Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Popular Vote

Als Popular Vote wird in den Vereinigten Staaten die Anzahl der abgegebenen Stimmen bzw. der prozentuale Stimmenanteil bei einer Wahl für ein politisches …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Rolle bei Präsidentenwahlen
  2. 2. Wie das Wahlmännersystem wirkt
  3. 3. Sieger ohne landesweit größte Stimmenzahl
  4. 4. Relative statt absolute Mehrheit

Bedeutung und Rolle bei Präsidentenwahlen

Als Popular Vote bezeichnet man in den Vereinigten Staaten die Zahl der abgegebenen Stimmen oder den prozentualen Stimmenanteil bei einer Wahl für ein politisches Mandat. Bei Präsidentschaftswahlen zeigt sie, wie viele Wählerstimmen ein Kandidat landesweit erhalten hat.

Sie entscheidet jedoch nicht unmittelbar über das Präsidentenamt. Entscheidend sind die Stimmen des Electoral College, also eines Wahlmännergremiums. Deshalb kann ein Kandidat landesweit mehr Wählerstimmen als sein Gegner erhalten, aber dennoch weniger Wahlmännerstimmen und damit die Wahl verlieren.

Wie das Wahlmännersystem wirkt

Die Wahlmänner werden nach Regeln der einzelnen Bundesstaaten bestimmt und geben anschließend ihre Stimmen ab. Außer in Nebraska und Maine gilt das Prinzip „The winner takes all“: Die Partei mit einfacher Mehrheit in einem Staat entsendet alle Wahlmänner dieses Staates.

Die Zahl der Wahlmänner eines Staates richtet sich nach seiner Zahl von Senatoren und Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus. Weil jeder Staat unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Senatoren hat, sind bevölkerungsarme Staaten im Wahlmännergremium überrepräsentiert.

Mehrere Bundesstaaten gehören dem National Popular Vote Interstate Compact an. Sie verpflichten sich, ihre Wahlmänner nach dem Ergebnis der landesweiten Popular Vote stimmen zu lassen, sobald sich genügend Staaten angeschlossen haben, um eine Mehrheit zu erreichen.

Sieger ohne landesweit größte Stimmenzahl

Die Ergebnisse älterer Wahlen sind nur eingeschränkt mit späteren vergleichbar: Im 18. und frühen 19. Jahrhundert bestimmten viele Staaten ihre Wahlmänner durch das Parlament statt durch eine direkte Volkswahl; zuletzt geschah dies 1860 in South Carolina.

1824 erreichte im Electoral College kein Kandidat die absolute Mehrheit. Daher wählte das US-Repräsentantenhaus am 9. Februar 1825 John Quincy Adams zum Präsidenten; erstmals und bisher einzig kam dafür die Regelung des 12. Zusatzartikels zur Anwendung. Andrew Jackson hatte im Electoral College die einfache Mehrheit. Adams und der ihn unterstützende Henry Clay hatten zusammen aber sowohl im Electoral College als auch in der Popular Vote mehr Stimmen als Jackson. 71 von 261 Wahlmännerstimmen kamen aus Staaten ohne Volkswahl.

1876 erhielt Samuel J. Tilden rund 250.000 Stimmen mehr als Rutherford B. Hayes und führte auch im Electoral College mit 184 zu 165 Stimmen. Über 20 Stimmen aus Florida (4), Louisiana (8), South Carolina (7) und Oregon (1) wurde gestritten. Eine Kommission mit je fünf Mitgliedern von Senat, Repräsentantenhaus und Oberstem Gericht sprach Hayes die Mehrheit zu; im Gegenzug wurden wichtige Punkte zum Wiederaufbau der Südstaaten akzeptiert.

1888 gewann Grover Cleveland die Popular Vote mit knapp 90.000 Stimmen Vorsprung vor Benjamin Harrison, nicht aber die Mehrheit der Wahlmänner. 2000 lag Al Gore bei der Popular Vote mehr als 540.000 Stimmen vor George W. Bush, verlor aber bei den Wahlmännern. 2016 erhielt Hillary Clinton fast 2,9 Millionen Stimmen mehr als Donald Trump, der mehr Wahlmännerstimmen bekam. Trumps Behauptung, fünf Millionen Menschen hätten illegal gewählt, blieb unbelegt; auch seine Kommission fand keine Belege für Wahlbetrug.

Relative statt absolute Mehrheit

Eine relative Mehrheit bedeutet, mehr Stimmen als jeder einzelne Gegenkandidat zu erhalten, aber weniger als 50 % aller Stimmen. Bisher kam es bei fünfzehn Präsidentenwahlen vor, dass ein Kandidat mit weniger als 50 % der Wählerstimmen, aber einer absoluten Mehrheit im Electoral College Präsident wurde.

Besonders knapp waren 1880: James Garfield gewann mit knapp 2.000 Stimmen beziehungsweise weniger als 0,1 % Vorsprung. 1960 gewann John F. Kennedy mit etwa 110.000 Stimmen oder 0,2 % Vorsprung. Abraham Lincoln erreichte 1860 mit weniger als 40 % der Wählerstimmen eine absolute Mehrheit im Electoral College, weil sich drei Gegenkandidaten gegenseitig Stimmen abnahmen. Woodrow Wilson profitierte 1912 davon, dass Theodore Roosevelt als Kandidat der Progressiven Partei gegen den republikanischen Amtsinhaber William Howard Taft antrat; zusammen erhielten Roosevelt und Taft mehr als 50 % der Stimmen.

Auch bei Direktwahlen, etwa zu Kongressmitgliedern, Gouverneuren oder Landesparlamenten, wird von Popular Vote gesprochen. Dort entscheidet ausschließlich diese Stimmenzahl; ein Wahlsieger ohne eigene Stimmenmehrheit ist daher nicht möglich.

Weiterlesen

Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten Die Wahl findet seit 1788 alle vier Jahre statt. Seit 1845 ist der Wahltag auf den Dienstag nach dem 1. November festgelegt, was die Wahl immer auf ein Datum … Electoral College Das Electoral College (deutsch: Wahlmännerkollegium) ist das Organ in den Vereinigten Staaten, das alle vier Jahre den Präsidenten und den Vizepräsidenten … Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten Im politischen System der USA ist das Repräsentantenhaus maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt und hat einige Kontrollfunktionen gegenüber dem Präsidenten. Donald Trump Donald John Trump [ˈdɑn.əld dʒɑn tɹɐmp] (* 14. Juni 1946 in Queens, New York City) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Abraham Lincoln Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Nach der Wahl des Sklavereigegners traten elf der … James A. Garfield Ein zentrales Projekt für Garfield im Kongress war die Durchsetzung einer auf dem Goldstandard beruhenden antiinflationären Hartgeldpolitik. Die meisten Akzente … Harry S. Truman Truman begegnete dieser neuen Weltlage mit der Truman-Doktrin von 1947, die eine „Eindämmung“ des Kommunismus forderte (Containment-Politik). Ab 1948 … Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1960 Die Präsidentschaftswahl in den USA von 1960 markierte das Ende der achtjährigen Präsidentschaft von Dwight D. Eisenhower. Bill Clinton William Jefferson „Bill“ Clinton (* 19. August 1946 in Hope, Arkansas als William Jefferson Blythe III) ist ein US-amerikanischer Politiker der … Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 am 5. November 2024 war die 60. Wahl zum Präsidenten und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. Direktwahl Direktwahl ist die Bezeichnung für eine Wahl in ein (meist politisches) Amt in unmittelbarer Wahl direkt durch die Wahlberechtigten und nicht durch ein …