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Zeitalter der Entdeckungen
Als das Zeitalter der Entdeckungen bezeichnet man populärwissenschaftlich das Zeitalter der europäischen Geschichte etwa vom Beginn des 15. bis zum Ende des …
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Begriff und zeitlicher Rahmen
Als „Zeitalter der Entdeckungen“ bezeichnet man populärwissenschaftlich eine Epoche der europäischen Geschichte etwa vom Beginn des 15. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere die Periode zwischen 1416 und 1600. Sie begann in der Frühen Neuzeit und befasst sich im engeren Sinn mit den Erkenntnissen europäischer Seefahrer und Forschungsreisender. In der Geschichtswissenschaft wird häufig der Begriff „Zeitalter der europäischen Expansion“ verwendet, um die europäischen Vorgänge in den Zusammenhang der globalen Geschichte zu stellen. Beide Bezeichnungen sind Arbeitsbegriffe zur Periodisierung der Entdeckungsgeschichte.
Im Mittelpunkt steht vor allem die europäische Expansion nach Übersee. Entdeckungsfahrten von Gonçalo Velho Cabral, Vasco da Gama, Bartolomeu Diaz, Christoph Kolumbus, Ferdinand Magellan, Jacques Cartier, Francis Drake, Willem Janszoon und Pedro Fernandes de Queirós veränderten das geografische Weltbild Europas nachhaltig. Ein wichtiger Bezugspunkt ist die Entdeckung Amerikas 1492. Im 18. und 19. Jahrhundert korrigierten unter anderem die Weltreisen von James Cook das geografische Wissen der Europäer weiter.
Voraussetzungen und technische Fortschritte
Die Entdeckungsfahrten wurden durch Fortschritte in Wissenschaft und Technik ermöglicht. Große, hochseetaugliche Schiffe konnten Menschen, Waffen und Lebensmittel über größere Entfernungen transportieren. Ein bedeutender Schiffstyp war die Karavelle, die sich im 15. Jahrhundert entwickelte. Ihr festes Heckruder, das über die Pinne gesteuert wurde, ermöglichte eine deutlich bessere Steuerung als bei Schiffen mit Seitenrudern.
Auch die Kartografie, die Mathematik und die Navigation machten Fortschritte. Beispiele sind der Behaim-Globus aus den Jahren 1492–1493 und die Mercator-Projektion von 1569. Für die Hochseeschifffahrt ohne Küstensicht waren astronomische Methoden zur Standortbestimmung notwendig. Die geografische Breite ließ sich im Vergleich relativ einfach mit einem Jakobsstab bestimmen, der im 15. Jahrhundert verwendet wurde. Die geografische Länge war dagegen ohne genaue Uhren nur schwer zu ermitteln. Dieses Längenproblem wurde erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelöst beziehungsweise entscheidend verbessert.
Motive, Handelswege und Entwicklung der Fahrten
Zu den Voraussetzungen und Motiven gehörten technische Möglichkeiten, wirtschaftliche Interessen, religiöse Ziele und politische Machtbestrebungen. Durch den Bau großer hochseefähiger Schiffe und die Verbesserung nautischer Instrumente konnten größere Entfernungen zurückgelegt werden. Es entstand ein Welthandel, dessen wichtigste Träger Handelskompanien waren. Der Seehandel nahm dabei den größten Anteil ein; der Fernhandel über Landwege wie die alte Seidenstraße verlor an Bedeutung.
Die europäischen Mächte suchten nach profitablen Handelsmöglichkeiten und Ressourcen. Wichtige Handelsgüter waren Gewürze, Gold, Silber, Seide und Sklaven. Außerdem sollte das Christentum in der Neuen Welt durch Missionierung verbreitet werden. Die europäischen Großmächte wollten ihren politischen Einfluss ausweiten. Dies zeigte sich in den überseeischen Kolonien der Spanier, Portugiesen, Engländer, Holländer und Franzosen.
Der Charakter der Fahrten wandelte sich im Laufe der Zeit. Zunächst standen profitorientierte Unternehmen im Vordergrund. Später wurden daraus zunehmend Erkundungsunternehmen, auf denen wissenschaftliche Forschung betrieben wurde. Der Erkenntnisgewinn reichte dadurch über Seefahrt und Handel hinaus.
Folgen für Handel, Gesellschaft und Kolonien
Das Zeitalter der Entdeckungen führte zur Entstehung neuer Handelsnetzwerke. Maritime Handelsrouten ersetzten zunehmend ältere Verkehrswege wie die Seidenstraße. Der Austausch von Pflanzen und Tieren zwischen den Kontinenten, der als Columbian Exchange bezeichnet wird, veränderte die Lebensweisen in Europa, Amerika, Afrika und Asien. Mit der Dauer der Handelsbeziehungen entwickelte sich außerdem ein kultureller Austausch. Zunächst verbreiteten sich vor allem europäische Religion, Sprache und Kultur in anderen Teilen der Welt; später nahm auch der Austausch in umgekehrter Richtung zu.
Die europäischen Entdeckungen und technischen Fortschritte ermöglichten die Gründung von Kolonien in Afrika, Asien, Amerika und Australien. Diese Gebiete wurden meist gewaltsam erobert. Für die einheimischen Bevölkerungen bedeutete die Kolonisierung überwiegend eine erhebliche Verschlechterung ihrer Lebenssituation. Im Extremfall wurden ganze Kulturen ausgelöscht. Der Atlantische Sklavenhandel und der Kolonialismus gehören daher zu den zentralen und besonders folgenreichen Zusammenhängen dieser Epoche.
Ein konkretes politisches Regelungsbeispiel ist der Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr 1494, der die Verteilung der entdeckten Länder zwischen Portugal und Spanien festlegte. Da auch andere Großmächte an den Gewinnen der Entdeckungen beteiligt sein wollten und der Vertrag seine Bedeutung verlor, wurde der Vertrag von Madrid zu seiner letztendlichen Konsequenz.