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Portugiesische Kolonialgeschichte

Die portugiesische Kolonialgeschichte umfasst nahezu 600 Jahre: Sie begann im Spätmittelalter 1415 mit der Eroberung Ceutas und Expeditionen entlang der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Voraussetzungen der Expansion
  2. 2. Seeweg nach Indien und Handelsreich
  3. 3. Wirtschaft, Verwaltung und Kolonialherrschaft
  4. 4. Räume des portugiesischen Reiches
  5. 5. Niedergang, Dekolonisierung und Folgen

Überblick und Voraussetzungen der Expansion

Die portugiesische Kolonialgeschichte dauerte nahezu 600 Jahre: Sie begann 1415 mit der Eroberung Ceutas und endete am 20. Dezember 1999 mit der Rückgabe Macaus an die Volksrepublik China. Mit Besitzungen und Stützpunkten in Afrika, Amerika, Indien, Arabien, Südostasien und China war Portugal das erste tatsächliche Weltreich und das am längsten bestehende Kolonialreich Europas.

Portugal suchte zunächst vor allem Handelswege und Handelsplätze, nicht große zusammenhängende Gebiete. Nach der Reconquista, die für Portugal um 1250 mit der Eroberung der Algarve endete, fehlte den Fidalgos, dem Großbürgertum, ein militärisches Betätigungsfeld. Zugleich war das Land mit knapp einer Million Einwohnern von Getreideimporten abhängig und musste unter anderem Tuch, Eisen, Kupfer und Waffen einführen. Gold- und später Silberknappheit verschärften die Lage. Ceuta war Endpunkt afrikanischer Karawanenwege und ein wichtiger Hafen; daher wurde die Stadt an der Straße von Gibraltar zum ersten Expansionsziel. Die katholische Kirche unterstützte die Unternehmungen auch, um heidnische Gebiete zu missionieren.

Heinrich der Seefahrer initiierte ab 1418 Fahrten entlang der westafrikanischen Küste. Ziele waren Handel mit Reichen südlich der Sahara, der Seeweg nach Indien und die Kontrolle des Gewürzhandels. Portugal nahm 1418/19 Madeira und 1427 die Azoren in Besitz. Gil Eanes umsegelte 1434 das bis dahin als unpassierbar geltende Kap Bojador. Bis 1460 war die Küste bis zum Cabo Mesurado im heutigen Liberia erkundet. Die Reisen waren teuer, gefährlich und zunächst wenig rentabel; sie dienten aber dem Aufbau von Erfahrung, Handelsbeziehungen und militärisch gesicherten Strukturen. 1455 sicherte Papst Nikolaus V. Portugal mit der Bulle Romanus Pontifex politische Ansprüche auf noch zu entdeckende Gebiete von Kap Bojador bis zur Südspitze Afrikas zu.

Fortschritte waren unter anderem die Erkundung des Golfs von Guinea, die Entdeckung der Kapverden 1456 beziehungsweise weiterer Inseln um 1461 sowie die Überquerung des Äquators 1474. 1482 wurde an der Goldküste das Fort São Jorge da Mina, Elmina, errichtet. Portugiesische Seefahrer stellten nun Padrões auf: steinerne Säulen mit Jahreszahl sowie Namen des Seefahrers und Königs, die Besitzansprüche markieren sollten.

Seeweg nach Indien und Handelsreich

Portugal und Spanien teilten ihre Einflusszonen durch den Vertrag von Tordesillas von 1494: Eine östliche Sphäre gehörte Portugal, eine westliche Spanien; 1529 präzisierte der Vertrag von Saragossa diese Ordnung. Der Osten Brasiliens lag in der portugiesischen Sphäre. Die Verträge galten grundsätzlich bis 1777, wurden aber vielfach nicht eingehalten.

Bartolomeu Dias umrundete 1488 das Kap der Guten Hoffnung. Vasco da Gama brach am 8. Juli 1497 mit drei Karavellen und einem Versorgungsschiff auf. Am 20. Mai 1498 erreichte seine Flotte Capocate nördlich von Kalikut; am 10. Juni 1499 traf das erste Schiff wieder in Lissabon ein. Ein Viertel der Mannschaft war gestorben. Die Fahrt eröffnete Portugal den direkten Handel mit Indien und machte das Land im 15. und 16. Jahrhundert zu einer führenden Handels- und Seemacht. Die Blütezeit lag unter den Königen aus dem Haus Avis, besonders Manuel I. (1495–1521).

Pedro Álvares Cabral landete am 23. April 1500 nahe dem heutigen Porto Seguro und nahm Brasilien für Portugal in Besitz. Zunächst war Brasilien vor allem ein Zwischenhalt auf der Indienroute. In Indien schuf Portugal ein Netz aus Faktoreien, also Handelsniederlassungen, und Festungen. Cabral erhielt Stützpunkte in Cochin, Cannanore und Coulão. 1505 wurde Francisco de Almeida erster Vizekönig von Portugiesisch-Indien. Seine Seeschlacht von Diu am 3. Februar 1509 begründete die portugiesische Vorherrschaft im Indischen Ozean.

Afonso de Albuquerque eroberte Goa endgültig am 25. November 1510, Malakka 1511 und Hormus 1515. Goa wurde Hauptstadt des Estado da Índia, der die Besitzungen im Nahen Osten, in Südostasien, China, Japan und Ostafrika verwaltete. Das Ziel war, Handelswege durch strategische Häfen und Meerengen zu kontrollieren. Die Portugiesen konnten jedoch weder Aden einnehmen noch den gesamten Handel über das Rote Meer, die Seidenstraße oder andere Routen verhindern.

Wirtschaft, Verwaltung und Kolonialherrschaft

Das Handelsreich beruhte auf Küstenposten, Festungen und Schiffen. Die 1444 gegründete Companhia de Lagos erhielt das Handelsmonopol für Afrika. Gold, Elfenbein, Pfeffer und weitere Waren wurden gegen unter anderem Weizen, Stoffe, Kleidung, Korallenketten und Silber getauscht. Aus Elmina kam jährlich eine halbe Tonne Gold. Nach dem Seeweg nach Indien wurde der Gewürzhandel besonders wichtig: Pfeffer brachte in Lissabon laut Artikel einen Gewinn von 500 Prozent; mit Vasco da Gamas zweiter Indienreise 1502 überstiegen die Gewinne erstmals die Investitionen, und das Königshaus erzielte einen Gewinn von 400 Prozent.

Ein zentraler und gewaltsamer Bestandteil war der Sklavenhandel. Antão Gonçalves brachte 1441 die ersten schwarzafrikanischen Sklaven nach Portugal. Um 1450 kamen jährlich 700 bis 800 Menschen nach Portugal, nach der Entdeckung des Kongoflusses 1482 wurden jährlich 12.000 Menschen auf den Märkten von Lissabon und Lagos verkauft. Viele wurden nach Kastilien, Aragon und andere Teile Europas verkauft; andere arbeiteten in Portugal oder auf Zuckerrohrplantagen. In Brasilien ersetzten afrikanische Sklaven bald indigene Arbeitskräfte. Die Sklaverei wurde in Portugal und seinen Kolonien 1869 endgültig abgeschafft.

In Brasilien entstanden im 16. Jahrhundert Zuckerrohrplantagen; die Companhia Geral do Comércio do Brasil besaß von 1649 bis 1720 umfassende Handelsmonopole. Kaffee wurde ab 1805 in Brasilien und ab 1815 in Portugiesisch-Timor angebaut. Handelsverluste, Konkurrenz und der Methuenvertrag von 1703 schwächten Portugal: England durfte Textilien ohne Hindernisse exportieren, während portugiesischer Wein in England günstiger besteuert wurde. Das Handelsdefizit gegenüber England wurde mit Gold und Diamanten aus Brasilien bezahlt.

Die Verwaltung war je nach Gebiet verschieden. Im Estado da Índia regierte ein vom Monarchen ernannter Gouverneur oder Vizekönig mit weitreichenden Vollmachten; der Titel Vizekönig wurde jedoch nur gelegentlich verliehen. Brasilien wurde im 16. Jahrhundert in 15 Capitanías Hereditarias geteilt, vererbbare Verwaltungseinheiten, und erhielt 1549 einen Generalgouverneur in Salvador da Bahia. Ab 1714 war Brasilien Vizekönigreich, ab 1763 mit Rio de Janeiro als Hauptstadt.

Seit 1822 stellte Portugal Mutterland und Kolonien rechtlich als Einheit dar. Als Assimilado konnte eine einheimische Person Staatsbürgerrechte erhalten, wenn sie über 18 Jahre alt war, Portugiesisch beherrschte, die Familie versorgen konnte, staatsbürgerliche Pflichten kannte und weder Deserteur noch Wehrdienstverweigerer war. Nichtassimilierte wurden dagegen zunehmend entrechtet und zur Zwangsarbeit herangezogen. 1951 wurden die Kolonien offiziell als Überseeprovinzen bezeichnet; echte Verwaltungsunterschiede ergaben sich daraus laut Artikel kaum.

Räume des portugiesischen Reiches

In Afrika entstanden Handelsplätze und Stützpunkte zunächst an Küsten. In Marokko war Ceuta von 1415 bis 1668 portugiesisch; Tanger fiel 1471 an Portugal und wurde 1661 als Mitgift Katharinas von Braganza an England gegeben. Die meisten marokkanischen Städte wurden im 16. Jahrhundert wegen hoher Kosten und ständiger Angriffe aufgegeben. Die Niederlage bei Alcácer-Quibir am 4. August 1578 kostete Portugal König Sebastian I. und schwächte das Land militärisch schwer.

Wichtige afrikanische Besitzungen waren Kap Verde, Portugiesisch-Guinea, São Tomé und Príncipe, Angola und Mosambik. Angola und Mosambik wurden erst im 19. Jahrhundert großräumiger kontrolliert; zuvor dominierten Handelsposten, Küstenstreifen und Schutzverträge. Portugal verlor viele ostafrikanische Stützpunkte im 17. Jahrhundert an den Oman. Die Niederlande nahmen unter anderem Elmina 1637, Malakka 1641, Ceylon bis 1658 sowie später weitere Stützpunkte ein. In Afrika wurden Guinea-Bissau 1974 sowie Kap Verde, Angola, Mosambik und São Tomé und Príncipe 1975 unabhängig.

Brasilien war die Ausnahme von der Strategie kleiner Küstenstützpunkte und wurde Portugals größte und reichste Kolonie. Es war ab 1530 Kolonie, von 1714 an Vizekönigreich und von 1815 bis 1822 mit Portugal in Personalunion verbunden. Als Brasilien wieder zur Kolonie herabgestuft werden sollte, erklärte Peter I. am 7. September 1822 die Unabhängigkeit. Angaben zu portugiesischen Kolonien in Labrador und Neufundland sind im Artikel ausdrücklich unsicher; gesichert ist dort vor allem portugiesische Fischerei.

In Asien reichte das Netz vom Persischen Golf bis Japan. Hormus beherrschte Portugal mit Unterbrechungen von 1515 bis 1622. In Indien wurden Goa, Diu und Damão 1961 von Indien besetzt; Portugal erkannte die Annexion 1974 an. Ceylon ging bis 1658 an die Niederlande verloren. Malakka war von 1511 bis 1641 portugiesisch. Auf den Molukken arbeiteten die Portugiesen mit dem Sultanat Ternate zusammen; das Fort auf Ternate wurde 1575 nach einem Aufstand aufgegeben. Auf Timor entstand 1586 Portugiesisch-Timor; territoriale Abgrenzungen gegenüber den Niederlanden wurden erst 1916 endgültig geregelt.

In Ostasien wurde Macau ab 1557 Zentrum des portugiesischen Handels. Portugal vermittelte im 16. und 17. Jahrhundert im Handel zwischen China und Japan, wurde aber 1638 beziehungsweise 1639 aus Japan ausgeschlossen. Madeira und die Azoren blieben dagegen Teil Portugals und sind seit 1976 autonome Regionen.

Niedergang, Dekolonisierung und Folgen

Der Niedergang begann um 1600. Portugal war durch die Personalunion mit Spanien von 1580 bis 1640 zusätzlich belastet, denn dadurch wurden England und die Niederlande zu Gegnern seiner Kolonien. Die Handelsgewinne des 15. und 16. Jahrhunderts waren überwiegend Privateigentum des Königs und wurden laut Artikel nicht gewinnbringend investiert. Korruption, Auslandsschulden und der Staatsbankrott unter Sebastian I. schwächten das Reich. Das Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755 zerstörte die Hauptstadt nahezu vollständig. Während der Napoleonischen Kriege floh die Königsfamilie 1807 nach Rio de Janeiro; mit der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 verlor Portugal seine wichtigste Kolonie.

Portugal hielt unter dem autoritären Estado Novo von António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano länger als andere europäische Mächte an afrikanischen Kolonien fest. Unabhängigkeitsbestrebungen wurden militärisch bekämpft. 1974 befanden sich 80 Prozent der portugiesischen Armee in Afrika; Militärausgaben verschlangen fast 60 Prozent des Staatshaushalts. Erst die Nelkenrevolution von 1974 beendete das Regime und führte zur Unabhängigkeit der afrikanischen Kolonien 1974/75.

Osttimor erklärte am 28. November 1975 einseitig die Unabhängigkeit und wurde neun Tage später von Indonesien besetzt und annektiert. Weder die Erklärung noch die Annexion erkannte Portugal an; für die UNO blieb Osttimor bis 1999 ein „abhängiges Territorium unter portugiesischer Verwaltung“. Nach UN-Verwaltung wurde es 2002 unabhängig. Macau erhielt 1976 innere Autonomie und wurde am 20. Dezember 1999 friedlich an China zurückgegeben.

Heute gehören nur Kontinental-Portugal, Madeira und die Azoren zum portugiesischen Staatsgebiet. Portugal und sieben ehemalige Kolonien mit Portugiesisch als Amtssprache bilden die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP). Folgen der Kolonialgeschichte sind auch portugiesische Kreolsprachen in Sri Lanka, Malakka, auf Kap Verde und Flores sowie Mestiços, Bevölkerungsgruppen gemischter portugiesischer und einheimischer Herkunft. 2006 lebten laut Artikel 418.000 Ausländer legal in Portugal, darunter 68.000 aus Kap Verde, 64.000 aus Brasilien, 34.000 aus Angola und 25.000 aus Guinea-Bissau.

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