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Tempel
In der altgriechischen Religion war der Tempel der Aufbewahrungsort für das ... Im Hinduismus repräsentiert der Tempel (mandir) den Kosmos schlechthin.
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Was ein Tempel ist
Ein Tempel ist ein Gebäude oder eine überbaute Kultstätte, die in vielen Religionen seit dem Neolithikum als Heiligtum dient. Er ist ein als heilig angesehener Ort, der mit religiösen Praktiken und Glaubensvorstellungen verbunden ist. Tempel besitzen meist eine besondere, symbolisch bedeutungsvolle Architektur. In ihren Anlagen gibt es Bereiche für Rituale, Gebete, Kulte, Opferungen oder Zeremonien. Manche Räume oder Tempel insgesamt sind nur Priestern oder anderen bestimmten Personen zugänglich. Religiöse Symbole, Bilder und Kunstwerke stellen häufig Glaubensvorstellungen oder religiöse Geschichten dar.
Die ältesten Bauten, auf die die Bezeichnung direkt angewendet wird, sind die Tempel von Göbekli Tepe ab ca. 9600 v. Chr. und die maltesischen Tempel ab 3800 v. Chr. Die konkrete Funktion eines Tempels unterscheidet sich jedoch stark nach Religion und Kultur. Im antiken Griechenland war er vor allem der Aufbewahrungsort des Götterbildes; Gottesverehrung und Opfer fanden meist im Freien an einem Altar innerhalb des heiligen Bezirks statt.
Frühe Heiligtümer und antike Tempel
Zu den ältesten steinernen Tempelbauten gehören ägyptische Totentempel. In der Frühzeit waren sie häufig an die Grabbauten der Pharaonen, also Mastabas und Pyramiden, gebunden. Später wurden viele Tempel eigenständige Baukomplexe. Sie bestanden aus mehreren hintereinanderliegenden Bereichen, die durch riesige Pylonen unterteilt waren. Ein bedeutendes Beispiel ist der über lange Zeit errichtete Karnak-Tempel bei Luxor, der dem Gott Amun-Re geweiht war. In Deir el-Bahari gegenüber dem Tal der Könige steht unter anderem der Totentempel der Hatschepsut († um 1450 v. Chr.).
Eine wichtige mesopotamische Bauform war die Zikkurat. Dabei handelt es sich um einen Tempelturm in Form einer Stufenpyramide. Das Allerheiligste befand sich auf der obersten Plattform. Nach der Überlieferung wurde auf zumindest einigen Zikkuraten die Heilige Hochzeit zwischen dem König und einer Priesterin als Vertreterin der Stadtgöttin vollzogen.
Griechische Tempel entwickelten sich innerhalb weniger Jahrhunderte von kleinen Lehmziegelbauten des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr. zu monumentalen Bauten mit doppelten Säulenhallen im 6. Jahrhundert v. Chr. Ihre Architektur folgte festen Regeln und nutzte zunächst die dorische und ionische, ab dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. auch die korinthische Ordnung. Grundrisse und Säulenordnungen wurden vielfältig kombiniert. Die Bauten waren entgegen einer verbreiteten Vorstellung farbig bemalt, unter anderem mit Rot- und Blautönen neben Weiß, und konnten reich mit Reliefs und Giebelfiguren geschmückt sein. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. ging der Bau großer Tempel zurück; nach einer letzten Blüte im 2. Jahrhundert v. Chr. kam er vollständig zum Erliegen.
Im römischen Sakralbau verbanden sich etruskische und griechische Einflüsse. Etruskische Tempel standen auf einem hohen Sockel, waren rechteckig und richtungsbezogen. Eine Freitreppe führte an der Schmalseite zu einer offenen Säulenhalle vor der oft dreiteiligen Cella, dem Innenraum. Die Römer übernahmen dieses Grundmuster, streckten den Grundriss aber stärker in die Länge, vergrößerten die Cella und ersetzten ihre Dreiteilung meist durch einen Großraum. Die Maison Carrée in Nîmes ist ein gut erhaltenes Beispiel aus augusteischer Zeit.
Israelitische und christliche Tempel
Die Hebräer besaßen jeweils nur ein einziges offizielles Heiligtum, auch wenn es weitere untergeordnete Heiligtümer gab. Das älteste war der Mischkan beziehungsweise die Stiftshütte, auch „Zelt der Zusammenkunft“ genannt. Der erste Steinbau war der salomonische Tempel, der um 950 v. Chr. errichtet wurde. Nach seiner Zerstörung durch Nebukadnezar II. im Jahr 586 v. Chr. entstand bis 515 v. Chr. unter Serubbabel der Zweite Tempel. Nach der Umgestaltung und Erweiterung durch Herodes den Großen wurde er herodianischer Tempel genannt.
Kennzeichnend für die jüdischen Tempel waren große Vorhöfe mit Brandopferaltar und ein vielgliedriges Gebäude mit mehrgeschossigen Zimmerfluchten. Der herodianische Tempel auf dem Tempelberg in Jerusalem wurde im Jahr 70 n. Chr. während der Regierungszeit des Kaisers Vespasian von den Römern zerstört. Seit dem 19. Jahrhundert wurden Reformsynagogen häufig „Tempel“ genannt; dabei wurde die Orientierung auf den Jerusalemer Tempel auf den jeweiligen Ort übertragen.
Im frühen Judenchristentum spielte der Jerusalemer Tempel zunächst noch eine Rolle. Mit der Zerstörung des herodianischen Tempels endete jedoch der Tempelkult im Christentum. Außerdem wurde der getaufte Mensch selbst als Tempel Gottes verstanden. Ab Konstantin I. entstand mit der Basilika eine neue wichtige Form christlicher Kirchenbauten. In der Orthodoxen Kirche werden Gotteshäuser weiterhin als Tempel bezeichnet, während „Kirche“ dort die Gemeinschaft meint. Besonders bekannt für weltweit errichtete Tempel ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Auch die Gemeinschaft Christi besitzt zwei Tempel; die Gemeinschaft in Christo Jesu bezeichnet ihr zentrales Heiligtum, die Eliasburg, als Tempel.
Tempel in Hinduismus, Buddhismus und Shintō
Im Hinduismus repräsentiert der Tempel, der Mandir, den Kosmos. In ihm berühren sich die Welt der Götter und die Welt der Menschen. Im Unterschied zu den Hausriten ist der Tempelbesuch für gläubige Hindus nicht verpflichtend.
Im Buddhismus ist der Tempel eng mit dem Kloster verbunden und nicht immer klar von ihm zu trennen. Wichtige Bestandteile sind die Pagode und die Dhamma-Halle für Zeremonien und Lehrvorträge; in Thailand heißt ein entsprechender Raum Bot, in Japan Zendo. Ein häufiges Ritual ist die Puja, eine Andacht zu Ehren Buddhas. Dabei werden kleine Opfer wie Rauch, Blumen oder Speisen dargebracht. Große Opfer lehnte Buddha als sinnlos ab. Buddhistische Tempel unterscheiden sich je nach Schule und Kulturkreis stark. Indien und Sri Lanka sind beispielsweise für ihre Höhlentempel bekannt. In Deutschland entstanden an klimatische und kulturelle Bedingungen angepasste Tempel, etwa Das Buddhistische Haus.
In Japan wird für religiöse Baustätten des Shintō meist die Bezeichnung „Schrein“ oder „Shintō-Schrein“ verwendet, um sie von buddhistischen Tempeln zu unterscheiden. Historisch wurden Buddhismus und Shintō in Japan jedoch lange Zeit nicht wesentlich voneinander getrennt.
Bahai, Voodoo und Freimaurerei
Die Bahai errichten weltweit Häuser der Andacht, die der Einheit der Religionen gewidmet und allen Menschen zugänglich sind. Im Mittelpunkt stehen die Heiligen Schriften aller Weltreligionen. Sie werden ohne Predigt, Auslegung oder Kommentar in der Originalsprache oder in Übersetzung rezitiert. Gesungene Gebete aus allen Sprachen und spirituellen Traditionen sind willkommen. Der zentrale Kuppelbau unterstützt durch seine Akustik die menschliche Stimme; andere Geräusche sollen die individuelle Reflexion und Meditation nicht stören. Neun Tore nach allen Seiten symbolisieren die Offenheit für Anhänger verschiedener Religionen. Die Architektur ist vielfältig und kann unterschiedliche kulturelle Stile und Symbole aufnehmen. Der bekannteste Bahai-Tempel steht in Delhi und ist als Lotustempel bekannt.
Die Tempel des haitianischen Voodoo heißen Hounfours.
Die Freimaurer bezeichnen die Versammlungsstätten ihrer Logen als Tempel. Gemeint sein kann das gesamte Gebäude, besonders in den USA, oder nur der Raum für die rituellen Arbeiten. Häufig weisen diese Gebäude einen eigenen „masonischen Architekturstil“ auf.
Mesoamerikanische und nordische Tempel
Mesoamerikanische Tempel von Maya, Tolteken, Azteken und anderen Kulturen standen meist auf einem gestuften, mehr oder weniger hohen Unterbau. Dieser konnte auch über dem Grab eines Priesterkönigs oder einer anderen Person errichtet worden sein; daraus entwickelte sich die Form der Tempelpyramide. Der eigentliche Tempel bestand zunächst aus Astgeflecht, Blattwerk oder Stroh. Später entstanden Steintempel. Bis in die Spätzeit hinein war der Innenraum meist klein und wurde durch ein nicht verschließbares Portal belichtet. Darin stand ein Götterbild, das oft blutverschmiert war. Die Außenflächen der Steintempel waren gewöhnlich verputzt und farbig bemalt. Zahlreiche Maya-Tempel besaßen außerdem einen imposanten steinernen Dachaufbau, die Crestería. Beispiele sind die Maya-Tempel in Dzibilchaltún (um 650) und Tikal (um 800), das Castillo de Teayo (um 1100) sowie El Castillo in Chichén Itzá (um 1200).
Über die nordischen Tempel ist nur wenig bekannt. Der bekannteste, der Tempel in Alt-Uppsala, wurde zerstört. Nach den Überlieferungen waren diese Heiligtümer große Holzmonumente in offenem Stil mit farbenfroher, meist roter Bemalung. In ihrer Mitte oder an einem Schrein sollen große hölzerne oder steinerne Götterfiguren gestanden haben. Die Informationen stammen aus Chronologien und Erzählungen christlicher Geschichtsschreiber und könnten daher negativ verfälscht oder ausgeschmückt sein. In Island wird seit einiger Zeit der erste Tempel für das Heidentum seit 1000 Jahren gebaut.