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Geschichte Japans
Die Expansion endete mit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg und mit der Besetzung durch Truppen der Vereinigten Staaten. Heute gilt Japan als …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und frühe Besiedlung
Die Geschichte Japans umfasst die Entwicklung auf dem Gebiet des heutigen Staates von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie ist von geographischer Abgeschiedenheit und zeitweiser selbstgewählter Abschottung, zugleich aber von äußeren Einflüssen geprägt. Besonders China beeinflusste Kultur und Sprache durch Buddhismus und Konfuzianismus. Die gewaltsam erzwungene Öffnung 1854 führte zur Modernisierung, zum Aufstieg des Japanischen Kaiserreichs und später zur Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Heute wird Japan als technikbegeisterter, global agierender Industriestaat beschrieben.
Homo sapiens besiedelte die japanischen Inseln ungefähr vor 30.000 Jahren; der älteste Knochenfund heißt Minatogawa 1 und stammt von Okinawa. Als Wege der Besiedlung werden Einwanderungen über die damaligen Landbrücken aus Sibirien nach Hokkaidō und von der Koreanischen Halbinsel nach Zentraljapan genannt. Südjapan wurde möglicherweise von Südostasien aus auf dem Seeweg erreicht. Die Landbrücken verschwanden nach der letzten Kaltzeit vor etwa 20.000 Jahren.
Die Jōmon-Zeit dauerte ungefähr von 16.500 bis 300 v. Chr. Kennzeichnend waren Keramiken mit Schnur- und Kordelmustern; in Japan wurden die ältesten Schnurmusterkeramiken der Welt gefunden. Jäger und Sammler lebten in lockeren Verbänden und Grubenbehausungen, betrieben Brandrodung und bauten bereits unter anderem Reis, Getreide, Soja-Bohnen, Kürbisse, Hanf, Perilla und Adzukibohnen an. Für das 1. Jahrtausend v. Chr. sind Seidenherstellung, Spinnerei und Weberei nachgewiesen.
In der Yayoi-Zeit, etwa 400 v. Chr. bis 300 n. Chr., verbreiteten Neueinwanderer Nassreisanbau und Metallverarbeitung. Die zuvor halbnomadische Lebensweise wich dem Ackerbau. Aus Dorfgemeinschaften entstanden erste Staaten; Yamatai war der mächtigste. Damit begann das japanische Altertum.
Zentralstaat und Kaiserhof
Die Kofun-Zeit dauerte etwa von 300 bis 552 und ist nach den schlüssellochförmigen Hügelgräbern, den Kofun, benannt. Chinesische Chroniken erwähnen ein Königreich Yamato und fünf Könige. Koreanische Mönche aus Baekje brachten im 6. Jahrhundert den Buddhismus nach Japan. Nach heftigen Konflikten wurde er Staatsreligion; dabei gewann die Familie Soga Einfluss.
Die Asuka-Zeit begann etwa 592 und dauerte bis 710. Prinzregent Shōtoku Taishi schuf 604 mit den „17 Artikeln“ Regeln für die ethische Herrschaft, übernahm chinesische Hofränge, ließ ein Wegenetz anlegen und Chroniken erstellen. Nach einem Putsch der Reformpartei unter Naka-no-Ōe 645 folgten 646 die Taika-Reformen. Die Taika-Edikte unterstellten alles Land dem Kaiser und ordneten Hauptstadtbau, Landvermessungen, Volkszählungen und Steuern an. Mit den Taiho-Erlässen von 701 war ein Zentralstaat mit gesetzlicher Ordnung um den Kaiser geschaffen.
710 wurde Heijō-kyō, das spätere Nara, Hauptstadt. Die Nara-Zeit war überwiegend friedlich und kulturell blühend. Zugleich schwächte der zunehmende Landbesitz von Klöstern und Großfamilien den Hof; deshalb wurde die Hauptstadt nach Heian-kyō, dem späteren Kyōto, verlegt.
Die Heian-Zeit (794–1185) begann mit einer erneuten Stabilisierung der Kaiserherrschaft unter Kammu-Tennō. Später übte die Familie Fujiwara durch Heiratspolitik die Macht aus. Kaiser Go-Sanjō brach diese Herrschaft nach seiner Thronbesteigung 1068, regierte jedoch nach seinem Eintritt ins Kloster indirekt weiter. Die kaiserliche Macht verlor dadurch Ansehen. Trotz kultureller Blüte, etwa durch das Genji Monogatari, zerfiel die politische Ordnung.
Mittelalter: Shōgune, Bürgerkriege und Einigung
Das japanische Mittelalter erstreckte sich von 1185 bis etwa 1600. In der Kamakura-Zeit (1185–1333) kämpften die Kriegerfamilien Taira und Minamoto um die Herrschaft. Im Gempei-Krieg besiegten die Minamoto unter den Brüdern Yoritomo und Yoshitsune die Taira. Minamoto no Yoritomo errichtete in Kamakura das erste Shōgunat: eine militärisch organisierte Regierung neben der alten kaiserlichen Struktur. Diese Regierung hieß Bakufu, ungefähr „Zeltregierung“. Nach Yoritomos Söhnen verlagerte sich die Macht zur Familie Hōjō.
Unter den Hōjō versuchten die Mongolen 1274 und 1281 Japan zu erobern. Stürme zerstreuten beide Invasionsflotten; daraus stammt die Bezeichnung Kamikaze, „Götterwind“. Die Abwehr schwächte das Shōgunat, weil Vasallen zwar Truppen und Festungsdienste geleistet hatten, aber keine eroberten Ländereien als Belohnung verteilt werden konnten. 1333 vernichteten Ashikaga und Nitta die Hōjō.
Die Ashikaga errichteten anschließend das Muromachi-Shōgunat (1333–1568). Nach einer Hochphase unter Ashikaga Yoshimitsu zerschlug der Ōnin-Krieg von 1467 bis 1477 Hauptstadt und Zentralgewalt. In der Sengoku-jidai, der Zeit der streitenden Reiche, zerfiel Japan in Herrschaftsgebiete einzelner Fürsten. Portugiesen brachten Feuerwaffen und versuchten eine christliche Missionierung; zugleich entwickelten sich Handelsbeziehungen zwischen Regionen.
In der Azuchi-Momoyama-Zeit (1568–1600) einigten Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu das Land. Hideyoshis Invasion Koreas 1592 kostete mehr als 200.000 Menschen das Leben; seine Motive werden im Artikel als umstritten bezeichnet. Tokugawa Ieyasu besiegte 1600 Ishida Mitsunari bei Sekigahara und wurde unumschränkter Herrscher.
Edo-Zeit: Ordnung, Abschottung und Öffnung
Die Edo-Zeit dauerte etwa von 1600 bis 1868. Die Tokugawa-Shōgune waren die mächtigsten Fürsten und herrschten über rund 250 Daimyō, die ihre Gebiete weitgehend autonom verwalteten. Der kaiserliche Hof in Kyōto blieb als dritte politische Konstante bestehen, war jedoch von der Machtausübung ausgeschlossen.
Theoretisch gliederte das konfuzianische Ständesystem die Bevölkerung in Krieger-Gelehrte, Bauern, Handwerker und Kaufleute (shi-nō-kō-shō). Ein Wechsel war nahezu unmöglich, praktisch zählte aber sozialer Status und Vermögen. Samurai dienten meist in ziviler und militärischer Verwaltung und lebten von Amts- und Rentenlehen. Haushalte, meist Kleinfamilien oder bei hohen Statusgruppen Abstammungsgemeinschaften (ie), waren die kleinsten Verantwortungsgruppen. In Dörfern und Stadtvierteln hafteten Gruppen oft gemeinsam für Verfehlungen einzelner Mitglieder.
Der Handel mit China und Europa wurde auf Nagasaki konzentriert. Die Niederländer waren die einzigen europäischen Handelspartner und unterhielten eine Station auf Dejima. Über Übersetzungen entwickelten sich die Rangaku, die „Hollandstudien“, als Vermittlung westlicher Ideen. Beziehungen zu Korea, den Ainu, Russland und dem Königreich der Ryūkyū-Inseln liefen über einzelne Fürstentümer. Die Edo-Zeit war außerdem durch Urbanisierung und Marktwirtschaft geprägt. Kaufleute und Händler (chōnin) entwickelten eine bürgerliche Stadtkultur mit Vergnügungsvierteln, Ukiyo-e, Kabuki und neuen Musikstilen.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts forderten Russland, England und die USA Zugang zu Japan. 1853 erschienen die „Schwarzen Schiffe“ unter Commodore Matthew Perry in der Bucht von Edo. Nach seiner Rückkehr 1854 stimmte Shōgun Tokugawa Iesada dem Vertrag von Kanagawa und Handelsbeziehungen mit den USA zu. Widerstand gegen Tokugawa und Europäer sammelte sich in der Sonnō-jōi-Bewegung. 1868 beendete die Meiji-Restauration im Namen des Tennō die Tokugawa-Herrschaft.
Kaiserreich, Expansion und Zweiter Weltkrieg
Von 1868 bis 1945 war Japan ein Kaiserreich unter dem Tennō. In der Meiji-Zeit wurden das Ständesystem abgeschafft, Schulpflicht, Geldsteuern und eine Wehrpflichtarmee eingeführt. Die offizielle politische Macht lag beim Tennō, tatsächlich bei ehemaligen Samurai, den Meiji-Oligarchen. Die Iwakura-Mission von 1871 bis 1873 regte Verfassung und Modernisierung an. Japan übernahm das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch nahezu unverändert und wurde eine konstitutionelle Monarchie. Es siegte 1895 im Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg und 1905 im Russisch-Japanischen Krieg; die russischen Streitkräfte wurden bei Tsushima vernichtend geschlagen.
Japans Imperialismus führte 1905 zum Protektorat über Korea und 1910 zur Annexion. Im Ersten Weltkrieg erklärte Japan Deutschland am 23. August 1914 den Krieg, eroberte Kiautschou sowie deutsche Besitzungen auf Karolinen, Marianen und Marshallinseln und übernahm sie gemäß Versailler Vertrag. Die Weltwirtschaftskrise ab etwa 1929/1930 stärkte Schwerindustrie und Finanzgruppen, die zaibatsu, und förderte Aufrüstung und Expansion. Nach dem Austritt aus dem Völkerbund am 27. März 1933 und dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke 1937 begann der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg. Nach der Einnahme Nankings begingen japanische Truppen 1937/38 drastische Kriegsverbrechen.
Mit dem Angriff auf Pearl Harbor Ende 1941 trat Japan formell in den Zweiten Weltkrieg ein. Es eroberte große Teile Ost- und Südostasiens und errichtete die „Großostasiatische Wohlstandssphäre“. Japanische Truppen begingen Kriegsverbrechen, setzten biologische und chemische Kampfstoffe ein und führten Menschenversuche an Kriegsgefangenen durch. Die Niederlagen bei Midway im Juni 1942 und Guadalcanal leiteten die Wende ein. Nach Iwojima und Okinawa 1945 sowie den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 und der sowjetischen Kriegserklärung vom 8. August kapitulierte Japan bedingungslos. Kaiser Hirohito verkündete dies am 15. August 1945.
Nachkriegszeit und Gegenwart
Nach 1945 wurde Japan in einen demokratischen Staat umgewandelt. Von 1945 bis 1952 besetzten die Alliierten, faktisch die USA, das Land unter General Douglas MacArthur. Die Potsdamer Verträge beschränkten das Gebiet wieder auf die Hauptinseln; die Ryūkyū-Inseln blieben bis 1972 US-amerikanisches Hoheitsgebiet. Demokratisierung und Entmilitarisierung prägten die Besatzungszeit. Die Verfassung von 1947 stellte Demokratie und Frieden in den Mittelpunkt und erlaubte nur Selbstverteidigungsstreitkräfte. Japan und die USA verband ein Sicherheitspakt. Der Friedensvertrag von San Francisco von 1951 stellte mit 48 Staaten offiziell Frieden her; die Besatzung endete 1951/52.
Der Kaiser wurde in den Tokioter Prozessen nicht angeklagt; auch Teile alter Eliten wirkten am neuen Staatsgefüge mit. Nach Darstellung des Artikels förderte dies Stabilität, aber eine unzureichende Aufarbeitung von Krieg und Kriegsverbrechen. Große Kriegskonzerne wurden zerschlagen und Schul- sowie Hochschulwesen reformiert.
1956 nahm Japan wieder Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China auf und wurde Mitglied der Vereinten Nationen. 1955 entstand ein stabiles System aus Liberaldemokratischer Partei (LDP) und Sozialistischer Partei Japans; 1965 normalisierten sich die Beziehungen zu Südkorea. Automobil- und Schiffbau, später Elektronik, trugen besonders in den 1960er und 1970er Jahren den wirtschaftlichen Aufstieg. 1985 wurde der Yen freigegeben und wertete gegenüber dem US-Dollar auf, was die Exportwirtschaft dämpfte.
Nach Hirohitos Tod 1989 begann unter Akihito 1990 die Heisei-Zeit, die vom Platzen der Bubble Economy und einer Wirtschaftskrise überschattet wurde. 2011 wurde nach dem Tōhoku-Erdbeben der Stärke 9 wegen eines Störfalls im Kernkraftwerk Fukushima I erstmals der nukleare Notfall ausgerufen. Naruhito bestieg am 1. Mai 2019 den Chrysanthementhron und wurde am 22. Oktober 2019 offiziell zum 126. Tennō ausgerufen.