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Propagandakompanie
Die Propagandakompanie (PK) oder Propagandatruppe war zur Zeit des Nationalsozialismus eine Truppengattung der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS, die der …
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Definition und Zweck
Die Propagandakompanie (PK), auch Propagandatruppe genannt, war während des Nationalsozialismus eine Truppengattung der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS. Sie gehörte zur Abteilung, später Amtsgruppe für Wehrmachtpropaganda (WPr), im Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Ihr Auftrag war, die deutsche Bevölkerung, die eigenen Soldaten und die Gegner des Nationalsozialismus propagandistisch zu beeinflussen.
Die Propagandakompanien waren der kämpfenden Truppe zugeordnet; grundsätzlich besaß jede Armee eine PK. Ab 1943 erhielten auch die Heeresgruppen sogenannte Heereskriegsberichtszüge.
Davon zu unterscheiden waren die ortsfesten Propagandaabteilungen bei den Besatzungstruppen. Sie bestanden aus Propagandastaffeln und sollten die Bevölkerung und die Eliten in besetzten Gebieten beeinflussen. Dazu steuerten sie Presse, Verlage, Rundfunk, Film- und Kulturpolitik sowie Plakat- und Flugblattaktionen. Ihre Zuständigkeit überschnitt sich mit der Auslandspropaganda des Auswärtigen Amtes, wodurch Konkurrenz zwischen den Behörden entstand.
Entstehung und Leitung
Im Winter 1938/39 unterzeichneten Wilhelm Keitel, Chef des OKW, und Propagandaminister Joseph Goebbels ein „Abkommen über die Durchführung der Propaganda im Kriege“. Danach sollte das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) geeignetes Material bereitstellen und Propagandamaterial produzieren. Die Propaganda zur Beeinflussung der feindlichen Armee sollte dagegen allein das OKW mit seinen Propagandaeinheiten durchführen. Zugleich bestätigte das Abkommen gemäß den Anweisungen des „Führers“ die führende Rolle des RMVP auch während des Krieges.
Zunächst wurden fünf Propagandakompanien gebildet. Anfangs gehörten die Propagandatruppen zu den Nachrichtentruppen. Am 14. Oktober 1942 wurden sie eine eigene Truppengattung mit der Waffenfarbe Lichtgrau. Fachlich unterstanden sie der von Hasso von Wedel geleiteten Wehrmachtpropaganda im OKW.
Aufbau und Ausbau
Die im April 1939 eingerichtete „Abteilung für Wehrmachtpropaganda“ war zunächst formal Admiral Wilhelm Canaris und der Amtsgruppe Auslandsnachrichten und Abwehr unterstellt. Ab Sommer 1939 erhielt sie ihre Weisungen direkt von Generaloberst Alfred Jodl, dem Chef des Wehrmachtführungsamtes. Unter Hasso von Wedel wurde sie zunehmend selbstständig und Ende 1942 zur „Amtsgruppe für Wehrmachtpropaganda“ aufgewertet.
Ihre Gruppen besaßen unterschiedliche Aufgaben: WPr I regelte Propagandaführung und Organisation, WPr II war für die Inlandspropaganda zuständig und WPr III übernahm nach anfänglicher Vertretung der Marineinteressen vor allem die militärische Zensur. WPr IV bildete die Schaltstelle der Auslandspropaganda der Wehrmacht. Unter Oberstleutnant Albrecht Blau bearbeitete sie ab Anfang 1940 fremdsprachige Zeitschriften, brachte Material im Auslandsrundfunk unter und lieferte Meldungen und Dementis. Im Januar 1940 kamen WPr V für das Heer und WPr VI für die Luftwaffe hinzu. WPr V versuchte unter dem Fachmann für Militärpsychologie und psychologische Kriegsführung Kurt Hesse eine eigenständige Heerespropaganda aufzubauen. Dies führte zunehmend zu Gegensätzen mit Joseph Goebbels.
Ende 1942 umfassten die Propagandatruppen etwa 15.000 Personen und waren damit ungefähr divisionsstark. Zur WPr gehörten 21 Armee-PK, acht Luftwaffen-PK, drei Marine-Propagandaabteilungen, eine unabhängige Marine-PK, acht Propagandaabteilungen in den besetzten Gebieten, ein SS-Propaganda-Bataillon und die Propaganda-Einsatz-Abteilung als Sondereinheit der psychologischen Kriegsführung. Die Kriegsberichter produzierten insgesamt etwa 80.000 Wortbeiträge und mehr als 2 Millionen Einzelfotos. Ihr Material wurde besonders für die gleichgeschaltete „Deutsche Wochenschau“ genutzt. Die PK wirkten außerdem an den vier Weihnachtsringsendungen des Großdeutschen Rundfunks mit.
Arbeitsweise und propagandistische Inhalte
Die bis 1943 maßgeblichen Durchführungsbestimmungen legten fest, dass eine PK dem jeweiligen Armeeoberkommando (AOK) unterstand. Ihre Hauptaufgabe war, in den Operationsgebieten den Propaganda- mit dem Waffenkrieg zu verbinden. Sie sammelte Kriegsberichte für das RMVP und führte Propaganda gegen den Feind durch. Der Kompaniechef unterstand dem Stellvertreter des AOK und arbeitete eng mit der militärischen Abwehr zusammen. Die PK handelte nach den Anweisungen des RMVP, jedoch innerhalb der Möglichkeiten des AOK. Der Gefechts- und Verpflegungstross leitete das Material an die Nachhut weiter; ein Zensurbeauftragter überprüfte es aus militärischer Sicht.
Nach den Rückschlägen der Wehrmacht im Winter 1941/42 verlagerte sich der Schwerpunkt von der Kriegsberichterstattung zur „Aktiv-“ oder „Kampfpropaganda“. Diese sollte gegnerische Soldaten demoralisieren und ihre Leistungsfähigkeit schwächen. Doch schon die frühere Berichterstattung war ideologisch geprägt. Fotos und Texte sollten einen angeblichen Gegensatz zwischen „rassisch überlegenen“ Deutschen und ihren Gegnern zeigen.
Anfang 1940 erhielten Reporter beispielsweise den Auftrag, Kriegsgefangene aus den französischen Kolonien so darzustellen, dass eine angebliche Degeneration der französischen Armee sichtbar werde. Im Juli 1941 sollten Filmberichter sowjetische Kriegsgefangene als klischeehafte, entmenschlichte Fratzen und als Bedrohung Europas präsentieren.
Auch Berichte aus den Judenghettos dienten der Rechtfertigung nationalsozialistischer Verfolgung. Beiträge über das Warschauer Ghetto sollten vermitteln, die jüdische Bevölkerung erleide ein „gerechtes Schicksal“. Eine am 5. Dezember 1939 in der „Berliner Illustrirten Zeitung“ veröffentlichte Bildreportage von Artur Grimm benutzte gestellte Szenen: Festgenommene Juden wurden darin fälschlich als Personen dargestellt, die in Gräbern polnischer Soldaten Waffen versteckt hätten. 1942 empfahl das Amt für Wehrmachtpropaganda einer PK in Tunesien sogar, antijüdische Pogrome und Plünderungen von Geschäften anzetteln zu lassen. Dazu kam es nicht mehr.
Selbstverständnis der Kriegsberichter
Der Bildband „Entscheidende Stunden. Mit der Kamera am Feind“ von Eric Borchert erschien 1941 und gehört zu den Standardwerken über die Kriegsfotografie im Nationalsozialismus. Borchert, zuvor Fotograf der „Berliner Illustrirten Zeitung“, war später Soldat einer Propagandakompanie und fiel im nordafrikanischen Tobruk. Der Band enthielt damals noch seltene Farbfotografien.
Seine Texte verdeutlichen das Selbstverständnis der Propagandafotografen: Borchert beschrieb sich als bloßes Werkzeug, das mit der Kamera dokumentiere, „was der Führer befohlen hatte“. Für ihn war die Kamera eine Waffe und der Reporter ein Soldat. Schreibmaschine, Foto- und Filmkamera sowie Mikrofon galten ihm als Waffen des ideologischen Kampfes. Diese Aussagen zeigen, dass die PK-Angehörigen ihre Arbeit nicht als unabhängigen Journalismus verstanden, sondern als unmittelbaren Teil der nationalsozialistischen Kriegführung.
Zu den Propagandatruppen gehörten zahlreiche Fotografen, Kameraleute, Journalisten, Schriftsteller und andere Medienfachleute. Mehrere von ihnen, darunter Lothar-Günther Buchheim, Karl Holzamer, Henri Nannen, Herbert Reinecker, Ernst Rowohlt und Peter von Zahn, wurden nach 1945 in der westdeutschen Medien- und Kulturlandschaft bekannt.