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Französische Besatzungszone

Die französische Besatzungszone war ein Teilgebiet Deutschlands, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Frankreich als einer der Hauptsiegermächte der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Entstehung
  2. 2. Gebiet und politische Ordnung
  3. 3. Verwaltung und Saarfrage
  4. 4. Alltag, Versorgung und Reparationen
  5. 5. Entnazifizierung, Bildung und Kultur
  6. 6. Medien und Verkehr

Kern und Entstehung

Die französische Besatzungszone war eines der vier Besatzungsgebiete in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Frankreich besetzte sie als eine der Hauptsiegermächte der Anti-Hitler-Koalition. Sie umfasste vor allem Gebiete im Westen und Südwesten Deutschlands: eine Nordzone aus dem südlichen Teil der Rheinprovinz, dem westlichen Teil von Nassau, dem linksrheinischen Teil Rheinhessens und der Rheinpfalz sowie eine Südzone aus Württemberg-Hohenzollern, Südbaden und dem bayerischen Landkreis Lindau. Bis 1947 gehörte auch das Saarland dazu.

Die Grundlage entstand auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945. Dort beschlossen die USA, Großbritannien und die Sowjetunion, dass aus der britischen und amerikanischen Zone ein Gebiet für französische Streitkräfte bestimmt werden sollte. Frankreich erhielt diesen Status einer Siegermacht vor allem durch die Forderungen Charles de Gaulles und die Vermittlung Winston Churchills, gegen den Widerstand Stalins und Franklin D. Roosevelts. De Gaulle wollte Frankreichs Rolle als europäische Großmacht wiederherstellen und Deutschland so ordnen, dass von ihm künftig keine Gefahr mehr ausging. Seine Ziele waren die Auflösung des Reichs, eine Neuordnung in Einzelstaaten, Entnazifizierung, Demokratie und eine zeitlich unbegrenzte alliierte Oberhoheit.

Im Frühjahr 1945 eroberten amerikanische und französische Truppen große Teile West- und Südwestdeutschlands. Französische Truppen überschritten Ende März den Rhein; de Gaulle hatte General de Lattre de Tassigny angewiesen, dies auch gegen amerikanische Bedenken zu tun. In der ersten Besatzungszeit kam es in mehreren Orten zu Plünderungen, Tötungen und Massenvergewaltigungen. Die französische Militärführung griff teils erst nach einigen Tagen ein. Das Verhalten gegenüber der Bevölkerung war geprägt von Angst vor Sabotage, Vergeltung für die deutsche Besatzung Frankreichs 1940 bis 1944 und Misstrauen gegenüber dem Ende des Nationalsozialismus.

Gebiet und politische Ordnung

Die französische Zone wurde ab Juli 1945 aus Teilen der amerikanisch und französisch eroberten Gebiete gebildet. Ihre Grenzen waren oft willkürlich und folgten nicht historischen Zusammenhängen. Die frühere preußische Rheinprovinz wurde zwischen britischer und französischer Zone geteilt. Mainz wurde durch den Rhein von seinen rechtsrheinischen Stadtteilen getrennt, die amerikanisch besetzt waren. Eine weitere Grenze verlief aus logistischen Gründen entlang der Autobahn Karlsruhe-Ulm.

Die Zone umfasste 8,5 Prozent des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937, etwa die Fläche der Niederlande. Viele ländliche Orte waren weniger zerstört als andere Teile Deutschlands; in Orten unter 10.000 Einwohnern waren oft knapp 90 Prozent der Wohngebäude intakt. Dagegen lagen Städte, Bahnhöfe, Verkehrsknotenpunkte und Industriestandorte schwer beschädigt in Trümmern. Koblenz war zu mehr als 80 Prozent zerstört, Mainz hatte im Mai 1945 1,8 Mio. Kubikmeter Schutt, und im Saargebiet waren 60 Prozent der Schwerindustrie zerstört.

Zunächst war die Zone in Baden, Württemberg-Hohenzollern, Pfalz-Rheinhessen, Rheinland und Hessen-Nassau sowie Saar eingeteilt. 1946 entstanden unter französischer Aufsicht die Länder Baden, Württemberg-Hohenzollern und Rheinland-Pfalz. Das Saarland wurde bereits im Februar 1946 aus der Zone ausgegliedert und als Saarprotektorat einem Sonderregime unterstellt. Am 23. Mai 1949 wurden Rheinland-Pfalz, Baden und Württemberg-Hohenzollern Teil der Bundesrepublik Deutschland. Baden und Württemberg-Hohenzollern gingen 1952 mit Württemberg-Baden im Land Baden-Württemberg auf. Das Saarland trat erst 1957 der Bundesrepublik bei, nachdem das Saarstatut am 23. Oktober 1955 in einer Volksabstimmung abgelehnt worden war. Der bayerische Landkreis Lindau hatte als Verbindungskorridor zur französisch besetzten Zone in Westösterreich eine Sonderstellung und wurde erst am 1. September 1955 wieder nach Bayern eingegliedert.

Verwaltung und Saarfrage

Die französische Besatzungsverwaltung wurde zunächst militärisch geführt. Erster Militärgouverneur und Oberbefehlshaber war Jean de Lattre de Tassigny; im Juli 1945 wurde er abberufen. Sein Nachfolger Pierre Kœnig blieb bis zum 21. September 1949 Commandant en chef français en Allemagne. Sitz der zentralen Militärregierung war ab Ende Juli 1945 Baden-Baden. Im September 1945 entstanden fünf regionale Militärregierungen.

Die Verwaltung litt anfangs unter Kompetenzstreitigkeiten zwischen Berufsmilitärs und zivilen Führungskräften aus der Résistance. Die Bevölkerung unterlag einer engen bürokratischen Kontrolle, stärker als in der britischen und amerikanischen Zone, wo das öffentliche Leben schneller wiederhergestellt wurde. Deutsche Verwaltungsstellen auf Gemeinde-, Kreis- und Bezirksebene mussten die Anweisungen der Besatzungsmacht ausführen. 1946 belasteten fast eine Million französische Militärangehörige und Zivilisten die Versorgung zusätzlich. Nach Gründung der Bundesrepublik wurde das Amt der Militärgouverneure durch das Amt des Hohen Kommissars ersetzt; französischer Hoher Kommissar war André François-Poncet vom 10. August 1949 bis zum 5. Mai 1955.

Besonders wichtig war die Saarfrage. Frankreich wollte das Saargebiet zunächst politisch oder zumindest wirtschaftlich eng an Frankreich binden, vor allem wegen der Saarkohle und der Montanindustrie. Frühere Pläne sahen sogar die Vertreibung großer Teile der deutschsprachigen Bevölkerung vor; später wurden Übergangsregime, Kulturpolitik, französischer Schulunterricht, Zoll- und Währungsintegration sowie die Übernahme wirtschaftlicher Schlüsselbereiche diskutiert. Nach de Gaulles Rücktritt am 20. Januar 1946 verlor die Annexion ihren wichtigsten Fürsprecher. Präsident Georges Bidault nutzte die politische Annexion vor allem als Druckmittel, um die wirtschaftliche Integration durchzusetzen. In der Nacht zum 23. Dezember 1946 wurde eine Zollgrenze zwischen Saargebiet und französischer Besatzungszone errichtet. Damit war die politische Annexion gescheitert, und das Saargebiet schied aus der französischen Besatzungszone aus. Bis Ende 1947 wurden insgesamt 1820 Personen ausgewiesen, bis Ende 1949 davon nach Protesten 1228 wieder zurückgenommen.

Alltag, Versorgung und Reparationen

Für die Bevölkerung standen bis 1949 vor allem Ernährung, Wohnraum und Versorgung im Mittelpunkt. Politische Berichte beschrieben eine starke Apathie: Viele Menschen dachten mehr an das Essen am nächsten Tag als an die Zukunft Deutschlands. Bei Abstimmungen, etwa über die Verfassung von Rheinland-Pfalz, kannten viele Stimmberechtigte den Inhalt kaum. Ein Bericht urteilte: „Der Deutsche des Jahres 1948 ist noch nicht Demokrat.“

Die Wohnungsnot war trotz insgesamt etwas geringerer Zerstörung als in der britischen und amerikanischen Zone schwer. In Groß- und Mittelstädten waren 45 Prozent des Wohnraums völlig oder teilweise zerstört; Zentren wie Koblenz, Ludwigshafen und Mainz waren zu mehr als 70 Prozent zerbombt. Die Zone musste Wohnraum für fast sechs Millionen Deutsche, etwa 175.000 Displaced Persons und ab 1946 auch für eine Million Besatzungssoldaten und Zivilisten bereitstellen. Für französische Angehörige wurden oft besser eingerichtete Wohnungen beschlagnahmt. Flüchtlinge und Evakuierte, die erst nach 1939 in die Zone gekommen waren, sollten die Zone verlassen; die Aufnahme von Vertriebenen aus dem Osten wurde wegen Wohnungsmangel und Versorgungsproblemen stark begrenzt.

Auch die Ernährungslage war kritisch. Obwohl die Zone landwirtschaftlich geprägt war, war sie schon vor dem Krieg auf Lebensmitteleinfuhren angewiesen. Kriegsschäden in Landwirtschaft, Verkehr und Transport verschärften die Lage. Lebensmittelmarken berechtigten zum Kauf, garantierten aber keine Versorgung, wenn Waren fehlten. Schwarzmarkt und Tauschhandel wurden wichtige, aber verfolgte Ausweichformen. Erst mit Hilfsprogrammen der Alliierten, dem Marshallplan ab 1948 und der Währungsreform im Sommer 1948 besserte sich die Lage der Westzonen.

Frankreich nutzte seine Zone zugleich zur Wiedergutmachung eigener Kriegsschäden. Es fühlte sich nicht vollständig an das Potsdamer Abkommen gebunden, besonders nicht an die Behandlung Deutschlands als wirtschaftliche Einheit. Frankreichs Verluste durch deutsche Besatzung wurden mit 160 Milliarden Reichsmark beziffert. Stahlproduktion und Kohleförderung des Saargebiets dienten der französischen Industrie, landwirtschaftliche Produkte, Vieh, Textilien und Mobiliar wurden requiriert. Ein Abholzungsprogramm lag bald 350 Prozent über den normalen Hiebansätzen. 1949 wurden pro Einwohner 104 Deutsche Mark für die Franzosen gezahlt, gegenüber 77 DM für die Briten und 92 DM für die Amerikaner. Ziel war auch, Deutschland wirtschaftlich und militärisch so zu schwächen, dass es Frankreich nicht erneut gefährden konnte.

Entnazifizierung, Bildung und Kultur

Die Entnazifizierung beruhte auf den politischen Grundsätzen des Potsdamer Abkommens. Da französische Truppen organisatorisch der Sixth United States Army Group unterstanden, galten formal amerikanische Direktiven. In der Praxis gingen die Franzosen weniger systematisch vor als Amerikaner und Briten und konzentrierten sich stärker auf die „schlimmsten Fälle“. Wer ab 1. Januar 1919 geboren war oder später kein nationalsozialistisch geprägtes Amt ausgeübt hatte, galt automatisch als entlastet. Ab Juli 1948 wurden mit Verordnung 165 alle „einfachen“ Parteimitglieder als Mitläufer eingestuft.

Schon 1945 beteiligten französische Stellen deutsche Antifaschisten und unbelastete Bürger an Verfahren. Dahinter stand die Idee, den von der NS-Herrschaft benachteiligten „anderen Deutschen“ Verantwortung beim Demokratisierungsprozess zu geben. Zugleich wurde der Wiederaufbau der Wirtschaft schnell wichtiger als eine umfassende Entnazifizierung. Prominente Industrielle aus Friedrichshafen wie Claude Dornier, Karl Maybach und Hugo Eckener blieben trotz Protesten weitgehend unbehelligt, weil sie Rüstungsgüter für Frankreich lieferten.

Der Schulunterricht sollte am 1. Oktober 1945 wieder beginnen, war aber vielerorts bis 1948 schwierig. Es fehlten Lehrkräfte, weil fast 75 Prozent der deutschen Lehrer Mitglieder der NSDAP oder verwandter Organisationen gewesen waren. NS-Lehrbücher durften nicht mehr verwendet werden, neue Lehrbücher erschienen langsam, und viele Schulgebäude waren beschädigt oder von der Besatzung beschlagnahmt. Internationale und konfessionelle Hilfsorganisationen unterstützten unterernährte und schlecht gekleidete Kinder; ab Mai 1949 wurde in der französischen Zone kostenlose Schulspeisung eingerichtet.

In der Schulpolitik standen französische Vorstellungen einer staatlich gelenkten, laizistischen Erziehung und kirchliche Forderungen einander gegenüber. Die französische Militärverwaltung wollte überkonfessionelle Schulen und Lehrerbildung als Teil der Rééducation, also der demokratischen Umerziehung. Die Kirchen forderten dagegen stärkere konfessionelle Prägung. Kulturelle Angebote entstanden bereits ab Herbst 1945 wieder, etwa mit der Überlinger Kulturwoche. Theater und Kinos öffneten zügig, zunächst teils getrennt für Deutsche und Franzosen. 1946 wurde in Mainz eine Universität gegründet; das Sommersemester begann mit 1900 Studenten in sechs Fachrichtungen.

Medien und Verkehr

Die Eisenbahn wurde von der französischen Besatzungsmacht übernommen, soweit die Reichsbahn-Direktionen im französischen Gebiet lagen. Betroffen waren Karlsruhe, Mainz und Saarbrücken. Die Aufsicht lag zunächst beim Détachement d’Occupation des Chemins de fer Français in Speyer. Im August 1946 wurde aus der Reichsbahn in der Zone offiziell die Deutsche Eisenbahnen der französisch besetzten Zone, die Bekanntmachung folgte im Oktober. Reisen in andere Besatzungszonen waren nur mit Passierschein möglich. Der Betrieb blieb von Engpässen und Improvisation geprägt. Zum 1. Juli 1947 entstand die Betriebsvereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnen mit Sitz in Speyer; sie ging 1952 endgültig in der Deutschen Bundesbahn auf.

Der Rundfunk begann in der Zone im Oktober 1945: Ein Sender in Koblenz sendete ab dem 14. Oktober, der Kurzwellensender „Südwestfunk“ ab dem 20. Oktober in Baden-Baden. 1946 folgten Freiburg, Kaiserslautern und Sigmaringen. Anfangs wurden die Programme unter Mitwirkung und Zensur der Militärregierung produziert. Nach Gründung der Bundesrepublik gehörte der Südwestfunk ab Juni 1950 zur ARD. Im Saarland blieb Radio Saarbrücken wegen des Sonderwegs des Saargebiets unabhängig vom Südwestfunk; nach dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik 1957 wurde daraus der Saarländische Rundfunk.

Die Presse war zunächst unterbrochen. Im April 1945 stellten die letzten regionalen Zeitungen ihr Erscheinen ein; danach informierten Plakate und Ausrufer über Besatzungsanordnungen. Anfang August 1945 erschienen erste Presseerzeugnisse und beendeten eine Phase von Informationslosigkeit, Gerüchten und Falschmeldungen. Am 3. August 1945 erschien in Bad Ems der Mittelrhein Kurier mit 300.000 Exemplaren dreimal wöchentlich. Wegen Papiermangel und Transportproblemen war bis 1948 keine regelmäßige tägliche Zeitungsproduktion möglich.

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