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Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1960

Die Präsidentschaftswahl in den USA von 1960 markierte das Ende der achtjährigen Präsidentschaft von Dwight D. Eisenhower.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Wahl und politische Ausgangslage
  2. 2. Nominierung der Republikaner
  3. 3. Nominierung der Demokraten
  4. 4. Wahlkampf und Fernsehdebatten
  5. 5. Ergebnis und Besonderheiten

Wahl und politische Ausgangslage

Die 44. Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten fand am 8. November 1960 statt und beendete die achtjährige Präsidentschaft des Republikaners Dwight D. Eisenhower. Nach der Ratifizierung des 22. Verfassungszusatzes im Jahr 1951 durfte Eisenhower, der 1952 gewählt und 1956 wiedergewählt worden war, nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.

Die wichtigsten Bewerber waren der demokratische Senator John F. Kennedy aus Massachusetts mit Lyndon B. Johnson als Kandidat für die Vizepräsidentschaft sowie der republikanische Vizepräsident Richard Nixon aus Kalifornien mit Henry Cabot Lodge junior. Kennedy gewann äußerst knapp bei den Stimmen der Bürger, dem sogenannten Popular Vote, aber deutlicher im Electoral College. Das Electoral College ist das Wahlmännergremium, das den Präsidenten formal wählt.

Nominierung der Republikaner

Richard Nixon hatte dem Amt des Vizepräsidenten während Eisenhowers Präsidentschaft größeres politisches Gewicht verliehen. Er war der klare Favorit der Republikaner, die seit sechs Jahren im Kongress in der Minderheit waren.

Als möglicher ernsthafter Konkurrent galt zunächst Nelson Rockefeller, der Gouverneur von New York und führende Vertreter des moderat-liberalen Parteiflügels. Nach einer Reise durch die USA zog Rockefeller seine Kandidatur zurück, weil sich eine große Mehrheit der Republikaner für Nixon abzeichnete. Er erklärte zwar, einem Ruf des Parteitags folgen zu wollen, erhielt diesen aber nicht. Nixon übernahm später einige von Rockefellers programmatischen Ideen, von denen auf dem republikanischen Parteitag in Chicago jedoch ein Teil wieder gestrichen wurde.

Der konservative Senator Barry Goldwater aus Arizona kandidierte nicht offiziell, erhielt aber 10 Stimmen. Nixon wurde mit überwältigender Mehrheit nominiert und wählte den früheren Senator aus Massachusetts und ehemaligen UN-Botschafter Henry Cabot Lodge junior zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten.

Nominierung der Demokraten

Bei den Demokraten gehörten John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, Hubert H. Humphrey, Stuart Symington und Adlai Stevenson zu den Bewerbern mit realistischen Chancen. Kennedy musste vor allem zwei Zweifel überwinden: Manche Parteigrößen hielten ihn für zu jung und unerfahren, außerdem befürchteten viele, dass Vorurteile gegen seinen katholischen Glauben seine Wahlchancen verringern könnten. Kennedy wies den Vorschlag zurück, lediglich als Vizepräsidentschaftskandidat anzutreten.

In den Vorwahlen besiegte Kennedy zunächst Hubert Humphrey in Wisconsin. Da sein Erfolg dort vor allem aus katholisch geprägten Gebieten kam, blieben Zweifel an seiner Unterstützung durch protestantische Wähler bestehen. In dem überwiegend protestantischen West Virginia gewann Kennedy jedoch mit mehr als 60 % der Stimmen. Humphrey zog sich anschließend zurück. Kennedy hatte damit gezeigt, dass ein Katholik auch in einem nicht katholisch geprägten Staat gewinnen konnte.

Kennedy gewann Vorwahlen in Illinois, Indiana, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, Nebraska, Pennsylvania, Oregon, West Virginia und Wisconsin. Humphrey siegte in South Dakota und im District of Columbia. Pat Brown gewann seinen Heimatstaat Kalifornien, George Smathers Florida und Michael DiSalle Ohio.

Der demokratische Nominierungsparteitag fand vom 11. bis 15. Juli 1960 in Los Angeles statt. Kurz zuvor traten mit Senatsmehrheitsführer Lyndon B. Johnson und Adlai Stevenson zwei weitere bekannte Bewerber hervor. Johnson konnte seine Unterstützung jedoch nicht über die Südstaaten hinaus ausbauen. Stevenson war unter liberalen Delegierten beliebt, doch nach seinen deutlichen Niederlagen gegen Eisenhower 1952 und 1956 suchte die Partei ein neues Gesicht.

Kennedy gewann die Nominierung bereits im ersten Wahlgang mit 806 Stimmen. Johnson erhielt 409, Symington 86 und Stevenson 79,5 Stimmen; die übrigen Stimmen verteilten sich auf weitere Bewerber. Anschließend bot Kennedy Johnson überraschend die Kandidatur für die Vizepräsidentschaft an. Über die genauen Gründe und Abläufe dieser Entscheidung gibt es unterschiedliche Darstellungen. Politisch erwies sich die Auswahl als wichtig: Johnson warb energisch für Kennedy und trug wesentlich dazu bei, dass die Demokraten mehrere Südstaaten gewannen, besonders seinen Heimatstaat Texas.

Wahlkampf und Fernsehdebatten

Kennedy war nach Al Smith im Jahr 1928 erst der zweite Katholik, der als Kandidat einer großen Partei für das Präsidentenamt antrat. Im Wahlkampf warf er Eisenhower und den Republikanern vor, die USA seien im Kalten Krieg wirtschaftlich und militärisch hinter die Sowjetunion zurückgefallen. Er versprach, das Land wieder nach vorn zu bringen. Nixon wollte dagegen Eisenhowers Politik des Friedens und Wohlstands fortsetzen und erklärte Kennedy für zu jung und unerfahren. Außerdem warb Nixon um Landwirte, indem er versprach, den unbeliebten Agrarminister Ezra Taft Benson durch einen Politiker aus dem teilweise ländlichen Mittleren Westen zu ersetzen. Eine Knieverletzung und ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt behinderten zeitweise Nixons Wahlkampf.

Besondere Bedeutung hatten vier Fernsehduelle zwischen dem 26. September und dem 21. Oktober 1960. Den Vorschlag für Fernsehdebatten hatte NBC-Präsident Bob Sarnoff im April 1960 gemacht. Nachdem Nixon seine Bereitschaft erklärt hatte, stimmte Kennedy sofort zu. Der Kongress beseitigte am 24. August gesetzliche Hindernisse für dieses Format. Es waren die ersten im Fernsehen übertragenen Debatten zwischen US-Präsidentschaftskandidaten. Obwohl die damalige Presse das erste Duell häufig als ereignislos bezeichnete, gelten die Debatten in der späteren Forschung als bahnbrechendes Ereignis der amerikanischen Wahlkampfgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Ergebnis und Besonderheiten

Kennedy erhielt 34.220.984 Stimmen beziehungsweise 49,7 % des Popular Vote. Nixon kam auf 34.108.157 Stimmen beziehungsweise 49,6 %. Kennedys Vorsprung betrug damit nur etwa 112.000 Stimmen oder 0,1 Prozentpunkte. Dies war einer der knappsten Abstände in der Geschichte der US-Präsidentschaftswahlen und der geringste Vorsprung im 20. Jahrhundert.

Im Electoral College fiel das Ergebnis deutlicher aus: Kennedy gewann 303 Wahlmännerstimmen, Nixon 219; für den Sieg waren 270 erforderlich. Kennedy gewann 23 Staaten, Nixon 26. Insgesamt wurden 68.832.482 Stimmen abgegeben und 537 Wahlleute bestimmt. Kennedy siegte überraschend in mehreren Südstaaten, darunter Texas. Dieser Erfolg wird wesentlich dem texanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Lyndon B. Johnson zugeschrieben.

Eine Besonderheit waren die „unpledged electors“, also nicht auf einen Kandidaten festgelegte Wahlmänner. Acht wurden in Mississippi und sechs in Alabama gewählt; zwölf weitere Wahlmänner aus Georgia wurden als nicht festgelegt bezeichnet. Konservative Demokraten aus dem Süden wollten sie als Verhandlungsmasse nutzen oder die Entscheidung auf das Repräsentantenhaus verlagern, falls kein Kandidat eine absolute Mehrheit im Electoral College erreichen sollte. Da Kennedy bereits eine ausreichende Mehrheit besaß, konnten sie das Ergebnis nicht verändern. Die 14 nicht festgelegten Wahlmänner aus Alabama und Mississippi stimmten für Senator Harry F. Byrd. Zusätzlich erhielt Byrd die Stimme eines „faithless elector“ aus Oklahoma, also eines Wahlmanns, der entgegen dem Wählerauftrag abstimmte. Die zwölf Wahlmänner Georgias votierten für Kennedy. Byrd bekam daher insgesamt 15 Wahlmännerstimmen, obwohl er selbst eine Kandidatur abgelehnt hatte.

Die Bedeutung möglicher Abstimmungsunregelmäßigkeiten in einzelnen Staaten für Kennedys Sieg ist unter Historikern weiterhin umstritten. In 20 Staaten mit zusammen 256 Wahlmännerstimmen betrug der Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten weniger als 5 %. Besonders knapp waren Hawaii mit 0,06 %, Illinois mit 0,19 %, Missouri mit 0,52 % und Kalifornien mit 0,55 %. Erstmals nahmen Alaska und Hawaii an einer Präsidentschaftswahl teil; sie waren am 3. Januar beziehungsweise am 21. August 1959 Bundesstaaten geworden.

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