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Minnesota
Minnesota (Aussprache [ˌmɪnɪˈsoʊ̯tə]) ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika im nördlichen Mittleren Westen. Er grenzt im Norden an die …
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Überblick und Lage
Minnesota ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika im nördlichen Mittleren Westen. Er wurde am 11. Mai 1858 als 32. Staat in die Union aufgenommen. Die Hauptstadt ist Saint Paul, die größte Stadt ist Minneapolis. Zusammen bilden Minneapolis und Saint Paul die „Twin Cities“, das wichtigste politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Staates. Mehr als 60 % der Einwohner Minnesotas leben in diesem Großraum.
Minnesota grenzt im Norden an die kanadischen Provinzen Manitoba und Ontario, im Osten an Wisconsin, im Süden an Iowa und im Westen an North Dakota und South Dakota. Im Nordosten liegt Minnesota am Oberen See; dort gibt es auch Wassergrenzen zu Michigan und Wisconsin. Mit 225.171 km² ist Minnesota der zwölftgrößte Bundesstaat der USA. Beim Zensus 2020 hatte er 5.706.494 Einwohner. Das Staatsmotto lautet „L’Étoile du Nord“ („Stern des Nordens“). Bekannt ist Minnesota als „Land der 10.000 Seen“, tatsächlich gibt es 11.842 Seen mit mehr als vier Hektar Fläche. Etwa ein Drittel des Staates ist bewaldet, der Rest besteht vor allem aus Prärie und Ackerland.
Naturraum und Klima
Minnesota ist nach Alaska der nördlichste Bundesstaat der USA; der Northwest Angle ist der einzige Teil der 48 zusammenhängenden Bundesstaaten, der nördlich über den 49. Breitengrad hinausragt. Die Ausdehnung beträgt etwa 660 Kilometer von Norden nach Süden und rund 560 Kilometer von Osten nach Westen.
Die Landschaft wurde stark durch sehr alte Gesteine und durch Gletscher geprägt. Einige Gneise sind bis zu 3,6 Milliarden Jahre alt. Mindestens einen Kilometer dicke Gletscher formten die heutige Oberfläche; der letzte große Gletscher, der Wisconsin-Gletscher, zog sich vor 12.000 Jahren zurück. Der höchste Punkt ist der Eagle Mountain mit 701 Metern, der tiefste Punkt liegt mit 183 Metern am Ufer des Oberen Sees. Wasser aus Minnesota kann über den Mississippi River in den Golf von Mexiko, über den Sankt-Lorenz-Seeweg in den Atlantik oder über die Hudson Bay in den Arktischen Ozean abfließen.
Minnesota besitzt 66 Staatsparks, 57 Staatswälder mit etwa 16.000 km² Fläche, die Nationalwälder Chippewa National Forest und Superior National Forest sowie den Voyageurs-Nationalpark. Die Vegetation reicht von Präriegrasland im Westen und Südwesten über Laubwald im Südosten bis zu borealen Nadelwäldern im Norden. Viele ursprüngliche Wälder wurden abgeholzt, doch durch Nachwachsen ist wieder etwa ein Drittel des Staates bewaldet. Zur Tierwelt gehören unter anderem Wölfe, Schwarzbären, Elche, Weißwedelhirsche, Wasservögel, Greifvögel und viele Fischarten.
Das Klima ist kontinental: Die Winter sind sehr kalt, die Sommer besonders im Süden heiß und feucht. Minnesota gilt nach Alaska als kältester Bundesstaat. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei zwei bis acht Grad Celsius. Der Jahresniederschlag reicht von etwa 480 mm im Nordwesten bis 860 mm im Südosten. Die Vegetationsperiode dauert je nach Region 90 bis 160 Tage. Der Süden Minnesotas gehört zur Tornado Alley.
Geschichte
Vor der europäischen Besiedlung lebten in Minnesota unter anderem Anishinabe, Sioux und andere Ureinwohner. Im Südwesten liegen Steinbrüche, in denen Catlinit, der Pfeifenstein, gewonnen wurde und wird. Dieser Stein wurde in den Great Plains gehandelt und für die Köpfe von Friedenspfeifen verwendet.
Die ersten europäischen Siedler waren französische Pelzhändler, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts ankamen. Französische Entdecker und Missionare trafen auf Dakota, Ojibwe und weitere Anishinaabe-Stämme. 1679 beanspruchte Daniel Greysolon nach einer Expedition am Oberen See das Gebiet des nördlichen Minnesota für Frankreich. Nach dem Franzosen- und Indianerkrieg musste Frankreich 1763 Gebiete an Großbritannien abtreten. Später wurden Teile des heutigen Minnesota durch den Frieden von Paris, die US-Unabhängigkeit und den Louisiana Purchase den Vereinigten Staaten zugeordnet.
Das Minnesota Territory wurde am 3. März 1849 gegründet. Zwischen 1850 und 1858 wuchs die Bevölkerung stark von etwa 6.000 auf mehr als 170.000 Menschen. Am 11. Mai 1858 wurde Minnesota Bundesstaat. Durch Verträge verloren Sioux und Anishinabe große Teile ihres Landes und wurden in kleinere Reservate gedrängt. Verschlechterte Lebensbedingungen führten 1862 zum Sioux-Aufstand. Nach dem sechs Wochen dauernden Krieg wurden etwa 800 europäische Siedler getötet, 38 wegen Mordes verurteilte Indianer in Mankato hingerichtet, und die meisten verbliebenen Sioux wurden in das Crow-Creek-Reservat in Nebraska verbannt.
Nach dem Sezessionskrieg wuchs die Wirtschaft durch Holz, Landwirtschaft, Getreidemühlen und später Eisenerz. Um 1900 wurden 14,1 % des Getreides der USA in Minnesota gemahlen. Im 20. Jahrhundert wanderten mehr Menschen in Städte ab, doch Landwirtschaft blieb wichtig. Die Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Dürren von 1931 bis 1935 trafen Minnesota schwer. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigten neue Technik, Mechanisierung und Vorstadtentwicklung den Wandel. Minnesota entwickelte sich zu einem Zentrum der chemischen Industrie, des Maschinenbaus sowie der Raumfahrt- und Nahrungsmittelindustrie. Seit den 1980er-Jahren wurden Umwelt, Bildung, Verkehr und Landnutzung wichtige politische Themen.
Bevölkerung, Städte und Gesellschaft
Minnesotas Bevölkerung stieg von 6.077 Einwohnern im Jahr 1850 auf 5.706.494 im Jahr 2020. Um 1900 lebten 1,75 Millionen Menschen im Staat, 1960 waren es 3,41 Millionen. Danach verlangsamte sich das Wachstum. 2010 waren 50,4 % der Bevölkerung weiblich und 49,6 % männlich. Die Altersstruktur bestand 2010 aus 24,2 % unter 18 Jahren, 62,9 % zwischen 18 und 64 Jahren und 12,9 % ab 65 Jahren.
Über zwei Drittel der Bevölkerung stammen von Vorfahren aus Westeuropa ab. 2014 bildeten Deutschstämmige mit 34 % die größte Abstammungsgruppe, gefolgt von Menschen norwegischer (15,3 %), irischer (10,4 %) und schwedischer Abstammung (8,0 %). 2010 setzte sich die Bevölkerung unter anderem aus 83,1 % weißer Bevölkerung, 5,2 % Afroamerikanern, 4,7 % Latinos, 4,1 % asiatischen Amerikanern oder pazifischen Insulanern, 1,1 % Ureinwohnern und 2,4 % multiethnischen Einwohnern zusammen. In den letzten Jahrzehnten wurde Minnesota multikultureller, unter anderem durch Zuwanderung aus Lateinamerika, Asien, Afrika und dem Nahen Osten. Der Staat hat die größte Population somalischer Amerikaner in den USA und die zweitgrößte Hmong-Gemeinschaft.
Minnesota beherbergt 11 staatlich anerkannte Indianerreservate: sieben Ojibwe- und vier Dakota-Reservate. Religiös sind nach einer Umfrage 25 % der Einwohner römisch-katholisch und 24 % lutherisch; insgesamt gehören 77 % einem christlichen Glauben an, 3 % einem jüdischen, muslimischen, buddhistischen oder hinduistischen Glauben, 14 % keiner Religion, und 6 % machten keine Angabe.
Die Hauptstadt Saint Paul liegt am Mississippi. Zusammen mit Minneapolis bildet sie die Twin Cities, in deren Metropolregion etwa 60 % der Einwohner leben. Ländlichere Gebiete werden „Greater Minnesota“ oder „Outstate Minnesota“ genannt. 2020 waren die größten Städte Minneapolis mit 429.954 Einwohnern, Saint Paul mit 311.527 und Rochester mit 121.395.
Wirtschaft, Infrastruktur, Bildung und Gesundheit
Minnesotas Wirtschaft wandelte sich in den letzten 200 Jahren stark. Anfangs prägten Land- und Forstwirtschaft sowie Handel das Wirtschaftsleben. Mit der Industrialisierung wurden Eisenerz, Getreidemühlen und andere Industrien wichtig. Seit den 1950er-Jahren wuchs der Dienstleistungssektor stark; heute arbeiten über 80 % der Beschäftigten dort, während weniger als 1 % im primären Sektor tätig sind. Trotzdem gehört Minnesota weiterhin zu den großen Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Zuckerrüben, Zuckermais und Erbsen.
2007 lag das Bruttoinlandsprodukt bei etwa 255 Milliarden US-Dollar. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 41.105 USD, das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 41.353 USD. Bedeutende Unternehmen mit Sitz in Minnesota sind Target, UnitedHealth Group, 3M, Medtronic, General Mills und Cargill. Am 1. Juli 2011 wurde Minnesota als erster amerikanischer Staat zahlungsunfähig; nach gut drei Wochen beendete ein Sanierungsplan die Haushaltskrise.
Für Verkehr und Energie sind mehrere Systeme wichtig. Die Pine Bend Refinery nahe St. Paul ist die größte Erdölraffinerie der Bundesstaaten ohne eigene Förderanlagen und deckt etwa 70 % des Kraftstoffbedarfs von täglich rund 27,2 Millionen Litern Benzin. 2006 führte Minnesota als erster US-Bundesstaat eine Pflicht zur Beimischung von 10 % Ethanol (E10) ein; 2013 stieg der Wert auf 20 %. Zum Heizen wird vor allem Erdgas verwendet. Windenergie gewann besonders im Südwesten an Bedeutung. Im Verkehr sind die Twin Cities der wichtigste Knotenpunkt. Wichtige Straßen sind I-35, I-94 und I-90. Außerdem gibt es Güterbahnstrecken, Schifffahrt über Mississippi und Oberen See, den Hafen Duluth-Superior und den Minneapolis-St. Paul International Airport.
Minnesota gilt als gut gebildeter Bundesstaat. Seit 1885 besteht allgemeine Schulpflicht. 84 % der Einwohner haben die High School abgeschlossen. Zum Hochschulsystem gehören 32 öffentliche Universitäten und Colleges im Minnesota State Colleges and Universities System, vier Einrichtungen der University of Minnesota und mehr als 20 private Colleges und Universitäten. Auch im Gesundheitsbereich schneidet Minnesota gut ab: Die Lebenserwartung ist die zweithöchste aller US-Bundesstaaten, rund 91 % der Bevölkerung sind krankenversichert. Bedeutend sind die University of Minnesota Medical School und die Mayo Clinic in Rochester.
Politik, Kultur, Medien und Sport
Minnesotas politische Ordnung beruht auf der Verfassung von 1857. Die Exekutive wird vom Gouverneur geleitet, der für vier Jahre gewählt wird. Die Legislative besteht aus einem Senat mit 67 Senatoren und einem Repräsentantenhaus mit 134 Abgeordneten. Die Judikative hat drei Ebenen: District Courts, Courts of Appeals und den Minnesota Supreme Court mit sieben Richtern. Seit 2019 ist der Demokrat Tim Walz Gouverneur, Vizegouverneurin ist Peggy Flanagan.
Politisch gilt Minnesota als eher demokratisch geprägter Staat. Seit 1976 gewann dort bei Präsidentschaftswahlen stets der demokratische Kandidat. 1984 war Minnesota zusammen mit Washington D.C. der einzige Bundesstaat, den Ronald Reagan nicht gewann. Im Electoral College stellt Minnesota derzeit zehn Wahlmänner. Neben der Democratic-Farmer-Labor Party und der Republikanischen Partei spielte zeitweise auch die Independence Party eine Rolle; Jesse Ventura war von 1999 bis 2003 Gouverneur.
Kulturell sind die Twin Cities das Zentrum des Upper Midwest. Dort befinden sich Museen wie das Weisman Art Museum, das Walker Art Center und das Minneapolis Institute of Arts sowie Musikensembles wie das Saint Paul Chamber Orchestra und das Minnesota Orchestra. Die Twin Cities haben nach New York City die höchste Pro-Kopf-Dichte an Theatern in den USA. Wichtige Musiker aus Minnesota sind unter anderem Prince, Bob Dylan und Judy Garland; in der Literatur werden unter anderem Laura Ingalls Wilder, Sinclair Lewis, Garrison Keillor und F. Scott Fitzgerald genannt.
Auch Medien und Sport sind stark auf die Twin Cities konzentriert. Dort erscheinen die größten Tageszeitungen des Staates, Star Tribune und Saint Paul Pioneer Press. KSTP-TV nahm am 27. April 1948 als erstes Fernsehprogramm Minnesotas den Sendebetrieb auf. Minnesota ist in den großen US-Sportligen durch Teams vertreten, darunter Minnesota Wild im Eishockey, Minnesota Vikings im Football, Minnesota Twins im Baseball, Minnesota Timberwolves im Basketball und Minnesota United im Fußball. Im Freizeitsport sind Eishockey, Angeln, Wassersport, Wandern, Camping, Jagen, Eisfischen, Eislaufen, Curling und Schneemobilfahren beliebt.