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Akkumulation (Wirtschaft)
Die Neue Ökonomische Geografie bezieht „die räumliche Dimension ein und berücksichtigt den Einfluss der Faktormobilität und der Faktorakkumulation“.
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und Formen der Akkumulation
Akkumulation bezeichnet in Wachstumstheorie und Volkswirtschaftslehre die Bedeutung von Produktionsfaktoren für das Wirtschaftswachstum. Allgemein ist damit die Anhäufung von Reichtum in Form von Geld oder Produktionsmitteln gemeint. In der klassischen Nationalökonomie bezeichnet Akkumulation die Erweiterung des Kapitals: Der auf dem Markt realisierte Mehrwert wird wieder investiert (reinvestiert).
Von den klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital können vor allem Arbeit und Kapital wachsen. Der ökonomisch relevante Boden einer Volkswirtschaft ist – mit vernachlässigbaren Ausnahmen – nicht beliebig vermehrbar. Deshalb spricht man bei den anderen Faktoren von Arbeitsakkumulation und Kapitalakkumulation. Arbeitsakkumulation sind Sachinvestitionen, die überwiegend auf Arbeitseinsatz beruhen und keine Finanzierung erfordern; der Begriff ist besonders in China gebräuchlich.
Akkumulation im Wirtschaftswachstum
Im neoklassischen Standardmodell wird das Entwicklungstempo einer Volkswirtschaft durch die Akkumulation von Produktionsmitteln, das Bevölkerungswachstum und den technischen Fortschritt bestimmt.
Die goldene Regel der Akkumulation beschreibt im Solow-Modell die Bedingungen für den größtmöglichen Pro-Kopf-Konsum bei konstantem Wirtschaftswachstum (steady state equilibrium). Unter der Annahme vollkommener Konkurrenz gilt in einem neoklassischen Wachstumsmodell:
I_q = P_q und K_q = L_q.
Dabei muss die Investitionsquote I_q der Profitquote P_q entsprechen; zugleich muss die Konsumquote K_q der Lohnquote L_q entsprechen.
Ursprüngliche und laufende Kapitalakkumulation
Karl Marx nennt „ursprüngliche Akkumulation“ den Prozess der Herausbildung des Kapitalismus als Gesellschaftsformation. Voraussetzung war der Übergang der Landwirtschaft von Naturalwirtschaft zur Produktion für den Markt. Dadurch wurden die in der Landwirtschaft tätigen Bauern „freigesetzt“. Bereits vorhandenes Handelskapital konnte sich unter günstigen Bedingungen auf gewerbliche und industrielle Produktion konzentrieren. Die ursprüngliche Akkumulation endet mit der erstmaligen Organisation kapitalistischer Produktionsprozesse und ist damit die „Vorgeschichte des Kapitals“.
Marx zufolge hat Akkumulation zwei Seiten: Kapital sammelt sich zunehmend in den Händen der Kapitalisten, während auf Seiten der Arbeiter das Elend wächst. Dies halte den Kapitalismus nach Marx in Gang, weil Lohnarbeiter dadurch ökonomisch gezwungen seien, ihre Arbeitskraft zu den Bedingungen der Kapitalisten zu verkaufen.
Laufende Akkumulation kann konstantes Kapital betreffen, also Produktionsmittel. Sie kann auch variables Kapital betreffen: Ein Teil des Mehrwerts erhöht dann die Lohnsumme, damit mehr Arbeiter beschäftigt werden können. Nicht der gesamte Mehrwert wird jedoch reinvestiert; Kapitalisten können einen Teil als persönliches Einkommen (Revenue) unproduktiv ausgeben, etwa für Luxus- oder Geltungskonsum.
Kapitalakkumulation definierte Marx als Verzicht auf die rein konsumtive Verwendung von Profit. Wenn ein Unternehmer Gewinn thesauriert, also im Unternehmen zurückbehält, und ihn in zusätzliche Produktionsmittel investiert, liegt Kapitalakkumulation vor. Marx nimmt an, dass die Profitrate bei steigender Kapitalakkumulation sinkt. Je nach Produktionstechnik werden dabei Produktionsmittel beschafft oder Arbeitskräfte eingestellt.
Mehrwert, Konzentration und Krise
Für Marx ist Arbeitskraft die einzige Ware, deren Gebrauchswert darin besteht, Mehrwert zu produzieren. Ihre (Re-)Produktion sei günstiger als der Wert, den sie hervorbringt: Der Tauschwert der Arbeitskraft, also Lohn oder Gehalt, sei geringer als die Wertsumme ihres Gebrauchswerts, des Mehrprodukts. Die Differenz ist der Mehrwert, den der Kapitalist beim Warenverkauf als Profit realisiert und der Kapitalakkumulation ermöglicht.
Übersteigt die Entlohnung den Wert der Arbeit, sinkt nach Marx die Profitrate; dadurch verringere sich die Kapitalakkumulation. Der daraus folgende Nachfragerückgang führe zu Massenentlassungen und zur „industriellen Reservearmee“, also Arbeitslosigkeit.
Gesamtwirtschaftlich ist Kapitalakkumulation durch den Mehrwert begrenzt. Einzelne Kapitalien können jedoch schneller wachsen, indem sie fusionieren, andere Kapitalien übernehmen oder aufkaufen. Diese Zentralisation des Kapitals wird durch Konkurrenz gefördert: Große Unternehmen besiegen kleinere durch Vorteile der Massenproduktion; die Betriebsgröße wächst und die Zahl der Unternehmen nimmt ab. Kredit ist beim Unternehmenskauf ein wichtiges Instrument. Kapitalkonzentration bedeutet dagegen nur, dass sich immer mehr Kapital in den Händen eines Kapitalisten ansammelt; Kapitalzentralisation beschleunigt dieses Wachstum zusätzlich durch die Übernahme fremder Kapitalien.
Marx beschreibt mit der Einführung des Maschinenwesens eine plötzlich sprungweise Anpassungsfähigkeit der Industrie, die nur durch Rohmaterial und Absatzmarkt begrenzt werde. Daraus leitet er den industriellen Zyklus ab: „Perioden mittlerer Lebendigkeit, Prosperität, Überproduktion, Krise und Stagnation“. Wie Marx bricht auch John Maynard Keynes mit Says Theorem; bei Keynes sind Investitionsentscheidungen unabhängig vom Sparen. Roy F. Harrod und Nicholas Kaldor dehnten Keynes’ Analyse auf langfristige dynamische Betrachtungen aus. Rosa Luxemburg vertrat 1913 die These, Imperialismus sei „der politische Ausdruck des Prozesses der Kapitalakkumulation in ihrem Konkurrenzkampf um den Rest des noch nicht mit Beschlag belegten nicht-kapitalistischen Welt-Milieus“.
Faktorakkumulation und staatlicher Einfluss
Faktorakkumulation ist der erhöhte Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit und/oder Kapital durch mehr Arbeitseinsatz und/oder einen größeren Kapitalstock. Sie wird durch die Entscheidung der Privathaushalte bestimmt, wofür Einkommen verwendet wird. Sie betrifft Realkapital, Humankapital und Wissenskapital.
Der Staat kann Faktorakkumulation direkt beeinflussen: durch Infrastruktur als Realkapital, Bildung und Ausbildung als Humankapital sowie Forschung, Entwicklung und Innovation als Wissenskapital. Indirekt kann er private Investitionen durch Subventionen fördern oder ergänzen.
Wirtschaftswachstum ist nicht nur Ergebnis der Faktorakkumulation, sondern auch der Faktorproduktivität. Das Baldwin-Forslid-Modell zeigt, dass Faktorproduktivität eine starke agglomerative Kraft sein kann, also die räumliche Konzentration wirtschaftlicher Aktivitäten begünstigt. Die Neue Ökonomische Geografie berücksichtigt deshalb räumliche Dimension, Faktormobilität und Faktorakkumulation. Bei grenzüberschreitender Arbeitsteilung können Faktormobilität und Faktorakkumulation die Faktorausstattung und damit schließlich die Produktionsstrukturen angleichen.