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Westfeldzug

Der Westfeldzug der deutschen · Nachdem im September 1939 die Alliierten an der Westfront keine größeren Vorstöße zur Entlastung ihres Bündnispartners Polen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Vorgeschichte, Strategien und Pläne
  3. 3. Streitkräfte und ihre Einsatzweise
  4. 4. Fall Gelb und die Einschließung im Norden
  5. 5. Fall Rot und Waffenstillstand
  6. 6. Besatzung, Verluste und Folgen

Überblick und Bedeutung

Der Westfeldzug war die deutsche Offensive im Zweiten Weltkrieg gegen Frankreich, die britischen Expeditionstruppen sowie die neutralen Beneluxstaaten. Er dauerte vom 10. Mai bis 25. Juni 1940 und endete mit einem Sieg Deutschlands und Italiens, das am 10. Juni in den Krieg eintrat. „Fall Gelb“ bezeichnete den Angriff auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich; „Fall Rot“ die anschließende Offensive gegen das übrige Frankreich.

Der Feldzug beendete den seit Herbst 1939 herrschenden „Sitzkrieg“. Sein Kern war ein überraschender deutscher Vorstoß durch die als schwer passierbar geltenden Ardennen. Panzerverbände überschritten die Maas, erreichten rasch den Ärmelkanal und schnitten die nach Belgien vorgerückten alliierten Hauptkräfte ab. Der schnelle Bewegungskrieg unterschied sich deutlich vom Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs und zwang viele Streitkräfte zur Überprüfung ihrer Strategie.

Insgesamt standen auf alliierter Seite 144 Divisionen mit 2.862.000 Soldaten, 3.384 Panzern und 4.469 Flugzeugen; auf deutscher Seite 141 Divisionen mit 3.350.000 Soldaten, 2.445 Panzern und 3.578 Flugzeugen. Die Zahlen allein erklären den Ausgang daher nicht. Entscheidend waren unter anderem Schwerpunktbildung, Führung, Funkverbindungen, Nachschub sowie die enge Zusammenarbeit deutscher Panzer-, Infanterie- und Luftwaffenverbände.

Vorgeschichte, Strategien und Pläne

Frankreich und Großbritannien erklärten Deutschland nach dem Überfall auf Polen vom 1. September 1939 den Krieg, unternahmen aber keine ernsthafte Entlastungsoffensive. Frankreich zog seine Truppen nach einer begrenzten Saar-Offensive wieder an die Maginot-Linie zurück. Die folgenden Monate waren vor allem von Aufklärung und Vorbereitung geprägt. Im April 1940 besetzte Deutschland im Unternehmen Weserübung Dänemark und Norwegen, hauptsächlich um die schwedischen Eisenerzlieferungen zu sichern.

Frankreich setzte unter dem Einfluss Philippe Pétains auf Verteidigung. Die Maginot-Linie sollte einen direkten Angriff abwehren. Bei einem deutschen Vorstoß durch Belgien sollten französische, britische, belgische und niederländische Truppen die Dyle-Breda-Stellung besetzen. Die Niederlande hofften lange auf Neutralität; Luxemburg war unbewaffnet und besaß nur ein Freiwilligenkorps von 461 Mann.

Die deutsche Taktik beruhte auf beweglichen, von Flugzeugen unterstützten Kräften: Panzer und Infanterie sollten den Durchbruch erzwingen, Panzerverbände schnell in die Tiefe vorstoßen und motorisierte Infanterie Widerstandsnester sowie Flanken sichern. Erich von Manstein und Heinz Guderian entwickelten den „Sichelschnittplan“: Die Heeresgruppe B sollte die Alliierten nach Belgien locken, während die Heeresgruppe A durch die Ardennen bei Sedan durchbrach und zum Ärmelkanal vorstieß. Der Plan war riskant, weil die langen deutschen Flanken zunächst kaum geschützt waren. Nach neueren Quellen hatte Hitler einen Ardennenangriff bereits am 25. Oktober 1939 angesprochen. Der sogenannte Mechelen-Zwischenfall vom 10. Januar 1940, bei dem deutsche Angriffsunterlagen nach einer Notlandung in belgische Hände fielen, beschleunigte die Ausarbeitung eines neuen Plans.

Streitkräfte und ihre Einsatzweise

Viele französische Panzer waren deutschen Fahrzeugen bei Bewaffnung und Panzerung überlegen. Der Char B1 bis besaß bis zu 60 mm Panzerung und eine 47-mm- sowie eine 75-mm-Kanone; der Somua S-35 bis zu 55 mm Panzerung. Schwächen waren jedoch geringe Reichweite, Einmanntürme, fehlende Funkgeräte und die Verteilung vieler Panzer auf Infanterieverbände. Französische Artillerie und Panzerabwehr waren stark, aber wegen ihrer Organisation und häufigen Pferdebespannung wenig beweglich.

Die deutschen Panzer I und II waren dagegen leicht bewaffnet und schwach gepanzert. Die deutsche Überlegenheit lag vor allem in der Zusammenfassung der Fahrzeuge zu Panzerdivisionen, der Führung aus vorgeschobenen Gefechtsständen, den Funkverbindungen und der Zusammenarbeit mit motorisierter Infanterie, Artillerie, Flak, Luftwaffe, Nachschub und Instandsetzung. So konnten deutsche Verbände Widerstand umgehen und ihre Kräfte rasch an Schwerpunkten konzentrieren.

Auch in der Luft waren die Alliierten zahlenmäßig nicht grundsätzlich unterlegen. Frankreich verfügte insgesamt über mehr als 5.000 Flugzeuge, setzte am 10. Mai jedoch nur etwa 25 Prozent seiner Ressourcen an der Westfront ein. Fernmeldewesen, Frühwarnung und Zusammenarbeit mit den Bodentruppen waren unzureichend. Die RAF hatte 456 Maschinen auf dem Kontinent, hielt aber weitere Jäger zur Verteidigung Großbritanniens zurück. Deutschland stellte für den Feldzug etwa 900 Bf 109, 220 Bf 110, 1.100 zweimotorige Kampfflugzeuge, 320 Ju 87 und 45 Hs 123 bereit. Seine Luftwaffe war besonders auf Luftüberlegenheit und unmittelbare Gefechtsfeldunterstützung ausgerichtet.

Fall Gelb und die Einschließung im Norden

Am 10. Mai 1940 um 5:35 Uhr begann Fall Gelb. Deutsche Fallschirmjäger besetzten wichtige Brücken und Flugplätze; in Belgien eroberten sie das Fort Eben-Emael und Brücken über den Albert-Kanal. Die Niederlande wurden rasch abgeschnitten. Bei einem trotz laufender Verhandlungen nicht mehr vollständig gestoppten Luftangriff auf Rotterdam warfen am 14. Mai 57 Bomber 97 Tonnen Sprengbomben ab; 814 Zivilisten starben. Die niederländischen Streitkräfte im Mutterland kapitulierten, formell unterzeichnet wurde die Kapitulation am 15. Mai.

Wie erwartet rückten die Alliierten nach Belgien zur Dyle-Breda-Stellung vor. Bei Hannut konnte das französische Korps Prioux mit mehr als 400 modernen Panzern deutsche Verbände zunächst stoppen. Durch deutsche Schwerpunktbildung und Luftunterstützung wurde die Stellung dennoch durchbrochen. Gleichzeitig durchquerte Guderians XIX. Armeekorps die Ardennen: Trotz Sprengungen und eines zeitweise 250 km langen Kolonnenstaus erreichten seine Spitzen am Abend des 12. Mai die Maas bei Sedan.

Am 13. Mai eröffneten 750 deutsche Bomber und Sturzkampfbomber den Maasübergang bei Sedan. Am 14. Mai überquerten dort 60.000 Mann und 22.000 Fahrzeuge, darunter 850 Panzer, den Fluss. Ein falscher Panzeralarm und Führungsprobleme lösten die „Panik von Bulson“ aus. Französische Gegenangriffe kamen zu spät oder blieben aus; mobile Reserven wurden durch widersprüchliche Befehle aufgesplittert. Charles de Gaulles 4. Panzerdivision erzielte bei Montcornet begrenzte Erfolge, musste sich aber zurückziehen.

Deutsche Panzer erreichten am 20. Mai die Kanalküste und schnitten die alliierten Nordarmeen ab. Am 24. Mai stoppte Gerd von Rundstedt mit Hitlers Unterstützung den Vormarsch auf Dünkirchen; die Gründe sind umstritten. Diskutiert werden die Schonung der Panzer, Sorge vor Gegenangriffen, Hermann Görings Vertrauen in die Luftwaffe und Hitlers Wunsch, seine Entscheidungsgewalt zu zeigen. Während der Pause errichteten die Alliierten einen Verteidigungsring. In der Operation Dynamo wurden bis 4. Juni etwa 338.000 Soldaten aus Dünkirchen evakuiert, darunter 193.000 Briten; zusammen mit anderen Häfen waren es rund 370.000. Belgien hatte am 28. Mai kapituliert.

Fall Rot und Waffenstillstand

Fall Rot war die zweite Großoperation. Nach Dünkirchen standen den 104 deutschen Divisionen nur noch 66 alliierte Divisionen gegenüber, von denen viele an der Maginot-Linie gebunden waren und kaum über Panzerkräfte verfügten. Die Franzosen verteidigten Somme und Aisne in der gestaffelten „Weygand-Linie“ zunächst erbittert. Nach deren Durchbruch rückten deutsche Verbände jedoch schnell vor. Paris wurde zur offenen Stadt erklärt und am 14. Juni besetzt. Guderian erreichte am 17. Juni die Schweizer Grenze; bis zum 19. Juni waren drei französische Armeen mit etwa 500.000 Soldaten zwischen Nancy und Belfort eingeschlossen.

Die deutschen Operationen „Tiger“ am 14. Juni und „Kleiner Bär“ am 15. Juni durchbrachen Abschnitte der Maginot-Linie, hatten aber nur geringen militärischen Nutzen, weil Ostfrankreich bereits abgeschnitten war. Italien griff auf Mussolinis Befehl ab 21. Juni in den Alpen an, erzielte gegen französischen Widerstand jedoch nur minimale Geländegewinne.

Paul Reynaud trat am 17. Juni zurück, nachdem er mit seiner Forderung nach Fortsetzung des Kampfes im Kabinett unterlegen war. Philippe Pétain wurde Ministerpräsident und bat um Waffenstillstand. Charles de Gaulle rief am 18. Juni aus London zum weiteren Widerstand auf. Der Waffenstillstand von Compiègne wurde am 22. Juni geschlossen und trat am 25. Juni um 1:35 Uhr in Kraft. Etwa 60 Prozent Frankreichs blieben besetzt; Elsass-Lothringen kam unter deutsche Verwaltung. Frankreich musste die Besatzungskosten tragen, seine Hauptstreitkräfte abrüsten und seine Flotte unter deutscher Aufsicht entwaffnen. Die Kriegsgefangenen sollten bis zu einem Friedensvertrag in Gefangenschaft bleiben. Der italienisch-französische Waffenstillstand wurde am 24. Juni unterzeichnet.

Besatzung, Verluste und Folgen

Nach dem Feldzug entstand in Südfrankreich das autoritär regierte Vichy-Regime unter Pétain; de Gaulle organisierte die Freien Französischen Kräfte. Großbritannien griff am 3. Juli 1940 in der Operation Catapult französische Schiffe bei Mers-el-Kébir an, weil es ihre Übernahme durch Deutschland verhindern wollte. Dabei starben 1.297 französische Seeleute. Luxemburg wurde germanisiert und völkerrechtswidrig annektiert; auch Eupen, Malmedy und Moresnet wurden dem Deutschen Reich eingegliedert. In den Niederlanden sowie in Belgien und Nordfrankreich errichtete Deutschland Besatzungsverwaltungen, führte Arbeitspflicht und Judenverfolgung ein und betrieb nationalsozialistische Germanisierungs- beziehungsweise Volkstumspolitik. Die Regierungen der Niederlande und Belgiens setzten den Kampf aus London fort.

Die Wehrmacht verlor 714 Panzer, darunter 428 Panzer I und II, sowie 1.236 Flugzeuge; weitere 323 Flugzeuge wurden beschädigt. Großbritannien verlor 1.020 Flugzeuge, Frankreich 800. Knapp 60.000 französische Soldaten fielen. Von 1,6 Millionen französischen Kriegsgefangenen blieb etwa eine Million bis Kriegsende in deutscher Gefangenschaft; ungefähr 40.000 starben dort. Für die deutschen Toten nennen die Angaben unterschiedliche Zahlen: ursprünglich 27.074 bis 49.000; 1944 wurden insgesamt rund 49.000 Tote festgestellt.

Während des Feldzuges verübten deutsche Truppen zahlreiche Kriegsverbrechen. In Vinkt starben über 130 Zivilisten, in Oignies und Courrières 114. Beim Massaker von Wormhout wurden zwischen 80 und 97 britische und französische Soldaten, in Le Paradis 99 britische Gefangene ermordet. Schätzungsweise 1.500 bis 3.000 Angehörige französischer Kolonialtruppen wurden getötet. Der unprovozierte Angriff auf die neutralen Niederlande, Belgien und Luxemburg wurde im Nürnberger Prozess als Verbrechen gegen den Frieden verurteilt.

Strategisch verbesserte Deutschland seine Ausgangslage für den Luft- und Seekrieg gegen Großbritannien und erhielt französische Industrie- und Rohstoffressourcen. Der Sieg stärkte Hitlers Ansehen und verringerte den Widerstand der deutschen Generalität gegen einen Angriff auf die Sowjetunion. Großbritannien blieb im Westen zunächst allein, wurde aber zunehmend von den USA unterstützt. Der Feldzug zeigte vor allem die Wirkung konzentrierter, beweglicher Verbände mit zuverlässiger Kommunikation und enger Luftunterstützung; die deutsche Panzertaktik wurde international zum Vorbild.

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