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Erster Opiumkrieg

Der Erste Opiumkrieg war ein bewaffneter Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie, der vom 4. September 1839 bis zum 29.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Chinahandel, Silberkrise und Opium
  3. 3. Eskalation und britische Kriegsentscheidung
  4. 4. Militärische Unterlegenheit und Kriegsverlauf
  5. 5. Verträge und Folgen

Überblick

Der Erste Opiumkrieg war ein bewaffneter Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China unter der Qing-Dynastie. Er dauerte vom 4. September 1839 bis zum 29. August 1842 und endete mit einem britischen Sieg sowie dem Vertrag von Nanking. Als Casus Belli diente Großbritannien die Beschlagnahmung von Opium britischer Händler in Kanton. Das eigentliche britische Interesse war jedoch, den illegalen Opiumhandel zu erhalten: Er glich das britische Handelsdefizit gegenüber China aus.

Die Briten eroberten und blockierten mit einer modernen Flotte wichtige Küstenstädte. China konnte weder bei der Verteidigung noch bei Gegenangriffen militärische Erfolge erzielen. Der Krieg zwang die Qing-Regierung zu Verträgen, die als „Ungleiche Verträge“ bezeichnet werden: China verlor weitgehend die Kontrolle über seinen Außenhandel, musste Häfen öffnen, Hongkong abtreten und Reparationszahlungen leisten. In China gilt die Niederlage als Beginn des „Jahrhunderts der Demütigung“ und als Auslöser einer Krise des bisherigen Staats- und Gesellschaftssystems.

Chinahandel, Silberkrise und Opium

Der europäische Handel mit China war zunächst stark eingeschränkt. Seit 1760 durfte mit Europäern nur in Kanton gehandelt werden. Sie lebten dort in den Dreizehn Faktoreien und handelten über die Cohong-Gilde, eine Gruppe chinesischer Kaufleute unter strenger staatlicher Kontrolle. Für Großbritannien war besonders Tee wichtig: Die Teeimporte nach England stiegen von 250.000 Pfund im Jahr 1725 auf 24 Millionen Pfund im Jahr 1805. China erzielte bis etwa 1820 meist große Handelsüberschüsse; von 1800 bis 1810 flossen rund 26 Millionen US-Dollar nach China.

Ab den 1820er Jahren änderte sich dies. Von 1828 bis 1836 hatte China ein Handelsdefizit von 38 Millionen US-Dollar, vor allem weil Opium mit Silber bezahlt wurde. Gleichzeitig wurde Silber weltweit knapper. Das Verhältnis von Kupfermünzen zu einem Tael Silber, der etwa 37 g entsprach, verschlechterte sich von 1.000 : 1 im 18. Jahrhundert über 1.350 : 1 im Jahr 1830 auf 1.600 bis 2.000 : 1 im Jahr 1840. Da Steuern in Silber berechnet, aber in Kupfer eingezogen wurden, traf dies besonders Bauern, Handwerker und Arbeiter. Ab 1830 verschärften Deflation der Getreidepreise, Arbeitslosigkeit, Korruption und Unterfinanzierung des Staates die soziale Lage.

Opium war in China bekannt, sein Handel aber seit 1729 verboten. Die britische Ostindienkompanie produzierte hochwertiges Patna-Opium in Bengalen und überließ private Händler dem Schmuggel nach China. 1823 wurde Opium zum wichtigsten Importgut des Kaiserreichs. Die von der Ostindienkompanie nach China exportierte Menge stieg von 3.159 Kisten 1805 auf 40.200 Kisten 1839. Das größere Angebot senkte die Preise und verbreitete den Konsum auch in ärmeren Gruppen und außerhalb Südchinas.

In der Qing-Führung wurde über Gegenmaßnahmen gestritten. Manche forderten die Einstellung des Außenhandels, andere die Legalisierung und Besteuerung von Opium. Kaiser Daoguang entschied sich schließlich für eine harte Unterdrückung. Ein Memorandum von Huang Juezi aus dem Jahr 1838 schlug nach einer einjährigen Karenzzeit die Todesstrafe für Opiumkonsumenten vor. Der Kaiser entsandte daraufhin Lin Zexu mit umfassenden Vollmachten nach Kanton.

Eskalation und britische Kriegsentscheidung

Lin Zexu traf am 10. März 1839 in Kanton ein. Er ließ Opium chinesischer Händler beschlagnahmen und Opiumpfeifen zerstören. Am 18. März verlangte er von ausländischen Händlern die Übergabe ihrer Vorräte. Als diese nicht sofort nachkamen, wurden sie im Faktoreibezirk festgesetzt; chinesische Angestellte und Diener mussten ihn verlassen. Charles Elliot, britischer Handelssuperintendent, ordnete schließlich die Abgabe des Opiums an, um die Händler freizubekommen und Gewalt zu verhindern. Er versprach ihnen eine Entschädigung durch die britische Krone zum Marktpreis. Übergeben wurden 20.283 Kisten; ihr Marktwert entsprach ungefähr einem Jahreshaushalt der Krone. Das Opium wurde auf Befehl Daoguangs öffentlich vernichtet.

Im Juli 1839 eskalierte die Lage erneut, als die chinesische Regierung die Auslieferung eines britischen Seemanns verlangte, der wegen Totschlags an einem Chinesen angeklagt war. Elliot verweigerte dies. Lin untersagte daraufhin die Versorgung britischer Schiffe in Macau. Am 4. September 1839 kam es bei Hongkong zum ersten Seegefecht.

In London setzte Außenminister Lord Palmerston eine militärische Intervention durch. Großbritannien sollte China zur Übernahme der Entschädigungsforderung und zu besseren Handelsbedingungen zwingen. Ein Antrag der konservativen Opposition, den Krieg zu stoppen, scheiterte am 10. April 1840. Kritiker wie William Gladstone bezeichneten den Konflikt als „Palmerstons Opiumkrieg“. Die britische Regierung wollte durch Blockaden von Häfen und Flussdeltas Handel und Getreidetransport stören, bis China britische Bedingungen akzeptierte. Ende Juli 1840 standen dafür 22 Kriegsschiffe sowie 3.600 bis 4.600 britische und indische Soldaten bereit.

Militärische Unterlegenheit und Kriegsverlauf

Die Qing-Streitkräfte waren zahlenmäßig groß, aber technisch und organisatorisch schwach. Ihre nominelle Gesamtstärke betrug 800.000 Soldaten; in Kanton standen zu Kriegsbeginn jedoch nur 2.400 Soldaten bereit. Die Acht Banner bildeten die mandschurische Militärelite, die Grüne Standarte bestand aus Han-chinesischen Berufssoldaten. Hinzu kamen örtlich angeworbene, nur wenig ausgebildete Hilfstruppen, die Yong. Unterfinanzierung, Korruption, veraltete Waffen und ein System, in dem Kommandeure bei Niederlagen die Todesstrafe fürchten mussten, beeinträchtigten die Kampfkraft.

Chinesische Soldaten nutzten meist Luntenschlossmusketen nach portugiesischen Vorbildern aus dem 16. Jahrhundert; ihre typische Reichweite betrug höchstens 100 Meter. Dschunken trugen nur etwa zehn Kanonen und waren auf Fluss- und Küstengewässer beschränkt. Die Briten verfügten dagegen über Linienschiffe mit bis zu 120 Kanonen, moderne Artillerie, Haubitzen, Raketen und Dampfschiffe wie die vollständig aus Metall gebaute Nemesis. Ihre Baker-Gewehre trafen mit 35-g-Geschossen bis etwa 200 m zielgenau, Brunswick-Gewehre mit 52-g-Geschossen bis 300 m. Die britische Seeherrschaft erlaubte schnelle Truppenverlegungen entlang der Küste.

Im Juli 1840 eroberten die Briten Zhoushan und die Stadt Dinghai. Eine britische Militärverwaltung wurde eingerichtet; Krankheiten kosteten die Besatzung in den folgenden Monaten etwa 400 Mann. Zunächst verhandelten Elliot und der Qing-Beauftragte Qishan. Die Konvention von Chuenpi sah unter anderem sechs Millionen Silberdollar für zerstörtes Opium und einen britischen Stützpunkt in Hongkong vor. Sie wurde aber sowohl von Daoguang als auch von Palmerston abgelehnt.

1841 besiegten die Briten die Qing-Truppen bei Kanton. Nach der Zweiten Schlacht von Kanton akzeptierte der Oberbefehlshaber Yishan einen Waffenstillstand; gegen eine Zahlung von einer Million Yuan zogen sich die Briten am 1. Juni zurück. Danach führte Henry Pottinger die britische Offensive fort. Die Briten eroberten im Oktober 1841 erneut Dinghai, dann Zhenhai, Ningbo und Xiamen. Ein chinesischer Gegenangriff auf Ningbo, Zhoushan und Zhenhai im März 1842 scheiterte. Im Sommer 1842 fielen Shanghai und Zhenjiang, im August Nanjing. Am 13. August begannen dort Friedensverhandlungen. Die britischen Verluste betrugen 530 Mann, davon 69 Gefallene; die chinesischen Verluste werden auf 18.000 bis 20.000 Tote und Verwundete geschätzt.

Verträge und Folgen

Der Vertrag von Nanking wurde am 29. August 1842 an Bord der HMS Cornwallis vor Nanjing unterzeichnet. Er öffnete Kanton, Xiamen, Fuzhou, Shanghai und Ningbo für Ausländer und löste die Cohong-Gilde auf. China trat Hongkong ab und musste insgesamt 21 Millionen Tael in sieben Raten bis 1845 zahlen: 12 Millionen für britische Kriegskosten und 9 Millionen als Entschädigung für Opiumhändler. Außerdem sollten britische Gefangene freigelassen und chinesische Kollaborateure nicht bestraft werden. Die britische Blockade sollte erst nach der vollständigen Zahlung der Reparationen enden. Der Vertrag regelte den Opiumschmuggel selbst nicht; das Wort „Opium“ erschien nur bei den Reparationszahlungen.

Der Vertrag von Humen vom 8. Oktober 1843 ergänzte diese Bestimmungen. Er gewährte Briten juristische Extraterritorialität, also die Unterstellung unter britische statt chinesische Gerichtsbarkeit. Britische Kriegsschiffe durften Vertragshäfen anlaufen, und für 26 Handelsgüter wurden feste Importzölle festgelegt. China verlor damit auch die Souveränität über seine Zollpolitik. Die Meistbegünstigungsklausel sicherte Großbritannien jeweils die günstigeren Bedingungen, die China einem anderen Staat einräumen würde. 1844 folgten ähnliche Ungleiche Verträge mit Frankreich und den USA. Die Republik China gewann das Recht zur eigenen Zollfestsetzung erst 1928 zurück; Hongkong blieb bis 1997 britische Kronkolonie.

Für China verschärfte der Krieg wirtschaftliche und soziale Spannungen. Die staatlichen Kriegsausgaben beliefen sich auf rund 25 Millionen Tael Silber, zusätzlich wurden 5 Millionen Tael durch Kontributionen aus der Bevölkerung mobilisiert. Die Niederlage schwächte die Legitimität der Qing-Dynastie und trug zusammen mit den sozialen Folgen der Handelsunterbrechung zum Nährboden der Taiping-Rebellion bei. Eine grundlegende Modernisierung des Militärs blieb zunächst aus. Im Zweiten Opiumkrieg ab 1856 nutzten Großbritannien und Frankreich die militärische Schwäche erneut.

Der Opiumimport stieg trotz der Maßnahmen weiter und erreichte 1849 50.000 Kisten. Nach der erzwungenen Legalisierung im Zweiten Opiumkrieg nahmen Opiumanbau und -konsum deutlich zu. Großbritannien steigerte zunächst seine Gewinne aus dem Handel, doch die erwarteten großen Absatzmärkte für britische Industrieprodukte in China entstanden nicht. Die weiterhin geringe chinesische Kaufkraft und das erneute britische Handelsdefizit trugen 1856 zur Motivation für den Zweiten Opiumkrieg bei.

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