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Französisch-Marokko
Französisch-Marokko (französisch Maroc français) war von 1912 bis 1956 ein französisches Protektorat in Marokko. Es umfasste das heutige Staatsgebiet von …
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Überblick und politische Ordnung
Französisch-Marokko (französisch Maroc français) war von 1912 bis 1956 ein französisches Protektorat in Marokko. Es umfasste das heutige Staatsgebiet Marokkos, ausgenommen Spanisch-Marokko, die Kolonie Ifni und die Internationale Zone von Tanger.
Ein Protektorat ist ein Gebiet, das formal eine eigene Herrschaft behält, dessen wesentliche politische Macht aber von einem anderen Staat ausgeübt wird. Grundlage war der Vertrag von Fès vom 30. März 1912: Frankreich und der Sultan von Marokko vereinbarten darin die Errichtung des Protektorats, mit Ausnahme Tangers. Der Sultan blieb offiziell Staatsoberhaupt, doch die tatsächliche Macht lag bei der französischen Residentur. Diese Form wird indirekte Herrschaft genannt: Bestehende marokkanische Institutionen blieben formal erhalten, wurden aber von der Kolonialmacht kontrolliert.
Mit dem französisch-spanischen Vertrag vom 27. November 1912 erhielt Spanien eigene Einflusszonen im Norden und Süden Marokkos. Tanger wurde zum Zentrum eines internationalen entmilitarisierten Gebietes.
Verwaltung, Städte und Wirtschaft
Hauptstadt wurde Rabat. Der zuvor in Marrakesch residierende Sultan wurde dorthin verlegt. Erster französischer Generalresident war Louis-Hubert Lyautey, der dieses Amt von 1912 bis 1925 ausübte und 1921 Marschall von Frankreich wurde. Sultan und Machzen, die traditionelle marokkanische Regierungsverwaltung, blieben formal im Amt.
Die französische Verwaltung errichtete Eisenbahnen, Straßen, Häfen, Bergwerke sowie Schulen und Krankenhäuser. Der Ausbau diente jedoch vor allem der kolonialen Wirtschaft und den Bedürfnissen europäischer Siedler. Dadurch entstand eine duale Wirtschaft: Die europäische und die marokkanische Bevölkerung waren wirtschaftlich ungleich beteiligt.
Nach den von Lyautey vorgegebenen und maßgeblich von Henri Prost geplanten Stadtkonzepten entstanden neben den Medinas, den Altstädten, getrennte europäische Neustädte, die villes nouvelles. Die Altstädte blieben weitgehend der marokkanischen Bevölkerung vorbehalten. Dies festigte die räumliche Trennung von Europäern und Marokkanern. An den Rändern der wachsenden Städte entstanden Elendsviertel, die bidonvilles genannt wurden.
Widerstand und Unabhängigkeit
Die militärische Durchdringung des Landesinneren traf auf bewaffneten Widerstand und war erst 1934 abgeschlossen. 1921 begann im spanischen Protektorat unter Abd el-Krim der Aufstand der Rifkabylen. Er weitete sich zum Rifkrieg aus und griff auch auf Französisch-Marokko über. Französische und spanische Truppen schlugen den Aufstand erst 1926 gemeinsam nieder.
1930 erließ die Protektoratsmacht den Berber-Dahir. Er stellte die berbersprachige Bevölkerung unter ein eigenes Gewohnheitsrecht und sollte sie dadurch von arabischsprachigen Marokkanern abgrenzen. Die Maßnahme stieß auf breiten Widerstand und gilt als Auslöser der marokkanischen Nationalbewegung.
Sultan Mohammed V., der seinem Vater 1927 gefolgt war, näherte sich der Unabhängigkeitsbewegung an. 1943 entstand die Istiqlal-Partei; ihr Manifest forderte im Januar 1944 die Unabhängigkeit Marokkos. Frankreich setzte Mohammed V. 1953 ab, verbannte ihn zunächst nach Korsika und dann nach Madagaskar und setzte Mohammed Ben Arafa als Sultan ein. Die Absetzung verstärkte den Widerstand. Mohammed V. durfte im November 1955 zurückkehren.
Am 2. März 1956 wurde Französisch-Marokko unabhängig, Spanisch-Marokko folgte am 7. April 1956. Mohammed V. nahm 1957 den Titel eines Königs an.