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James A. Garfield
Ein zentrales Projekt für Garfield im Kongress war die Durchsetzung einer auf dem Goldstandard beruhenden antiinflationären Hartgeldpolitik. Die meisten Akzente …
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Überblick und Bedeutung
James Abram Garfield (* 19. November 1831 in Orange Township, heute Moreland Hills, Ohio; † 19. September 1881 in Elberon, New Jersey) war ein amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und vom 4. März 1881 bis zu seinem Tod der 20. Präsident der Vereinigten Staaten. Seine Präsidentschaft dauerte nur wenige Monate, weil er am 2. Juli 1881 von Charles J. Guiteau angeschossen wurde und später an den Folgen starb.
Garfield ist vor allem aus drei Gründen wichtig: Er verkörperte den sozialen Aufstieg aus armen Verhältnissen, spielte im Sezessionskrieg und im Kongress eine bedeutende Rolle und geriet als Präsident in einen Machtkampf um das Spoilssystem. Das Spoilssystem war die Praxis, staatliche Ämter nach einem Wahlsieg an Parteifreunde und Unterstützer zu vergeben. Garfield näherte sich später den Half-Breeds an, einer republikanischen Gruppe, die eine Verwaltungsreform und die Abschaffung dieses Systems anstrebte. In der Finanzpolitik vertrat er eine antiinflationäre Hartgeldpolitik auf Grundlage des Goldstandards.
Herkunft, Bildung und frühe Politik
Garfield wuchs im damaligen Grenzland der Western Reserve in Ohio in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater Abram Garfield starb 1833 an einer Lungenkrankheit, wodurch die Familie in schwere finanzielle Not geriet. Seine Mutter Eliza Ballou Garfield prägte ihn stark. Die Familie gehörte der christlichen Restoration Movement an, in der Region als Disciples of Christ bekannt. Dieser Glaube beeinflusste Garfields Bildung, Lebensführung und politische Überzeugungen.
Als Jugendlicher las Garfield viel und war zeitweise von Seefahrtsgeschichten fasziniert. 1848 arbeitete er kurz auf einem Kanalboot zwischen Cleveland und Pittsburgh, musste die Arbeit aber wegen einer Fieberkrankheit aufgeben. Ab 1849 besuchte er eine weiterführende Akademie in Chester Township und arbeitete zugleich, unter anderem als Lehrer, um seine Ausbildung zu finanzieren. 1850 ließ er sich nach einem religiösen Erweckungserlebnis taufen.
1851 schrieb er sich am Western Reserve Eclectic Institute, dem heutigen Hiram College, ein. Dort gewann er Ansehen als Schüler, Redner und später Lehrer. 1854 wechselte er an das Williams College in Massachusetts, wo er 1856 abschloss. Dort entwickelte er ein stärkeres Interesse an Politik und änderte seine Haltung zur Sklaverei: Hatte er den Abolitionismus zunächst abgelehnt, sprach er sich nun für eine graduelle Abschaffung der Sklaverei und ein Verbot ihrer weiteren Ausbreitung aus.
Nach dem Studium wurde Garfield Lehrer für alte Sprachen und Literatur am Eclectic Institute. Anfang 1857 wurde er Direktor. Er machte den Unterricht liberaler, verringerte die Bedeutung der Theologie und stärkte Fächer wie Geschichte, Naturwissenschaft und Sport. Am 11. November 1858 heiratete er Lucretia Rudolph. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, fünf erreichten das Erwachsenenalter. 1859 wurde Garfield als Republikaner in den Senat von Ohio gewählt. Dort fiel er vor allem durch seine Redefähigkeit auf. Nach Lincolns Wahl 1860 wandelte sich der frühere Pazifist zu einem entschiedenen Befürworter eines Bürgerkriegs gegen die Sklaverei.
Soldat im Sezessionskrieg
Nach Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs am 12. April 1861 unterstützte Garfield zunächst in Ohio die Aufstellung von Freiwilligen-Regimentern. Im August 1861 erhielt er das Kommando über ein Regiment und wurde bald zum Oberst befördert. Er stellte das 42. Ohio-Freiwilligen-Infanterie-Regiment mit auf, rekrutierte unter anderem Studenten aus Hiram und musste seine Soldaten in kurzer Zeit ausbilden und ausrüsten.
Seinen wichtigsten frühen militärischen Erfolg erzielte Garfield im Januar 1862 in der Schlacht von Middle Creek im Osten Kentuckys. Obwohl er mit etwa 1500 Mann zahlenmäßig unterlegen und ohne Artillerie war, täuschte er dem konföderierten Brigadegeneral Humphrey Marshall eine größere Truppenstärke vor. Die Konföderierten zogen sich zurück; die Verluste waren gering, auf Seiten der Union fielen drei Männer. Dieser Erfolg machte Garfield im Norden bekannt. Danach wurde er zum Brigadegeneral befördert und blieb in der Öffentlichkeit lange als „General Garfield“ bekannt.
Bei der Schlacht von Shiloh im April 1862 kam Garfields Brigade nach einem Gewaltmarsch erst an, als die Schlacht bereits entschieden war. Später nahm er am Vormarsch auf Corinth teil, den er wegen der Vorsicht von General Henry Wager Halleck als frustrierend empfand. Im selben Jahr kandidierte Garfield erfolgreich für das Repräsentantenhaus, blieb aber zunächst noch im Militärdienst.
1863 wurde Garfield Chef des Stabes der Army of the Cumberland unter General William Starke Rosecrans. Er gewann großen Einfluss auf Strategie und Organisation der Armee. Garfield war überzeugt, dass der Krieg nicht nur militärisch gewonnen werden konnte, sondern auch eine politische Lösung durch die Befreiung der Sklaven brauchte. Bei der Schlacht von Chickamauga im September 1863 spielte sein Ritt zu General George Henry Thomas eine wichtige Rolle in seiner späteren politischen Legende, auch wenn die Gefahr dieses Ritts im Wahlkampf 1880 wahrscheinlich überhöht dargestellt wurde. Nach der Schlacht wurde Garfield nach Washington beordert, zum Generalmajor befördert und entschied sich, seinen Sitz im Repräsentantenhaus einzunehmen.
Kongressarbeit und politische Positionen
Garfield gehörte von 1863 bis 1880 dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten an. Anfangs stand er den radikalen Republikanern nahe, die eine harte Politik gegenüber den ehemaligen Südstaaten und weitgehende Maßnahmen zur Sicherung der Rechte der befreiten Sklaven unterstützten. Im 38. Kongress arbeitete er im Militärausschuss und half bei der Überarbeitung des Wehrpflichtgesetzes. Eine wichtige Änderung war, dass ein Freikauf vom Wehrdienst nicht mehr möglich war.
Nach dem Bürgerkrieg wurden Garfields Positionen zur Reconstruction, also zur politischen Neuordnung der ehemaligen Konföderierten Staaten, zeitweise gemäßigter. Er vertrat aber weiterhin, dass die Südstaaten durch den Krieg Rechte verwirkt hätten und dass das Wahlrecht für Schwarze ein Beweis ihrer Reue sein könne. Als Präsident Andrew Johnson gegen das Freedmen’s Bureau vorging, wandte Garfield sich gegen ihn. 1868 unterstützte Garfield nach Johnsons Entlassung von Kriegsminister Stanton ein Amtsenthebungsverfahren, weil er darin einen Verstoß gegen den Tenure of Office Act sah.
Ein zentrales Thema Garfields war die Finanzpolitik. Er wandte sich gegen Greenbacks, also Papiergeld, dessen Wert gegenüber Gold stark schwankte, und forderte eine Rückkehr zu Hartgeld und Goldstandard. Diese Haltung war in Ohio und anderen nordwestlichen Bundesstaaten unpopulär, weil dort inflationäre Papiergeldpolitik viele Anhänger hatte. Garfield betrachtete Hartgeld jedoch als moralisches und intellektuelles Prinzip. In der Zollpolitik handelte er pragmatischer und unterstützte Schutzzölle, wenn sie Landwirtschaft und Industrie seines Wahlbezirks nützten.
Ab 1871 leitete Garfield den Haushaltsausschuss. Dort zeigte er ein modernes Verständnis von Haushaltsplanung: Er wollte die Ausgaben der Regierung zentraler, regelmäßiger und transparenter machen. Diese Arbeit gilt als Höhepunkt seiner Kongresskarriere. Zugleich wurde sein Ansehen 1873 beschädigt: Er geriet in den Crédit-Mobilier-Skandal um die Baufirma Crédit Mobilier of America, wurde aber nicht sanktioniert. Noch stärker schadete ihm die umstrittene Gehaltserhöhung für Präsident und Kongressabgeordnete, die als „salary grab“ kritisiert wurde.
1877 war Garfield an der Lösung der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 1876 beteiligt. Er saß in der 15-köpfigen Wahlkommission, die mit 8:7 Stimmen zugunsten von Rutherford B. Hayes entschied. Der anschließende Kompromiss von 1877 ermöglichte Hayes’ Amtsantritt, beendete aber faktisch die republikanische Unterstützung für die Regierung Louisianas und war Teil des Endes der Reconstruction. 1877 wurde Garfield Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus. 1880 wählte ihn der Kongress von Ohio in den Senat, doch er trat dieses Amt wegen seiner Präsidentschaftswahl nicht mehr an.
Wahl von 1880 und Präsidentschaft
Auf der Republican National Convention in Chicago 1880 standen sich die Parteiflügel der Stalwarts und Half-Breeds gegenüber. Die Stalwarts unterstützten vor allem Ulysses S. Grant und verteidigten das Spoilssystem. Die Half-Breeds standen eher für Reformen und unterstützten unter anderem James G. Blaine. Garfield war offiziell als Unterstützer von John Sherman auf dem Parteitag, wurde aber nach langen Blockaden zum Kompromisskandidaten. In der 36. Abstimmungsrunde erhielt er 399 Stimmen und damit die Nominierung. Als Vizepräsidentschaftskandidat wurde Chester A. Arthur, ein Stalwart, ausgewählt.
Im Wahlkampf 1880 führte Garfield eine sogenannte Front Porch Campaign von seinem Haus Lawnfield in Mentor, Ohio. Er empfing dort Besucher, hielt Ansprachen und zeigte sich als Familienmensch. In seinem Letter of Acceptance äußerte er sich gegen chinesische Zuwanderung und blieb bei der Verwaltungsreform vage. Am 2. November 1880 gewann er gegen den Demokraten Winfield Scott Hancock. Im Popular Vote lag Garfield nur wenige tausend Stimmen vorn, im Electoral College siegte er mit 214 von 369 Wahlmännern. Sein Sieg beruhte vor allem auf den Nordstaaten, während die Demokraten den Solid South, also die ehemaligen Sklavenstaaten, als Hochburg festigten.
Als gewählter Präsident musste Garfield bis zur Amtseinführung am 4. März 1881 ein Kabinett bilden. Dabei versuchte er, die verschiedenen Parteiflügel und Regionen auszubalancieren. James G. Blaine wurde Außenminister und sein wichtigster Berater. Roscoe Conkling, der führende Stalwart aus New York, bekämpfte mehrere Personalentscheidungen. Diese Spannungen setzten sich in Garfields kurzer Präsidentschaft fort.
In seiner 35-minütigen Antrittsrede betonte Garfield die Südstaaten- und Minderheitenpolitik. Er forderte, den Ausgang des Sezessionskriegs anzuerkennen, und versprach, die Rechte der Afroamerikaner, besonders ihr Wahlrecht, zu verteidigen. Außerdem setzte er Hoffnungen auf bessere Schulbildung, um das Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen zu befrieden.
Der wichtigste innenpolitische Konflikt war der Streit mit Conkling um Stellenbesetzungen, besonders um die Leitung der Zollstelle des New Yorker Hafens. Diese Behörde war wegen ihrer Größe und ihrer gut bezahlten Stellen für das Spoilssystem sehr wichtig. Garfield setzte sich schließlich durch: William H. Robertson wurde am 18. Mai 1881 bestätigt. Damit stärkte Garfield die Unabhängigkeit des Präsidenten gegenüber Senat und Parteibossen. In der Finanzpolitik erreichte er, dass Staatsanleihen mit 6 % Zinsen in großem Umfang zu niedrigeren Zinssätzen verlängert wurden; mehr als 90 % der Gläubiger machten mit, und der Bund sparte jährlich mehr als 10 Millionen US-Dollar, eine Senkung um 40 %. Außerdem ließ Garfield die Star-Route-Affäre im Postministerium untersuchen, bei der es um Korruption bei Postrouten im Westen ging.
Attentat, Tod und Bewertung
Am 2. Juli 1881 wurde Garfield in der Baltimore & Potomac Station in Washington von Charles J. Guiteau angeschossen. Guiteau hatte sich eingebildet, maßgeblich zu Garfields Wahlsieg beigetragen zu haben, und erwartete dafür ein Amt im Spoilssystem. Er hatte unter anderem die Botschaft der Vereinigten Staaten in Wien gefordert. Nachdem seine Bitten ignoriert wurden, plante er das Attentat. Nach der Festnahme sagte er: „I am a Stalwart, Arthur is now President of the United States.“
Eine Kugel streifte Garfields Arm, die andere drang in den Rücken ein, zertrümmerte die elfte Rippe und blieb im Körper. Die Ärzte, darunter D. W. Bliss, untersuchten den Schusskanal mit ungewaschenen Fingern und ohne Sterilisation. Nach damaligem medizinischem Stand in den Vereinigten Staaten wurden antiseptische Verfahren nach Joseph Lister von vielen Ärzten noch nicht praktiziert oder sogar abgelehnt. Garfield überlebte zunächst, war aber wochenlang schwer krank, bewegungsunfähig und stark geschwächt. Alexander Graham Bell entwickelte einen Metalldetektor zur Suche nach der Kugel, doch die Ergebnisse waren wegen metallischer Bettfedern nicht eindeutig.
Garfield konnte sein Amt nach dem Attentat kaum noch ausüben. Es entstand eine Verfassungsdebatte, weil unklar war, wie mit einem lebenden, aber amtsunfähigen Präsidenten umzugehen sei. Vizepräsident Arthur lehnte den Vorschlag ab, vorübergehend als Präsident zu amtieren, und gewann dadurch öffentliches Ansehen. Garfield wurde am 6. September in den Badeort Elberon gebracht, erholte sich aber nicht. Er starb am 19. September 1881 um 22:35 Uhr. Sein Leichnam wurde in der Rotunde des Kapitols aufgebahrt und von über 70.000 Trauergästen besucht. Am 26. September wurde er auf dem Lake View Cemetery in Cleveland beigesetzt.
Historisch wird Garfield unterschiedlich beurteilt. Allan Peskin sieht in seinem Konflikt mit Conkling den Versuch, die Machtbalance zwischen Präsident und Senat zugunsten des Weißen Hauses wiederherzustellen. Charles W. Calhoun betont Garfields Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Kongress und nennt die Zinssenkung bei Staatsanleihen seine größte politische Errungenschaft. Ira Rutkow hebt hervor, dass Garfield einer der bedeutendsten Kongressabgeordneten seiner Zeit war, als Präsident aber vor allem als Parteifunktionär und Attentatsopfer in Erinnerung blieb. Nach seinem Tod entstanden Denkmäler wie das über 50 m hohe James A. Garfield Memorial in Cleveland, das James A. Garfield Monument vor dem Kapitol in Washington, D.C., und die James A. Garfield National Historic Site in Lawnfield.