Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Definitheit (Linguistik)

Determination wird in europäischen Sprachen häufig am Substantiv oder in der Nominalphrase ausgedrückt, kann jedoch genauso über das Verb gesteuert werden. In …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Definitheit
  2. 2. Definitheit im Deutschen
  3. 3. Referenzarten und Determinative
  4. 4. Ausdruck durch Flexion und Verben
  5. 5. Weitere grammatische Ausdrucksformen

Grundidee der Definitheit

Definitheit, auch Determination, Determiniertheit oder Bestimmtheit, ist eine Kategorie der sprachlichen Referenz, also der Bezugnahme auf Dinge oder Personen. Sie unterscheidet die Parameter indefinit, definit, spezifisch und generisch. Ihre Hauptfunktion besteht darin, bereits im Redeuniversum Bekanntes von noch nicht eingeführten Bezugsobjekten zu unterscheiden. Das Redeuniversum ist dabei die Menge der Dinge, Personen oder Sachverhalte, die im Gespräch bereits zur Verfügung stehen.

Im Deutschen ist Definitheit eine grammatische Kategorie. Sie zeigt sich besonders am Gegensatz zwischen dem definiten beziehungsweise bestimmten Artikel und dem indefiniten beziehungsweise unbestimmten Artikel: die alte Dame verweist auf eine bekannte alte Dame, eine alte Dame oder jemand führt dagegen einen neuen Bezug ein. Determination kann in europäischen Sprachen am Substantiv oder in der Nominalphrase ausgedrückt werden, aber auch durch das Verb gesteuert werden. In anderen Sprachen wird sie über Flexion, also durch veränderte Wortformen, angezeigt.

Definitheit im Deutschen

Ein nominaler Ausdruck wird im Deutschen genau dann als definit markiert, wenn seine Referentenmenge bereits im Redeuniversum besteht und zugleich ausgeschöpft wird. „Ausgeschöpft“ bedeutet: Gemeint sind alle Elemente der schon eingeführten Menge, nicht nur ein Teil davon.

In „Da waren Studenten. Sie kamen auf mich zu.“ führt Studenten zunächst eine Referentenmenge neu ein und ist daher indefinit. Im folgenden Satz verweist sie auf diese bereits bekannte Menge und meint alle diese Studenten; deshalb ist sie definit. In „Da waren Studenten. Einige kamen auf mich zu.“ ist Studenten ebenfalls zunächst indefinit. Einige bezieht sich zwar auf die eingeführte Menge, aber nur auf einen nicht ausgeschöpften Teil davon und ist daher indefinit.

Referenzarten und Determinative

Determination legt für ein Nomen fest, in welchem Verhältnis es zu einem außersprachlichen Bezugsobjekt steht. Grundsätzlich wird zwischen indefiniter und definiter Referenz unterschieden. Indefinite Referenz liegt vor, wenn ein Nomen beliebig auf ein Mitglied einer Klasse von Bezugsobjekten verweist, nicht auf ein bestimmtes Exemplar. In „Gegenüber wohnt ein Känguru.“ wird kein spezielles Känguru bestimmt. Die Partikel irgend kann diese Beliebigkeit im Deutschen verstärken.

Definite Referenz umfasst mindestens zwei Unterarten. Ein definiter Typus wird im Deutschen mit solch- und was für ein bestimmt. Diese Determinative beziehen sich auf Eigenschaften eines Bezugsobjekts: „Was für ein Känguru ist das?“ und „Solch ein Känguru hab ich noch nie erlebt.“

Ein definites Token ist dagegen ein bestimmtes einzelnes Exemplar innerhalb einer Klasse, das von anderen Mitgliedern unterschieden wird. Dazu dienen welch- sowie dies- und jen-: „Welches Känguru wohnt gegenüber von dir, dieses oder jenes?“ Der bestimmte Artikel d- (der/die/das) gehört ebenfalls zu diesen Determinativen, kann aber zusätzlich generisch verwendet werden. Dann steht ein Prototyp stellvertretend für eine ganze Klasse: „Das Känguru ist ein Symbol für Australien.“

Quotielle Determination bezieht sich auf Teilmengen von Bezugsobjekten, etwa in „Jedes Känguru kann springen, manch ein Känguru kann auch boxen, aber kein Känguru kann rückwärts gehen.“ Auch viele und manche können Teilmengen ausdrücken. Außerdem regelt Determination, ob ein Bezugsobjekt bei einem Substantiv als zählbar (countable noun, count noun) oder nicht zählbar (uncountable noun, uncount noun) behandelt wird.

Ausdruck durch Flexion und Verben

Morphologie untersucht als Teilgebiet der Linguistik, in welcher Form sprachliche Zeichen grammatische Kategorien ausdrücken. Das Ungarische drückt Determination sowohl in der Nominalflexion als auch in der Verbalflexion aus. Es hat den unbestimmten Artikel egy sowie den bestimmten Artikel a beziehungsweise az vor vokalisch anlautenden Folgewörtern: „Nekem van egy könyvem.“ bedeutet „Ich habe ein Buch“, „Nálam van a könyv.“ bedeutet „Ich habe das Buch.“

Anders als im Deutschen stimmen im Ungarischen auch Verbformen mit dem Objekt in der Kategorie indefinit/definit überein: „Olvasok egy könyvet.“ bedeutet „Ich lese ein Buch“, während „Olvasom a könyvet.“ „Ich lese das Buch“ bedeutet. Dass dieselbe grammatische Kategorie im referenziellen Sachverhalt zweimal ausgedrückt wird, heißt Redundanz. Wird das Objekt weggelassen, bleibt die Determination dennoch am Verb sichtbar: „Olvasok.“ heißt „Ich lese“, „Olvasom.“ heißt „Ich lese es.“

Tschechisch verfügt über keine Artikel. „Mám knihu.“ kann daher sowohl „Ich habe ein Buch“ als auch „Ich habe das Buch“ bedeuten. Determination wird dort häufig durch die Wahl des Verbalaspekts ausgedrückt, beispielsweise durch ein Präfix. Der Aspekt unterscheidet primär imperfektiv und perfektiv, also unabgeschlossene und abgeschlossene Handlungen, kann aber indirekt auf ein Objekt Bezug nehmen. „Četl jsem knihu.“ ist imperfektiv und bedeutet „Ich habe ein Buch (aber nicht unbedingt das ganze) gelesen.“ „Přečetl jsem knihu.“ ist perfektiv: „Ich habe das (ganze) Buch gelesen.“

Weitere grammatische Ausdrucksformen

Einige Sprachen kennzeichnen den definiten Wert durch Suffixe. Bei der definiten Nominalphrase „die Sonne“ stehen beispielsweise albanisch diell=i, bulgarisch slănce=to und rumänisch soare=le. Auch skandinavische Sprachen verwenden solche Formen: isländisch und färöisch sól=in, norwegisch sol=a/sol=en, schwedisch sol=en sowie dänisch sol=en. Im Isländischen kann =in auch vor dem Substantiv als Artikel stehen, etwa hin sól; dies ist in der Alltagssprache jedoch sehr selten. Es handelt sich um Flexion: Albanisch verändert zum Beispiel auch den Auslaut, mace bedeutet „eine Katze“, macja „die Katze“.

Das Persische besitzt trotz seiner ansonsten artikellosen Struktur ein Suffix für den indefiniten Wert: mard bedeutet „(der) Mann“, mard=i „ein Mann“. In kurdischen Sprachen werden Suffixe für definit und indefinit verwendet. Für „Sonne“ steht nordkurdisch roj-Ø definit und roj-ek indefinit, zentralkurdisch roj=eke beziehungsweise roj-êk und südkurdisch roj-e beziehungsweise roj-êk. Im Ossetischen zeigt eine Akzentverschiebung die Determination: færǽt bedeutet „eine Axt“, fǽræt „die Axt“.

Auch Adjektivformen können die Determination einer Nominalphrase ausdrücken. Litauisch unterscheidet jaunas vyras „ein junger Mann“ von jaunasis vyras „der junge Mann“; Slowenisch nov avto „ein neues Auto“ von novi avto „das neue Auto“. Im Cebuano stehen unflektierbare Determinativpartikeln vor einem Substantiv, wenn es Objekt eines transitiven Verbs ist: „Mipalit si Juan sa sakyanan.“ bedeutet „Juan kaufte das Auto“, „Mipalit si Juan og sakyanan.“ dagegen „Juan kaufte ein Auto“.

Weiterlesen

Artikel (Wortart) Als Artikel (von lateinisch articulus ‚Gelenk'), in der traditionellen Grammatik auch Geschlechtswort oder Begleiter, wird ein Wort bezeichnet, … Substantiv Das Substantiv, deutsch auch Hauptwort, Nennwort, Namenwort, Dingwort oder Gegenstandwort, ist eine Wortart. · Das Substantiv bildet zusammen mit dem Verb die … Nominalphrase Innerhalb der Nominalphrase (bzw. Determinansphrase) herrscht im Deutschen grammatische Übereinstimmung (Kongruenz) zwischen Artikel, Adjektiv und Nomen in den … Verb Die Trennung zwischen Verb und Substantiv wird als die fundamentalste Unterscheidung im Bereich der Wortarten angesehen, da hierin die Aufteilung elementarer … Flexion In der Grammatik bezeichnet Flexion (lateinisch flexio ‚Biegung'), deutsch auch Beugung oder (österreichisch) Biegung, eine Änderung in der Form eines … Pronomen Artikel = Begleiter“ & „Pronomen stehen für Nomen (das Kind – es, Monas Tasche – ihre Tasche …).“ ↑ Pons (Peter Hoffmann, Volker Losch): Gewusst wie … Nomen Nomen im engeren Sinn als gleichbedeutend mit Substantiv (der Herkunft nach ein Anglizismus zu noun; heute so in weiten Teilen der Sprachwissenschaft und auch … Morphologie (Linguistik) Die Morphologie (von altgriechisch μορφή morphé, deutsch ‚Gestalt', ‚Form', und λόγος lógos, deutsch ‚Wort', ‚Lehre', ‚Vernunft'), auch: Morphematik oder … Ungarische Sprache Die ungarische Sprache (Eigenbezeichnung magyar nyelv) gehört zum ugrischen Zweig der finno-ugrischen Sprachen innerhalb der uralischen Sprachfamilie. Vokal „Vokale“ im genauen Sinne des Wortes sind vokalische Laute, also Phone: Einheiten der gesprochenen Sprache. Buchstaben der geschriebenen Sprache wie A, E, I, O, … Satz (Grammatik) Ein Satz ist eine aus einem Wort oder mehreren Wörtern bestehende in sich geschlossene sprachliche Einheit. Definitionen des Satzbegriffs sind in … Tschechische Sprache […] so entsteht ein Doppellaut oder Diphthonge. Wir haben sechs solche Doppellaute: au, ay (áy), ey, iy, oy, uy (ůy).“ und „§. 20. Die Böhmen haben sechs …