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Flucht nach Ägypten

Die Flucht nach Ägypten ist eine Erzählung aus der Kindheit Jesu, die im Matthäusevangelium und außerkanonischen Evangelien überliefert ist (Mt 2,13 ELB).

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kern der Erzählung
  2. 2. Bericht im Matthäusevangelium
  3. 3. Außerbiblische Überlieferungen
  4. 4. Darstellungen in Kunst und Festkultur

Kern der Erzählung

Die Flucht nach Ägypten ist eine Erzählung aus der Kindheit Jesu. Sie ist im Matthäusevangelium und in außerkanonischen, also nicht zum biblischen Kanon gehörenden, Evangelien überliefert. In der katholischen Tradition gehört die Flucht zu den Sieben Schmerzen Mariens; ihrer wird im liturgischen Kalender am 15. September gedacht. Die Rückkehr der heiligen Familie aus Ägypten wurde spätestens seit dem 9. Jahrhundert am 7. Januar erinnert.

Bericht im Matthäusevangelium

Nach der Abreise der Weisen aus dem Morgenland erschien Josef im Traum ein Engel. Er befahl ihm, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes das Kind töten wolle. Josef sollte dort bleiben und weitere Nachrichten abwarten.

Nach dem Tod des Herodes erschien der Engel erneut und befahl Josef, zurückzukehren. Josef fürchtete sich jedoch, nach Bethlehem zurückzugehen, weil nun Herodes’ Sohn Archelaus über Judäa herrschte. Nach einer göttlichen Weisung zog er deshalb mit Maria und Jesus nach Nazareth in Galiläa. Das wird als Grund genannt, warum Jesus auch Nazoräer genannt wird.

Der Evangelist Matthäus deutet die Rückkehr Jesu aus Ägypten als Erfüllung eines Prophetenwortes: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ (Mt 2,15 ELB). Gemeint ist ein Vers aus dem Buch Hosea: „Als Israel jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ (Hos 11,1 ELB). Ursprünglich bezeichnet „Gottes Sohn“ in diesem Hosea-Vers das Volk Israel.

Außerbiblische Überlieferungen

Außerbiblische Texte erweitern die biblische Erzählung um Wunder und Begleitfiguren. Nach dem apokryphen Pseudo-Matthäus-Evangelium wurde Josef auf der Flucht von drei Knaben begleitet, Maria von einem Mädchen. Der kindliche Jesus soll während und nach der Flucht viele Wunder vollbracht haben: Drachen fielen huldigend vor ihm nieder, und eine Dattelpalme beugte sich vor Maria. Danach gab sie an ihrem Stamm eine Quelle frei.

Als die heilige Familie nach dieser Überlieferung in der ägyptischen Stadt Sotinen ankam, wusste sie nicht, wo sie Unterkunft finden sollte. Maria betrat mit dem Jesuskind einen Tempel; daraufhin stürzten 365 Götterbilder um. Der Priester und das Volk der Stadt bekehrten sich nach diesem Zeichen.

Im Arabischen Kindheitsevangelium sucht die Familie ein Krankenhaus auf, das dem höchsten ägyptischen Gott geweiht war. Die Erde wankt, und der Gott erklärt den erschrockenen Ägyptern, ein wahrer Gott sei gekommen, dem sich alle unterwerfen müssten. Danach stürzt das sprechende Götterbild zusammen.

In der Legenda aurea, im Kapitel „Von den unschuldigen Kindlein“, wird berichtet, in Hermopolis in der Thebais habe sich ein heilkräftiger Baum namens Persidis vor dem Herrn geneigt. Außerdem habe in jedem ägyptischen Tempel ein zerbrochenes Götterbild gelegen.

Darstellungen in Kunst und Festkultur

Die Flucht nach Ägypten wurde häufig in der Kunst dargestellt. Zu den im Artikel genannten bedeutenden Werken gehören „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“ von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1563, „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio um 1594 sowie zwei Werke mit dem Titel „Die Flucht nach Ägypten“ von Adam Elsheimer, eines um 1605 und eines von 1609.

Auch Motive aus außerbiblischen Überlieferungen wurden bildlich dargestellt, etwa die Begleitung der heiligen Familie durch Kinder, der Sturz ägyptischer Götterbilder in einem Tempel, die sich neigende Dattelpalme oder Jesus, der einen Drachen besänftigt.

In Ägypten werden traditionell verschiedene Feste zu Ehren der Flucht nach Ägypten gefeiert, gemeinsam von Muslimen und koptischen Christen. Die Ankunft der Heiligen Familie in Ägypten wird üblicherweise im Juni begangen. Im Jahr 2022 wurden Feste im Zusammenhang mit der Reise der Heiligen Familie von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

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