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Priester (Katholizismus)
Leitet ein Priester eine Pfarrei, wird er zugleich als Pfarrer bezeichnet. Ordensleute, die die Priesterweihe erhalten haben, werden Ordenspriester genannt.
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Grundbegriff und Stellung
Ein katholischer Priester bekleidet ein geistliches Amt in einer katholischen Kirche, etwa in der römisch-katholischen Kirche oder in altkatholischen Kirchen. In den Stand des Priestertums wird eine Person durch die Priesterweihe aufgenommen. In der römisch-katholischen Kirche werden in der Regel nur unverheiratete Männer geweiht; Priesteramtsanwärter legen bereits bei der vorhergehenden Diakonenweihe ein Zölibatsversprechen ab. In den meisten altkatholischen Kirchen steht die Weihe verheirateten und unverheirateten Frauen und Männern offen; ein verpflichtendes Zölibatsversprechen gibt es dort nicht.
Die Mehrzahl der römisch-katholischen Priester sind Diözesanpriester, auch Weltpriester genannt. Sie dienen in einem bestimmten Bistum. Leitet ein Priester eine Pfarrei, heißt er Pfarrer. Ordensleute mit Priesterweihe heißen Ordenspriester. Ende 2021 gab es weltweit 407.872 römisch-katholische Priester, sowohl Ordens- als auch Diözesanpriester.
Theologische Grundlage
Nach katholischer Lehre ist Jesus Christus der einzige Hohepriester des neuen Bundes. Das erbliche Priestertum des Alten Testaments wird im Neuen Testament nicht fortgeführt. Christus allein ist Mittler zwischen Gott und den Menschen; zugleich haben alle Getauften Anteil am Priestertum aller Gläubigen. Die zwölf Jünger Jesu werden im Neuen Testament nicht Priester, sondern Apostel genannt. Als Nachfolger im Leitungsamt werden Bischöfe eingesetzt; ihnen stehen Presbyter zur Seite, von deren Bezeichnung das deutsche Wort Priester hergeleitet ist.
Das Weihesakrament hat nach dem Katechismus der Katholischen Kirche drei Stufen: Diakonat, Presbyterat und Episkopat. Es wird als „Sakrament des apostolischen Dienstes“ bezeichnet. Bischöfe besitzen nach katholischem Verständnis das Priestertum in seiner Fülle; Priester nehmen daran als Mitarbeiter der Bischöfe teil. Der Priester repräsentiert in der Kirche „Christus als Haupt, Hirten und Bräutigam der Kirche“ und handelt besonders in der heiligen Messe in persona Christi, also „in der Person Christi“.
Durch die Weihe erhält der Priester eine sakramentale Vollmacht, lateinisch potestas sacra. Diese Vollmacht befähigt ihn zur Spendung der Sakramente und prägt ihn nach katholischer Auffassung durch einen unauslöschlichen Charakter. Das bedeutet: Das Priestertum ist nicht nur ein Amt auf Zeit, sondern stellt den Geweihten dauerhaft in den Dienst. Priester sind aber in der Ausübung ihrer Gewalt von den Bischöfen abhängig und mit ihnen in der priesterlichen Würde verbunden.
Aufgaben und Gemeinschaft
Die zentralen Aufgaben der Priester sind die Verkündigung der Frohbotschaft, der Hirtendienst an den Gläubigen und die Feier des Gottesdienstes. Besonders wichtig ist die Eucharistiefeier, in der Priester nach katholischem Verständnis das Opfer Christi im Messopfer vergegenwärtigen. Außerdem üben sie den Dienst der Versöhnung und Wiederaufrichtung für büßende oder kranke Gläubige aus und tragen die Bitten der Gläubigen vor Gott.
Priester dürfen ihren Dienst nur in Abhängigkeit vom Bischof und in Gemeinschaft mit ihm ausüben. Bei der Weihe geben sie dem Bischof ein Gehorsamsversprechen; der Friedenskuss am Ende der Weiheliturgie gilt als Zeichen dieser Verbindung. Zugleich gehören Priester untereinander zum Presbyterium, dem gemeinsamen Priesterstand einer Diözese. Diese Einheit wird in der Weiheliturgie sichtbar, wenn nach dem Bischof auch die anwesenden Priester den Neugeweihten die Hände auflegen.
Zum priesterlichen Leben gehören Gebet und Liturgie. Wie alle Kleriker sind Priester zum täglichen Stundengebet verpflichtet. Sie sind außerdem nachhaltig eingeladen, täglich die heilige Messe zu feiern. Can. 276 CIC verbindet diese Pflichten mit dem besonderen Streben nach Heiligkeit: Priester sollen ihren seelsorglichen Dienst treu erfüllen, ihr geistliches Leben aus Heiliger Schrift und Eucharistie nähren, Einkehrtage halten, betrachtend beten, häufig das Sakrament der Buße empfangen und weitere Mittel der Heiligung nutzen.
Lebensweise und Zugang zum Amt
In der lateinischen Kirche gilt für Priester grundsätzlich der Zölibat: Sie sollen ehelos und sexuell enthaltsam leben und kein Konkubinat führen. Can. 277 § 1 CIC begründet dies mit der „vollkommenen und immerwährenden Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen“. Der Zölibat soll es geistlichen Amtsträgern ermöglichen, Christus mit ungeteiltem Herzen anzuhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen zu widmen. Der Papst kann vom Gelübde der Ehelosigkeit dispensieren, zum Beispiel bei verheirateten evangelischen Pfarrern, die katholisch werden und die Priesterweihe erbitten. 2014 entschied Papst Franziskus, dass in katholischen Ostkirchen verheiratete Männer nicht nur in traditionellen ostkirchlichen Territorien, sondern weltweit zu Diakonen und Priestern geweiht werden können, soweit eigene ostkirchliche Strukturen bestehen.
Das katholische Kirchenrecht bestimmt, dass die Priesterweihe gültig nur ein getaufter Mann empfängt (CIC, can. 1024). Der Katechismus begründet dies damit, dass Jesus Männer für das Kollegium der zwölf Apostel gewählt habe und die Kirche sich an diese Wahl gebunden wisse. Die Nichtzulassung von Frauen wird seit Jahrzehnten diskutiert, in Deutschland unter anderem im Synodalen Weg 2020–2023. Dort wurde eine erneute theologische und anthropologische Überprüfung gefordert; außerdem solle der Verbindlichkeitsgrad des Schreibens Ordinatio Sacerdotalis geklärt werden.
Kirchenrechtlich sind Priester verpflichtet, eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen. Nach der Deutschen Bischofskonferenz soll ein Geistlicher in der Öffentlichkeit eindeutig als solcher erkennbar sein. Als kirchliche Kleidung gelten Oratorianerkragen oder römisches Kollar, in begründeten Ausnahmefällen dunkler Anzug mit Kreuz.
Ausbildung und Weihe
Nach katholischem Kirchenrecht ist das Priestertum eine Berufung, die das Leben für immer in Dienst nimmt, und kein zeitweise auszuübender Beruf. Die Ausbildung wird in can. 232–264 CIC geregelt und umfasst akademische, menschliche, soziale, geistliche und pastorale Bildung. Ziel ist die Vorbereitung auf die Seelsorge. Zur offiziellen Berufung zur Weihe ist der jeweilige Ordinarius zuständig, etwa der Bischof eines Bistums oder der Generalobere eines Ordens; die Weihe selbst kann nur ein Bischof spenden.
In der Regel dauert die Ausbildung fünf oder sechs Jahre. In Deutschland und Österreich schließen Priesterkandidaten das Theologiestudium mit einem akademischen Grad ab, etwa Magister theologiae, Diplom-Theologe oder Master of Arts in Theologie. Das Studium dauert fünf Jahre und wird von einem Jahr geistlicher Ausbildung und zwei Jahren pastoraler Praxis begleitet; in dieser Zeit wird der Kandidat zum Diakon geweiht. In den Vereinigten Staaten müssen Priester ein Grundstudium in Philosophie sowie vier bis fünf Jahre theologische Ausbildung auf Hochschulniveau an einem Priesterseminar absolvieren; der Master of Divinity ist dort der häufigste Abschluss.
Die Priesterweihe findet im Rahmen der Heiligen Messe statt. Die Kandidaten werden aufgerufen, vorgestellt und befragt. Sie versprechen, die Pflichten des Priestertums gewissenhaft zu erfüllen und ihrem Ordinarius Achtung und Gehorsam zu erweisen. Danach legen sie sich vor dem Altar nieder, während die Gemeinde kniet und die Heiligenlitanei singt. Der wichtigste Teil ist die schweigende Handauflegung durch den Bischof, gefolgt von den anwesenden Priestern, und das Weihegebet, das die Kraft des Heiligen Geistes auf die Kandidaten herabruft. Danach erhält der Neugeweihte Stola und Messgewand; der Bischof salbt seine Hände mit Chrisam, überreicht Kelch und Patene und tauscht mit ihm den Friedenskuss aus. In den Tagen danach feiert der neue Priester seine Primizmesse, also die erste von ihm als Vorsteher zelebrierte Messe, und spendet den Primizsegen.
Geschichte und heutige Lage
Im frühen Christentum setzten Bischöfe in wachsenden Gemeinden immer mehr Presbyter ein, die an ihrer Stelle der Eucharistie vorstanden. Der Diakon entwickelte sich als liturgischer Assistent des Bischofs und als Beauftragter für die Verwaltung kirchlicher Gelder und die Unterstützung der Armen. Lumen gentium nennt Bischöfe, Priester und Diakone als drei Stände des kirchlichen Dienstes; Bischöfe und Priester gelten dabei als zwei Stufen der amtlichen Teilhabe am Priestertum Christi, während Diakone ihnen helfen und dienen.
Im Mittelalter wurde das Priestertum stärker sakralisiert. Die rituell-liturgische Tätigkeit trat stärker hervor, während der Dienst des Wortes eher in den Hintergrund rückte. In der Neuzeit kritisierte der Protestantismus klerikale Amtsausübung und betonte das Priestertum aller Gläubigen. Das Konzil von Trient antwortete mit der Bestätigung der katholischen Lehre: Es gebe ein sichtbares Priestertum des Neuen Bundes mit Vollmachten zur Konsekration in der Eucharistie und zur sakramentalen Sündenvergebung; es werde durch das Weihesakrament übertragen und sei mit einem unauslöschlichen Zeichen verbunden.
Im 20. Jahrhundert spielten mehrere Entwicklungen eine Rolle. Während des Nationalsozialismus leisteten viele Priester Widerstand; einige wurden hingerichtet oder starben in Konzentrationslagern, darunter Maximilian Kolbe und Alfred Delp. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in Frankreich die Bewegung der Arbeiterpriester: geweihte Priester arbeiteten hauptberuflich etwa in Industrie, Bergbau oder Häfen, um die Lebenswelt abhängig Beschäftigter kennenzulernen und solidarisch zu sein; 1954 wurde die Bewegung durch päpstliches Verbot stark eingeschränkt. Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete 1965 Presbyterorum Ordinis über Dienst und Leben der Priester sowie Optatam Totius über ihre Ausbildung und ordnete das Amtspriestertum stärker im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen ein.
Große Aufmerksamkeit erlangten in den 1990er- und 2000er-Jahren weltweit aufgedeckte Fälle sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester. Nach Schätzungen hatten in den 50 Jahren bis 2009 zwischen 1,5 und 5 % der katholischen Priester sexuelle Kontakte mit Minderjährigen. Öffentlich kritisiert wurde besonders, dass beschuldigte Priester häufig versetzt wurden, statt aus dem Dienst entfernt oder der Polizei gemeldet zu werden; der Missbrauch wurde von Vertretern der Kirche systematisch vertuscht. 2022 gab es in Deutschland 11.987 Priester; seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird im Blick auf diese Entwicklung von „Priestermangel“ gesprochen.