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Philip Manow

Die Politische Ökonomie des Populismus · Norden: skandinavisch-sozialdemokratische Politische Ökonomien · Westen: kontinentaleuropäisch–konservativ (inklusiv der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und wissenschaftliche Arbeit
  2. 2. Populismus und Demokratie
  3. 3. Russlands Wirtschaft und der Krieg gegen die Ukraine
  4. 4. Streit über Europas politische Spaltung
  5. 5. Wichtige Veröffentlichungen

Person und wissenschaftliche Arbeit

Philip Manow (* 1963 in Hamburg) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er untersucht vor allem politische Ökonomie, Demokratie, Parteiensysteme, Populismus und Sozialpolitik. Seit 2024 ist er Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Universität Siegen.

Manow studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Geschichte an der Philipps-Universität Marburg und der Freien Universität Berlin. Von 2002 bis 2007 leitete er am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln die Forschungsgruppe „Politik und politische Ökonomie“. Danach beziehungsweise teilweise zeitgleich lehrte er an den Universitäten Konstanz, Heidelberg und Bremen. In Bremen war er Professor für Vergleichende Politische Ökonomie und Sprecher des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM).

2004 initiierte Manow die politikwissenschaftliche Datensammlung ParlGov, die er gemeinsam mit Holger Döring betreibt. Sie enthält vergleichbare Daten über Parteien, Wahlen und Regierungen in westlichen Demokratien und wird fortlaufend gepflegt. Im Jahr 2019 umfasste sie Daten aus 39 Demokratien zu rund 1700 Parteien, 990 Wahlen und 1500 Regierungen.

2014 begründete Manow am Wissenschaftskolleg zu Berlin das Projekt „Dinge und Orte der Demokratie“. 2018 wurde er in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gewählt; seit April 2026 ist er Mitglied von PEN Berlin.

Populismus und Demokratie

In „Die Politische Ökonomie des Populismus“ (2018) erklärt Manow die unterschiedlichen Formen des linken und rechten Populismus in Europa mithilfe sozioökonomischer Unterschiede. Politische Ökonomie bezeichnet dabei das Zusammenspiel von Wirtschaft, gesellschaftlichen Interessen und politischen Institutionen. Nach Manow lässt sich populistischer Protest besonders auf zwei Globalisierungsprozesse zurückführen: internationalen Handel und Migration. Bei der Migration unterscheidet er zwischen Arbeitsmigration und Fluchtmigration, weil beide je nach Wirtschafts- und Sozialsystem unterschiedliche politische Folgen haben.

Für die Europäische Union unterscheidet Manow vier Idealtypen, also vereinfachte Modelle politisch-ökonomischer Ordnungen:

  • Norden: skandinavisch-sozialdemokratische politische Ökonomien
  • Westen: kontinentaleuropäisch-konservative, einschließlich angelsächsisch-liberaler politischer Ökonomien
  • Süden: südeuropäisch-klientelistische politische Ökonomien
  • Osten: die Länder Osteuropas

Mit dieser Einteilung will er erklären, weshalb Globalisierung und Migration in verschiedenen Teilen Europas nicht dieselben populistischen Reaktionen hervorrufen.

In „Unter Beobachtung“ (2024) fordert Manow aus demokratietheoretischer Sicht weniger Verfassungsrecht beziehungsweise weniger Konstitutionalisierung. Konstitutionalisierung bedeutet hier, dass politische Fragen durch verfassungsrechtliche Vorgaben und Gerichte gebunden oder politischen Mehrheitsentscheidungen entzogen werden. Manow möchte der durch Wahlen bestimmten Mehrheit mehr Macht geben und hält dies für notwendig, um die Demokratie zu retten. Der Politikwissenschaftler Christian Stecker greift diese Argumentation auf und befürwortet die Idee einer „elektoralen Demokratie“, in der Konflikte, etwa über die Auslegung von Grundrechten, nicht ohne demokratische Prozesse vorpolitisch entschieden werden.

Russlands Wirtschaft und der Krieg gegen die Ukraine

Manow erklärt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine von 2022 teilweise durch die Wirtschaftsstruktur, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion herausgebildet habe. Anders als in anderen früheren Ostblockstaaten oder in China habe die Machtimplosion der Kommunistischen Partei in Russland einem „kriminellen Raubtierkapitalismus“ Raum gegeben. Als Folgen nennt er einen Rückgang des russischen Bruttosozialprodukts um fast 40 Prozent und den Zusammenbruch wichtiger staatlicher Funktionen, die für eine Modernisierung erforderlich gewesen wären.

Nach Manows Darstellung war Russlands Bruttosozialprodukt zum Zeitpunkt seines Artikels kleiner als das Italiens und das Pro-Kopf-Produkt kleiner als das rumänische. Russland stelle – abgesehen von einzelnen Waffensystemen – kaum international nachgefragte Produkte her und exportiere vor allem Gas, Öl und Gewalt. Die Wirtschaft erziele keine wesentlichen Produktivitätsfortschritte. Gewinne würden nicht ausreichend reinvestiert, sondern ausgeschüttet und für Luxusgüter wie Yachten, Privatjets und Wohnungen in London ausgegeben. Eine schmale gehobene Mittelschicht ahme dieses Konsummuster in kleinerem Maßstab nach.

Daraus leitet Manow eine geopolitische Logik ab. Die zunehmend westlich orientierte Ukraine kontrolliere teilweise die Weiterleitung russischen Gases nach Mittel- und Westeuropa. Außerdem habe sie die Erschließung großer, vor der Krim entdeckter Gasvorkommen nicht an die russischen Unternehmen Gazprom oder Lukoil, sondern an Shell und Exxon vergeben. Hinzu kämen große Schieferölvorkommen im Donbas und in der westlichen Ukraine, nahe der Unruheregion Transnistrien, die seit etwa 2010 durch Fracking hätten ausgebeutet werden können.

Manow folgert, eine westlich integrierte Ukraine könnte selbst zu einem wichtigen Energielieferanten Westeuropas werden und zugleich Russlands Zugang zu diesem Markt kontrollieren. Dies bedrohe die wirtschaftliche und politische Grundlage von Putins Herrschaft. Darin sieht Manow einen Schlüssel zum Verständnis der miteinander verbundenen wirtschaftlichen und politischen Kriegsziele des Kremls.

Streit über Europas politische Spaltung

In „Spaltungslinien Europas. Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats“ (2026) untersucht Manow Veränderungen in europäischen Parteiensystemen. Dekonsolidierung bezeichnet dabei die Schwächung oder Auflösung einer zuvor stabilen politischen Ordnung.

Manow vertritt die These, rechtspopulistische Parteien stünden gesellschaftspolitisch weiterhin gegen linke und linksliberale Positionen, etwa zu ethnischer Diversität und Feminismus. In der Verteilungs- und Sozialpolitik hätten sie jedoch inzwischen Positionen übernommen, die ursprünglich von linken Parteien vertreten worden seien. Deshalb erkennt er europaweit einen „Linksruck“, der durch das rechte politische Lager gehe.

Diese Diagnose ist fachlich umstritten. Der Politikwissenschaftler Floris Biskamp bezeichnete die These vom verteilungspolitischen Linksruck der Rechten als „unhaltbar“. Seiner Kritik zufolge habe Manow unternehmensfreundliche, marktliberale und wohlfahrtsstaatskritische Aussagen im Wahlprogramm der AfD nicht berücksichtigt. Biskamp beurteilt die AfD daher weiterhin sowohl als antiglobalistisch als auch als neoliberal.

Wichtige Veröffentlichungen

Manows Bücher behandeln demokratische Repräsentation, die religiösen Grundlagen europäischer Wohlfahrtsstaaten, politische Theorie, Populismus und die Entwicklung liberaler Demokratien. Zu den für seine Positionen besonders wichtigen Veröffentlichungen gehören „Die Politische Ökonomie des Populismus“ (2018), „(Ent-)Demokratisierung der Demokratie“ (2020), „Unter Beobachtung. Die Bestimmung der liberalen Demokratie und ihrer Freunde“ (2024) und „Spaltungslinien Europas. Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats“ (2026).

Weitere Werke sind „Im Schatten des Königs. Die politische Anatomie demokratischer Repräsentation“ (2008), „Religion und Sozialstaat. Die konfessionellen Grundlagen europäischer Wohlfahrtsstaatsregime“ (2009), „Politische Ursprungsphantasien. Der Leviathan und sein Erbe“ (2011), „Die zentralen Nebensächlichkeiten der Demokratie“ (2017) und „Nehmen, Teilen, Weiden. Carl Schmitts politische Ökonomien“ (2022). In dem Essay „Der Geist der Gesetze“ (2023) diskutiert Manow die Unmöglichkeit eines Konsenses darüber, ob die Macht der Mehrheit begrenzt werden muss.

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