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Shanghai
Shanghai, auch Schanghai (chinesisch 上海, Pinyin) ist die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und eine der größten Städte der Welt.
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Lage, Aufbau und Klima
Shanghai ist eine regierungsunmittelbare Stadt der Volksrepublik China. Das bedeutet, dass sie direkt der Zentralregierung untersteht und verwaltungsmäßig den Rang einer Provinz hat. Sie liegt in Ostchina im Jangtsekiangdelta am Huangpu-Fluss bei 31° 14′ nördlicher Breite und 121° 28′ östlicher Länge. Das Verwaltungsgebiet umfasst 6.340,5 km² und liegt durchschnittlich 4 m über dem Meeresspiegel. 2020 lebten dort 24.870.895 Menschen; die Bevölkerungsdichte betrug 3.922,5 Einwohner/km².
Der Huangpu ist 113 km lang, im Durchschnitt 360 m breit und die wichtigste Wasserstraße der Stadt. Er teilt Shanghai in die westlich gelegene Kernstadt Puxi und das östlich gelegene Pudong. Weitere wichtige Flüsse sind der Suzhou, der Chuanyang und der Dingpu. Der größte See ist der Dianshan mit 62 km². Zur Stadt gehören außerdem die Insel Chongming sowie Changxing und Hengsha. Das flache Delta besteht aus fruchtbarem Alluvialboden, der durch Sedimente des Jangtsekiang entstanden ist. Durch die Deltabildung liegt Shanghai heute etwa 30 km landeinwärts, obwohl es ursprünglich am Meer gegründet wurde.
Administrativ ist Shanghai in Stadtbezirke, Großgemeinden, Straßenviertel und Gemeinden gegliedert. Die Übersicht nennt 16 Stadtbezirke; im Abschnitt zur Stadtregierung werden dagegen 18 Stadtbezirke und ein Kreis genannt. Die Kernstadt umfasst sieben Bezirke westlich des Huangpu, darunter Huangpu, Xuhui, Jing’an und Yangpu. Pudong, Baoshan, Jiading und Minhang gehören zum städtischen Siedlungsgebiet, während Chongming, Qingpu, Songjiang, Jinshan und weitere Bezirke stärker ländlich geprägt sind.
Shanghai besitzt ein subtropisch-maritimes Monsunklima mit vier Jahreszeiten. Die Winter sind feuchtkalt; die Durchschnittstemperaturen liegen bei 3,4–5,6 °C. Die Sommer sind schwülheiß mit durchschnittlich 23,1–27,2 °C, hoher Luftfeuchtigkeit und gelegentlichen Taifunen. Die höchste offiziell gemessene Temperatur betrug am 7. August 2013 40,8 °C, die tiefste am 19. Januar 1893 −12,1 °C. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 15,3 °C, die jährliche Niederschlagsmenge bei 1112 mm und die Zahl der Regentage bei durchschnittlich 130.
Historische Entwicklung und Bevölkerung
Die Besiedlung der Region reicht bis etwa 4000 v. Chr. zurück. 960 wurde Shanghai erstmals als Dorf erwähnt, 1074 erhielt es ein eigenes Steuerbüro. Mit dem Wachstum des Jangtse-Deltas entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Handelshafen für Baumwolle. 1554 erhielt sie eine 10 m hohe Stadtmauer mit einem Umfang von 5 km.
Nach dem Ersten Opiumkrieg erzwang Großbritannien 1842 im Vertrag von Nanking die Öffnung Shanghais als Vertragshafen. 1847 folgten die Franzosen; später kamen US-Amerikaner und Japaner hinzu. Ihre Gebiete bildeten privilegierte ausländische Konzessionen, darunter das International Settlement und die Französische Konzession. Dort galten teilweise ausländische Gerichtsbarkeit, eigene Polizeikräfte und besondere Rechte. Die Stadt wuchs durch Handel, Industrie, Zuwanderung und die Flucht vieler Menschen vor dem Taiping-Aufstand, dem Boxeraufstand und den politischen Umbrüchen von 1911. Zugleich entstanden große soziale Gegensätze und das erste städtische Proletariat Chinas.
Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre wurde Shanghai zu einer Weltstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts überschritt die Einwohnerzahl eine Million. 1921 wurde in Shanghai die Kommunistische Partei Chinas gegründet. Die Bewegung des 30. Mai ging von Shanghai aus. 1932 griff Japan die Stadt mit etwa 70.000 Soldaten an; der Konflikt endete am 5. Mai 1932 mit einem Waffenstillstand. In der Zweiten Schlacht um Shanghai eroberten japanische Truppen die Stadt am 9. November 1937 bis auf die exterritorialen Gebiete. In der Internationalen Sicherheitszone suchten hunderttausende chinesische Flüchtlinge Schutz.
Zwischen 1938 und 1941 flohen etwa 18.000 jüdische Menschen aus Deutschland und Österreich nach Shanghai, weil dort kein Visum benötigt wurde. Im Mai 1943 zwang die japanische Besatzungsmacht die seit 1938 eingetroffenen Flüchtlinge in das sogenannte Shanghaier Ghetto im Stadtbezirk Hongkou. An diese Geschichte erinnert das Jüdische Flüchtlingsmuseum.
Am 27. Mai 1949 übernahmen die Kommunisten unter Mao Zedong die Kontrolle. Ausländische Unternehmen verlegten ihre Einrichtungen vielfach nach Hongkong, ausländisches Kapital wurde konfisziert oder stark besteuert. Die Kulturrevolution begann 1966 in Shanghai; nach Maos Tod 1976 war die Stadt die letzte Bastion der Viererbande. Seit den 1980er Jahren setzte ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung ein.
2020 hatte Shanghai 24.870.895 Einwohner. 2010 wurden etwa 23 Millionen Menschen erfasst, darunter 15,9 Millionen registrierte Bewohner mit ständigem Wohnsitz und 7,1 Millionen temporäre Bewohner. Die registrierte Bevölkerung schrumpfte natürlich: Das natürliche Wachstum sank von etwa 4,0 % im Jahr 1957 auf −0,19 % im Jahr 2000. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 82,41 Jahre. Das Bevölkerungswachstum wird vor allem durch Zuwanderung getragen. Die Kernstadt und inneren Vororte wuchsen von 6,9 Millionen Einwohnern 1957 auf 13,9 Millionen 2008. Die Agglomeration hatte 2017 24,826 Millionen Einwohner; für 2035 werden 34,3 Millionen erwartet.
Die Wohnsituation verbesserte sich, blieb aber problematisch. Die Wohnfläche pro Kopf stieg von 3 m² im Jahr 1957 auf etwa 9 m². Seit den 1980er Jahren wurde die gesamte Wohnfläche mehr als verdoppelt. Dennoch herrscht besonders in alten Stadtvierteln und unter temporären Einwohnern Wohnungsnot. Sanierungen und Verkehrsprojekte führten zur Umsiedlung mehrerer hunderttausend Menschen an den Stadtrand. Viele Migranten lebten auf Baustellen, in Betriebswohnheimen oder in einfachen selbstgebauten Siedlungen.
Politik und wirtschaftliche Bedeutung
Shanghai wird von einer Stadtregierung verwaltet. Bürgermeister ist Gong Zheng; Parteisekretär ist seit Oktober 2017 Li Qiang. Unterhalb der Stadtregierung stehen Stadtbezirke, Großgemeinden, Straßenviertel, Gemeinden sowie Einwohner- und Dorfkomitees. Im Vergleich zu Peking wird Shanghai im Artikel als verhältnismäßig liberal geprägt beschrieben. Die Stadt unterhält zahlreiche Städte- und Regionenpartnerschaften, unter anderem mit Hamburg, Yokohama, San Francisco, Mailand, Rotterdam, Osaka und Basel.
Shanghai ist die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und ein wichtiges internationales Wirtschafts- und Finanzzentrum. Führende Produktionszweige sind Textilien, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Fahrzeuge und Schiffe, Maschinen, Stahl, Papier, Druckereierzeugnisse sowie elektrotechnische Geräte und Computer. Seit den 1980er Jahren wurde die Stadt durch Wirtschaftsreformen und staatliche Investitionen modernisiert. 1990 wurde Pudong als Sonderwirtschaftszone gegründet. Dort konzentrieren sich Finanzwesen, moderne Industrie, Informations- und Mikroelektroniktechnik sowie Bioindustrie.
Die Shanghai Stock Exchange wurde 1990 gegründet und ist die wichtigste Börse des chinesischen Festlands. 2002 folgte die Shanghai Gold Exchange, Chinas größte Warenbörse für Gold, Silber und Platin. Außerdem befinden sich in Shanghai die Shanghai Futures Exchange und die China Financial Futures Exchange. 2015 betrug das Bruttoinlandsprodukt 2,50 Billionen Yuan, das BIP pro Kopf 113.511 Yuan. Das jährliche Wirtschaftswachstum war seit 1991 zweistellig und sank bis 2015 auf 8 %. Shanghai belegte 2018 den 6. Platz unter den wichtigsten Finanzzentren der Welt.
Der Hafen von Shanghai ist für den Welthandel entscheidend. 2022 war er mit 47,28 Millionen TEU der größte Containerhafen der Welt; 2012 betrug sein Gesamtumschlag 736 Millionen Tonnen. Der Tiefwasserhafen Yangshan ist seit 2005 in Betrieb und übernimmt den größten Teil des internationalen Containerumschlags. Shanghai besitzt außerdem ein dichtes Kanalnetz für Binnenschiffe, Lastkähne und Schuten. Die Kanäle dienen unter anderem dem Transport von Massengütern, Lebensmitteln, Baumaterial, Abfällen und Aushub.
Der wirtschaftliche Aufschwung brachte auch Probleme: Überbevölkerung, Smog, Lärm, verschmutzte Flüsse, Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch und Prostitution werden im Artikel als ungelöste oder wieder zunehmende Probleme genannt. 1996 wurde Shanghai zu den am stärksten umweltgeschädigten Städten weltweit gezählt.
Verkehr, Bildung und Infrastruktur
Shanghai ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Die Stadt ist seit 1908 durch die Shanghai-Nanking Railway mit Nanking verbunden und besitzt heute vier Hauptbahnhöfe. Der Bahnhof Shanghai-Hongqiao wurde 2010 eröffnet und gilt als größter Bahnhof Asiens. Der Südbahnhof wurde im August 2006 eröffnet.
Shanghai hat zwei Flughäfen. Der internationale Flughafen Shanghai-Pudong liegt 45 km östlich der Stadt und wurde 1999 eröffnet. Der Flughafen Shanghai-Hongqiao liegt 15 km westlich und wird vor allem für den Inlandsverkehr genutzt; 2010 erhielt er ein neues Terminal und eine zweite Startbahn. Beide Flughäfen werden von der Shanghai Airport Group betrieben und haben zusammen eine Kapazität von 100 Millionen Passagieren.
Der Transrapid Shanghai nahm am 31. Dezember 2002 den Betrieb auf. Er verbindet die Station Longyang-Straße mit dem Flughafen Pudong, ist 30 km lang und benötigt acht Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bei einem Teil der Fahrten 431 km/h, sonst 300 km/h. Die Baukosten betrugen etwa 1,2 Milliarden Euro.
Die Metro Shanghai wurde am 10. April 1995 mit einem 16,1 km langen Abschnitt eröffnet; aktuell verkehren 19 U-Bahn-Linien. Im Bezirk Songjiang gibt es seit 2018 ein modernes Straßenbahnnetz. Von 1908 bis 1975 bestanden bereits Straßenbahnen; ein Translohrsystem im Bezirk Zhangjiang wurde von 2009 bis 2023 betrieben. Das Trolleybusnetz wurde am 15. November 1914 eröffnet und gilt als das älteste durchgehend betriebene Oberleitungsbusnetz der Erde. Zusätzlich verkehren zahlreiche, jedoch häufig überfüllte Stadtbusse.
Wichtige Brücken sind die 36 km lange Hangzhou Bay Bridge, die Shanghai mit Ningbo verbindet, die 32,5 km lange Donghai Daqiao zum Hafen Yangshan und die Shanghai Changjiang Daqiao, eine Kombination aus Tunnel und Brücke zu den Inseln Chongming und Changxing. Die Stadt besitzt mehrere tausend Brücken.
Shanghai ist auch ein Bildungs- und Forschungszentrum. Bedeutende Hochschulen sind die Jiaotong-Universität Shanghai, die Fudan-Universität, die Pädagogische Universität Ostchina, die Tongji-Universität, die Fremdsprachenuniversität Shanghai und die 2013 gegründete ShanghaiTech University. Die Deutsche Schule Shanghai in Qingpu und Pudong ist mit über 1000 Schülern die größte deutsche Auslandsschule.
Kultur, Religion und Stadtbild
Shanghai verbindet historische, koloniale und hochmoderne Stadtbereiche. Am Huangpu liegt der Bund mit einer Uferpromenade und europäischen Gebäuden aus der Zeit um 1900. Zu den bekannten Bauwerken gehören das ehemalige Zentralgebäude des chinesischen Seezolls, das Peace Hotel und die 1908 eröffnete Waibaidu-Brücke. In der Altstadt liegen der Yu-Garten aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit etwa 30 Hallen und Pavillons sowie ein Basar. Zu den historischen Bauwerken zählen außerdem die siebenstöckige Long-Hua-Pagode und das Long-Hua-Kloster.
Pudong ist durch moderne Hochhäuser geprägt. Das Shanghai World Financial Center erreicht 492 m und besitzt 101 Stockwerke. Der Shanghai Tower ist 632 m hoch und steht im Finanzdistrikt Lujiazui. Der Oriental Pearl Tower ist 468 m, der Jin Mao Tower 421 m hoch. Auf dem Gelände der Expo 2010 entstand die Expoachse mit der weltgrößten Membrankonstruktion. Der Artikel nennt außerdem einen 2006 fertiggestellten, 90.000 m² großen Bunker für 200.000 Menschen.
Zu den wichtigen Museen gehören das Shanghai-Museum mit Sammlungen chinesischer Keramik, Porzellane, Gemälde und weiterer Kunst, das China Art Museum in Pudong, das AURORA Museum, das Naturwissenschaftliche Museum, das Automuseum Shanghai in Anting und die Power Station of Art. Das M50 Arts District ist ein Zentrum für zeitgenössische Kunst in einem alten Industriegebiet am Suzhou Creek.
Religiöse Stätten sind der buddhistische Jadebuddha-Tempel mit zwei aus weißer Jade gefertigten Buddha-Statuen, der Jing’an-Tempel, der Longhua-Tempel mit einer über tausend Jahre alten Pagode, daoistische und konfuzianische Tempel, die katholische Xujiahui-Kathedrale, die Xiaotaoyuan-Moschee und Kirchen verschiedener christlicher Gemeinschaften.
Shanghai besitzt bedeutende Theater und Veranstaltungsorte. Das Shanghai Grand Theater am Volksplatz hat drei Säle mit 1800, 600 und 250 Plätzen. Das Shanghai Oriental Art Center ist eine führende Einrichtung der darstellenden Künste. Das geplante Shanghai Grand Opera House soll einen Hauptsaal mit 2000 Plätzen und zwei weitere Bühnen mit je 1000 Plätzen erhalten; die Eröffnung ist für Ende 2026 vorgesehen. Der Century Park in Pudong umfasst etwa 140 ha. Weitere Grünanlagen sind der Volkspark, der Huangpu-Park und der Botanische Garten Chenshan.
Regelmäßige Veranstaltungen sind unter anderem das Longhua-Tempelfest, das Drachenbootfest, das Shanghai International Film Festival, der Große Preis von China der Formel 1, das Mondfest, der Shanghai-Marathon und internationale Musik-, Mode-, Kunst- und Tourismusfestivals. Bei der Shanghai-Küche sind frischer Fisch, Schalen- und Krustentiere sowie das Rotkochen charakteristisch. Dabei köcheln Fisch, Fleisch oder Geflügel in einem Fond aus dunkler Sojasauce und Reiswein. Eine bekannte Spezialität sind Xiaolongbao, mit Schweinefleisch gefüllte Shanghai-Ravioli.
Film und internationale Prägung
Shanghai war ein frühes Zentrum des chinesischen Films. 1896 wurden dort erstmals bewegte Bilder in China gezeigt, 1908 eröffnete das erste Kino des Landes. In den 1930er Jahren stammten wegen der großen ausländischen Bevölkerung mehr als 80 % der gezeigten Filme aus Hollywood.
Das Studio Mingxing produzierte in den 1920er und 1930er Jahren Filme mit linksgerichteter und antiimperialistischer Tendenz. Sister Flower (1933) von Zheng Zhengqiu stellt anhand zweier getrennter Zwillingsschwestern die Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben dar. Das Studio Lianhua veröffentlichte Shen nü – Die Göttliche (1934) von Wu Yonggang. Der Film handelt von einer Prostituierten, die trotz gesellschaftlicher Vorurteile für die Ausbildung ihres Sohnes kämpft.
Nach der japanischen Besetzung 1937 mussten Mingxing und Lianhua schließen. Ein bedeutendes Werk der Kriegszeit war Spring River Flows East (1947), das den Antijapanischen Krieg und die ersten Jahre des Bürgerkriegs aus der Perspektive einer betroffenen Familie schildert. Mehr als 750.000 Menschen besuchten die Uraufführungen. Nach 1949 wurden die privaten Studios geschlossen oder staatlich kontrolliert; viele Filmschaffende gingen nach Hongkong, und Shanghai verlor zunächst an internationaler Bedeutung. Seit den 1980er Jahren entstanden wieder zahlreiche Filme, die Shanghai als Schauplatz nutzen.