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Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Terlan)

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Terlan (auch Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau) ist ein römisch-katholischer Kirchenbau im Südtiroler Etschtal …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Geschichte
  2. 2. Baugestalt und Türme
  3. 3. Fresken im Chorraum
  4. 4. Fresken im Hauptschiff und in der Seitenkapelle
  5. 5. Ausstattung und Orgel

Bedeutung und Geschichte

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Terlan, auch Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau genannt, ist ein römisch-katholischer Kirchenbau im Südtiroler Etschtal zwischen Bozen und Meran. Besonders bedeutend ist ihr umfangreicher mittelalterlicher Freskenbestand. Von seiner Fläche her gilt er als der größte Freskenschatz in einer Tiroler Landkirche. Der 76 Meter hohe Pfarrkirchturm ist ein Wahrzeichen der Gemeinde.

An der Stelle der heutigen Kirche stand bereits ein romanischer Vorgängerbau, der 1206 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Sein Glockenturm an der Nordseite des heutigen Langhauses ist weitgehend erhalten. Bei Grabungen wurden 1999 Fundamente dieses Vorgängerbaus entdeckt.

Der Bau der heutigen gotischen Kirche begann im 14. Jahrhundert. Der Neubau steht wahrscheinlich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Terlans, dem Abbau örtlicher Silbervorkommen, wachsendem Wohlstand und Bevölkerungswachstum in Verbindung. Der Chorraum war spätestens 1363 fertiggestellt, da in diesem Jahr dort ein Geistlicher namens Heinrich beerdigt wurde. Das Langhaus war zu Beginn des 15. Jahrhunderts vollendet. Der frei stehende gotische Glockenturm entstand um 1530.

Die Weihe fand an einem 1. Mai, dem Fest der heiligen Philippus und Jakobus des Jüngeren, statt; das genaue Jahr ist unbekannt. Das heutige Patrozinium Mariä Himmelfahrt ist erst seit 1698 belegt. Das Kirchenvermögen wurde von Laienvertretern der Gemeinde, den sogenannten Kirchpröpsten, verwaltet.

Im 17. Jahrhundert wurde an der Nordseite des Chores eine zweigeschossige Sakristei angebaut. Um 1707 wurde der Friedhof wegen der Überschwemmungsgefahr durch die Etsch aufgeschüttet. Von 1822 bis 1824 erhöhte man den Fußboden des Kirchenraums um 0,75 Meter. Dabei wurden der alte Triumphbogen zwischen Chor und Hauptschiff entfernt und ein neues Südportal geschaffen.

Wegen Feuchtigkeitsschäden neigte sich der spätgotische Turm stark nach Westen und wurde deshalb „schiefer Turm von Terlan“ genannt. Eine lokale Sage erklärt die Neigung damit, dass sich der Turm einst vor einer reinen Jungfrau verneigt habe. Wegen Einsturzgefahr wurde er 1881 auf staatliche Anordnung abgetragen und bis 1893 nach Plänen des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt aus dem alten Material neu errichtet. Das heutige Dach mit farbig glasierten Ziegeln im Rautenmuster geht auf diese Planungen zurück, war aber in ähnlicher Form schon seit dem späten 15. Jahrhundert vorhanden. Im 20. Jahrhundert wurde der Fußboden wieder abgesenkt. 1995 bis 1996 wurden Turm und Kirchendach umfassend instand gesetzt.

Baugestalt und Türme

Die Kirche ist als zweischiffige Staffelhalle mit einem lang gestreckten Chor angelegt. Neben dem breiten, zweijochigen Hauptschiff liegt nördlich ein schmaleres Seitenschiff. Dieses endet im Osten in einem kleinen, querrechteckigen Kapellenraum. Das Hauptschiff geht in einen dreijochigen Chor über, der mit einem unregelmäßigen Fünfachtelschluss endet. Hauptschiff und Chor besitzen ein Satteldach, das Seitenschiff ein eigenes Pultdach.

Die Außenwände bestehen aus verschiedenfarbigem Sandstein und werden durch ein umlaufendes Gesims und Strebepfeiler gegliedert. Zwei südliche Strebepfeiler des Hauptschiffs tragen im oberen Bereich Tabernakel, die vermutlich für Figuren bestimmt waren. Das Maßwerk der Fenster ist größtenteils neugotisch.

Der frei stehende spätgotische Pfarrturm ist 76 Meter hoch und in fünf Geschosse gegliedert. Im vierten Geschoss befinden sich die Ziffernblätter der Turmuhr; unter dem westlichen Ziffernblatt gibt es zusätzlich eine Anzeige der Mondphasen. Das fünfte Geschoss enthält die Glockenstube mit großen dreibahnigen Maßwerkfenstern. Darüber führen spitze Dreiecksgiebel zu einem spitzen achteckigen Turmhelm. Am zweiten Geschoss sind die Wappen von Sigismund von Niedertor und Widmann zu Staffelfeld-Ulmburg angebracht. Der Turmeingang liegt an der Ostseite.

Der ältere romanische Turm an der Nordseite des Kirchenschiffs wurde gegen 1300 errichtet und in den gotischen Neubau einbezogen. Er übernahm vermutlich bis zum Bau des großen Turms die Funktion des Glockenturms. Seine oberen drei Geschosse besitzen romanische Schallfenster in Form von Biforien und Triforien. Ein pyramidenförmiger Helm, ebenfalls mit farbig glasierten Ziegeln gedeckt, bildet den Abschluss.

Das Hauptportal liegt an der Westseite. Sein Tympanon zeigt ein historistisches Mosaik mit Moses vor dem brennenden Dornbusch und dem Wort Gottes: „Ziehe deine Schuhe aus, denn dieser Ort ist heilig“ (Ex 3,5 EU). Über dem Portal befindet sich ein spitzer Wimperg mit einer gotischen Marienkrönungsgruppe aus Terrakotta von Giovanni di Rigino aus dem 14. Jahrhundert. Zum Schutz vor Witterung wurden die Originale durch Kopien ersetzt; die Originale stehen heute im Seitenschiff. Rechts des Portals befindet sich ein monumentales Christophorusfresko aus dem späten 15. Jahrhundert.

Fresken im Chorraum

Die Chorfresken entstanden in zwei Arbeitsphasen. Aus der ersten Phase kurz nach der Fertigstellung des Chores, um 1367, stammen fragmentarisch erhaltene Darstellungen der zwölf Apostel unterhalb der Fenster des Chorabschlusses. Im Chorgewölbe ist außerdem ein von den Symbolen der vier Evangelisten gerahmter Pantokrator in einer Regenbogenmandorla dargestellt. Ein Pantokrator ist hier die Darstellung Christi als Weltenherrscher.

Um 1390 wurde der Chor vom sogenannten Meister der Bozner Urbanuslegende und seiner Schule erneut ausgemalt. Das Bildprogramm steht in der Tradition Giottos und beginnt mit Christus als Schmerzensmann oberhalb des mittleren Chorfensters. Christus zeigt seine Wunden und steht in einer Grabtumba; neben ihm trauern Maria und Johannes. Im Hintergrund erscheinen die Arma Christi, also die Leidenswerkzeuge Christi.

Rechts davon beginnt ein Zyklus über das Leben Marias und die Kindheit Jesu. Im Uhrzeigersinn folgen die Verkündigung an Maria, die Geburt Jesu, die Verkündigung an die Hirten und die Anbetung durch die heiligen drei Könige. An der Nordwand werden die Szenen mit der Flucht nach Ägypten, der Heimkehr aus Ägypten und Anna mit Jesus und Maria fortgesetzt. Den Abschluss bildet der zwölfjährige Jesus im Tempel links vom Schmerzensmann.

Die Fenster des Chorabschlusses werden von Paulus und acht Aposteln unter gotischen Baldachinen gerahmt. Darunter sind in Zweiergruppen die 14 Nothelfer dargestellt. Die vier übrigen Apostel erscheinen gemeinsam an der Nordwand des dritten Chorjochs. Darunter zeigen Fresken die Grabtragung Mariens, den Marientod und die Marienkrönung.

An der Südwand befinden sich Votivbilder: Der heilige Nikolaus rettet ein Schiff aus Seenot; diese Darstellung kann als Bitte um Schutz vor den Hochwassern der Etsch verstanden werden. Darüber ist eine Schutzmantelmadonna zu sehen. Die gegenüberliegende Nordwand zeigt Maria als apokalyptisches Weib und darunter die Heilige Sippe.

Fresken im Hauptschiff und in der Seitenkapelle

Eine lateinische Inschrift datiert die ältesten Fresken des Hauptschiffs auf 1407. Sie nennt Sigismund von Niedertor und seine Gemahlin Magaretha von Villanders als Stifter sowie den Bozner Maler Hans Stotzinger als ausführenden Künstler. Stotzinger und seine Schüler malten an der Südseite zwei Bildzyklen: Im zweiten Joch befindet sich die Kindheitsgeschichte Marias, im ersten Joch die Kindheitsgeschichte Jesu.

Der Marienzyklus beginnt mit Joachim, dem Vater Marias, der von einem Engel die Geburt eines Kindes trotz seines hohen Alters erfährt. Dargestellt sind außerdem seine Rückkehr zu Anna, die Begegnung des Ehepaars an der Goldenen Pforte, die Geburt Marias, ihre Verlobung mit Joseph von Nazareth und die Verkündigung an Maria. Durch das Herausbrechen des Südportals im 19. Jahrhundert wurde die Verkündigung stark beschädigt; ursprünglich waren dort auch die Stifter mit ihren Namenspatronen zu sehen.

Der Zyklus zur Kindheit Jesu zeigt die Geburt Jesu und die Verkündigung an die Hirten, darunter die Beschneidung Jesu und seine Darstellung im Tempel sowie den betlehemitischen Kindermord. Die Gewölbefresken des Hauptschiffs stellen im ersten Joch Christus als Schmerzensmann und Maria im Strahlenkranz mit den vier lateinischen Kirchenvätern dar. Im zweiten Joch erscheinen die vier Evangelisten, singende Engel, Maria als Schmerzensmutter und Johannes der Täufer. Zwischen den Engeln befindet sich ein Heiliggeistloch.

Die Darstellungen an den nördlichen Schildbögen sind jünger: Im ersten Langhausjoch befindet sich ein Jüngstes Gericht von 1884, im zweiten ein Votivbild von Alexander von Egen um 1530. An der durch die Orgel verdeckten Westwand soll sich ein großformatiges Christophorusfresko befinden.

In der Seitenkapelle sind zwei Malschichten erhalten. Die ältere stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist nur schwer erkennbar. Die jüngere entstand um 1410/20 und ist ebenfalls fragmentarisch bewahrt. Gut sichtbar sind Szenen aus dem zweiten Buch Mose: Moses empfängt von Gottvater die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten; außerdem erscheinen der Mannaregen, die Verehrung des goldenen Kalbes und die Zerstörung der Gesetzestafeln durch Moses. Im weitgehend zerstörten unteren Bereich sind noch Verstorbene an der Pest zu erkennen. Weitere Bilder zeigen Heilige sowie die Legende des heiligen Alexius.

Ausstattung und Orgel

Im Chor haben sich Teile der mittelalterlichen Ausstattung erhalten: eine gotische Sessionsnische mit spitzbogigem Abschluss in der Nordwand und ein kleines Sakramentshaus an der nordöstlichen Wand des Chorpolygons. Bei der Renovierung von 1967 wurde der neugotische Hochaltar entfernt und durch einen schlichten Volksaltar ersetzt. Damit war die Pfarrkirche von Terlan die erste Kirche in Südtirol, die den liturgischen Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprach. Zugleich wurden ein neuer Ambo aufgestellt und die Sakramentsnische wieder zur Aufbewahrung des Allerheiligsten verwendet.

Die Altarraumfenster wurden 1913 von Rudolf Stolz entworfen und in der Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt hergestellt. Sie zeigen die Himmelfahrt Mariens, umgeben von Johannes dem Täufer und Joseph von Nazareth auf der linken sowie Joachim und Anna auf der rechten Seite.

In der Seitenkapelle steht ein Taufstein aus rotem Marmor aus der Gegend von Trient; er entstand im 16. Jahrhundert. Unter der Orgelempore befindet sich eine ebenfalls im 16. Jahrhundert geschaffene Pietà, die seit dieser Zeit besonders verehrt wird. An der Nordwand des Seitenschiffs stehen Grabsteine für Heinrich († 1367), Sigismund von Niedertor († 1412), Georg Schenk († 1432), Georg Hafner († 1630) und Anna Barbara Burger († 1691).

Die Orgel steht auf einer neugotischen Empore aus dem 19. Jahrhundert, die in das erste Hauptschiffjoch eingebaut ist und über das Seitenschiff erreicht wird. Die erste beurkundete Orgel wurde 1697 von Kaspar Trampler errichtet. 1857 ersetzte sie ein Instrument von Josef Sies. Die heutige Orgel baute 1981 Johann Pirchner aus Steinach am Brenner. Sie besitzt 18 Register auf zwei Manualen und Pedal.

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