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Geschichte der Vereinigten Staaten

Die amerikanische Revolution und Unabhängigkeitserklärung (1763–1783) → Hauptartikel: Amerikanische Revolution und Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg Die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Von den ersten Kulturen zur Unabhängigkeit
  2. 2. Staatsbildung, Expansion und Bürgerkrieg
  3. 3. Reconstruction, Industrialisierung und Aufstieg zur Weltmacht
  4. 4. Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg
  5. 5. Von der Nachkriegsprosperität bis zur Gegenwart

Von den ersten Kulturen zur Unabhängigkeit

Die Geschichte der Vereinigten Staaten reicht von den ersten britischen Kolonien an der Ostküste im 17. Jahrhundert bis zur heutigen führenden Weltmacht. 1776 erklärten die dreizehn Kolonien ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung 1788 entstand aus dem lockeren Staatenbund ein zentral regierter Bundesstaat.

Die Besiedlung Nordamerikas begann vor über 15.000 Jahren. Sibirische Jäger und Sammler gelangten über eine Landbrücke bei der Beringstraße nach Alaska. Die Clovis-Kultur ist auf 11.000 bis 10.800 Jahre datiert. Später entstanden regionale Kulturen, teilweise mit Landwirtschaft, Sesshaftigkeit und Städten. Cahokia im heutigen Illinois hatte um 1100 möglicherweise bis zu 20.000 Einwohner. Um 1492 lebten nördlich von Mexiko schätzungsweise 7 Millionen Indianer. Durch eingeschleppte Krankheiten, Vertreibung und Kriege sank ihre Zahl innerhalb eines Jahrhunderts nach dem ersten europäischen Kontakt etwa um 90 Prozent.

Europäische Mächte erforschten Nordamerika zunächst nur langsam. Die erste dauerhafte europäische Niederlassung auf dem Gebiet der heutigen USA war das spanische Fort San Augustín, das heutige St. Augustine. England gründete 1607 Jamestown; von 105 Siedlern überlebten die ersten sieben Monate nur 33. Religiöse Gruppen gründeten unter anderem Plymouth (1620), die Massachusetts Bay Colony (1630), Rhode Island, Maryland und Pennsylvania. In den britischen Kolonien wurden ab 1619 Afrikaner versklavt. Aus zunächst uneinheitlichen Arbeitsverhältnissen entwickelte sich bis zum frühen 18. Jahrhundert die Sklaverei als „beweglicher Besitz“ (chattel slavery). Bis zum Unabhängigkeitskrieg lebten etwa 300.000, um 1770 etwa 500.000 versklavte Menschen in den dreizehn Kolonien.

Nach dem Franzosen- und Indianerkrieg (1756–1763) übernahm Großbritannien fast alle französischen Besitzungen in Nordamerika und beendete seine Politik des „Salutary Neglect“. Neue Steuern, der Stamp Act und der Quartering Act führten zum Widerstand der Kolonisten, die „No taxation without representation“ forderten. 1773 warfen Patrioten bei der Boston Tea Party 342 Kisten Tee ins Hafenbecken. Nach den britischen Strafmaßnahmen begann am 19. April 1775 bei Lexington und Concord der Unabhängigkeitskrieg. Der Zweite Kontinentalkongress stellte unter George Washington eine Armee auf. Am 4. Juli 1776 beschloss er die von Thomas Jefferson mitverfasste Unabhängigkeitserklärung. Nach dem amerikanisch-französischen Sieg bei Yorktown 1781 erkannte Großbritannien die Vereinigten Staaten im Frieden von Paris im September 1783 an.

Staatsbildung, Expansion und Bürgerkrieg

Die Konföderationsartikel erwiesen sich als zu schwach. Nach Shays’ Rebellion verabschiedete der Verfassungskonvent am 17. September 1787 einen Entwurf, der die Zentralregierung stärkte, den Einzelstaaten aber große Autonomie ließ. Die Verfassung regelte vor allem das Verhältnis zwischen Bund und Staaten, die Machtverteilung, die Vertretung großer und kleiner Staaten sowie den Gegensatz zwischen Nord- und Südstaaten wegen der Sklaverei. Die Bundesregierung erhielt unter anderem das Recht, Steuern zu erheben, den zwischenstaatlichen Handel zu regulieren sowie Heer und Flotte zu unterhalten. Nach der Ratifizierung wurde die Bill of Rights mit zehn Zusatzartikeln verabschiedet.

George Washington war 1789–1797 der erste Präsident. Die Auseinandersetzung zwischen Föderalisten und Anti-Föderalisten führte zum ersten Parteiensystem. Thomas Jefferson erwarb 1803 das Louisiana-Territorium für 80 Millionen Franc (15 Millionen US-Dollar). Der Krieg von 1812 gegen Großbritannien brachte trotz amerikanischer Erfolge auf See auch die zeitweilige Besetzung und Zerstörung Washingtons, D.C. Der Frieden von Gent vom 24. Dezember 1814 stellte den status quo ante bellum wieder her. 1823 formulierten die USA die Monroe-Doktrin: „Amerika den Amerikanern, Europa den Europäern.“

Die Marktrevolution von 1815 bis 1848 verband Bevölkerungswachstum, westliche Expansion, Kanal- und Eisenbahnbau, Landwirtschaft und beginnende Industrialisierung. Unter Präsident Andrew Jackson führte der Indian Removal Act zur Vertreibung der Cherokee, Muskogee, Chickasaw, Choctaw und Seminolen westlich des Mississippi. Beim 2000 Kilometer langen „Pfad der Tränen“ starben 1837 etwa 4000 von 17.000 Cherokee.

Die Aufnahme neuer Staaten verschärfte den Konflikt zwischen freien Staaten und Sklavenstaaten. Der Missouri-Kompromiss von 1820 sah den Beitritt eines Sklavenstaats südlich und eines freien Staates nördlich des 36°-30′-Breitenkreises vor. Nach dem Beitritt Texas’ 1845 führten Grenzkonflikte zum Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846–1848). Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo erhielten die USA das Gebiet zwischen Texas und dem Pazifik nördlich von Rio Grande und Gila River. Das Urteil Dred Scott v. Sandford, der Konflikt um „Bleeding Kansas“ und die Gründung der Republikanischen Partei verschärften die Sklavereifrage.

1860 wurde Abraham Lincoln gewählt. South Carolina und weitere Südstaaten traten aus der Union aus und gründeten die Confederate States of America. Der Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 war ein Konflikt um Union, einzelstaatliche Rechte, Sklaverei und unterschiedliche Wirtschaftsordnungen. Nach der Emanzipations-Proklamation vom 22. September 1862 wurde die Abschaffung der Sklaverei zu einem zentralen Kriegsziel des Nordens. Die Wende brachten Gettysburg und die Einnahme Vicksburgs. Robert E. Lee kapitulierte am 9. April 1865 im Appomattox Court House. Mehr als 600.000 Soldaten starben. Der 13. Zusatzartikel machte die Sklaven frei; die USA wurden zu einem unteilbaren Nationalstaat.

Reconstruction, Industrialisierung und Aufstieg zur Weltmacht

Nach dem Bürgerkrieg sollten Reconstruction und Verfassungsänderungen den Süden wiederaufbauen und die Rechte der ehemaligen Sklaven sichern. Der 13., 14. und 15. Zusatzartikel verankerten Abschaffung der Sklaverei, Bürgerrechte und Wahlrechte. Dennoch schränkten Jim-Crow-Gesetze ab 1876 die Rechte der Schwarzen ein und verstärkten die Rassentrennung. Zugleich wurde der Westen durch Homestead Act, Eisenbahnbau und Land Runs erschlossen. Das Schienennetz wuchs von 53.000 Meilen 1870 auf 200.000 Meilen um 1900. 1867 kauften die USA Alaska für 7,2 Millionen Dollar von Russland. 1890 wurden die Indianerkriege mit Wounded Knee beendet; beim Zensus 1900 wurden weniger als 240.000 Indianer verzeichnet. Die frontier, die Siedlungsgrenze zum offenen Land, galt nach dem Census von 1890 als geschlossen.

Im Gilded Age und während der Zweiten Industrialisierung von 1865 bis 1914 wurden die USA zur führenden Wirtschaftsmacht. Die Bevölkerung stieg von 38,5 Millionen 1870 auf 106 Millionen 1920. 1869 wurde die erste transkontinentale Eisenbahn vollendet. Der Sherman Antitrust Act von 1890 sollte Monopole begrenzen, zugleich entstanden große Gewerkschaften und heftige Arbeitskämpfe. Unter Theodore Roosevelt setzte sich der Progressivismus durch.

Außenpolitisch gingen die USA zum Interventionismus über. 1898 eroberten sie im Spanisch-Amerikanischen Krieg unter anderem Puerto Rico und die Philippinen; Kuba wurde unabhängig. Roosevelt ergänzte 1904 die Monroe-Doktrin durch das Roosevelt-Corollary und beanspruchte eine Rolle als internationale Polizeigewalt. Der Panamakanal wurde zwischen 1903 und 1914 gebaut und 1920 eröffnet.

Im Ersten Weltkrieg blieben die USA zunächst neutral. Nach der Wiederaufnahme des uneingeschränkten deutschen U-Boot-Krieges und der Zimmermann-Depesche erklärten sie am 6. April 1917 Deutschland den Krieg. Bis 1918 wurden fast 3 Millionen Soldaten rekrutiert, davon 2 Millionen in Frankreich eingesetzt. Wilsons 14-Punkte-Programm forderte unter anderem offene Diplomatie, Freiheit der Meere und einen Völkerbund. Nach dem Krieg lehnten Kongress und USA den Versailler Vertrag und den Beitritt zum Völkerbund ab. In den 1920er Jahren entstanden Konsum- und Wohlstandsgesellschaft, Massenmedien und die Harlem Renaissance. Der Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 leitete die Große Depression ein. Die Arbeitslosenquote stieg von 3 % 1929 auf 24,9 % 1933. Franklin D. Roosevelts New Deal regulierte Banken, schuf die Federal Deposit Insurance Corporation und die Securities and Exchange Commission und führte Sozialversicherungen ein.

Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg

Nach anfänglicher Zurückhaltung traten die USA durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg ein. Am 8. Dezember erklärten sie Japan, am 11. Dezember Deutschland und Italien den Krieg. Die „Germany first“-Strategie bestimmte 60 % des amerikanischen Militärpotenzials für Europa. Am D-Day, dem 6. Juni 1944, landeten 200.000 Soldaten mit 2.700 Schiffen in der Normandie. Im Pazifik brach die Seeschlacht bei Midway im Juni 1942 die japanische Offensivkraft. Nach den Atombomben auf Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945 kapitulierte Japan. Die USA verloren 300.000 Gefallene und 670.000 Verwundete, gingen aber wirtschaftlich gestärkt aus dem Krieg hervor. 1945 stellten sie 50 % des Welt-Bruttosozialprodukts und 60 % der Industrieprodukte. Das Bretton-Woods-System machte den Dollar zur internationalen Leit- und Reservewährung.

Nach 1945 entstand der Kalte Krieg zwischen dem marktwirtschaftlich-demokratischen System der USA und dem kommunistischen Einparteiensystem der Sowjetunion. Die Containment-Politik, ab 1946 auf George F. Kennans Artikel „X“ gestützt, sollte den Kommunismus eindämmen. Dazu gehörten hohe Rüstungsausgaben, der Marshallplan mit etwa 14 Milliarden Dollar für 16 Länder, die Gründung der CIA 1947 und der NATO am 24. April 1949. Die Berliner Luftbrücke versorgte 1948/49 die Bevölkerung der Westsektoren. Im Koreakrieg verhinderten die USA die kommunistische Eroberung der gesamten Halbinsel. Der Waffenstillstand von 1953 beendete die Kämpfe, ein Friedensvertrag besteht bis heute nicht.

Unter Eisenhower ersetzte die Rollback-Politik die Containment-Politik. Massive Vergeltung und Brinkmanship sollten abschrecken. Der Sputnik-Schock von 1957 und sowjetische Interkontinentalraketen verstärkten das Wettrüsten. Die Kubakrise 1962 war der Höhepunkt des Kalten Krieges. Kennedy verband Freiheitsideale, Bürgerrechtsbewegung und das Apollo-Programm; er wurde am 22. November 1963 ermordet. Unter Johnson wurden der Civil Rights Act von 1964 und der Voting Rights Act verabschiedet. Die Great Society senkte die Armutszahlen fast um die Hälfte. Im Vietnamkrieg stieg die Zahl der US-Soldaten in Südvietnam von 23.000 auf über 500.000. Nach der Tet-Offensive 1968 gab Johnson seinen Verzicht auf eine Wiederwahl bekannt.

Von der Nachkriegsprosperität bis zur Gegenwart

Die Wohlstandsgesellschaft nach 1945 beruhte auf anhaltendem Wachstum: Das Sozialprodukt stieg von 213 Milliarden Dollar 1945 auf über 500 Milliarden Dollar 1960, das reale Wachstum lag bei etwa 4 %. Der Anteil junger Menschen mit College-Abschluss stieg von 15 % 1940 auf 45 % 1960. Gleichzeitig lebten 1960 etwa 45 Millionen Menschen unter der amtlichen Armutsgrenze von 3000 Dollar Jahreseinkommen pro Familie.

Nach Vietnam und dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems war die amerikanische Stellung weniger unangefochten. Reagan setzte seit 1981 auf Reagonomics, also Marktliberalisierung, Privatisierung und einen schlankeren Staat, verbunden mit Aufrüstung. Die Staatsverschuldung stieg von 914 Milliarden Dollar 1980 auf 2,6 Billionen Dollar 1988. Mit Gorbatschow unterzeichnete Reagan am 8. Dezember 1987 den INF-Vertrag zur vollständigen Beseitigung atomarer Mittel- und Kurzstreckenraketen.

Unter Bill Clinton kam es in den 1990er Jahren zur „New Economy“. Die USA intervenierten unter anderem in Somalia, Haiti und Bosnien. George W. Bush leitete nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 den Krieg in Afghanistan ein. Am 20. März 2003 begann ohne UN-Mandat der Irakkrieg. Die nicht belegten Behauptungen über irakische Massenvernichtungswaffen und Foltervorwürfe, etwa in Guantanamo und Abu Ghuraib, führten zu heftiger Kritik. Die Finanzkrise nach dem Zusammenbruch des US-Immobilien- und Kreditmarkts mündete 2008 im Zusammenbruch von Lehman Brothers und in einer Weltfinanzkrise.

Barack Obama gewann 2008 mit 52,9 % zu 45,7 %. Seine Regierung setzte auf Diplomatie, Obamacare und erneuerbare Energien, konnte jedoch die Deindustrialisierung des Rust Belt nicht stoppen. Zwischen 2000 und 2015 starben etwa 500.000 US-Amerikaner an Opioid-Überdosierungen. Donald Trump gewann 2016 trotz Minderheit der Wählerstimmen, setzte auf „America First“, Schutzzölle und eine kritischere Haltung zur NATO. 2020 unterlag er Joe Biden, erkannte die Niederlage nicht an; am 6. Januar 2021 stürmten seine Anhänger das Kapitol. Die letzten US-Soldaten verließen Afghanistan am 30. August 2021. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 gewann Trump erneut; Biden hatte auf eine Kandidatur verzichtet.

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