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Possessiv
Possessive (Mehrzahl, auch Possessiva; Einzahl: [das] Possessiv oder Possessivum; aus dem Lateinischen entlehnt) sind besitzanzeigende Wörter.
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Begriff und Bedeutung
Possessive, auch Possessiva genannt; die Einzahl lautet Possessiv oder Possessivum, sind besitzanzeigende Wörter. Sie drücken allgemein Zu- oder Angehörigkeit aus und verweisen auf grammatische Personen. Dabei ordnen sie diesen Personen Sachverhalte zu, die meist durch Substantive oder substantivierte Wörter bezeichnet werden.
Die Zuordnung kann Eigentum oder Besitz, Verwandtschaft, soziale Beziehungen und viele andere Verhältnisse betreffen. Im Deutschen kann dasselbe Possessiv unterschiedliche Bedeutungen haben: „mein Fahrrad“ bezeichnet einen Gegenstand im Besitz des Sprechers, „meine Haut“ ein zu ihm gehörendes Organ, „meine Angst“ eine ihm zugeordnete Empfindung, „meine Faulheit“ eine Eigenschaft, „mein Kind“ eine verwandte oder zugeordnete Person, „mein Geburtstag“ ein zugehöriges Ereignis und „mein Ruf“ ein zugehöriges abstraktes Konzept.
Die Bezeichnungen werden unterschiedlich verwendet. In der traditionellen Grammatik gelten Possessiv und Possessivpronomen als gleichbedeutend. Man unterscheidet dort substantivische Possessivpronomina wie „seines“ in „Das ist seines“ und adjektivische Possessivpronomina wie „sein“ in „sein Haus“. In der modernen Linguistik bezeichnet Possessivpronomen oft nur die selbstständig gebrauchten Formen wie „seines“. Formen wie „sein“ vor einem Substantiv heißen dann Possessivartikel, Possessivbegleiter oder Possessivdeterminanten.
Artikel, Attribute und selbstständige Pronomen
Possessive können je nach Sprache unterschiedliche syntaktische Funktionen haben: Sie können wie Pronomina, Adjektive oder Artikelwörter verwendet werden.
Im Französischen ersetzt das Possessivum den bestimmten Artikel: „ta petite vie mélancolique“ bedeutet „dein kleines schwermütiges Leben“. „Ta“ steht anstelle von „la“ und ist kein Attribut wie „petite“. Im Deutschen funktioniert dies ebenso: „dein kleines schwermütiges Leben“. Der Artikel „ein“ oder „das“ wird durch „dein“ ersetzt; beide können hier nicht miteinander kombiniert werden.
Im Italienischen werden Artikel und Possessivum dagegen zusammen verwendet: „la tua piccola vita malinconica“. Das Possessivum „tua“ ist dort ein Attribut und hat in diesem Satzbau denselben Status wie „piccola“.
In vielen Sprachen existieren neben den begleitenden Possessivformen selbstständige, substantivisch gebrauchte Formen. Im Englischen stehen beispielsweise „my, your, his, her, our, their“ vor einem Substantiv: „my house“. Die selbstständigen Formen „mine, yours, his, hers, ours, theirs“ ersetzen das Substantiv: „Is this your house? – Yes, it is mine.“
Selbstständige Formen und Bezug auf den Besitzer
Auch das Deutsche besitzt selbstständige Possessivpronomina. Sie kommen besonders in mündlicher, familiärer oder informeller Sprache vor. Ihr Verständnis setzt normalerweise voraus, dass das gemeinte Substantiv zuvor genannt wurde; sie werden also anaphorisch, das heißt rückverweisend, gebraucht.
Beispiele sind: „Wem gehört der Löffel? – Das ist meiner.“ Im Akkusativ heißt es: „Ich brauche einen Löffel. – Du kannst meinen nehmen.“ Für ein sächliches Substantiv gilt: „Wem gehört das Messer? – Das ist meins.“ beziehungsweise „Du kannst meins nehmen.“ Für ein weibliches Substantiv lautet die Form: „Wem gehört die Gabel? – Das ist meine.“ Im Plural heißt es: „Wem gehören die Teller? – Das sind meine.“ beziehungsweise „Du kannst meine nehmen.“
Die Formen unterscheiden sich also nach dem grammatischen Geschlecht und nach dem Kasus, während das zuvor genannte Substantiv weggelassen wird.
Person, Genus und Rückbezug
Im Deutschen gibt es für verschiedene grammatische Personen unterschiedliche Possessive. In der 1. Person Singular steht „mein“, in der 1. Person Plural „unser“, in der 2. Person Singular „dein“ und in der 2. Person Plural „euer“. Als Höflichkeitsform wird „Ihr“ verwendet. In der 3. Person Singular stehen je nach Geschlecht des Besitzers „sein“ oder „ihr“; im Plural steht „ihr“. Daneben gibt es die Formen „dessen“ und „deren“.
Bei der 3. Person Singular richtet sich die Wahl im Deutschen nach dem Geschlecht des Besitzers: „das Haus der Schwester – ihr Haus“, „das Haus des Bruders – sein Haus“ und „das Haus des Kindes – sein Haus“. Maskulinum und Neutrum werden dabei nicht unterschieden.
„Sein“ und „ihr“ können sich rückbezüglich auf das Subjekt beziehen. „Mein Känguru stolpert über seinen Schwanz“ bedeutet: über seinen eigenen Schwanz. „Mein Känguru stolpert über dessen Schwanz“ verweist dagegen auf den Schwanz eines anderen. „Dessen“ und „deren“ können nicht rückbezüglich verwendet werden und sind im Gegensatz zu den anderen Possessiven unflektiert.
Auch skandinavische Sprachen unterscheiden solche Bezüge. Im Dänischen bedeutet „Elsker han sin kone?“: „Liebt er seine eigene Frau?“, während „Elsker han hans kone?“ auf die Frau eines anderen verweist. Diese Unterscheidung gibt es dort nur in der 3. Person. In slawischen Sprachen kann der Rückbezug unabhängig von der Person ausgedrückt werden. Im Tschechischen verweist „svoj-“ stets auf das Subjekt: „Já miluji svou ženu“ bedeutet „Ich liebe meine eigene Frau“, ebenso „Ty miluješ svou ženu“, „On miluje svou ženu“ und „Ona miluje svou ženu“.
Deklination im Deutschen
Deutsche Possessiva werden nach Numerus, also Singular oder Plural, und nach Genus des Bezugsnomens dekliniert. Außerdem unterscheiden sich die Formen nach dem Kasus.
Im Nominativ heißt es: „Das ist mein Sohn“, „meine Tochter“ oder „mein Kind“; im Plural: „Das sind meine Söhne/Töchter/Kinder.“ Im Genitiv stehen „der Name meines Sohnes“, „der Name meiner Tochter“, „der Name meines Kindes“ und im Plural „die Namen meiner Söhne/Töchter/Kinder“. Im Dativ lauten die Beispiele „Ich schreibe meinem Sohn“, „meiner Tochter“, „meinem Kind“ beziehungsweise „meinen Söhnen/Töchtern/Kindern“. Im Akkusativ heißt es „Ich suche meinen Sohn“, „meine Tochter“, „mein Kind“ oder im Plural „meine Söhne/Töchter/Kinder“.
Nicht jede Sprache flektiert Possessive. Im Isländischen können nur die Possessive der 1. und 2. Person Singular in allen Kasus und Numeri flektiert werden. Die Possessive der übrigen Personen bleiben in allen Kasus und Numeri unverändert.
Possessivadjektive, Affixe und Ersatzformen
Im Deutschen gibt es Possessive, die mit dem Suffix „-ig“ von Possessivstämmen abgeleitet sind: „der/die/das meinige“, „deinige“, „Ihrige“ als Höflichkeitsform, „seinige“, „ihrige“ im Singular, „unsrige“, „eurige“ und „ihrige“ im Plural. Wegen der Bildung auf „-ig“ sind sie Adjektive und folgen dem Artikel. Meist werden sie substantiviert, also ohne nachfolgendes Substantiv gebraucht. Wegen ihrer relativen Selbstständigkeit werden sie teilweise auch als Possessivpronomina eingeordnet.
Slawische Sprachen bilden Possessivadjektive nicht aus Possessiven, sondern aus Substantiven. Mit dem Suffix „-ov-“ wird von einer männlichen, mit „-in“ von einer weiblichen Person abgeleitet. Beispiele sind kroatisch „Newtonov zakon, Pandorina kutija“, serbisch „Njutnov zakon, Pandorina kutija“, slowakisch „Newtonov zákon, Pandorina skrinka“, slowenisch „Newtonov zakon, Pandorina skrinjica“ und tschechisch „Newtonův zákon, Pandořina skříňka“. Eine ähnliche deutsche Bildung ist „Newtonsches Gesetz“. Im Tschechischen ist außerdem „Merkelin kosočtverec“ für „Merkel-Raute“ belegt.
Viele Sprachen markieren Zugehörigkeit direkt am Substantiv durch Präfixe oder Suffixe. Im Ungarischen werden Possessive als Suffixe an „kép“ („Bild“) angefügt: „kép-em“ mein Bild, „kép-ünk“ unser Bild, „kép-ed“ dein Bild, „kép-etek“ euer Bild, „kép-e“ sein/ihr Bild und „kép-ük“ ihr Bild. Im Türkischen heißt es beispielsweise „ev-im“ mein Haus, „ev-imiz“ unser Haus, „ev-in“ dein Haus, „ev-iniz“ euer Haus, „ev-i“ sein/ihr Haus und „ev-leri“ ihr Haus. Ungarisch und Türkisch unterscheiden in der 3. Person nicht zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht.
Im Quechua kann das Possessivsuffix vor dem Pluralsuffix und weiteren Suffixen stehen: „chaki“ Fuß, „chakiy“ mein Fuß, „chakiykuna“ meine Füße, „chakiykunawan“ mit meinen Füßen. Manche Sprachen besitzen kein Possessivpronomen. Im Japanischen wird die Funktion analytisch durch Personalpronomen und Genitivmarker ausgedrückt: „彼の靴“ [kare no kutsu] bedeutet wörtlich „er, von, Schuhe“, also „seine Schuhe“ oder „Schuhe von ihm“.
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