Tanasee; anschließend fließt er über den Wasserfall Tis Issat und durch bis zu 1500 m tiefe Cañons. Nach 1783 km vereinigt er sich bei Khartum mit dem Weißen Nil. Im Sudan wird sein Wasser unter anderem durch den Roseires- und den Sennar-Damm für Bewässerung und Energiegewinnung genutzt. Die fertiggestellte Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre kann seine Wasserführung beeinflussen.
Der Blaue Nil führt viele Sedimente und lieferte früher einen großen Teil des fruchtbaren Nilschlamms. Während der Regenzeit im äthiopischen Hochland, von Juli bis Oktober, führt er im Mittel gut fünfmal so viel Wasser wie der Weiße Nil. In den übrigen acht Monaten führt der gleichmäßigere Weiße Nil im Mittel fast das 1,8-Fache des Blauen Nils.
Wasserführung, Mittellauf und Delta
Neben Weißem und Blauem Nil trägt der Atbara, auch Schwarzer Nil genannt, wesentlich zum Abfluss bei. Er mündet etwa 300 km unterhalb von Khartum und ist der letzte wasserführende Zufluss vor dem Mittelmeer. Während einer dreimonatigen Flutperiode liefert er viel Wasser, in der Trockenzeit versiegt er fast vollständig. Je nach Quelle stammen 55 bis 80 % des Nilwassers an der Mündung aus dem Blauen Nil; der Weiße Nil liefert dagegen relativ beständig Wasser.
Unterhalb der Atbara-Mündung beträgt die mittlere natürliche Wasserführung ungefähr 2770 m³/s. Ohne menschliche Eingriffe erreichten davon nur etwa 1250 m³/s das Gebiet bei Kairo; wegen der starken Wasserentnahme zur Bewässerung gelangen heute nur rund 140 m³/s ins Mittelmeer. Auch zwischen einzelnen Jahren schwankt die Menge stark: In Assuan wurden 1971/72 nur 50 Mrd. m³/Jahr, 1975/76 dagegen 100 Mrd. m³/Jahr gemessen. Mehrere trockene oder wasserreiche Jahre treten häufig nacheinander auf.
Von Khartum fließt der Nil S-förmig durch die Bayuda-Wüste nach Norden. Sechs natürliche Granitbarrieren bilden die nummerierten Katarakte. Sie waren historische Grenzen und sind wegen Felsen, schmaler Rinnen und starker Strömung Hindernisse für die Schifffahrt. Der erste Katarakt liegt bei Assuan, die übrigen im Sudan. Der erste wurde teilweise durch die alte Assuan-Staumauer, der vierte seit 2008 durch den Merowe-Staudamm geflutet; weitere Katarakte liegen heute teilweise in Stauseen.
Kurz vor Wadi Halfa erreicht der Fluss den Nubia-See, den sudanesischen Teil des Nassersees. Dieser entstand durch den von 1960 bis 1971 errichteten Assuan-Hochdamm. Zwischen Assuan und Kairo ist der Nil infolge zahlreicher Stauwehre und Kanäle weitgehend zu einem großen Bewässerungssystem geworden.
Unterhalb von Kairo beginnt das etwa 24.000 km² große Nildelta. Der Nil teilt sich in den rund 239 km langen westlichen Rosetta-Arm und den rund 230 km langen östlichen Damietta-Arm. Seit der Assuan-Hochdamm die Nilschwemme und ihre Sedimente zurückhält, wächst das Delta nicht mehr ins Meer, sondern wird teilweise von der Brandung abgetragen. Nur der Rosetta-Arm erreicht ständig das Meer; der Damietta-Arm ist kurz vor der Mündung abgedämmt.
Bewässerung und Wasserbau
Die traditionelle Landwirtschaft nutzte Überschwemmungsbassins. Während der Nilflut im August, September und Oktober wurde Wasser in große Becken geleitet. Nachdem der Boden durchfeuchtet war und sich Nilschlamm abgesetzt hatte, ließ man das Wasser ab, säte aus und erntete nach etwa drei Monaten, bevor die Sommerhitze den Boden austrocknete. Da der Wasserstand bis auf ein Siebtel des Hochwassermaximums zurückging und zwischen den Jahren stark schwankte, war diese Methode von der Fluthöhe abhängig.
Unter Muhammad Ali Pascha, Vizekönig von 1805 bis 1848, begann die Umstellung auf dauerhafte Kanalbewässerung. Die Delta Barrages stauten den Nil in der Niedrigwasserzeit um höchstens vier Meter. Dadurch konnten zusätzliche Flächen erschlossen, zwei Ernten erzielt und Baumwolle angebaut werden, die eine langfristige, gleichmäßige Bewässerung benötigt. Ismail Pascha ließ die Methode auf Oberägypten ausdehnen. Der 1873 fertiggestellte Ibrahimiyya-Kanal war damals 320 km lang; eine Abzweigung speist über den Bahr-Yusuf-Kanal das Fayyum-Becken.
Zur Überbrückung der Niedrigwasserzeit entstanden 1902 die alte Assuan-Staumauer sowie die Stauwehre von Asyut und Zifta. Weil das Speichervolumen bald nicht mehr ausreichte, wurde die Assuan-Staumauer 1912 und 1934 erhöht; dabei entstand auch das erste Nil-Wasserkraftwerk. Es folgten unter anderem das Esna-Stauwehr von 1906, die Naga-Hammadi-Staustufe von 1930 und der Jebel-Aulia-Damm von 1937 am Weißen Nil. Tausende Kilometer Kanäle ermöglichten eine weitgehend gleichmäßige Wasserversorgung. Der Nilschlamm verlor an Bedeutung und konnte sogar stören, wenn er Kanäle verstopfte.
Der Assuan-Hochdamm wurde von 1960 bis 1971 gebaut, um auch ein Jahr mit extrem niedrigem Wasserstand oder zwei aufeinanderfolgende Trockenperioden zu überbrücken. Dafür enden Nilflut und Sedimenttransport seitdem im Nassersee; inzwischen wird ein Teil der Flut bereits im sudanesischen Merowe-Stausee aufgefangen.
Um Verdunstungsverluste im Sudd zu vermindern, begann 1974 der Bau des Jonglei-Kanals. Er sollte Wasser am Sumpfgebiet vorbeileiten. Der Bau wurde 1984 wegen des Bürgerkriegs im Sudan unterbrochen und nicht wieder aufgenommen.
Verteilungskonflikte und Verkehr
Weil im Jahresmittel nur noch gut 5 % des Abflusses unterhalb der Atbara-Mündung das Mittelmeer erreichen, entstehen Konflikte um die Verteilung. Ägypten und Sudan gingen 1959 von durchschnittlich 84 Mrd. m³ verfügbarem Nilwasser pro Jahr aus; 10 Mrd. m³ sollten durch Verdunstung und Versickerung verloren gehen. Ägypten beanspruchte jährlich 55,5 Mrd. m³ und gestand Sudan 18,5 Mrd. m³ zu. Die meisten anderen Anrainerstaaten waren an diesem Abkommen nicht beteiligt.
Seit 1999 soll die Nile Basin Initiative partnerschaftliche Lösungen fördern. Nach der Darstellung des Artikels bleiben Ägypten und Sudan jedoch rund 88 % der Wassernutzung vorbehalten, obwohl ein großer Teil des Wassers aus Äthiopien stammt. Oberliegerstaaten schlossen deshalb 2010 das Abkommen von Entebbe, um eine stärkere Eigennutzung zu ermöglichen. Beispiele dafür sind Ugandas Bujagali-Damm am Victoria-Nil und die Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre am Blauen Nil.
Der Nil war und ist außerdem ein Verkehrsweg, wird aber durch Katarakte, niedrige Wasserstände und Stauanlagen unterbrochen. Zu den bedeutenden künstlichen Wasserwegen gehören Bahr Yusuf, Ibrahimiyya-, Ismailia- und der unvollendete Jonglei-Kanal. Im Nildelta entstanden seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche Brücken. In Kairo war die 1871 eröffnete Kobri el Gezira die erste Brücke zur Insel al-Gezira; heute verbinden mehrere bis zu zehnspurige Brücken die Ufer. Ägypten baute unterhalb von Assuan viele Straßenbrücken, sodass etwa alle 50 bis 100 km eine feste Querung besteht. Südlich des Sudan gibt es über den Blauen und den Weißen Nil dagegen jeweils nur fünf feste Querungen.
Kulturgeschichte und Tierwelt
Im Alten Ägypten schuf der Nil inmitten der Wüsten die Grundlage für Landwirtschaft und staatliche Organisation. Die jährliche Flut hinterließ fruchtbaren dunklen Schlamm, der auch als Baustoff diente. Ägypten wurde deshalb Kemet, „Das schwarze Land“, genannt. Kanäle und künstliche Seen speicherten Wasser für Siedlungen und Trockenzeiten. Weil solche Anlagen gemeinschaftlich errichtet werden mussten, organisierten sich Regionen in Gauen. Nilometer maßen den Wasserstand, der während der Flut um bis zu acht Meter schwanken konnte; danach wurden auch Steuern bemessen. Zu niedrige Fluten verursachten Hunger, zu hohe bedrohten Dämme und Häuser. Geometer mussten überschwemmte Felder neu vermessen.
Der Nil war der Haupthandelsweg: Unter anderem wurden importiertes Holz sowie Steinblöcke für Pyramiden transportiert. Wegen der Gefahr von Sandbänken fuhr man nur am Tag; bei sehr niedrigem Wasserstand zog man Schiffe streckenweise über Land. Das Segel wurde 3350 v. Chr. eingeführt.
Römer suchten nach den Nilquellen. Claudius Ptolemäus beschrieb im 2. Jahrhundert n. Chr. zwei große Seen nahe dem Äquator. Neuzeitliche Expeditionen klärten den Verlauf schrittweise: Pedro Páez erreichte 1613 die Quelle des Blauen Nils; John Hanning Speke und James Augustus Grant entdeckten 1862 die Ripon Falls am Ausfluss des Victoriasees. Oskar Baumann und Oskar Lenz fanden 1893 die Luvironza-Quelle, Richard Kandt 1898 die Rukarara-Quelle; Burkhart Waldecker bestimmte 1937 die genaue Lage der Luvironza-Quelle.
Im Nil leben mehr als 120 Fischarten, etwa ein Viertel davon endemisch, also nur in diesem Gebiet vorkommend. Eine ausschließlich dort vorkommende Gattung gibt es nicht. Große Arten sind der Afrikanische Knochenzüngler, der Großnilhecht und der Nilbarsch. Mit dem Nil verbunden sind außerdem Nilkrokodil, Nilgans, Nilwaran und Flusspferd; Letzteres kommt heute im Unterlauf nicht mehr vor.
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