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Faktorei

Eine Faktorei (französisch factorerie oder factorie, englisch factory ... USA, Schweden, Großbritannien und den Niederlanden. Alte Woermann-Faktorei …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Leitung und Aufgaben
  3. 3. Verbreitung und Bedeutung
  4. 4. Spätere Entwicklung

Begriff und Funktion

Eine Faktorei war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit die Niederlassung eines Handelshauses oder einer Handelskompanie in einem anderen Handelszentrum. Sie diente dazu, Handel vor Ort zu organisieren, Waren zu lagern und den Austausch zwischen entfernten Geschäftspartnern zu ermöglichen. Der Begriff hat keine Überschneidung mit „Faktur“ oder „Fakturierung“.

Leitung und Aufgaben

Der Leiter einer Faktorei hieß Faktor oder Faktorist. Er vertrat seinen Prinzipal, also den Geschäftsherrn, oder die jeweilige Handelskompanie vor Ort.

Zu seinen Aufgaben gehörte es, Ansprechpartner in allen Angelegenheiten zu sein, Berichte und Informationen an den Hauptsitz weiterzugeben und die Warenlogistik zu organisieren. Dazu zählten die fachgerechte Lagerung und der Weitertransport von Waren.

Diese Position war besonders vertrauensvoll, weil Nachrichten aus dem Stammhaus oft erst Tage oder Wochen nach der Ware eintrafen. In mittelalterlichen Handelshäusern wie denen der Fugger und Welser musste der Faktorist daher eigenständig und zuverlässig handeln.

Verbreitung und Bedeutung

Faktoreien wurden besonders in Asien, Afrika und Amerika gegründet. Sie ermöglichten den Warenaustausch zwischen europäischen Handelsgesellschaften und der einheimischen Bevölkerung. Dafür verfügten sie meist über große Lager für Waren, die eingeführt oder ausgeführt wurden.

Ähnliche Niederlassungen gab es schon im 13. und 15. Jahrhundert bei der Hanse in den Ost- und Nordseeländern. Der Ausdruck „Faktorei“ wurde jedoch erst im 16. Jahrhundert gebräuchlich. Die Hanse unterhielt solche Niederlassungen unter anderem in England, etwa in Boston und King’s Lynn, in Norwegen in Tønsberg und in Finnland in Åbo.

Spätere Entwicklung

Im 19. Jahrhundert kamen Faktoreien nur noch in bestimmten Weltregionen vor: in Afrika, im südlichen Teil Asiens, in Ostindien, in Kanton in China bis 1842, in Nagasaki in Japan von 1609 bis 1858 durch die niederländische Faktorei sowie im Norden Amerikas.

Ein Beispiel für Nordamerika waren die Faktoreien der Hudson’s Bay Company, die mit militärischer Ausrüstung und Forts verbunden waren. Aus Faktoreien mächtiger Handelsgesellschaften, die sich nach und nach über größere Gebiete ausdehnten, entstanden mehrfach Kolonien.

Auch im Bergbau gab es spezielle Niederlassungen dieser Art, die Bergfaktoreien genannt wurden.

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