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Elsass
Das Elsass (elsässisch 's Elsàss, 's Elses, französisch [alˈzas]) ist eine Gebietskörperschaft in der Region Grand Est im Nordosten Frankreichs.
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Lage und heutiger Status
Das Elsass ist eine historische Landschaft und heutige Gebietskörperschaft im Nordosten Frankreichs. Es liegt überwiegend zwischen den Vogesen und dem Rhein, gehört seit 2016 zur Region Grand Est und hat Straßburg als Hauptstadt und Verwaltungssitz. Seit dem 1. Januar 2021 bilden die Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin wieder die politische Einheit „Europäische Gebietskörperschaft Elsass“.
Das Gebiet umfasst 8.280 km², also 1,3 % der Fläche Frankreichs. Am 1. Januar 2023 lebten dort 1.934.548 Menschen; die Bevölkerungsdichte betrug 233,6 Einwohner je km². Das Elsass gliedert sich in zwei Départements, neun Arrondissements, 40 Kantone und 904 Gemeinden. Von 1973 bis 2015 bestand es als eigenständige französische Verwaltungsregion.
Im Norden und Osten grenzt das Elsass an Deutschland, im Süden an die Schweiz, im Westen an Lothringen und im Südwesten an Bourgogne-Franche-Comté. Es ist etwa 190 Kilometer lang, aber nur rund 50 Kilometer breit. Im Osten bildet der Rhein die Grenze, im Westen meist der Hauptkamm der Vogesen. Der höchste Berg ist der Große Belchen (Grand Ballon) mit 1.424 m.
Die wichtigste Naturlandschaft ist die Elsässische Ebene (Plaine d’Alsace), die zum Oberrheingraben gehört. Sie wird von der Ill durchflossen und ist durch Getreideanbau, Wälder und teils hügelige Landschaften geprägt. Westlich schließt sich die Vorbergzone an, in der besonders Weinbau betrieben wird. Die Vogesen bestehen aus bewaldeten Gebieten, breiten Tälern und Hochweiden. Im Süden hat das Elsass außerdem Anteil am Jura. Das Wappen zeigt in Rot einen weißen Schrägrechtsbalken mit einem Lilienmäander und drei goldenen Kronen beidseitig des Balkens.
Historische Entwicklung zwischen Frankreich und Deutschland
Das Gebiet wurde vor mindestens 700.000 Jahren erstmals von Menschen besiedelt; Homo sapiens lebte dort vor etwa 50.000 Jahren. Die neolithische Revolution erreichte das Elsass im 6. Jahrtausend v. Chr. Die keltische Zeit dauerte ungefähr von 600 bis 58/52 v. Chr.; vermutlich bestand das Gebiet damals aus vielen kleinen Territorien.
Durch Caesars Eroberung Galliens zwischen 58 und 52 v. Chr. kam das Elsass unter römische Herrschaft. Es gehörte zunächst zu Germania superior, die 89 oder 90 gegründet wurde. Bei der Reichsreform Diokletians wurde das südliche Elsass 297 der Provinz Maxima Sequanorum, das nördliche der Germania prima zugeteilt. Nach dem Abzug der römischen Truppen um 476 kam das Gebiet vermutlich unter ostgotisches Protektorat und wurde um 496 Teil des Fränkischen Reiches. Nach einer Zugehörigkeit zum Herzogtum Alemannien entstand unter den Etichonen bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts ein elsässisches Herzogtum.
In fränkischer Zeit wanderten viele germanische Siedler ein. Straßburg war seit 614 Bischofssitz und neben Basel und Speyer eine wichtige Stadt. Durch Reichsteilungen wechselte das Elsass zwischen 842 und 925 viermal seine überregionale Zugehörigkeit: 842 zum Mittelfränkischen Reich, 870 zum Ostfrankenreich, 913 zum Westfrankenreich und 925 wieder zum Ostfrankenreich. Von spätestens 988 bis 1254 gehörte es überwiegend zum Herzogtum Schwaben. Danach entstanden zahlreiche weltliche und geistliche Herrschaften, Reichsstädte und kleinere politische Einheiten.
Frankreich übernahm zwischen 1633 und 1681 schrittweise die Landesherrschaft über die meisten elsässischen Gebiete. Habsburg trat 1648 im Westfälischen Frieden seine Rechte ab; Straßburg wurde 1681 annektiert. Durch die Friedensschlüsse von Rijswijk 1697 und Rastatt 1714 wurde die französische Herrschaft rechtlich bestätigt. Die französische Zollgrenze blieb zunächst an den Vogesen, weshalb der alte Wirtschaftsraum teilweise erhalten blieb. Gleichzeitig verbreitete sich Französisch als Verwaltungs-, Handels- und Bildungssprache der Eliten, während deutsche Sprache und Dialekte fortbestanden.
Die Französische Revolution beseitigte 1789 die alten Herrschaftsrechte und schuf die Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin. Es folgten Gewerbefreiheit, Aufhebung der Feudalrechte, Religionsfreiheit, Gleichheit vor Gesetz und Steuer sowie die Zivilehe. Mülhausen trat 1798 der Französischen Republik bei. Ab 1802 wurden die linksrheinischen Gebiete vollständig integriert. Der zweite Frieden von Paris von 1815 legte die bis heute gültigen französischen Außengrenzen fest; Landau und kleinere Gebiete im Nordelsass kamen zu Bayern.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871 wurden der überwiegende Teil des Elsass und Teile Lothringens im Frankfurter Frieden 1871 als Reichsland Elsaß-Lothringen dem Deutschen Kaiserreich angegliedert. Das Reichsland war zunächst keinem anderen Bundesstaat gleichgestellt und wurde von Reichs- und preußischen Behörden verwaltet; erst 1911 erhielt es eine gleichartige Stellung. Innerhalb der neuen Grenzen waren 94 % der Einwohner deutsch- und 6 % französischsprachig. Die „Option“ erlaubte bis Oktober 1872 die Entscheidung für die französische Staatsbürgerschaft, verbunden mit dem Verlassen des Landes. Für etwa 161.000 Menschen wurden Optionen abgegeben, etwa 50.000 nahmen sie wahr.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Elsass durch den Versailler Vertrag wieder Frankreich angegliedert. Rund 300.000 reichsdeutsche Beamte, Zugezogene und deren Nachfahren mussten das Gebiet verlassen. Französisch wurde Amts- und Schulsprache. Die Entfremdung führte seit 1924 zu einer Autonomiebewegung, die zunächst konfessionelle, später kulturelle und sprachliche Rechte forderte. Sie blieb erfolglos; die Autonomistische Landespartei zerbrach 1933 wegen ihrer Sympathien für die NSDAP.
Nach dem Westfeldzug 1940 besetzte Deutschland das Elsass und unterstellte es einer reichsdeutschen Zivilverwaltung im Gau Baden-Elsass. Eine formelle Abtretung erfolgte wegen des Kriegsverlaufs nicht. Die NS-Verwaltung betrieb gewaltsame Germanisierung; 45.000 Menschen wurden ausgewiesen oder deportiert. Von etwa 130.000 zwischen 1942 und 1944 in Wehrmacht und Waffen-SS rekrutierten Elsässern und Lothringern starben etwa 42.500. Die Résistance wuchs im Elsass bis 1944 auf 10.000 Mitglieder. US-amerikanische und französische Truppen befreiten das Gebiet zwischen dem 12. November und 19. Dezember 1944; Teile des Nordelsass folgten im März 1945.
Politik, Städte und Wirtschaft
Nach 1945 wurde das Elsass erneut stärker an die französische Sprache und Kultur angeglichen. Deutsch und Elsässisch waren in der Öffentlichkeit unerwünscht und bis in die 1970er Jahre an Schulen nicht zugelassen. Straßburg wurde 1949 Sitz des Europarats und 1979 Tagungsort des Europäischen Parlaments; damit wurde das Elsass zu einem wichtigen Zentrum der europäischen Zusammenarbeit. Die Proteste gegen die Kernkraftwerke Fessenheim und Wyhl in den 1970er Jahren gelten als Beginn der deutschen und französischen Ökologiebewegung.
Die Region ist traditionell bürgerlich-konservativ und politisch eher rechts orientiert. Der frühere Conseil Régional d’Alsace hatte bis 2015 seinen Sitz in Straßburg. Ein Referendum über eine einheitliche elsässische Gebietskörperschaft wurde am 7. April 2013 zwar mehrheitlich angenommen, scheiterte aber an der zu niedrigen Wahlbeteiligung. Die Fusion zu Grand Est am 1. Januar 2016 löste Proteste mit fünfstelliger Beteiligung aus. Die Europäische Gebietskörperschaft Elsass entstand schließlich ab 2021. Das Elsass unterhielt internationale Kooperationsabkommen unter anderem mit Regionen in Südkorea, China, Polen, Österreich, Russland, Kanada und Rumänien.
Die bevölkerungsreichste Stadt ist Straßburg mit 293.771 Einwohnern (2023), gefolgt von Mülhausen mit 104.978 und Colmar mit 66.970. Weitere größere Städte sind Hagenau, Schiltigheim, Illkirch-Grafenstaden, Saint-Louis, Lingolsheim, Schlettstadt und Bischheim.
Das Elsass ist international ausgerichtet. Das BIP betrug 28.470 Euro je Einwohner; beim Vergleich in Kaufkraftstandards erreichte die frühere Region 2003 einen Index von 107,2 gegenüber 100 für die EU-25. 2002 kamen 38,5 % der Importe aus Deutschland. Im vierten Quartal 2019 lag die Arbeitslosenquote bei 6,8 % im Bas-Rhin und 7,8 % im Haut-Rhin, gegenüber 8,1 % im französischen Durchschnitt. Etwa ein Viertel der Bevölkerung arbeitet in der Industrie; wegen ihrer Probleme versucht sich die Wirtschaft stärker auf Dienstleistungen und Forschung auszurichten. An etwa 35 % der Unternehmen sind ausländische Firmen beteiligt.
Landwirtschaftlich prägen Weinbau, Getreide, Hopfen und Weißkohl die Region. Das Weinbaugebiet Elsass besitzt AOC-Status. Die Hälfte der französischen Bierproduktion kommt aus dem Elsass. Die Waldfläche beträgt 312.000 Hektar. Bedeutende Industriezweige sind die Automobilindustrie, die chemische Industrie und die Biotechnologie. Das Stellantis-Werk in Mülhausen beschäftigt über 6.000 Menschen und produziert täglich mehr als 1.000 Fahrzeuge. In Chalampé entstehen 35 % der weltweiten Adiponitril-Produktion. Der frühere Kalibergbau förderte in einem Jahrhundert rund 560 Millionen Tonnen; 1950 arbeiteten dort noch etwa 13.000 Menschen. Heute erinnern ein Museum bei Wittelsheim und das Musée du Pétrole in Pechelbronn an den Bergbau und die Erdölförderung. Neun Wasserkraftwerke am Oberrhein erzeugen durchschnittlich mehr als 7 Milliarden kWh jährlich. Das Kernkraftwerk Fessenheim war bis Mitte 2020 in Betrieb und erzeugte 2019 12,3 Milliarden kWh. 2018 besuchten 23 Millionen Menschen das Elsass, darunter 15 Millionen Übernachtungsgäste und 8 Millionen Tagestouristen.
Verkehr und grenzüberschreitende Verbindungen
Die wichtigste Straßenverbindung ist die mautfreie Autobahn A 35 von Lauterbourg im Norden bis Saint-Louis bei Basel. Südlich von Straßburg verläuft sie auf kurzer Strecke als Nationalstraße. Die A 4 verbindet Straßburg über Saverne mit Paris und wird ab Hochfelden mautpflichtig. Die A 36 führt von der deutschen A 5 bei Neuenburg in Richtung Paris und Lyon und ist ab Burnhaupt-le-Haut mautpflichtig. Die A 35 bei Straßburg wurde 2002 von etwa 170.000 Fahrzeugen täglich genutzt. Seit 2021 entlastet die mautpflichtige A 355 westlich von Straßburg den Nord-Süd-Verkehr. Wegen der deutschen Lkw-Maut von 2005 verlagerte sich zusätzlicher Lastverkehr auf die mautfreie A 35.
Das Schienennetz ist an den Hochgeschwindigkeits- und Regionalverkehr angeschlossen. Die LGV Rhin-Rhône von Dijon über Mülhausen Richtung Basel und Freiburg ist größtenteils seit 2011 fertiggestellt. Die LGV Est européenne von Paris nach Straßburg sowie die Verbindungen weiter nach Stuttgart, München und über Saarbrücken nach Frankfurt wurden 2016 fertiggestellt. Der Regionalverkehr wird vom TER Grand Est betrieben. Straßenbahnen gibt es in Straßburg und Mülhausen. Im Elsass und im Département Moselle fahren Züge auf zweigleisigen Strecken entgegen der sonstigen französischen Regel rechts.
Mehr als 420 Kilometer Wasserwege sind schiffbar. Es gibt 36 Anlegestellen und Häfen für die Sportschifffahrt. Der Rhein-Rhône-Kanal führt Richtung Mittelmeer, der Canal de la Marne au Rhin Richtung Paris. In den elsässischen Häfen werden jährlich über 15 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen; drei Viertel davon entfallen auf Straßburg, den zweitgrößten Binnenhafen Frankreichs. Die geplante Erweiterung des Rhein-Rhône-Kanals wurde 1998 aus Kostengründen und wegen der erwarteten Landschaftszerstörung eingestellt.
Die internationalen Flughäfen Straßburg-Entzheim und Basel-Mülhausen bei Saint-Louis hatten 2022 zusammen knapp 8 Millionen Passagiere. Weitere Flugplätze gibt es unter anderem in Habsheim, Colmar, Straßburg-Neuhof, Saverne-Steinbourg, Haguenau und Sarre-Union. Das Elsass besitzt knapp 2.700 Kilometer ausgebaute Radwege. Durch die Region führen die EuroVelo-Routen EV5, EV6 und EV15; außerdem verbinden Radwege das Elsass mit der Pfalz, Baden, dem Kaiserstuhl und den Vogesen.
Sprache, Religion und regionale Kultur
Die traditionelle Alltagssprache ist Elsässisch, ein Sammelbegriff für überwiegend oberrheinalemannische, im Süden hochalemannische sowie nördlich und nordwestlich süd- beziehungsweise rheinfränkische Dialekte. Romanische Dialekte und Französisch waren traditionell in Teilen der Vogesen, im westlichen Sundgau und im Gebiet des heutigen Territoire de Belfort verbreitet. Seit dem 17. Jahrhundert gewann Französisch an Bedeutung. Während der Terrorherrschaft 1793–1794 wurde der öffentliche Gebrauch des Deutschen besonders stark bekämpft.
Im Deutschen Kaiserreich war ab März 1872 grundsätzlich Deutsch Amtssprache; in überwiegend französischsprachigen Gebieten waren französische Übersetzungen vorgesehen. Ein Gesetz von 1873 erlaubte dort Französisch als Geschäftssprache, und im Unterricht sollte in deutschsprachigen Gebieten Deutsch, in französischsprachigen Gebieten Französisch verwendet werden. Zwischen 1918 und 1940 war Französisch ausschließlich Amts- und Schulsprache. Auch die NS-Verwaltung 1940–1944 betrieb eine rücksichtslos germanisierende Sprachpolitik. Nach 1945 wurde Französisch Verkehrs-, Amts- und Schulsprache; Elsässisch und Standarddeutsch gingen besonders bei jüngeren Menschen zurück.
Nach Angaben im Artikel gaben 1946 noch 91 % der Bevölkerung an, Elsässisch zu sprechen, 1997 63 % und 2022 43 %. Eine weitere OLCA-Studie nennt für 2022 46 % Dialektsprecher, 19 % mit geringen Kenntnissen und 34 % ohne Kenntnisse; die unterschiedlichen Angaben werden als Umfragewerte wiedergegeben. 54 % erklärten, Hochdeutsch fließend oder gut zu sprechen, 23 % konnten es überhaupt nicht. Seit 1991 gibt es zweisprachige Schulen. 2016 besuchten sie über 34.000 Schüler, im Schuljahr 2020/21 18,5 % der elsässischen Vor- und Grundschüler. 2018 lernten 82,5 % der Schüler Deutsch zumindest als Fremdsprache, in Grund- und Vorschulen 98 %. Zugleich sinkt die Zahl der Schüler im paritätischen Deutschunterricht von 19.000 im Kindergarten auf 3.500 im Collège und unter 1.000 im Lycée. Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen wurde von Frankreich bis 2015 nicht ratifiziert.
Etwa 70 % der Bevölkerung sind katholisch, 17 % protestantisch und 5 % gehören anderen Religionen an. Wegen des napoleonischen Konkordats erhalten katholische und protestantische Gemeinden weiterhin staatliche Zuschüsse zur Pfarrerbesoldung. Jüdische Gemeinden wurden 1940–1944 schwer verfolgt; seit den 1960er Jahren stärkten vor allem sephardische Juden aus Nordafrika die Gemeinden in Straßburg. Außerdem leben viele Muslime im Elsass, insbesondere mit türkischem und maghrebinischem Hintergrund.
Typische Speisen und Getränke sind Flammkuchen, Gugelhupf, Choucroute, Baeckeoffe, Bredele, Crémant d’Alsace, Quetsch d’Alsace und Munsterkäse. Im Sport ist Racing Straßburg besonders bekannt; der Verein wurde 1979 französischer Meister. Regionale Tageszeitungen sind die Dernières Nouvelles d’Alsace und L’Alsace. Der Spielfilm „Die Elsässer“ von 1996 sowie Dokumentationen über die südliche und nördliche Weinstraße behandeln die Geschichte und Landschaft der Region.