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Konsum
Unter Konsum (von lateinisch consumere „verbrauchen“) wird allgemein der Verzehr oder Verbrauch von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen …
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Bedeutung von Konsum
Konsum bedeutet allgemein den Verzehr oder Verbrauch von Gütern sowie die Inanspruchnahme von Dienstleistungen. In der Volkswirtschaftslehre bezeichnet er besonders den Kauf von Gütern für den privaten Gebrauch oder Verbrauch durch Konsumenten, also Privathaushalte. Davon ist der umfassendere Begriff Verbrauch zu unterscheiden: Er schließt auch den Verbrauch des Staates und der Unternehmen ein. Das Gegenstück zum Konsum ist Sparen, also der Teil des Einkommens, der nicht konsumiert wird.
Für produktionsorientierte Unternehmen ist Konsum der Absatz beziehungsweise Output ihrer Güter. Unternehmen versuchen ihn durch Marketing, Werbung und Verkaufsförderung zu erhöhen. Sozialwissenschaftlich gehört Konsum außerdem zum modernen Lebensstil in industrialisierten und marktwirtschaftlich organisierten Staaten.
Entwicklung zur Konsumgesellschaft
Güter wurden immer schon verbraucht; Konsum war teils auch durch Vorschriften geregelt. Ethnologisch heißen soziale Einheiten, in denen konsumiert wird, Konsumgemeinschaften. Dazu zählen vor allem Haushalte, aber auch Clans, Dorfgemeinschaften und Zweckverbünde. Gemeinsamer Konsum über den Haushalt hinaus kann den sozialen Zusammenhalt stärken.
Eine Konsumgesellschaft entstand erstmals im England des 15. Jahrhunderts. Neue Drucktechnologien und Baumwollhandel ließen den Konsum wachsen. Kennzeichnend ist, dass möglichst viele Bedürfnisse nur durch bezahlten Konsum befriedigt werden können. Konsumenten kaufen dann nicht nur lebensnotwendige, sondern auch „schöne“ oder nutzlose Güter.
Im 18. Jahrhundert wurden nicht selbst herstellbare Waren auf Wochen- und Jahrmärkten gekauft und Preise ausgehandelt. Zunächst betrieb der Adel mit Luxusgütern Prestigekonsum. Mit wachsender Kaufkraft des Bürgertums wandelte sich der Bedarf zum Wunsch; Konsum diente zunehmend auch der Selbstdarstellung. In England stiegen mit Industrie, Arbeitsplätzen und Einkommen die Nachfrage nach Massenverbrauchsgütern wie Bier, Tee, Seife und bedruckter Kleidung. Benjamin Franklins Bücherkatalog von 1744 enthielt 600 Angebote. Kataloge förderten Konsumbedürfnisse und beeinflussten neben Großbritannien auch Frankreich, Deutschland und Holland.
Im 19. Jahrhundert erschienen Versandkataloge, etwa 1872 der erste Katalog von Aaron Montgomery Ward für sein Geschäft in Chicago. Werbung über Litfaßsäulen, Zeitungen, Zeitschriften und Schaufenster steigerte den Konsum. Industrialisierung schuf Produktions-, Transport- und Informationsnetzwerke. Ende des Jahrhunderts entstanden Konsumhäuser mit festen Preisen.
Massenkonsum, Politisierung und Kritik
Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen in Deutschland Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Massenkonsum. Frühere Luxusgüter wurden Massenwaren; internationale Güter leiteten in den 1950er Jahren die Globalisierung des Konsums ein. In den 1960er Jahren boomten Elektrogeräte, in den 1970er Jahren Kunststoffmöbel, kostbare Rohstoffe und Energieträger. In den 1980er Jahren gewannen Reichtum und Schönheit an Bedeutung. Das World Wide Web ermöglichte direkte Bestellungen bei Erzeugern anderer Länder und machte Konsum für viele zu einer Freizeitbeschäftigung. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels ging für 2007 von 16,8 Milliarden Euro Internetausgaben deutscher Verbraucher aus.
Konsum wird politisiert: Medien weisen auf Folgen des Konsumverhaltens hin, Konsumenten hinterfragen oder ändern es, beispielsweise durch Veganismus. Unternehmen können Produkten eine politische Dimension geben, etwa durch Greenwashing; NGOs können zu Konsum oder Boykott aufrufen, wie beim Shell-Boykott 1995. Wissenschaftliche Studien betonen mögliche Klimafolgen. Das Worldwatch Institute bezeichnete im Bericht Zur Lage der Welt 2010 den weltweiten Konsum als „Klimakiller Nummer Eins“ und nannte als Beispiel, bei einem Lebensstil aller Menschen wie in den USA könne der Planet nur rund 1,4 Milliarden Menschen ernähren.
Konsumkritik besteht seit Jahrhunderten, unter anderem im Zusammenhang religiöser und ethischer Normen; im 19. Jahrhundert wurde Konsum auch innerhalb der Kapitalismuskritik kritisiert. Werbung in Massenmedien erhält in marktwirtschaftlichen Informationsgesellschaften besondere Aufmerksamkeit und wird unter anderem als „Konsumterror“ kritisiert. Karl Marx schrieb den produzierten Waren im Kapitalismus Fetischcharakter zu.
Konsum im Wirtschaftskreislauf
Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beschreibt die Beziehung von Haushalten und Unternehmen. Haushalte stellen Arbeitsleistungen bereit, Unternehmen produzieren Güter, Haushalte kaufen und konsumieren diese. Unternehmen vergüten Arbeit mit Einkommen Y; Haushalte bezahlen daraus Konsumausgaben C. In einem geschlossenen Wirtschaftskreislauf ohne Staat und ohne Ersparnisse gilt für das gesamte Einkommen beziehungsweise Bruttoinlandsprodukt: Y = C + I. I sind Investitionsausgaben.
Wenn Haushalte einen Teil ihres Einkommens sparen, ist die Ersparnis S der nicht für Konsum ausgegebene Teil. Dann gilt Y = C + S. Im gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht entsprechen Ersparnisse den Investitionen: S = Y − C = I.
Mit Staat, aber ohne Ausland, entspricht im Gleichgewicht die Produktion Y der Güternachfrage Z. Da in einer geschlossenen Volkswirtschaft EX − IM = 0 gilt, lautet die Identitätsgleichung Z = C + I + G; G sind Staatsausgaben. Gleichgewicht besteht bei Y = Z = C + I + G. Die Konsumfunktion lautet C = c₀ + c₁ · Y_D; damit gilt Z = c₀ + c₁ · Y_D + I + G.
Nachfrage und Konsumausgaben
Wirtschaften dient der Bedürfnisbefriedigung. Die Nachfrage nach Gütern wird durch Preise, den Nutzen der Güter, Bedürfnisse und das verfügbare Einkommen beeinflusst. Steigt der Preis eines Gutes oder sinkt das Einkommen, sinkt grundsätzlich die Haushaltsnachfrage. Nachfragetheorie zielt nicht nur auf mehr Konsum, sondern auf eine ausgeglichene und angemessene Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Die Kaufkrafttheorie geht in diesem Sinn davon aus, dass eine ausgeglichene Einkommensverteilung angemessenes Wirtschaftswachstum ermöglicht.
Konsum ist ein Aggregat des Bruttoinlandsprodukts in der volkswirtschaftlichen Verwendungsrechnung. Konsumausgaben bestehen aus privaten Konsumausgaben, Ausgaben privater Organisationen und staatlichen Konsumausgaben. Private Konsumausgaben umfassen Waren- und Dienstleistungskäufe von Privathaushalten und selbständigen Einzelunternehmungen im Inland; Möbel und Fahrzeuge zählen als langlebige Konsumgüter. Immobilienkäufe zählen nach ESVG dagegen zu Investitionsausgaben. Zu Ausgaben privater Organisationen gehören beispielsweise Kirchen und Gewerkschaften. Staatlicher Konsum umfasst nicht am Markt angebotene staatliche Dienstleistungen sowie laufende Kosten wie Gehälter von Lehrern und Beamten.
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