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Oberst
↑ In Kenntnis der Etymologie des Wortes als Superlativ von „oben“ in der Kombination „oberste Hauptleute“ wird man „Oberst“ eher wie das Superlativ von „oben“ …
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Grundbedeutung und Einordnung
Der Oberst ist ein hoher Offiziersdienstgrad in mehreren Streitkräften, darunter die Bundeswehr, das österreichische Bundesheer und die Schweizer Armee. In vielen Armeen entspricht er dem NATO-Rangcode OF-5. Er gehört meistens zur Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, also zu den Offizieren, die häufig in Stäben, Kommandobehörden, Ministerien oder bei größeren Verbänden leitende Aufgaben übernehmen.
In Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen Ländern steht der Oberst in der Rangordnung typischerweise über dem Oberstleutnant und unter einem Generalsrang, etwa Brigadegeneral oder Brigadier. In Marinen gibt es oft eine andere Bezeichnung auf derselben Rangstufe, zum Beispiel Kapitän zur See in der Bundeswehr oder Capitão de Mar e Guerra in Brasilien.
Bezeichnungen in verschiedenen Sprachen
Die deutsche Bezeichnung „Oberst“ geht auf den Superlativ von „oben“ zurück. Ursprünglich bezeichnete sie den „obersten“ Hauptmann, der im 16. Jahrhundert mehrere Fähnlein, also größere Gruppen von Landsknechten, in einem Regiment führte. Aus „Oberster (Feld-)Hauptmann“ entwickelte sich die Kurzform „Obrist“ beziehungsweise „Oberst“. Bis 1945 wurde der Dienstgrad im Deutschen Reich üblicherweise mit „Obst.“ abgekürzt.
Viele internationale Bezeichnungen wie englisch und französisch „Colonel“, italienisch „Colonnello“, spanisch und portugiesisch „Coronel“ gehen auf das lateinische „columnella“ zurück, eine Verkleinerungsform von „columna“ („Säule“). Daraus entstand im Militärwesen die Vorstellung einer „Kolonne“ als Truppenformation. Im Russischen heißt der entsprechende Rang „Polkownik“ (Полковник). Das Wort hängt mit „polk“ zusammen, einer altslawischen Bezeichnung für eine Truppenansammlung oder ein Regiment; es bedeutet sinngemäß „Regimentsführer“. Der Plural von „Oberst“ lautet laut Duden meist „Obersten“, seltener „Oberste“.
Oberst in der Bundeswehr
In der Bundeswehr ist der Oberst ein Offiziersdienstgrad der Stabsoffiziere. Der Dienstgrad wurde durch den Bundespräsidenten auf Grundlage des Soldatengesetzes festgesetzt. Für Heer und Luftwaffe heißt der Dienstgrad Oberst; bei Marineuniformträgern entspricht ihm der Kapitän zur See. Ranggleiche Sanitätsoffiziersdienstgrade sind unter anderem Oberstarzt, Oberstapotheker, Oberstveterinär, Flottenarzt und Flottenapotheker. Der NATO-Rangcode ist OF-5.
Ein Oberst kann nach der Vorgesetztenverordnung innerhalb bestimmter Grenzen Soldaten niedrigerer Dienstgradgruppen Befehle erteilen, darunter Mannschaften, Unteroffiziere, Leutnante und Hauptleute. Oberste dienen oft in leitenden Stabsfunktionen, zum Beispiel als Dezernatsleiter, Referatsleiter, Abteilungsleiter oder in Kommandobehörden und Ministerien. Sie sind dort etwa für Personal- und Materialplanung, Strategieentwicklung oder Einsatzplanung verantwortlich.
Oberste können auch Kommandeure kleinerer Lehreinrichtungen, Dozenten an wichtigen Ausbildungseinrichtungen, Militärattachés, Adjutanten des Ministers oder Verbindungsoffiziere sein. In Verbänden ab Brigadeebene arbeiten sie in Stäben, zum Beispiel als Chef des Stabes oder als Abteilungsleiter. Manche Oberste führen auch Truppenteile, etwa als Regimentskommandeur, stellvertretender Brigadekommandeur, Kommandeur von Brigadeeinheiten oder in besonderen Fällen als Bataillons- oder Brigadekommandeur. In der Militärmusik ist Oberst praktisch der Spitzendienstgrad.
Für die regelmäßige Beförderung zum Oberst gelten die Soldatenlaufbahnverordnung und ergänzende Vorschriften. Offiziere können frühestens 14 1/2 Jahre nach Ernennung zum Leutnant Oberst werden; Militärmusikoffiziere frühestens zehn Jahre nach Ernennung zum Hauptmann. Eine Einstellung direkt als Oberst ist bei entsprechender Qualifikation möglich. Die Besoldung erfolgt nach A 16, B 2 oder B 3 der Bundesbesoldungsordnung. Im Einzelplan 14 von 2024 waren 1351 Stellen für Oberste vorgesehen: 1052 in A 16, 1 in B 2 und 298 in B 3. Die besondere Altersgrenze liegt bei Vollendung des 62. Lebensjahres. Das Dienstgradabzeichen zeigt silbernes Eichenlaub und drei silberne Sterne.
Historische deutsche Streitkräfte
In der Nationalen Volksarmee der DDR war der Oberst bis 1990 der höchste Dienstgrad innerhalb der Stabsoffiziere. Der Dienstgradinhaber musste Berufsoffizier sein und eine akademische Ausbildung abgeschlossen haben. Das Dienstgradabzeichen bestand aus geflochtenen silbernen Schnüren mit drei Sternen; die Untergrundfarbe zeigte die Waffengattung an. Der entsprechende Dienstgrad der Volksmarine war Kapitän zur See. Auch hier war der Rang mit dem NATO-Rangcode OF-5 vergleichbar.
In Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht war der Oberst ebenfalls der höchste Offiziersrang der Stabsoffiziere. Im Ranggefüge des NS-Staats entsprach er dem Kapitän zur See der Kriegsmarine beziehungsweise dem SS-Standartenführer. Der niedrigere Rang war Oberstleutnant, der höhere Generalmajor.
Österreich und Schweiz
Im österreichischen Bundesheer steht der Oberst zwischen Oberstleutnant und Brigadier. Er ist der fünfthöchste Offiziersdienstgrad und gehört zur Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Die Abkürzung lautet „Obst“, der NATO-Rangcode ist OF-5. Zusätzlich wird „Oberst“ in Österreich als Verwendungsbezeichnung für Leitende Beamte (E1) der Exekutive verwendet, etwa bei Bundespolizei und Justizwache. Diese Wachkörper sind zivile Körperschaften, die nach militärischem Muster organisiert sind; ihre Angehörigen führen daher keine militärischen Polizeioffiziersdienstgrade, sondern Verwendungsbezeichnungen.
In der Schweizer Armee steht der Oberst über dem Oberstleutnant und unter dem Brigadier. In Friedenszeiten ist er der vierthöchste Offiziersdienstgrad. In Auslandseinsätzen wird er als „Colonel“ (Col) bezeichnet. Ein Oberst kann Kommandant eines Kommandos, des Ingenieurstabes der Armee oder eines Flab-Clusters sein; diese Formationen sind mit Regimentern vergleichbar. Außerdem übernimmt er Fachfunktionen in Stäben des Heeres, der Luftwaffe und der Territorialregionen. In Brigaden kann ein Oberst im Generalstab als Kommandanten-Stellvertreter oder Stabschef dienen. In der Militärjustiz tragen die Präsidenten I der Militärgerichte den Rang eines Obersten. Das Schweizer Dienstgradabzeichen zeigt drei breite Streifen; die Besoldung ist mit CHF 33.50 pro Tag angegeben.
Internationale Entsprechungen
In Frankreich entspricht der Oberst dem „Colonel“. Er steht über dem Lieutenant-Colonel und unter dem Général de brigade. Ein Colonel führt unter anderem ein Regiment. Der Rang wurde 1534 eingeführt, zeitweise durch andere Bezeichnungen wie Mestre de camp oder Chef de brigade ersetzt und später wieder als Colonel verwendet.
In Russland entspricht der Rang dem „Polkownik“ (Полковник). Er wurde im 16. Jahrhundert zur Zeit Iwans IV. eingeführt, blieb in der Kaiserlich Russischen Armee bis 1917 erhalten und wurde später in der Roten Arbeiter- und Bauernarmee wieder eingeführt. Der Polkownik steht zwischen den dem deutschen Oberstleutnant und Generalmajor entsprechenden Dienstgraden und hat den NATO-Rangcode OF-5.
Im Vereinigten Königreich heißt der entsprechende Rang im Heer „Colonel“ (Kürzel Col). Daneben gibt es Ehren- oder Traditionsfunktionen wie Colonel-in-Chief und Colonel of the Regiment. In der Royal Air Force entspricht dem deutschen Oberst der „Group Captain“ (Gp Capt), in der Royal Navy der „Captain“ (Capt), jeweils mit NATO-Rangcode OF-5. Wichtig ist: Der Captain der British Army ist dagegen ein niedrigerer Rang mit NATO-Rangcode OF-2 und entspricht dem deutschen Hauptmann.
In den Vereinigten Staaten heißt der entsprechende Dienstgrad „Colonel“ und wird in der US Army, der Air Force und dem Marine Corps verwendet. Er steht über dem Lieutenant Colonel und unter dem Brigadier General. Operativ führt ein Colonel eine Brigade mit sechs bis sieben Bataillonen und damit 3000 bis 4000 Soldaten. Die US-Soldstufe ist O-6, der NATO-Rangcode OF-5.
In Brasilien entspricht der Oberst im Heer dem „Coronel“, in der Luftwaffe ebenfalls dem „Coronel“ und in der Marine dem „Capitão de Mar e Guerra“. Weitere vergleichbare Bezeichnungen sind „colonnello“ in Italien, „kolonel“ in den Niederlanden, „coronel“ in Portugal und Spanien sowie „oberst“ in Dänemark und Norwegen.
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