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Pierre Kœnig
Pierre Kœnig. französischer General, Militärgouverneur der französischen Besatzungszone in Deutschland. Artikel · Diskussion.
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Bedeutung und frühe Laufbahn
Marie-Pierre Kœnig, auch Koenig geschrieben, wurde am 10. Oktober 1898 in Caen im Département Calvados geboren und starb am 2. September 1970 in Neuilly-sur-Seine. Er war ein französischer Heeresoffizier und später Politiker. Bedeutung erlangte er vor allem im Zweiten Weltkrieg: Er gehörte zu den Streitkräften des Freien Frankreich unter General Charles de Gaulle, befehligte französische Kräfte in Nordafrika und später die Forces françaises de l’intérieur, also die bewaffneten Gruppen der Résistance innerhalb Frankreichs. Damit war er eng mit der Befreiung Frankreichs verbunden und wurde Compagnon de la Libération.
Kœnigs Vater war ein Orgelbauer aus dem Elsass, seine Mutter stammte aus der Normandie. Er wurde in Caen katholisch erzogen, besuchte das Collège Sainte-Maire und später das Lycée Malherbe. Direkt nach dem Baccalauréat meldete er sich im Ersten Weltkrieg mit 17 Jahren freiwillig zum 36. Infanterieregiment. Im Februar 1918 wurde er Offizieranwärter, kehrte an die Front zurück und wurde im September 1918 ausgezeichnet sowie zum Sous-Lieutenant befördert, was dem deutschen Rang Leutnant entspricht.
Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Kœnig Berufsoffizier. Er diente von 1920 bis 1922 bei den französischen Besatzungstruppen in Oberschlesien und von 1923 bis 1929 im Rheinland. Von 1929 bis 1939 war er als Offizier in Französisch-Marokko stationiert.
Rolle im Zweiten Weltkrieg
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kehrte Kœnig nach Frankreich zurück. Als Major wurde er dem französischen Expeditionskorps zugeteilt, das für Norwegen bestimmt war. Während der deutschen Invasion in Frankreich kämpfte er an der Küste der Normandie. Nach dem Zusammenbruch der französischen Front im Juni 1940 gelangte er mit einem Fischerboot nach Großbritannien und schloss sich General de Gaulle und den Streitkräften des Freien Frankreich an. De Gaulle beförderte ihn zum Oberst und im Juli 1941 zum Brigadegeneral. Kœnig wurde Stabschef der Ersten Division der frei-französischen Truppen in Palästina und nahm an Kämpfen in Syrien und im Libanon teil.
Besonders wichtig war seine Rolle in der 10-tägigen Schlacht von Bir Hakeim im Sommer 1942. Dort verzögerte er mit seinen Truppen den Vormarsch der Achsenmächte in Nordafrika unter Erwin Rommel. Anschließend schloss er sich mit seinen Truppen der britischen 8. Armee von General Montgomery zur Befreiung Nordafrikas an und nahm im Herbst 1942 an der Zweiten Schlacht von El Alamein teil. Im Mai 1943 wurde er zum Divisionsgeneral befördert, ab August 1943 war er stellvertretender Generalstabschef der frei-französischen Armee in Algerien.
Im März 1944 entsandte de Gaulle Kœnig als französischen Vertreter in Eisenhowers Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, abgekürzt SHAEF. Gleichzeitig war er Oberkommandierender der Force Français Libre in Großbritannien und der Forces françaises de l’intérieur. Diese Résistance-Gruppen waren auch an der Alliierten Invasion in der Normandie beteiligt, der Operation Overlord ab dem 6. Juni 1944. Nach der Befreiung von Paris ernannte de Gaulle den inzwischen zum Korpskommandanten beförderten Kœnig am 21. August 1944 zum Militärgouverneur der Hauptstadt. Seine Aufgabe war es, Recht und Gesetz wiederherzustellen. Am 26. April 1945 verhaftete Kœnig den früheren Chef des Vichy-Regimes, Marschall Philippe Pétain, bei dessen Rückkehr nach Frankreich.
Besatzungszeit in Deutschland
Nach Kriegsende war Kœnig von Juli 1945 bis September 1949 Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen in Deutschland und zugleich Militärgouverneur der französischen Besatzungszone. Damit gehörte er dem Alliierten Kontrollrat an, der im besetzten Deutschland die höchste Regierungsgewalt ausübte. Im Mai 1946 wurde er zum Armeegeneral befördert.
In dieser Funktion nahm Kœnig Einfluss auf die Neuordnung der französischen Besatzungszone. Er setzte sich für die Vereinigung des Saargebietes mit Frankreich ein. Am 20. Mai 1946 erklärte er bei einer Kundgebung in Saarlouis, die Pläne entsprächen einem „tiefen Wunsche der Saarbevölkerung“. Ende Juli 1946 erweiterte er das ehemalige Saargebiet um 142 Gemeinden der preußischen Rheinprovinz aus den Landkreisen Saarburg und Wadern sowie Teilen der Kreise Birkenfeld und Trier-Land. Die Fläche betrug insgesamt 911 km². Damit schuf er das Saarland, das später aus der übrigen Besatzungszone ausgegliedert und wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen wurde. Ein Teil der Gemeinden wurde im Juni 1947 wieder an Rheinland-Pfalz zurückgegliedert.
Am 30. August 1946 erließ Kœnig die Verordnung Nr. 57. Mit ihr wurden die rheinländischen Regierungsbezirke Koblenz und Trier, der Regierungsbezirk Rheinhessen mit Mainz, ein Teil von Hessen-Nassau mit dem Regierungsbezirk Montabaur sowie die ehemals bayerische Pfalz zum neuen Land Rheinland-Pfalz zusammengelegt. Mainz wurde zur Landeshauptstadt bestimmt. Kœnig nutzte Schloss Waldthausen bei Mainz als Sitz und ließ es aufwändig umbauen, was die Zeitschrift Stern Ende 1950 öffentlich kritisierte.
Die Möglichkeit einer Demokratisierung Deutschlands beurteilte Kœnig skeptisch. In einem Interview im September 1946 sagte er: „Die Deutschen wollen, daß man sie kommandiert, sie wollen einen Führer.“ Ab 1948 leitete er außerdem die Neue Verlag-Gesellschaft, setzte Carl Opitz als Treuhänder für das UFA-Film-Vermögen in der französischen Zone ein und stiftete die Auszeichnung Bambi. Von 1949 bis 1951 war Kœnig Generalinspekteur der französischen Truppen in Nordafrika und ab Januar 1950 Vizepräsident des Obersten Militärrats. 1950 wurde er Mitglied der Académie des sciences morales et politiques. Eine angebotene Versetzung als Oberbefehlshaber nach Indochina lehnte er im Oktober 1950 ab.
Politische Laufbahn und Positionen
Nach seiner Pensionierung wechselte Kœnig in die Politik. Im Juni 1951 wurde er für das gaullistische Rassemblement du peuple français, abgekürzt RPF, als Abgeordneter des Département Bas-Rhin in die Nationalversammlung gewählt. Dort leitete er bis August 1954 den Verteidigungsausschuss. Außerdem war er französischer Delegierter in der Beratenden Versammlung des Europarates.
Kœnig war ein deutlicher Gegner der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, abgekürzt EVG, und einer Europäischen Armee mit deutscher Beteiligung. Während des Indochinakrieges sprach er sich mehrmals öffentlich dafür aus, Wehrpflichtige in Französisch-Indochina einzusetzen, um die Kolonialherrschaft zu erhalten. Nach der Niederlage von Dien Bien Phu im Frühjahr 1954 wurde ihm erneut das Oberkommando in diesem Kriegsschauplatz angeboten. Er lehnte ab, weil die Regierung den Einsatz von Wehrpflichtigen nicht zusichern wollte.
Vom 18. Juni 1954 bis zum 15. August 1954 war Kœnig Verteidigungsminister im Kabinett Pierre Mendès France. Wegen seiner Ablehnung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft trat er zurück. Danach stimmte er jedoch für die Ratifizierung der Londoner Akte, die der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt zur NATO und die Wiederbewaffnung erlaubte. Kœnig kritisierte Mendès Frances „Rede von Karthago“ zur Dekolonisierung Tunesiens und war wegen der Lage in Algerien beunruhigt. Am 5. Februar 1955 sprach er dem Premierminister das Misstrauen aus und trug so zum Sturz der Regierung Mendès France bei.
Im zweiten Kabinett Edgar Faure war Kœnig vom 23. Februar 1955 bis zum 6. Oktober 1955 erneut Verteidigungsminister. Diesmal trat er aus Protest gegen die Beschlüsse der Konferenz von Aix-les-Bains zurück, durch die der marokkanische Sultan Mohammed V. auf den Thron zurückkehrte und das französische Protektorat in Marokko beendet wurde. Bei der Parlamentswahl 1956 wurde Kœnig als einer der wenigen gaullistischen Abgeordneten wiedergewählt. Die Gaullisten nannten sich nach dem Rückzug de Gaulles und der Auflösung des RPF nun Républicains sociaux. Kœnig blieb bis zum Ende der Vierten Republik 1958 Mitglied der Nationalversammlung.
Späte Jahre und Ehrung
Ab 1955 arbeitete Kœnig auch in der freien Wirtschaft. Er war unter anderem Präsident und Generaldirektor einer Ölraffinerie in Nordafrika sowie Aufsichtsratsmitglied einer Erdölgesellschaft, der Straßburger Eisenhütten und einer Bergwerksgesellschaft. Außerdem war er Präsident der französisch-israelischen Gesellschaft. In dieser Rolle protestierte er 1969/70 gegen das nach dem Sechstagekrieg verhängte Waffenembargo gegen Israel und gegen französische Waffengeschäfte mit arabischen Staaten.
Pierre Kœnig starb am 2. September 1970 im Amerikanischen Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Er wurde auf dem Friedhof Montmartre in Paris bestattet. Im Juni 1984 verlieh ihm Staatspräsident François Mitterrand anlässlich der Feiern zum 40. Jahrestag der Landung in der Normandie postum den Rang „Marschall von Frankreich“. Kœnig war damit der vierte französische General, der nach der Befreiung Frankreichs mit diesem Titel ausgezeichnet wurde. Vor ihm waren 1952 Alphonse Juin, Jean de Lattre de Tassigny und Philippe Leclerc de Hauteclocque erhoben worden.