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Pfalz (Region)
Die Pfalz ist eine Region im Süden des Landes Rheinland-Pfalz in Südwestdeutschland. Sie hat seit der Abtrennung der Saarpfalz 1919 eine Fläche von 5451,13 …
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Überblick und Landschaft
Die Pfalz ist eine Region im Süden von Rheinland-Pfalz in Südwestdeutschland. Seit der Abtrennung der Saarpfalz 1919 umfasst sie 5451,13 km² und hat heute etwa 1,4 Millionen Einwohner. Im Westen grenzt sie an das Saarland, im Norden und Nordosten an Hunsrück und Alzeyer Hügelland, im Osten bildet der Rhein die Grenze zu Hessen und Baden einschließlich der heutigen Kurpfalz; im Süden schließen Elsass und Lothringen an.
Der Pfälzerwald gehört zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord, bedeckt mit 1771 km² etwa ein Drittel der Region und ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Höchster Berg ist der Donnersberg im Nordpfälzer Bergland mit 687 m ü. NHN, der tiefste Punkt liegt mit 87,3 m bei Frankenthal nahe dem Rhein. Gewässer bedecken nur 1,26 % der Fläche. Die Wasserscheide zwischen Mosel und Oberrhein verläuft durch den Pfälzerwald: Lauter beziehungsweise Wieslauter, Queich und Speyerbach fließen ostwärts zum Oberrhein, der Schwarzbach westwärts über Blies, Saar und Mosel zum Mittelrhein. Der Glan ist nach dem Rhein der zweitlängste Wasserlauf auf Pfälzer Boden; 68 km seines Laufs liegen in der Pfalz.
Teilräume, Klima und Tourismus
Naturräumlich gehören West- und Nordpfalz zu den stärker mittelgebirgsartigen, dünner besiedelten Teilen. Die Westpfalz umfasst Westricher Hochfläche, Westpfälzische Moorniederung und den Westteil des Nordpfälzer Berglands. Die Nordpfalz liegt vollständig im Nordpfälzer Bergland und wird vom Donnersberg überragt; ihr einziger Landkreis ist der 1969 gebildete Donnersbergkreis. Vorder- und Südpfalz liegen überwiegend in der Rheinebene vor der Haardt, dem Ostrand des Pfälzerwalds, und sind dichter besiedelt. Die Südpfalz umfasst außerdem den deutschen Nordteil des Wasgaus. Das schmale Hügelland beiderseits der 85 km langen Deutschen Weinstraße vermittelt zwischen Ebene und Gebirge und trägt den größten Teil des Weinbaugebiets.
Das Klima ist gemäßigt und humid, überwiegend vom Atlantik beeinflusst; die mittlere Jahrestemperatur liegt bei gut 10 °C. Feuchte Luft steigt in West- und Nordpfalz auf und bringt dort viel Niederschlag. Östlich des Pfälzerwalds sinkt sie ab, erwärmt sich und wird trockener. Das milde Gebiet zwischen Pfälzerwald und Rhein ermöglicht Freilandanbau kälteempfindlicher Pflanzen, etwa Mandelbäumen, Essfeigen, Pinien, Zypressen, Hanfpalmen sowie einigen Kakteen- und Bananensorten. Besonders Vorder- und Südpfalz werden deshalb werblich als „deutsche Toskana“ bezeichnet.
Die Tourismusbranche unterscheidet Pfälzer Bergland, Naturpark Pfälzerwald, Ferienregion Deutsche Weinstraße und Urlaubsregion Rheinebene. Im Pfälzer Bergland sind Donnersberg, Keltensiedlungsreste, die 40 km lange Draisinenstrecke der Glantalbahn sowie Wander- und Radwege wichtige Ziele. Der Pfälzerwald bietet Burgruinen, das Dahner Felsenland zum Sportklettern und Wanderhütten; deren Kultur ist als Pfälzerwaldhütten-Kultur Teil des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Die Deutsche Weinstraße reicht von Bockenheim bis zum Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach. Zu ihren bekannten Veranstaltungen zählen der Dürkheimer Wurstmarkt und das Deutsche Weinlesefest in Neustadt mit der Wahl der Deutschen Weinkönigin. In der Rheinebene prägen Rheinauen, Industrie bei Ludwigshafen, Speyer mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Speyerer Dom und der grenzüberschreitende Pamina-Rheinpark das Bild.
Geschichtliche Entwicklung
In der Latènezeit des 1. Jahrtausends v. Chr. lebten Kelten im Gebiet der heutigen Pfalz. Um 50 v. Chr. eroberten Römer linksrheinische Gebiete; im 5. Jahrhundert folgten Alemannen, die um 506/507 von den Franken besiegt wurden. Im Mittelalter entstanden zahlreiche Burgen. Die Reichsburg Trifels bei Annweiler beherbergte bis 1298 wiederholt die Reichskleinodien. Ab 1214 prägten die Wittelsbacher die Region; der größte Teil der späteren Pfalz gehörte bis 1803 zum Kurfürstentum Pfalz bei Rhein, der Kurpfalz. Daneben bestanden unter anderem Pfalz-Zweibrücken, das Hochstift Speyer, Gebiete des Hauses Nassau, kleinere Territorien sowie die Freien Reichsstädte Speyer und Landau.
Die Reformation führte in der Kurpfalz zu einem Nebeneinander katholischer, lutherischer und reformierter beziehungsweise calvinistischer Konfessionen. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 verlor die Pfalz etwa drei Fünftel ihrer Bevölkerung. Danach förderte Kurfürst Karl I. Ludwig Rückkehr und Zuwanderung, besonders aus der Schweiz und Tirol; zwischen 1650 und 1750 wanderten nach Angaben von Helmut Seebach circa 30.000 Schweizer in die linksrheinische Pfalz ein. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Region 1689 durch französische Truppen geplündert und zerstört. 1717 bis 1732 wanderten etwa 3000 Mennoniten aus religiösen Gründen nach Nordamerika aus.
In den 1790er Jahren wurde die linksrheinische Pfalz französisch besetzt und ab 1798 vor allem im Département du Mont-Tonnerre verwaltet. Nach dem Wiener Kongress kam sie 1816 als Rheinkreis an Bayern und wurde 1835 in „Pfalz“ umbenannt. Sie behielt wichtige französische Rechtsregeln, darunter die aufgehobene Grundherrschaft, Gewerbefreiheit und bis 1900 den Code civil als Zivilrecht. Das Hambacher Fest von 1832 forderte politische Mitspracherechte; 1849 scheiterte ein Aufstand zur Errichtung einer Pfälzischen Republik und zur Annahme der Paulskirchenverfassung.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Pfalz bis 1930 französisch besetzt; 1919 wurden westliche Gebiete dem Saargebiet zugeordnet. 1923/24 scheiterte die von Heinz Orbis ausgerufene Autonome Pfalz. Während der NS-Zeit wurden 1940 etwa 6500 Juden aus Pfalz und Baden enteignet und in südfranzösische Lager deportiert; Überlebende wurden 1942 in Konzentrationslager gebracht und vergast. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Pfalz 1946 Teil des neuen Landes Rheinland-Pfalz. Ein Volksbegehren zur Rückgliederung nach Bayern erhielt 1956 nicht genug Zustimmung. Seit 2005 soll die Metropolregion Rhein-Neckar die Verbindungen zwischen linksrheinischer Pfalz und rechtsrheinischer Kurpfalz stärken.
Verwaltung, Wirtschaft und Verkehr
Die Pfalz war zunächst ein Regierungsbezirk von Rheinland-Pfalz mit Sitz der Bezirksregierung in Neustadt an der Weinstraße. 1968 wurde er mit Rheinhessen zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz vereinigt; von 1969 bis 1974 wurden zahlreiche Landkreise neu zugeschnitten. Seit dem 1. Januar 2000 gibt es in Rheinland-Pfalz keine Regierungsbezirke mehr. In Neustadt sitzt die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd. Landkreise und kreisfreie Städte sind Mitglieder des Bezirksverbands Pfalz, des einzigen höheren Kommunalverbands in Rheinland-Pfalz. Er verwaltet kulturelle und soziale Einrichtungen und fördert die Zusammenarbeit in der Region.
Weinbau ist ein zentraler Wirtschaftszweig: Das Weinbaugebiet Pfalz ist das zweitgrößte Deutschlands. Entlang der Deutschen Weinstraße ist auch der Tourismus wichtig. 2006 wurden im Tourismus rund 283 Millionen Euro umgesetzt; die Region verzeichnete 1,5 Millionen Übernachtungen, und Besucher gaben durchschnittlich 77,86 Euro pro Tag aus. Die BASF in Ludwigshafen ist mit über 30.000 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber. In Wörth am Rhein baut Daimler Lastkraftwagen für den weltweiten Export. Arbeitsplätze der Westpfalz liegen besonders bei Adam Opel, den US-Streitkräften mit Ramstein Air Base und Landstuhl Regional Medical Center sowie zunehmend bei IT-Unternehmen im Umfeld der Technischen Universität Kaiserslautern. Pirmasens ist traditionell von der Schuhindustrie geprägt, verlor aber durch deren Rückgang viele Arbeitsplätze und seit den 1970er Jahren fast 20.000 Einwohner. Auch die Nordpfalz ist nach dem Rückgang des Bergbaus von Bevölkerungsverlust betroffen.
Wichtige Autobahnen sind die A 6 von Saarbrücken nach Mannheim, A 61, A 65 und A 63; die B 10 zwischen Pirmasens und Landau wird vierspurig ausgebaut. Wichtige Bahnverbindungen verlaufen über Mannheim–Ludwigshafen–Mainz–Köln und über die Pfälzische Ludwigsbahn Saarbrücken–Kaiserslautern–Ludwigshafen–Mannheim. Der Flugplatz Zweibrücken hatte bis zu seiner Insolvenz 2014 Linien- und Charterverkehr.
Sprache, Alltagskultur und Sport
Eine heutige pfälzische Identität entstand vor allem nach den Grenzziehungen von 1815 und 1816; kulturelle und sprachliche Grenzen reichen teils über die heutige Region hinaus. Die pfälzischen Dialekte gehören zu den westmitteldeutschen, genauer rheinfränkischen Mundarten. Sie unterscheiden sich vom Rheinhessischen; die Sprachgrenze liegt bei Worms. Aus der französischen Zeit stammen Mundartwörter wie „Trottwa“ für Gehweg, „Barreblee“ für Regenschirm und „Schässlong“ für Sofa.
Zur regionalen Alltagskultur gehören Weinfeste und das Pfälzer „Dubbeglas“, ein konisches Schoppenglas mit Eindellungen und einer Kapazität von einem halben Liter. Die traditionelle Küche ist oft deftig. Typische Speisen sind Saumagen, grobe Bratwürste, Läwwerknepp, Flääschknepp, Handkees mit Musik, Gebreedelde und Grumbeere mit weißem Kees. Als Ausflugsmahlzeit gilt „Weck, Worscht un Woi“. Bekannte Backwaren sind Dampfnudeln, Quetschekuche und Kärscheplotzer; auch elsässisch beeinflusster Flammkuchen ist verbreitet.
Als inoffizielle Hymne gilt das 1869 entstandene und 1877 vertonte Pfälzerlied. Im Sport ist besonders der 1. FC Kaiserslautern bedeutsam: Er wurde viermal deutscher Meister. Sein Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg fasst knapp 50.000 Zuschauer und war bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Austragungsort von fünf Spielen. Zu den sportlichen Erfolgen aus der Pfalz zählen unter anderem die Fußball-Weltmeister von 1954 Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel, Werner Liebrich und Werner Kohlmeyer sowie Miroslav Klose, Weltmeister 2014 und mit 71 Treffern Rekordtorschütze der Nationalmannschaft.