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Baccalauréat

Das französische baccalauréat [ba.ka.lo.ʁea] (informelle Kurzform bac oder bachot) entspricht dem deutschen Abitur (allgemeine Hochschulreife) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und drei Typen
  2. 2. Baccalauréat général: Fachrichtungen und Prüfungen
  3. 3. Studienberechtigung und Anerkennung
  4. 4. Internationale und begriffliche Unterschiede
  5. 5. Organisation und Kritik der Notenvergleichbarkeit

Grundidee und drei Typen

Das französische baccalauréat (Kurzformen bac oder bachot) entspricht in Deutschland dem Abitur und in Österreich sowie der Schweiz der Matura. Es ist der Abschluss der Sekundarstufe. In Frankreich, Rumänien, Algerien, Marokko und Tunesien wird es zugleich als erster akademischer Grad verstanden; der Prüfungskommission sitzt jeweils ein Universitätsprofessor vor.

Es gibt drei Typen:

  • Das baccalauréat général ist der allgemeinbildende Abschluss.
  • Das baccalauréat technologique bietet acht Fachrichtungen, zum Beispiel Hotelwesen sowie medizinische und soziale Berufe oder Laborberufe.
  • Das baccalauréat professionnel umfasst mehr als 50 Fachrichtungen, unter anderem Kunststoffgießerei, Automechanik und Einzelhandel.

Baccalauréat général: Fachrichtungen und Prüfungen

Bis 2020 wählten die Schülerinnen und Schüler im baccalauréat général eine von drei Fachrichtungen: Literatur und Philosophie (Bac L – littéraire), Naturwissenschaft (Bac S – scientifique) oder Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Bac ES – économique et social).

Seit 2021 gilt ein neues Modell. In der première, der Jahrgangsstufe 11 von insgesamt zwölf Jahrgangsstufen, wählen die Schülerinnen und Schüler aus zwölf Hauptfächern zunächst drei spécialités mit jeweils vier Wochenstunden. In der terminale, der Jahrgangsstufe 12, wird eine spécialité abgewählt. Die beiden verbleibenden Fächer werden dann jeweils sechs Stunden pro Woche unterrichtet. Die zwölf Hauptfächer sind Kunst; Biologie-Ökologie; moderne Sprachen, Literaturen, Fremd- und Regionalkulturen; Digital- und Informationswissenschaften; Ingenieurwissenschaften; Literatur, Sprachen und Kultur der Antike; Literatur und Philosophie; Mathematik; Physik und Chemie; Geschichte und Erdkunde, Geopolitik und Politikwissenschaften; Biologie und Geowissenschaften sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Zusätzlich gibt es in den beiden letzten Jahrgangsstufen den tronc commun, einen gemeinsamen Fächerkanon für alle. Er umfasst 15 bis 16 Wochenstunden. Dazu gehören Französisch in der Jahrgangsstufe 11, Philosophie in der Jahrgangsstufe 12, Geschichte-Geographie, Gemeinschaftskunde (enseignement moral et civique), zwei moderne Sprachen, Sport und Naturwissenschaften.

Die Gesamtnote des Abiturzeugnisses setzt sich zu 60 % aus den épreuves finales zusammen. Dazu gehören die Prüfungen in Französisch und in der am Ende der Jahrgangsstufe 11 abgewählten spécialité sowie die Prüfungen in den beiden verbliebenen spécialités, in Philosophie und in einem mündlichen Vortrag in der Jahrgangsstufe 12. Weitere 40 % stammen aus Prüfungen in Nebenfächern, die über die beiden letzten Jahrgangsstufen verteilt stattfinden, dem contrôle continu, sowie aus dem Zeugnisdurchschnitt dieses Zeitraums.

Durch die Abwahl einer spécialité in der Jahrgangsstufe 12 kann beispielsweise nicht mehr gleichzeitig Mathematik, SVT und Physik-Chemie wie im früheren Bac S belegt werden. Als Ersatz für ein Hauptfach Mathematik gibt es maths complémentaires, einen Ergänzungskurs für Schülerinnen und Schüler mit einem anderen Schwerpunkt, und maths expertes, einen Kurs für fortgeschrittene Mathematik.

Seit 2021 gehört außerdem der reformierte mündliche Vortrag le grand oral zum Abschluss. Ein Thema, das sich auf eine oder beide spécialités bezieht, wird in den Jahrgangsstufen 11 und 12 vorbereitet. In der Prüfung wird es fünf Minuten lang vorgetragen und anschließend 15 Minuten mit der Prüfungskommission diskutiert.

Studienberechtigung und Anerkennung

Theoretisch berechtigen alle drei Baccalauréats zum Studium an einer französischen Hochschule oder Grande école. Da das Baccalauréat als erster akademischer Grad gilt, gibt es an französischen Universitäten keine Zulassungsbeschränkungen durch einen Numerus clausus.

Die Grandes Écoles führen jedoch Concours, also Auswahlverfahren, durch. Auf diese bereiten sich Bewerber normalerweise nach dem Baccalauréat zwei Jahre lang in einer Classe préparatoire vor. Zunehmend werden auch Bewerber ohne akademische Vorbildung zugelassen. In solchen Fällen können acquis professionnels, also der berufliche Werdegang, berücksichtigt werden. Auch die Verwaltungs-Elitehochschule ENA verfuhr nach diesem Muster.

Für die Anerkennung in Deutschland legte die Kultusministerkonferenz 1986 einen Katalog fest. Ausländische Zeugnisse müssen danach unter anderem etwa sechs Fächer, zwei Sprachen, Mathematik und einen sozialen Bereich umfassen. Nur das baccalauréat général erfüllt diese Voraussetzungen vollständig und wird deshalb als uneingeschränkte allgemeine Hochschulreife anerkannt. Das baccalauréat technologique und das baccalauréat professionnel berechtigen in der Regel nicht uneingeschränkt zum Studium an einer deutschen Hochschule.

Internationale und begriffliche Unterschiede

In Belgien und Kanada bezeichnet Baccalauréat keinen Sekundarschulabschluss, sondern einen akademischen Grad nach einem mindestens dreijährigen Hochschulstudium, zum Beispiel Bachelier ès Arts oder Bachelière en Sciences médicales. Im Mittelalter war das Baccalaureat eine Vorstufe der Doktorwürde und stellte die allgemeine wissenschaftliche Vorbildung eines Kandidaten fest.

Der französische Begriff bachelier entspricht im Handwerk dem Gesellen beziehungsweise dem lateinischen Baccalaureus. Der relativ neue akademische Grad heißt auf Französisch bachelor oder, wie bereits der Abschluss nach drei Hochschuljahren, licence. Das deutsche Baccalaureat oder Bakkalaureat bezeichnet dagegen keinen Schulabschluss, sondern einen nur in wenigen Studienfächern üblichen deutschen Hochschulabschluss, der zum Titel Baccalaureus berechtigt. Das theologische Baccalaureat endet beispielsweise mit dem Grad Baccalaureus Theologiae seu Divinitatis und ist einem Bachelor gleichwertig.

Organisation und Kritik der Notenvergleichbarkeit

Der Bildungsforscher Rainer Bölling beschreibt das Baccalauréat als nationales Zentralabitur mit erheblichem organisatorischem und finanziellem Aufwand. Im Jahr 2011 wurden 166.866 Prüfer in 4.737 Examenszentren eingesetzt, um 654.548 Kandidaten zu prüfen. Für die verschiedenen Prüfungen wurden 4.880 Aufgaben erstellt; ungefähr vier Millionen Arbeiten mussten korrigiert werden. Die Kosten betrugen 83,10 Euro pro Kandidat und insgesamt etwa 54,4 Millionen Euro.

Bölling bezweifelt jedoch, dass die Noten vollständig vergleichbar sind. Zwar gelten die Prüfungsthemen landesweit, aber es gibt keine landesweit verbindlichen Bewertungsvorgaben und keine Zweit- oder Drittkorrektur. Das Ergebnis hängt daher in jedem Fach von einem einzigen Prüfer ab. In einem Test aus den Jahren 2006 und 2007 bewerteten 30 Lehrkräfte für Wirtschaftskunde drei Arbeiten der Fachrichtung ES unabhängig voneinander. Bei einer Arbeit reichten die Noten von 5 bis 16, bei einer anderen von 8 bis 18 von 20 Punkten.

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