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Progressive Era

Zum Ende des Gilded Age waren die Vereinigten Staaten durch eine extreme soziale Ungleichheit gekennzeichnet, so hatten die sogenannten Räuberbarone, zu denen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Zeitraum und Ausgangslage
  2. 2. Ziele und Träger der Bewegung
  3. 3. Forderungen und Reformen
  4. 4. Grenzen, Konflikte und Folgen

Zeitraum und Ausgangslage

Die Progressive Era (auf Deutsch: Fortschrittliche Ära) bezeichnet in der Geschichte der Vereinigten Staaten die Zeit von den 1890er Jahren bis zum Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917. Sie entstand am Ende des Gilded Age, als extreme soziale Ungleichheit, große Industriekonzerne und politische Korruption das Land prägten. 1890 kontrollierte das reichste Prozent der Amerikaner mehr als die Hälfte des nationalen Eigentums. Unternehmer wie John D. Rockefeller, J. P. Morgan und Cornelius Vanderbilt gehörten zu den sogenannten Räuberbaronen; sie hatten große Teile des Wohlstands angehäuft und industrielle Monopole errichtet.

Die schnelle Industrialisierung machte die USA zu einer der größten Wirtschaftsmächte, führte aber zugleich zu Armut in städtischen Vierteln, überlasteter Infrastruktur, Umweltverschmutzung sowie unsicheren und gefährlichen Arbeitsplätzen. Das politische System war außerdem von Patronage, also der Vergabe von Ämtern und Vorteilen an politische Unterstützer, und Korruption gekennzeichnet.

Ziele und Träger der Bewegung

Die progressive Bewegung verlangte eine grundlegende Reform und Modernisierung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Sie war von Ideen der Aufklärung beeinflusst und ging davon aus, dass sich menschliche und gesellschaftliche Verhältnisse verändern lassen. Progressive wollten dem Staat eine größere Rolle bei der Regelung des Wirtschafts- und Soziallebens geben. Sie vertrauten auf gesellschaftliche Planung und wissenschaftliches staatliches Management zur Lösung sozialer Probleme.

Die Bewegung war vielfältig, wurde aber besonders von der Mittelschicht getragen. Anhänger gab es bei Demokraten und Republikanern; konservative Kräfte der alten Rechten lehnten dagegen eine Ausweitung staatlicher Macht ab. Die Progressiven arbeiteten durch sozialen Aktivismus und durch die Unterstützung von Kandidaten auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Jane Addams half Immigranten bei der Integration, während die Journalistin Ida Tarbell korrupte Praktiken der Standard Oil Company aufdeckte. Politische Unterstützer waren unter anderem die Präsidenten Theodore Roosevelt (1901 bis 1909) und Woodrow Wilson (1913 bis 1921).

Forderungen und Reformen

Zu den zentralen Forderungen gehörten bessere Arbeitnehmerrechte, Frauenwahlrecht, Wirtschaftsreformen und die Zerschlagung von Monopolen, Umweltschutz sowie Maßnahmen gegen Armut durch einen Wohlfahrtsstaat. Für Beschäftigte forderten Progressive stärkere Gewerkschaften, den Achtstundentag, die Abschaffung von Kinderarbeit, höhere Löhne und mehr Arbeitssicherheit. Politisch sollten direkte Demokratie gestärkt, Korruption eingedämmt und der Einfluss von Großindustriellen begrenzt werden.

Mehrere Reformen wurden umgesetzt: Der Pure Food and Drug Act von 1906 stärkte den Verbraucherschutz und schuf die Food and Drug Administration (FDA). 1908 wurde die erste Credit Union gegründet und damit das Genossenschaftswesen in den USA eingeführt. Das Federal Reserve System von 1913 gestaltete das Bankensystem grundlegend um. Der Sherman Antitrust Act war bereits 1890 verabschiedet worden; der Clayton Antitrust Act von 1914 begrenzte den Aufbau von Monopolen. Das bundesweite Frauenwahlrecht erhielten amerikanische Frauen schließlich 1920.

Grenzen, Konflikte und Folgen

Die Reformbewegung hatte auch ausgrenzende und diskriminierende Seiten. Viele Progressive wollten Einwanderung begrenzen, um einheimische Arbeiter zu schützen. Der Immigration Act von 1917 und das National Quota Law von 1921 schränkten Immigration ein und verboten Migration aus Asien fast vollständig. Die Lage von Afroamerikanern und anderen Minderheiten verbesserte sich nicht; die Zeit gilt als Tiefpunkt der amerikanischen Rassenbeziehungen (Nadir of American race relations), während der Ku-Klux-Klan seine Aktivitäten verstärkte. Einige Progressive unterstützten Eugenik. 1907 verabschiedeten die USA als erstes Land ein Gesetz zur Zwangssterilisation, die mehr als 60.000 Personen betraf.

Außenpolitisch war der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 das wichtigste Ereignis. Mit dem Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg spaltete sich die progressive Bewegung. Nach dem Krieg folgten die Goldenen Zwanziger und die Great Depression. Reformideen der Progressiven beeinflussten später den New Deal unter Franklin D. Roosevelt in den 1930er Jahren und den Ausbau des amerikanischen Sozialstaats.

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