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Produktivitätszuwachs
Produktivitätszuwachs ist ein zentraler Begriff der Wachstumstheorie und beschreibt eine Steigerung des Outputs pro Inputeinheit, also eine positive Veränderung …
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Kernbegriff und Bedeutung
Produktivitätszuwachs bezeichnet die positive Veränderung des Verhältnisses von Produktionsergebnis zu eingesetzten Produktionsfaktoren im Zeitverlauf: Pro Inputeinheit entsteht mehr Output. Produktionsfaktoren sind beispielsweise Arbeit, Kapital und Umwelt. Produktivität zeigt damit die Effizienz eines Prozesses an.
In einer Volkswirtschaft kann Wachstum durch mehr Arbeit und Kapital oder durch technischen Fortschritt erklärt werden. Technologischer Fortschritt bedeutet, dass bei gleicher Menge eingesetzter Faktoren heute mehr produziert werden kann als früher. Er kann effizientere Produktion, bessere oder neue Produkte sowie eine größere Produktvielfalt bedeuten und gilt oft als Prozess des strukturellen Wandels.
Mögliche Ursachen eines Produktivitätszuwachses sind effizientere Arbeitsabläufe, bessere Organisationsstrukturen, verbesserte staatliche Rahmenbedingungen, technischer Fortschritt sowie ein Mehreinsatz von Arbeit und Kapital. Technischer Fortschritt hängt unter anderem von Forschung und Entwicklung, aber auch vom Zufall ab. Wettbewerb veranlasst Unternehmen zu Innovationen. Nach Joseph Schumpeters Idee der kreativen Zerstörung verdrängen neue Produkte und Produktionsmethoden alte; dies gilt auch für Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt.
Kapitalakkumulation kann kein dauerhaftes Wachstum hervorbringen. Auch die Sparquote beeinflusst die Entwicklung der Produktion nur kurzfristig.
Technischer Fortschritt in der Produktionsfunktion
Zur Darstellung des technischen Fortschritts wird die Produktionsfunktion Y = F(K,N) um den Faktor A, den Stand der Technik, erweitert:
Y = F(K, AN)
Dabei ist Y die Produktion, K das eingesetzte Kapital, N die Anzahl der Beschäftigten und AN die effektive Arbeit. Wird Kapital als gegeben angenommen, ergibt sich Y = AN. Die Produktion hängt dann von der effektiven Arbeit beziehungsweise Arbeit in Effizienzeinheiten ab.
Steigt A, werden für eine bestimmte Produktionsmenge weniger Beschäftigte benötigt. Bei einer Verdopplung von A kann dieselbe Menge mit der Hälfte der ursprünglichen Zahl an Beschäftigten produziert werden. Umgekehrt können mit derselben Zahl Beschäftigter mehr Güter hergestellt werden.
Das Solow-Residuum ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Produktionswachstum und dem Anteil des Wachstums, der Arbeit und Kapital zugeschrieben wird. Es heißt auch totale Faktorproduktivität und kann als Maß für technischen Fortschritt oder das technische Niveau einer Volkswirtschaft gelten. Als häufigste Ursache für eine Veränderung der Faktorproduktivität wird zunehmendes Wissen über Produktionsmethoden genannt.
Abgrenzung und Messung
Wirtschaftswachstum ist die Veränderung der in einer Volkswirtschaft hergestellten Waren und Dienstleistungen von einer Periode zur nächsten; es wird meist mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Produktivitätszuwachs ist dagegen mehr Output pro Inputeinheit. Deshalb kann bei geringerem Faktoreinsatz dasselbe Outputniveau erreicht werden, ohne dass daraus zwingend Produktionswachstum folgt. Zwischen Produktions- und Produktivitätswachstum besteht zwar eine enge Beziehung, kurzfristig verläuft die Kausalität laut Artikel jedoch vom Produktions- zum Produktivitätswachstum.
Das Produktivitätsniveau beschreibt den erreichten Stand der Produktivität. Weiterbildungen und Trainings können langfristig ein höheres Niveau ermöglichen, führen bei gegebener Rate technischen Fortschritts aber nicht zu einer dauerhaft höheren Wachstumsrate. Grenzproduktivität ist die Änderung der Produktionsmenge bei einer infinitesimal kleinen Änderung eines Produktionsfaktors, während alle übrigen Faktoren konstant bleiben.
Zur Messung kann das BIP pro Erwerbstätigem beziehungsweise BIP geteilt durch die Bevölkerungszahl verwendet werden. Genauer ist das BIP je Erwerbstätigenstunde, weil unterschiedliche Arbeitszeiten herausgerechnet und tatsächlich geleistete Stunden berücksichtigt werden. Auch Wertschöpfung kann Produktivität messen. Für Deutschland und die USA wird BIP je Erwerbstätigenstunde verglichen; Deutschlands Produktivitätszuwachs von fünf Prozent im Jahr 1991 kann als Folge der Wiedervereinigung interpretiert werden.
Löhne, Beschäftigung und Sparen
Arbeitnehmer und Gewerkschaften wollen an steigender Produktionseffizienz teilhaben. Daher dient der Produktivitätszuwachs bei Tarifverhandlungen als Maßstab für Lohnanpassungen; in der Bundesrepublik Deutschland sind Löhne an das Produktivitätsniveau gekoppelt. Produktivitätszuwächse können außerdem Arbeitszeitverkürzungen ermöglichen, wenn dafür Lohnverzicht akzeptiert wird.
Für Löhne und Beschäftigung nennt der Artikel diese Zusammenhänge:
- Lohnerhöhung = Produktivitätszuwachs: Beschäftigung bleibt konstant.
- Lohnerhöhung < Produktivitätszuwachs: Beschäftigung nimmt zu.
- Lohnerhöhung > Produktivitätszuwachs: Beschäftigung geht zurück.
Bei konstantem K folgt aus Y = F(K,AN): N = Y/A. Technischer Fortschritt kann danach Beschäftigung senken, weil bestimmte Fähigkeiten weniger nachgefragt werden; andere, stärker nachgefragte Fähigkeiten profitieren. Dies führt zu strukturellem Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Der Staat soll in der Sozialen Marktwirtschaft mit wirtschafts-, finanz-, sozial- und strukturpolitischen Maßnahmen verhindern, dass Anpassungen zu Strukturkrisen und Massenarbeitslosigkeit werden. Sinkende Nachfrage nach niedrigqualifizierten und steigende Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften sowie internationaler Handel tragen zur Lohnspreizung bei. Ob technischer Fortschritt Arbeitslosigkeit erhöht, ist theoretisch umstritten. Unterschieden werden arbeitssparender, kapitalsparender und neutraler technischer Fortschritt. Die Beziehung zwischen Produktionswachstum und Arbeitslosigkeit beschreibt das Okunsche Gesetz.
Ersparnisse und Investitionen entwickeln sich proportional zur Produktion. Eine höhere Sparquote führt bei sonst gleichen Voraussetzungen langfristig zu einem höheren Produktionsniveau je Beschäftigtem und lässt die Produktion zeitweise stärker wachsen, verändert aber nicht die langfristige Wachstumsrate der Produktion je Beschäftigten. Dauerhaftes Wachstum ist nur durch stetigen technischen Fortschritt möglich, der die Produktion je Kopf erhöht.
Wettbewerbsfähigkeit und Folgen
Effizientere Abläufe können Kosten und damit Preise senken. Die Wettbewerbsfähigkeit steigt, sofern sich die Lohnstückkosten gegenüber anderen Volkswirtschaften nicht erhöhen. Lohnstückkosten sind die Arbeitskosten, die auf eine Produkteinheit entfallen. Hohe Arbeitskosten müssen die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht beeinträchtigen, wenn entsprechende Produktivitätsvorteile sie ausgleichen. Umgekehrt reichen hohe Produktivitätszuwächse allein nicht zwingend aus, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Auslandsinvestitionen machen technischen Standard, Know-how und damit heimisches Produktivitätsniveau international mobil. Osteuropäische Tochterfirmen deutscher Unternehmen erreichten Ende des vergangenen Jahrzehnts bereits 60 Prozent des Produktivitätsniveaus der Mutterfirma, obwohl die Produktivität im Landesdurchschnitt weniger als ein Viertel des deutschen Werts betrug.
Für das deutsche verarbeitende Gewerbe wird im Vergleich mit 14 Industrieländern ein etwa gleich hohes Lohnstückkostenniveau wie in Dänemark und dem Vereinigten Königreich genannt; Japan, die USA und Frankreich hätten einen Vorteil von bis zu 27 Prozent. Als Grund werden hohe Arbeitskosten bei nur durchschnittlichem Produktivitätsniveau genannt. Die Lohnstückkosten seien seit 1996 insgesamt um 8 Prozent gesunken, nachdem sie von 1991 bis 1996 doppelt so stark gestiegen waren. Im Ausland seien sie in heimischer Währung in den 1990er Jahren konstant geblieben und von 1991 bis 2004 insgesamt leicht gesunken.
Bei gegebenem Kapital und gegebener Beschäftigung führt Produktivitätszuwachs zu Wirtschaftswachstum. Er erhöht Wohlstand und Lebensstandard sowie das Produktionsniveau, das wiederum beeinflusst, wie viel gespart und investiert wird.
Beispiel Landwirtschaft
In der Landwirtschaft bestellten Bauern früher Äcker mit Vieh und Pflug, was mühsam und zeitintensiv war. Später kamen Traktoren und andere Maschinen zum Einsatz, die mindestens von einer Person bedient werden mussten. Heute können GPS-gesteuerte landwirtschaftliche Maschinen nahezu selbstständig arbeiten. Der Output je Inputeinheit hat sich dadurch im Zeitverlauf erhöht.