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Dogmatik
Sie ist neben den Fachgebieten der Christlichen Ethik (Theologische Ethik und Moraltheologie) sowie Christliche Sozialethik (Christliche Soziallehre) und der …
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Gegenstand und Bedeutung
Dogmatik ist ein eigenständiges Lehrfach an katholischen und evangelischen theologischen Fakultäten. Sie untersucht und deutet den Inhalt der christlichen Glaubenslehre. Besonders in der römisch-katholischen Kirche hat sie eine zentrale Stellung, weil sie die Glaubenswahrheiten der katholischen Kirche vermittelt.
Dogmatik ist ein Teilgebiet der Systematischen Theologie. Zu ihr gehören außerdem die Christliche Ethik beziehungsweise Theologische Ethik und Moraltheologie, die Christliche Sozialethik beziehungsweise Christliche Soziallehre sowie die katholische Fundamentaltheologie. Die historische Entwicklung der Dogmen wird dagegen in der Dogmengeschichte behandelt.
Die Dogmatik versucht, die christliche Lehre auf tragende Grundsätze zurückzuführen. Zugleich entwickelt sie das Ganze der Offenbarung und des christlichen Glaubens. In der katholischen und orthodoxen Theologie bezieht sie sich auch auf verbindliche kirchliche Lehrentscheidungen, die als Dogmen bezeichnet werden. Sie begründet, entfaltet und deutet diese Entscheidungen.
Entwicklung und Verhältnis zur Ethik
Der Begriff „Dogmatik“ wurde erst im 17. Jahrhundert verwendet; das Anliegen, christliche Glaubenslehren systematisch darzustellen, ist jedoch wesentlich älter. Als erste christliche Dogmatik gilt Origenes’ theologisches Hauptwerk De principiis, deutsch: Von den Grundlehren. Im späteren Mittelalter waren die vier Bücher Sententiarum des Petrus Lombardus und die Summa theologiae des Thomas von Aquin besonders einflussreich.
Zwischen Dogmatik und Theologischer Ethik bestehen Wechselwirkungen. Eine dogmatische Vorstellung kann ethische Folgen haben. Beispielsweise kann eine starke eschatologische Naherwartung, also die Erwartung einer baldigen Vollendung, dazu führen, auf langfristige Planung zu verzichten. Umgekehrt können ethische Grundsätze dogmatische Aussagen nahelegen: Aus dem universalen Missionsauftrag kann etwa Gottes Interesse an allen Menschen erschlossen werden.
Zentrale Teilgebiete
Die Dogmatik gliedert sich in verschiedene Traktate, also systematisch behandelte Lehrbereiche:
- Die Schriftlehre befasst sich mit der Bedeutung der Heiligen Schrift.
- Die Theologische Anthropologie behandelt das Verständnis des Menschen in der Theologie.
- Die Hamartiologie ist die Lehre von der Sünde.
- Die Trinitätslehre erklärt die Einheit und Dreiheit von Vater, Sohn und Geist, also die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit.
- Die Gotteslehre behandelt die Vater-Gottheit im engeren Sinne.
- Die Schöpfungslehre befasst sich mit der Schöpfung.
- Die Christologie untersucht Jesus von Nazaret als Christus.
- Die Soteriologie behandelt das Heil durch Jesus Christus.
- Die Gnadenlehre gehört zur Soteriologie und behandelt die Bedeutung der Gnade für das Heil.
- Die Pneumatologie ist die Lehre vom Heiligen Geist.
- Die Angelologie befasst sich mit den Engeln.
- Die Ekklesiologie ist die Lehre von der Kirche.
- Die Sakramentenlehre behandelt die Sakramente.
- Die Eschatologie beschäftigt sich mit den Hoffnungen auf die Vollendung der Welt und des Einzelnen; früher wurde sie als Lehre von den letzten Dingen bezeichnet.
In der katholischen Theologie kommt zusätzlich die Mariologie hinzu, die Maria als Mutter Gottes behandelt.
Abgrenzungen und unterschiedliche Ausprägungen
Dogmatik darf nicht mit der deduktiven oder enger axiomatischen Methode gleichgesetzt werden. Bei dieser Methode werden aus wenigen Basisaussagen, den Axiomen, weitere Lehrsätze oder Schlussfolgerungen abgeleitet. Ebenfalls zu unterscheiden ist der Dogmatismus. Damit ist eine Geisteshaltung gemeint, die bestimmte Überzeugungen unkritisch als nicht hinterfragbar festhält und dadurch die Freiheit des Denkens sowie die Weiterentwicklung der Wissenschaft behindern kann.
Der Begriff Dogmatik wird auch außerhalb der Theologie verwendet. Rechtsdogmatik bezeichnet den Versuch, geltendes Recht systematisch zu entwickeln und darzustellen. Eine ähnliche Verwendung gibt es in der Ökonomie.
Systematisch-theologische und dogmatische Aussagen sind sehr vielfältig. Gemeinsamkeiten bestehen unter anderem im apostolischen oder nicaenischen Glaubensbekenntnis. Zugleich gibt es konfessionelle Unterschiede zwischen evangelischer, katholischer und orthodoxer Theologie. Außerdem vertreten verschiedene theologische Schulen unterschiedliche Deutungen, darunter fundamentalistische, konservative, evangelikale, liberale, dialektische, existentiale, feministische und befreiungstheologische Ansätze.
Bedeutung des Begriffs Dogmatiker
Dogmatiker sind Theologen, die sich mit dem Fachgebiet der Dogmatik beschäftigen. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet „Dogmatiker“ dagegen meist abwertend eine Person, die stur an bestimmten Grundsätzen festhält und nicht bereit ist, davon abzulassen.
Historisch wurden außerdem Vertreter einer medizinischen Richtung als Dogmatiker bezeichnet. Dazu gehörten etwa Diokles von Karystos und Praxagoras von Kos, die die hippokratische Medizin theoretisch und spekulativ weiterentwickelten.