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Pneumatologie
Pneumatologie (griechisch πνεῦμα pneûma ‚Hauch, Atem' und λόγος lógos ‚Rede, Sinn') bezeichnet innerhalb der Dogmatik der Christlichen Theologie die Lehre …
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Gegenstand und biblische Bezüge
Die Pneumatologie ist innerhalb der Dogmatik, also der systematischen Glaubenslehre der christlichen Theologie, die Lehre vom Heiligen Geist. Dieser gilt als dritte Person der Trinität, der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Pneumatologie reflektiert, wer der Heilige Geist ist, wie er zu Gott dem Vater und Jesus Christus steht und wie sein Wirken verstanden wird.
In der Bibelwissenschaft spricht man besonders von alttestamentlicher, johanneischer und paulinischer Pneumatologie. Die johanneische Pneumatologie hebt die Vorstellung des Parakleten hervor. Der Paraklet ist eine im Johannesevangelium wichtige Bezeichnung für den Heiligen Geist.
Glaubensbekenntnisse und Gottheit des Geistes
Eine wichtige Grundlage bildet der dritte Teil des Apostolischen Glaubensbekenntnisses aus dem 5. Jahrhundert. Er nennt: den Heiligen Geist, die heilige katholische beziehungsweise christliche oder allgemeine Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Schon das möglicherweise auf 125 bis 135 nach Christus datierte Altrömische Glaubensbekenntnis (Romanum) enthält: „(Ich glaube) auch an den Heiligen Geist.“ Aus ihm entwickelten sich später das Nicäno-Konstantinopolitanum und das Apostolische Glaubensbekenntnis. Alle drei behandeln den Heiligen Geist in einem dritten Abschnitt.
Der Geist wird dort eng mit Kirche und Gemeinschaft der Heiligen verbunden, steht jedoch nicht auf derselben Ebene wie sie: Nur beim Heiligen Geist heißt es „Ich glaube an“, bei der Kirche fehlt das entsprechende lateinische in beziehungsweise griechische εἰς. Der Geist ist Glaubensgrund als Teil der dreieinigen Gottheit; zur Kirche bekennt man sich als Wirkungsfeld des Geistes Christi, trotz ihrer Fehler und Mängel.
Im 4. Jahrhundert bestritten die Pneumatomachen die Gottheit des Heiligen Geistes. Beim Ersten Konzil von Konstantinopel 381 setzte sich die Position durch, seine Gottheit ausdrücklich zu bekennen. Die lateinische Fassung des dritten Artikels des nicaenischen Glaubensbekenntnisses ergänzt, der Geist gehe „aus dem Vater und dem Sohne“ hervor. Er wird als „Herr und Lebensspender“ beschrieben, lateinisch spiritus vivificans, also als die Schöpfung belebender Geist. Die Ergänzung steht im Zusammenhang mit dem Filioque-Streit.
Reformatorisches Verständnis
Die Reformation des 16. Jahrhunderts hält an den altkirchlichen Bekenntnissen und an der Göttlichkeit des Heiligen Geistes fest, betont aber besonders sein Wirken bei der Entstehung und Weckung des Glaubens.
Die Confessio Augustana von 1530 erklärt in Artikel I, dass es ein göttliches Wesen und darin drei gleich mächtige und gleich ewige Personen gibt: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Alle drei seien „ein göttliches Wesen, ewig, unteilbar, unendlich“ und Schöpfer sowie Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. In Artikel V wird das Predigtamt mit Evangelium und Sakramenten als Mittel genannt, durch die Gott den Heiligen Geist gibt. Dieser wirkt den Glauben „wo und wann er will“ in Menschen, die das Evangelium hören.
Martin Luther schreibt 1529 im Kleinen Katechismus, dass Menschen nicht aus eigener Vernunft oder Kraft an Christus glauben oder zu ihm kommen können. Der Geist beruft durch das Evangelium, erleuchtet mit seinen Gaben, heiligt und erhält im rechten Glauben. Zugleich beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und erhält er die ganze Christenheit. Glaube und Liebe gelten damit nicht als menschlich verfügbar, sondern als Wirken des Heiligen Geistes; er begründet auch Gemeinde und Kirche.
Der Heidelberger Katechismus von 1563 sagt in Frage 53 erstens, der Heilige Geist sei „gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn“. Zweitens sei er den Glaubenden gegeben, vermittle durch wahren Glauben Anteil an Christus und dessen Wohltaten, tröste und bleibe „in Ewigkeit“.
Stellung in katholischer und evangelischer Dogmatik
In der katholischen Theologie ist die Ekklesiologie, die Lehre von der Kirche, auf die Pneumatologie verwiesen. In der klassischen katholischen Dogmatik wurde Pneumatologie deshalb meist nicht als eigener Traktat ausgeführt. Für Gottes- und Trinitätslehre bleibt sie jedoch unverzichtbar; außerdem werden die Gaben des Heiligen Geistes gelehrt. Hans Küng betont, der Geist dürfe nicht als ein von Gott abgetrenntes „Drittes“ oder Ding zwischen Gott und Menschen gedacht werden, sondern meine Gottes persönliche Nähe zu den Menschen.
In der evangelischen Theologie ist die Pneumatologie ein zentraler Teil der Dogmatik und wird häufig vom dritten Artikel des Credo her entfaltet. Zugleich wird eine Vernachlässigung festgestellt: Wolfhart Pannenberg nennt die Rede vom Geist für die Gegenwart besonders unverständlich, Horst Georg Pöhlmann beobachtet dies im Luthertum, und Wilfried Härle sieht bei vielen westlichen Christen ein eher randständiges Interesse, ausgenommen etwa Pfingstkirchen und charismatische Bewegungen.
Für ihre Stellung im Gesamtaufbau der Dogmatik gibt es keine einheitliche Lösung. Sie kann Teil der Gottes- und Trinitätslehre sein, weil der Geist die dritte göttliche Person ist. Sie kann in der Schöpfungslehre stehen: Das Nicäno-Konstantinopolitanum nennt ihn den Geist, der „Herr ist und lebendig macht“, und Genesis 1,2 sagt, der Geist Gottes schwebte „auf dem Wasser“ (Lutherübersetzung 1545) beziehungsweise „über dem Wasser“ (Lutherübersetzung 2017). Sein lebensschaffendes Wirken wird außerdem mit Pfingsten, Kirche und christlicher Gemeinde verbunden.
Pneumatologie kann auch Oberbegriff für Soteriologie (Lehre vom Heil), Ekklesiologie und Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) sein, weil diese Themen im dritten Glaubensartikel erscheinen. Ob Auferstehung und ewiges Leben dabei als Werk des Geistes gelten oder nur abschließende Glaubensaussagen sind, bleibt nach Gerhard Ebeling eine Spezialfrage der Symbolgeschichte. Schließlich kann Pneumatologie als Teil der Soteriologie beziehungsweise Gnadenlehre behandelt werden. Diese aus der abendländischen Scholastik stammende Perspektive beschreibt die inneren Wirkungen göttlicher Gnade, auch als theologische Tugenden.
Geist, Christus, Freiheit und Leben
Pöhlmann warnt davor, Pneumatologie gegen Christologie, also gegen die Lehre von Christus, auszuspielen. Im Neuen Testament werde der Geist mit Christus verbunden: „Der Herr ist der Geist“ (2. Korinther 3, 17). Der Heilige Geist ist damit „der Christus praesens“, der gegenwärtige Christus. Wichtig sind auch Jesu Abschiedsreden in Johannes 14–17. Die Geistesgaben aus 1. Korinther 12 prägen besonders die Glaubenspraxis von Pfingstkirchen und charismatischen Gemeinschaften. Das Heil wird dem Einzelnen durch den Geist „sola gratia, sola fide, solo Christo“ zugeeignet: allein aus Gnade, allein durch Glauben, allein durch Christus.
Karl Barth versteht Pneumatologie christozentrisch, also von Christus her. Zugleich ist der Geist für ihn der Geist der Freiheit: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Den Geist zu empfangen, zu haben und in ihm zu leben heißt, befreit zu sein und in Freiheit leben zu dürfen. Pfingsten beschreibt er als Bewegung von Christus zum Menschen hin; pneuma kann dabei auch „Wind“ bedeuten.
Als Reaktion auf eine als zu stark christozentrisch angesehene Theologie fordern Emil Brunner und Otto Alexander Dilschneider eine stärkere Theologie des Geistes. Brunner bezeichnete den Geist 1951 als ein oft vernachlässigtes „Stiefkind der Theologie“. Dilschneider sprach von „akuter Geistvergessenheit“ und davon, dass das Pfingstereignis als Heilsfaktum in Vergessenheit geraten sei. In Pfingstkirchen werden Ekstase, Glossolalie, Exorzismus, Geistheilung und Prophetie als Wirkungen der göttlichen Dynamik des Geistes verstanden; solche Erfahrungen werden sowohl für die Urkirche als auch für heutige Pfingstgemeinden genannt.
Jürgen Moltmann bezeichnet den Heiligen Geist programmatisch als Geist des Lebens. Seine Pneumatologie lädt dazu ein, sich für Erfahrungen des lebendigmachenden Geistes und für das Leben zu öffnen, Bedrohungen des Lebens zu überwinden und Wiedergeburt zu bejahen. Sie versucht, die Alternative zwischen göttlicher Offenbarung und menschlicher Erfahrung des Heiligen Geistes zu überwinden.