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Deutschland 1945 bis 1949
Die Besatzungszeit in Deutschland zwischen 1945 und 1949 war eine Phase zwischen dem Zusammenbruch des NS-Staats am Ende des Zweiten Weltkriegs und der …
Inhalt6 Abschnitte
Besatzung und politische Neuordnung
Die Besatzungszeit von 1945 bis 1949 war die Übergangsphase zwischen dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschen Reiches und der Gründung zweier deutscher Staaten. Sie leitete die rund 40-jährige deutsche Teilung ein. Die staatliche Ordnung und die Wirtschaft waren weitgehend zusammengebrochen; zugleich verschärften Millionen Flüchtlinge und Vertriebene die soziale Not.
Auf Grundlage der deutschen Grenzen vom 31. Dezember 1937 teilten die Siegermächte das verbliebene Gebiet in eine amerikanische, britische, französische und sowjetische Besatzungszone. Berlin wurde ebenfalls in vier Sektoren geteilt. Die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, etwa ein Viertel des früheren Staatsgebietes, kamen vorbehaltlich einer Friedensregelung unter polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung. Am 5. Juni 1945 übernahmen die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion mit der Berliner Erklärung die oberste Regierungsgewalt. Für Gesamtdeutschland war der Alliierte Kontrollrat zuständig, für Berlin die Alliierte Kommandantur.
Auf der Potsdamer Konferenz beschlossen die Hauptalliierten am 2. August 1945 die Demokratisierung, Demilitarisierung, Denazifizierung und wirtschaftliche Dezentralisierung Deutschlands. Ein Internationaler Militärgerichtshof sollte NS-Verbrechen verfolgen. Deutschland sollte als wirtschaftliche Einheit behandelt werden, doch die zunehmende Konfrontation im Kalten Krieg und unterschiedliche politische Ziele der Besatzungsmächte verhinderten dies. Die Sowjetunion und Großbritannien organisierten ihre Zonen eher zentralistisch, während die USA ein föderalistisches System mit politisch wichtigen Ländern förderten.
Not, Gefangene und Bevölkerungsbewegungen
1945 befanden sich insgesamt elf Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft; fünf Millionen wurden relativ schnell freigelassen. Die USA übergaben mehr als 700.000 Gefangene an Frankreich, wo manche im Bergbau oder als Minenräumer Zwangsarbeit leisten mussten. Viele kehrten erst 1948 zurück. Von den Gefangenen in der Sowjetunion starben etwa 30 Prozent; die letzten kamen 1956 bei der sogenannten Heimkehr der Zehntausend zurück.
In den Westzonen lebten nach Kriegsende 6,5 bis 7 Millionen Displaced Persons. Dieser Begriff bezeichnete ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und osteuropäische Arbeiter. Dazu gehörten zunächst etwa 50.000 bis 75.000 jüdische Überlebende; nach Pogromen in Osteuropa flohen 1946 weitere 150.000 bis 200.000 Juden in die Westzonen. In den Lagern bestanden schwere Missstände. Nach dem Harrison-Report vom August 1945 übernahmen die internationale Hilfsorganisation UNRRA und private Organisationen wichtige Aufgaben. Das letzte DP-Lager in der Bundesrepublik wurde erst 1957 geschlossen.
Mehr als zwölf Millionen Deutsche gelangten als Flüchtlinge oder Heimatvertriebene in die Besatzungszonen; bis 1948 waren es etwa 11,7 Millionen. Über sieben Millionen kamen aus den früheren deutschen Ostgebieten, drei Millionen waren Sudetendeutsche. In der sowjetischen Zone bildeten Vertriebene 24,1 Prozent, in Westdeutschland 15,7 Prozent der Nachkriegsbevölkerung. Ihre Unterbringung und gesellschaftliche Eingliederung waren schwierig, veränderten aber auch konfessionell und sozial zuvor einheitliche Regionen. In Bayern lebten zeitweise 1,7 Millionen Vertriebene, etwa 20 Prozent der Bevölkerung.
Frauen trugen erheblich zur Beseitigung der Kriegsschäden bei. In Berlin mussten sich ab dem 29. Mai 1945 alle Frauen zwischen 15 und 65 Jahren registrieren lassen; Arbeit als sogenannte Trümmerfrau brachte bessere Lebensmittelkarten. Auf dem Land forsteten sogenannte Kulturfrauen zerstörte oder abgeholzte Wälder wieder auf.
Versorgung, Demontagen und Wiederaufbau
Die Lebensmittelversorgung war katastrophal. In Bayern lag die durchschnittliche Tagesversorgung teilweise bei nur 1000 Kilokalorien. Besonders Säuglinge und Kleinkinder starben an Hunger, Durst und Milchmangel. Lebensmittelmarken unterschieden fünf Verbrauchergruppen nach der Schwere der Arbeit. Hilfslieferungen wie CARE-Pakete waren nach Deutschland zunächst verboten und erst ab dem 5. Juni 1946 erlaubt. Der lange, kalte Winter 1946/47 verschärfte die Lage; in Städten wurden Straßenbäume als Brennmaterial gefällt.
Als Reparationen wurden in allen Zonen Industrieanlagen abgebaut. In der sowjetischen Zone wurden allein von 1945 bis Ende 1946 etwa 1000 Betriebe und bis März 1947 fast 12.000 Kilometer Schienen demontiert. Später überführte man geeignete Betriebe in Sowjetische Aktiengesellschaften und lieferte ihre Produkte an die Sowjetunion. Bis Frühjahr 1948 waren 9200 Firmen entschädigungslos enteignet; sie erzeugten 40 Prozent der Bruttoproduktion der Zone. Die Deutsche Wirtschaftskommission leitete den Übergang zur sozialistischen Planwirtschaft ein. Schätzungsweise 30 bis 50 Prozent des Anlagevermögens von 1944 wurden dort demontiert, in den Westzonen etwa 5 Prozent.
Auch im Westen sollten nach einem Plan von 1946 etwa 1500 Betriebe abgebaut und die Produktion auf ungefähr 50 Prozent des Standes von 1938 begrenzt werden. Die Pläne wurden mit dem Petersberger Abkommen vom 22. November 1949 revidiert; im Januar 1951 endeten die Demontagen. Ihr Gesamtwert wird für Westdeutschland auf bis zu 5,4 Milliarden DM und für die sowjetische Zone beziehungsweise DDR auf bis zu 5 Milliarden DM geschätzt.
Die westliche Wirtschaftspolitik änderte sich ab 1946. Die US-Direktive JCS 1067, die wirtschaftlichen Wiederaufbau zunächst untersagte, wurde im Juli 1947 abgelöst. Von 1948 bis 1952 erhielt Westdeutschland durch den Marshallplan etwa 1,4 Milliarden US-Dollar; 1953 wurde eine Rückzahlung von ungefähr 1,1 Milliarden beschlossen. Bis 1950 erreichte das westdeutsche Bruttosozialprodukt wieder den Stand von 1936. Ein Beispiel für die Erholung war das Volkswagenwerk: 1945 entstanden trotz Engpässen fast 2000 VW Käfer, 1946 bereits rund 10.000. In der sowjetischen Zone war die Wohnraumzerstörung mit 9,4 Prozent geringer als in den Westzonen mit 18,5 Prozent, doch die Reparationsbelastung war wesentlich höher.
Entnazifizierung, Medien und Kultur
Die Entnazifizierung sollte Gesellschaft, Politik, Justiz, Wirtschaft, Presse und Kultur von nationalsozialistischen Einflüssen befreien. Die Kontrollratsdirektive Nr. 38 unterschied fünf Gruppen: Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer und Entlastete. In den Westzonen wurden bis 1950 von sechs Millionen Fällen 3,66 Millionen gerichtlich behandelt. Fast 1700 Personen galten als Hauptschuldige, 23.000 als Belastete, 150.000 als Minderbelastete, eine Million als Mitläufer und 1,2 Millionen als unschuldig. In beiden Teilen Deutschlands wurden Fachkräfte häufig ausgenommen; zugleich nutzte die Sowjetunion die Maßnahmen für politische Entlassungen und Enteignungen. Die intensive Phase endete 1948.
Reeducation bedeutete politische und kulturelle Umerziehung. Durch Filme, Literatur, Vorträge und Ausstellungen sollten die Deutschen über Nationalsozialismus und Demokratie aufgeklärt werden. Die zunächst verwendete Vorstellung einer deutschen Kollektivschuld wurde nicht zur offiziellen Doktrin und hatte keine juristischen Folgen. Stattdessen unterschieden die Alliierten zunehmend zwischen aktiver Schuld von Verbrechern und passiver Verantwortung der Bevölkerung. Wie tief die Abkehr vom Nationalsozialismus reichte, blieb umstritten.
Zeitungen benötigten bis 1949 eine alliierte Lizenz, damit Nationalsozialisten und Demokratiegegner nicht publizieren konnten. In der sowjetischen Zone steuerte die Militärverwaltung die Presse zusätzlich über die Papierzuteilung. Der Lizenzzwang endete dort erst im Februar 1990. Der Rundfunk war das wichtigste täglich verfügbare Massenmedium. Der NWDR orientierte sich in der britischen Zone an der BBC und sollte unabhängig berichten; alliierte Soldatensender verbreiteten Jazz und Swing.
Literatur und Kunst suchten den Anschluss an internationale Entwicklungen, die während der NS-Zeit unterdrückt worden waren. Aus der Zeitschrift „Der Ruf“ entstand die Gruppe 47. In der bildenden Kunst wurden zuvor als „entartet“ verfolgte Künstler rehabilitiert. Theater, Kabarett, Konzerte und Operetten nahmen ihren Betrieb wieder auf. 1946 hatte mit dem DEFA-Film „Die Mörder sind unter uns“ der erste deutsche Nachkriegsspielfilm Premiere.
Parteien und zunehmende Teilung
Ab 1945 entstanden wieder politische Parteien, meist unter Beteiligung früherer Politiker der Weimarer Republik. Die Besatzungsmächte bestimmten jedoch Tempo und Richtung. In der sowjetischen Zone ließ die SMAD mit Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 Parteigründungen zu und setzte zugleich aus Moskau zurückgekehrte KPD-Funktionäre ein. Die westlichen Besatzungsmächte folgten 1945.
In allen Zonen bestanden anfangs sozialistische und kapitalismuskritische Vorstellungen. Die westdeutsche SPD unter Kurt Schumacher war antikommunistisch, wandte sich zunächst aber auch gegen eine eindeutige Westbindung und strebte ein neutrales Deutschland an. In der sowjetischen Zone wurden SPD und KPD im April 1946 unter sowjetischem Druck zur SED vereinigt. Eine Abstimmung darüber war dort nicht zugelassen; in West-Berlin hatten sich 82 Prozent der sozialdemokratischen Mitglieder dagegen ausgesprochen. Bei der Berliner Wahl 1947 erhielt die SPD 49 Prozent, die SED 20 Prozent. Danach wurden die übrigen Parteien der sowjetischen Zone zunehmend gleichgeschaltet und zu Blockparteien gemacht; die SED entwickelte sich um 1948 zur Kaderpartei.
Am 25. Februar 1947 löste der Alliierte Kontrollrat mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 46 Preußen auf. Im März 1948 verließen die sowjetischen Vertreter aus Protest gegen die Londoner Sechsmächtekonferenz den Kontrollrat. Damit endete praktisch die gemeinsame Verwaltung Deutschlands.
Währungsreform, Berlin-Krise und Staatsgründungen
Am 1. Januar 1947 vereinigten die USA und Großbritannien ihre Zonen wirtschaftlich zur Bizone. Frankreich schloss seine Zone 1948 an; daraus entstand die Trizone. Die gesamtdeutsche Zusammenarbeit scheiterte zunehmend an den Gegensätzen des Kalten Krieges.
Am 21. Juni 1948 wurde in den drei Westzonen die Deutsche Mark eingeführt. Jede Person erhielt zunächst 40 DM und einen Monat später weitere 20 DM. Die sowjetische Zone führte am 23. Juni eine eigene Reform durch. Als die Westmächte am 24. Juni die D-Mark auch in West-Berlin einführten, sperrte die Sowjetunion die Land- und Wasserwege für den Güterverkehr nach West-Berlin. Während der elfmonatigen Berlin-Blockade versorgten amerikanische und britische Flugzeuge die Stadt über eine Luftbrücke; zeitweise landete alle zwei Minuten eine Maschine. Mehr als 70 Flugzeuge stürzten während der Aktion ab. Am 12. Mai 1949 wurde die Blockade aufgehoben.
Am 1. Juli 1948 forderten die Frankfurter Dokumente die westdeutschen Ministerpräsidenten zur Bildung einer verfassunggebenden Versammlung auf. Der Parlamentarische Rat erarbeitete in Bonn das Grundgesetz, das mit Ablauf des 23. Mai 1949 in Kraft trat. Es schuf eine parlamentarische Bundesrepublik als streitbare Demokratie auf Grundlage der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Am 14. August fand die erste Bundestagswahl statt; Bundestag und Bundesrat konstituierten sich am 7. September. Die Bundesrepublik blieb zunächst in Außenpolitik, Außenhandel und weiteren Bereichen unter alliierter Kontrolle.
Am 7. Oktober 1949 wurde in der sowjetischen Zone die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Wilhelm Pieck wurde ihr Präsident. Damit war die politische und wirtschaftliche Teilung Deutschlands in einen westlichen parlamentarisch-demokratischen und einen östlichen, als Volksdemokratie bezeichneten Staat vollzogen; beide gehörten im Kalten Krieg konkurrierenden Machtblöcken an.
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