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Albert Ammer

Beim Volks-Aufstand vom 17. Juni 1953 filmte Ammer die Ereignisse in Halle (Saale). Die historisch einmaligen Filmaufnahmen entstanden mit Unterstützung …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ausbildung
  2. 2. Kriegszeit, Wochenschau und frühe Fotografie
  3. 3. Arbeit für DEFA und Der Augenzeuge
  4. 4. Filmaufnahmen am 17. Juni 1953 und Verfolgung
  5. 5. Spätere Arbeit, fotografisches Werk und Würdigung

Überblick und Ausbildung

Albert (Otto) Ammer (* 31. Oktober 1916 in Windischenbernsdorf; † 23. Oktober 1991 in München) war ein deutscher Fotograf, Filmberichterstatter und Kameramann. Er drehte dokumentarische Filme, arbeitete während der Dreharbeiten zugleich häufig fotografisch und prägte nach Einschätzung des Filmhistorikers Günter Agde im Team die Bildsprache der Die Deutsche Wochenschau mit.

Ammer stammte aus einer Arbeiterfamilie in Thüringen und absolvierte in Gera eine Lehre zum Schauwerbegestalter. 1939 war er beim Luis-Trenker-Film Der Feuerteufel Assistent des Standfotografen Ernst Baumann. Von 1940 bis 1943 diente er als Bildsoldat und Spezialist für Luftaufnahmen in der Luftwaffe. 1943 wurde er an der Bildberichterschule in Berlin zum Filmberichterstatter ausgebildet.

Kriegszeit, Wochenschau und frühe Fotografie

Von 1943 bis 1945 filmte Ammer als Filmberichterstatter für die Wochenschau. Er arbeitete im Filmtrupp z. b. V., im Heeresfilmberichterzug beim Oberbefehlshaber West und 1945 im Berliner Teil der Propagandakompanie. Seine Einsatzorte umfassten Berlin, die Westfront und Normandie, die Vogesen und Ungarn. Er gehörte zu den wenigen Kriegsberichtern, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Filmreportagen produzierten.

Parallel machte er private Fotoreportagen, unter anderem auf Sizilien, Kreta sowie in Athen und Paris. 1942 zeigte der Kunstverein Gera seine Schwarz-Weiß-Fotografien aus Sizilien und Griechenland. Ab 1945 arbeitete er als freier Fotograf in Gera. Seine Bilder dokumentierten unter anderem den ersten freien Markt am 8. November 1945 auf dem Roßplatz, Kriegsflüchtlinge in Thüringen und Umsiedler aus den Ostgebieten am Bahnhof Langenberg. Teile dieses Bestands befinden sich im Stadtmuseum Gera.

Arbeit für DEFA und Der Augenzeuge

1946 versuchte Ammer, in Thüringen ein eigenes Studio für Filmnachrichten aufzubauen. Mit Unterstützung des thüringischen Ministerpräsidenten Rudolf Paul eröffnete 1947 das DEFA-Filmstudio Weimar. Von 1947 bis 1950 war Ammer fest angestellter Kameramann der DEFA-Außenstelle Weimar/Thüringen und drehte Berichte für die DDR-Wochenschau Der Augenzeuge.

Er dokumentierte zahlreiche Themen des Wiederaufbaus und Alltags in Thüringen, etwa Industrie, Landwirtschaft, Kultur, Verkehr, Schulen und Veranstaltungen. Die Themen seiner Berichte konnte er teilweise selbst vorschlagen. Seine vergleichsweise freie Auswahl und erzählerische Dokumentationsweise stießen ab 1948 bei der sozialistischen Führung Thüringens auf politische Kritik. Sein Ziel als Kameramann wird im Artikel als Klarheit des Vorgangs und der Erzählung beschrieben.

Zwischen 1950 und 1953 drehte er außerdem kurze Schwarz-Weiß-Dokumentarfilme mit einer Arriflex-35-mm-Kamera. Für Brigade Anton Trinks filmte er die schwere Arbeit von Bergleuten unter Tage, teilweise in 1000 Meter Tiefe. Der Film erhielt 1953 das Prädikat Dokumentarfilm und den DDR-Staatspreis Heinrich-Greif-Preis.

Filmaufnahmen am 17. Juni 1953 und Verfolgung

Ammers wichtigste historische Aufnahmen entstanden am 17. Juni 1953 in Halle (Saale). Gemeinsam mit seiner Filmassistentin Jutta-Regina Lau filmte er ab etwa 13 Uhr mit seiner privaten Arriflex-35-mm-Kamera ungefähr 250 Meter Film. Ziel war nach seinen Aussagen, ein Zeitdokument zu schaffen. Er nahm unter anderem Menschenmengen auf Marktplatz und Hallmarkt, Demonstrierende auf Lastwagen, die Befreiung von mehr als 200 inhaftierten Frauen aus dem Gefängnis in der Kleinen Steinstraße sowie die Eskalation vor dem Gefängnis Roter Ochse auf. Dort wurden bei Unruhen fünf Menschen getötet. Gegen 16 Uhr filmte er vorrückende sowjetische Panzer; um 17 Uhr standen zwei weitere Panzer auf dem Marktplatz.

Die Aufnahmen gelten als zentrale Bilddokumente des Volksaufstands. Sie zeigten auch friedliche und jubelnde Demonstrierende verschiedener Altersgruppen und gesellschaftlicher Schichten. Mit fast 100.000 Demonstranten war Halle eines der größten Zentren des Aufstands; nur in Berlin und Magdeburg gingen laut Artikel mehr Menschen auf die Straße.

Am 18. Juni 1953 verhaftete die Staatssicherheit Ammer, beschlagnahmte seine Ausrüstung und den Film und inhaftierte ihn vier Wochen ohne Gerichtsbeschluss im Roten Ochsen. Im September 1953 verurteilte ihn das DDR-Bezirksgericht Halle wegen politisch motivierter Vorwürfe zu drei Jahren Gefängnis; er verbüßte die Strafe vollständig und erhielt Berufsverbot in der DDR. Die Staatssicherheit zerschnitt den Film in Einzelbilder und nutzte ihn zur Identifizierung und Verhaftung von Demonstrationsteilnehmenden. Mehr als 150 Einzelbilder sind heute erhalten. Nach der Entlassung aus Waldheim floh Ammer 1956 in die Bundesrepublik. Im April 1991 wurde das Urteil von 1953 aufgehoben und er juristisch rehabilitiert.

Spätere Arbeit, fotografisches Werk und Würdigung

Nach 1956 arbeitete Ammer zunächst als freier Filmkameramann, auch für Fox, später als Chefkameramann beim Hessischen Rundfunk. Ab 1961 war er beim Bayerischen Rundfunk in München als „Kameramann mit besonderen Aufgaben“ fest angestellt. Bis 1981 drehte er Kulturfilme, Serien, Reportagen und Dokumentationen. Dazu gehörten Filme über den Tschadsee und die Mandara-Berge 1962, Cinque Terre 1963, Luis Trenker, ein italienischer Sprachkurs für die ARD 1965, italienische Literatur 1968, Die künstlichen Paradiese über Künstler unter LSD sowie Reportagen zur Planung und Nachnutzung der Olympiastätten in München. Er wirkte auch an Fernsehspielen und Unterhaltungssendungen mit, zuletzt unter anderem an der 13-teiligen Serie Die fabelhafte Familie Ko in der Zauberkiste (1978).

Fast vierzig Jahre fotografierte Ammer zusätzlich mit privaten Rolleiflex- und Leica-Kameras. Seine Fotos zeigen unter anderem Bergleute, Künstler, Schauspieler, Politiker und Schriftsteller. Nach der Pensionierung widmete er sich mehreren hundert künstlerisch gestalteten Türen und Toren; ein geplantes Buch blieb unvollendet. Eine umfassende Werkschau würdigte sein fotografisches Werk 2002 im Museum für Angewandte Kunst Gera. Seine Aufnahmen vom 17. Juni 1953 wurden seit 2003 in Filmen, Ausstellungen und Medien erneut bekannt. Seit Dezember 2025 gehört ein Bild mit fröhlich demonstrierenden Frauen und Krankenschwestern auf dem Hallmarkt zur Dauerausstellung des Hauses der Geschichte in Bonn.

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