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Chicago

Geographische Lage ; Chicago liegt im Nordosten von Illinois ; Die Metropolregion Chicago ; Die Metropolregion Chicago stand bei der Entwicklung des Modells der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lage
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung und Politik
  4. 4. Kultur, Architektur und Bildung
  5. 5. Wirtschaft, Verkehr und Medien

Bedeutung und Lage

Chicago ist eine Stadt im Bundesstaat Illinois am Südwestufer des Michigansees. Mit 2.746.388 Einwohnern im Jahr 2020 ist sie die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten; in der Metropolregion leben über 9 Millionen Menschen. Die Stadt wurde am 12. August 1833 offiziell gegründet und liegt auf 179 Metern Höhe. Ihre Fläche beträgt 606,1 Quadratkilometer, davon 588,3 Quadratkilometer Land.

Chicago ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Handelsstadt. Entscheidend dafür sind ihre Lage an den Großen Seen, die Verbindung über den Sankt-Lorenz-Seeweg beziehungsweise den Eriekanal zum Atlantik und nach New York City sowie der Illinois Waterway, der über den Mississippi mit dem Golf von Mexiko verbunden ist. Außerdem ist Chicago ein großer Eisenbahnknotenpunkt zwischen Ost- und Westküste. Wirtschaftlich wichtig sind unter anderem die Chicago Mercantile Exchange, die Chicago Board of Trade und die Chicago Stock Exchange. Die Metropolregion erbrachte 2016 eine Wirtschaftsleistung von 651,2 Milliarden US-Dollar; 2014 lag sie auf Platz 9 der wirtschaftsstärksten Metropolregionen weltweit und auf Platz 3 in den Vereinigten Staaten.

Die Metropolregion umfasst 28.163 Quadratkilometer und reicht über zahlreiche Vorstädte in neun Countys in Illinois, Indiana und Wisconsin. Das Stadtzentrum wird durch den Loop geprägt, ein Geschäftsbezirk, der von Gleisen der Chicago „L“ umschlossen wird. Seit 1960 gliedert sich Chicago in 77 Community Areas. Das Klima ist kontinental mit heißen, schwülen Sommern und kalten, schneereichen Wintern; die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,5 Grad Celsius, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 910 Millimeter.

Geschichtliche Entwicklung

Vor der europäischen Besiedlung lebten in der Region indigene Gruppen, darunter Algonkin-Stämme wie Mascouten und Miami. Aus der Sprache der Miami stammt das Wort shikaakwa, das auf eine wilde Zwiebel verweist und später zum Ortsnamen wurde. 1673 erkundeten Jacques Marquette und Louis Joliet das Gebiet. In den 1770er Jahren errichtete Jean Baptiste Point du Sable einen Handelsposten an einem wichtigen Tauschplatz. Durch Wasserwege, Eisenbahn und Handel wuchs Chicago schnell: 1837 wurde es mit 4200 Einwohnern zur Stadt erhoben.

Zwischen 1837 und 1885 expandierte Chicago rasant. Die Einwohnerzahl stieg von 100 im Jahr 1830 auf 100.000 im Jahr 1860. Der Illinois- und Michigan-Kanal wurde 1848 fertiggestellt, im selben Jahr erreichte die erste Eisenbahnstrecke die Stadt. Nach Epidemien wurde ab 1856 das Bodenniveau des Zentrums stückweise angehoben, um die Kanalisation zu verbessern. Der Große Brand vom 8. bis 10. Oktober 1871 zerstörte große Teile der Stadt; etwa 300 Menschen starben, 18.000 Häuser wurden zerstört und rund 100.000 Menschen obdachlos. Der Wiederaufbau brachte strengere Feuerschutzregeln und machte Chicago zu einem Experimentierfeld moderner Architektur.

Ab den 1880er Jahren wurde Chicago zu einer Industriemetropole. 1885 entstand mit dem Home Insurance Building, ursprünglich zehn Etagen und 42 Meter hoch, das erste moderne Hochhaus mit Stahlskelett. 1886 kam es beim Kampf um den Achtstundentag zum Haymarket Riot. 1893 fand die World’s Columbian Exposition statt. Um 1900 war Chicago Hauptumschlagplatz für Getreide, Holz und Vieh; in den Union Stock Yards wurden jährlich bis zu 12 Millionen Tiere geschlachtet und etwa 82 Prozent des amerikanischen Fleisches verarbeitet. Die schlechten Arbeitsbedingungen machten die Stadt zugleich zu einem Zentrum der Gewerkschaftsbewegung.

Zwischen 1918 und 1945 wurde Chicago mit Jazz, Prohibition und organisierter Kriminalität verbunden. Musiker wie Louis Armstrong und Jelly Roll Morton prägten den Chicago-Jazz. Gangster wie Al Capone nutzten die Prohibition für illegalen Alkoholhandel. 1942 gelang Enrico Fermi an der University of Chicago die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion. Nach 1950 sank die Einwohnerzahl wegen der Abwanderung vieler Menschen in Vorstädte, erholte sich aber seit den 1990er Jahren wieder. Im 21. Jahrhundert gilt Chicago weiter als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region, zugleich wird in der Stadt hohe Waffengewalt als Problem genannt.

Bevölkerung und Politik

Die Bevölkerungsentwicklung Chicagos war stark von Zuwanderung geprägt. 1830 lebten nur 100 Menschen in der Stadt, 1890 bereits 1.099.850 und 1950 mit 3.620.962 der bisherige Höchststand. Danach sank die Einwohnerzahl, lag 2010 bei 2.695.598 und 2020 bei 2.746.388.

Bei der Volkszählung 2000 hatte Chicago 2.896.016 Einwohner, 1.061.928 Haushalte und 632.909 Familien. Die Bevölkerungsdichte betrug 4.923 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung bestand zu 41,97 Prozent aus Weißen, zu 36,77 Prozent aus Afroamerikanern und zu 4,35 Prozent aus Menschen asiatischer Herkunft; 28,9 Prozent waren Hispanics. 19,6 Prozent lebten unter der Armutsgrenze. Große Herkunftsgruppen waren Polen, Iren, Deutsche, Italiener und Engländer. In der Metropolregion leben knapp eine Million Menschen polnischer Herkunft; außerdem prägen irische, deutsche, koreanische und weitere Einwanderergruppen das Stadtbild.

An der Spitze der Stadtverwaltung steht der Bürgermeister, der für vier Jahre gewählt wird. Er ernennt Ressortleiter und andere Beamte, teils mit Zustimmung des Stadtrats, und kann gegen Verordnungen sein Veto einlegen. Der City Council besteht aus 50 Mitgliedern, wird ebenfalls alle vier Jahre gewählt, vertritt die Stadtteile, verabschiedet Gesetze, legt die Grundsteuer fest und verteilt Mittel an die Verwaltungsressorts. Chicago ist seit langem eine Hochburg der Demokratischen Partei; seit 1931 stellen die Demokraten ununterbrochen den Bürgermeister. Brandon Johnson trat sein Amt am 15. Mai 2023 an.

Die Flagge Chicagos zeigt zwei hellblaue horizontale Streifen auf weißem Feld. Die weißen Streifen stehen für Nord-, West- und Südseite der Stadt. Die blauen Streifen stehen für den Michigansee sowie den nördlichen Arm des Chicago River und für den südlichen Arm des Chicago River sowie den großen Kanal. Vier rote Sterne erinnern an den Großen Brand von 1871, die World’s Columbian Exposition von 1893, die Weltausstellung A Century of Progress und Fort Dearborn.

Kultur, Architektur und Bildung

Chicago hat ein reiches Kulturleben. Die Stadt besitzt etwa 250 professionelle Theaterensembles und 115 Spielstätten mit insgesamt 64.000 Plätzen. Sie gilt als Geburtsort des modernen Improvisationstheaters; Gruppen wie The Compass und The Second City wurden prägend. Die Lyric Opera of Chicago zählt zu den führenden Opernhäusern der Vereinigten Staaten.

Wichtige Museen sind das Adler-Planetarium und Astronomiemuseum, das Art Institute of Chicago, das Field Museum of Natural History, das Museum of Contemporary Art und das Museum of Science and Industry. Das Art Institute zeigt unter anderem Werke von Claude Monet, Georges Seurat, Grant Wood und Edward Hopper. Das Field Museum besitzt mehr als 30 Millionen konservierte Organismen und Sammlungsobjekte und gehört zu den großen naturwissenschaftlichen und anthropologischen Sammlungen weltweit.

Musikalisch spielte Chicago eine zentrale Rolle bei Jazz, Blues, Soul und House. In der South Side entstand der Chicago-Jazz, der Soloimprovisation stärker betonte. Aus dem ländlichen Delta Blues entwickelte sich in Chicago der elektrifizierte Chicago Blues mit Musikern wie Howlin’ Wolf, Muddy Waters, Little Walter und Willie Dixon. Die Discothek Warehouse gilt als Geburtsort der House-Musik. Auch Hip-Hop, Rock und klassische Musik sind bedeutend; das Chicago Symphony Orchestra gilt als eines der besten Orchester der Vereinigten Staaten.

Architektonisch ist Chicago besonders durch Wolkenkratzer bekannt. Das Home Insurance Building von 1885 gilt als erstes modernes Hochhaus. Das höchste Gebäude der Stadt ist der 442 Meter hohe Willis Tower; mit Antennen misst er 527 Meter und besitzt im 103. Stockwerk eine 412 Meter hohe Aussichtsplattform. Weitere bedeutende Bauwerke sind der Trump International Hotel and Tower, das Aon Center, das John Hancock Center, der Chicago Water Tower, das Wrigley Building, der Tribune Tower sowie Gebäude von Ludwig Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright.

Zu den wichtigen Parks gehören Grant Park, Millennium Park und Lincoln Park. Im Millennium Park stehen der Jay-Pritzker-Musikpavillon von Frank Gehry, der Crown Fountain und die Skulptur Cloud Gate von Anish Kapoor. Im Bildungsbereich beherbergt Chicago bedeutende Hochschulen wie die University of Chicago, die University of Illinois at Chicago, die DePaul University, die Loyola University Chicago und einen Campus der Northwestern University. Die Harold Washington Public Library wird als größte öffentliche Bibliothek der Welt bezeichnet.

Wirtschaft, Verkehr und Medien

Chicago ist ein bedeutender Industriestandort, Messeplatz und Sitz vieler Unternehmen und Verbände. Wichtige Branchen sind elektronische Geräte, Maschinen- und Fahrzeugbau, Nahrungsmittelverarbeitung, Druckgewerbe, Präzisionsinstrumente, Stahl, Metallwaren, Textilien und chemische Erzeugnisse. Der Hafen dient dem Export von Erdöl, Eisenerz, Kohle, chemischen Erzeugnissen, Textilien und Getreide; importiert werden unter anderem Kraftfahrzeuge, Stahl, Fisch und alkoholische Getränke. Zu Unternehmen mit Sitz in Chicago gehören Boeing, Encyclopædia Britannica, Hyatt, Playboy Enterprises, Tribune Company und Wm. Wrigley Jr. Company. Die Arbeitslosenquote lag 1990 bei 9,0 Prozent, 2000 bei 5,5 Prozent, 2006 bei 5,2 Prozent und im Mai 2018 bei 3,3 Prozent.

Der Einzelhandel konzentriert sich unter anderem im Loop und an der North Michigan Avenue, der sogenannten Magnificent Mile. Bekannte Kaufhäuser und Einkaufsorte sind das Carson Pirie Scott-Kaufhaus, Marshall Fields, Water Tower Place, 900 North Michigan Avenue und Boutiquen in der Oak Street. Große Einkaufszentren wie Woodfield Mall in Schaumburg und Gurnee Mills liegen außerhalb der Stadtgrenzen; ihre Steuereinnahmen kommen daher nicht Chicago zugute.

Im Fernverkehr ist Chicago über mehrere Interstates an das Land angebunden, darunter Interstate 55, 57, 90 und 94. Die Stadt ist einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte der Welt. Im Personenfernverkehr dient die Union Station als Ausgangspunkt mehrerer Amtrak-Verbindungen, darunter Empire Builder, California Zephyr, Southwest Chief und Texas Eagle. Der O’Hare International Airport hatte 2015 rund 77 Millionen Passagiere und war damit der viertstärkst frequentierte Flughafen der Welt; Chicago-Midway ist vor allem für Billigfluggesellschaften wichtig.

Der Nahverkehr wird stark von der Chicago „L“ geprägt, einem Hoch- und U-Bahn-System der Chicago Transit Authority. Die ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1892. Die Blue Line verbindet die Innenstadt mit O’Hare in etwa 40 Minuten, die Orange Line mit Midway in etwa einer halben Stunde. Ergänzt wird das System durch METRA-Vorortzüge, Busse der CTA, Taxis und von April bis Oktober einen RiverBus auf dem Chicago River.

Chicago ist außerdem ein wichtiger Medienstandort. Bedeutende Zeitungen sind die Chicago Tribune und die Chicago Sun-Times. Die Stadt ist nach New York und Los Angeles der drittgrößte Hörfunk- und Fernsehmarkt der Vereinigten Staaten. Dort wurden unter anderem die Oprah Winfrey Show und die Jerry Springer Show produziert. In Film und Fernsehen dient Chicago häufig als Schauplatz, etwa in Emergency Room, Batman Begins, The Dark Knight, Chicago Fire, Chicago P.D., Chicago Med, Chicago Justice und Shameless.

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