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Anna (Heilige)
Anna (von hebräisch חַנָּה Ḥannah; griech.: Αννα) wird in mehreren apokryphen Schriften des 2. bis 6. Jahrhunderts als Mutter Marias und damit als …
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Bedeutung und überlieferte Lebensgeschichte
Anna gilt in mehreren apokryphen Schriften des 2. bis 6. Jahrhunderts als Mutter Marias und damit als Großmutter Jesu Christi. Apokryphe Schriften sind Texte, die nicht zu den vier kanonischen Evangelien des Neuen Testaments gehören; in diesen Evangelien wird Anna nicht erwähnt. Seit dem Mittelalter wird sie als Heilige verehrt.
Ihre legendarische Lebensgeschichte ist dem alttestamentlichen Vorbild von Hannah und ihrem Sohn Samuel nachgebildet. Anna soll nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe mit Joachim Maria geboren haben. Nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche wurde Maria zwar auf natürliche Weise von ihrem leiblichen Vater gezeugt sowie von Anna empfangen und geboren, durch göttliche Gnade jedoch vor dem Schaden der Erbsünde bewahrt. Dies heißt unbefleckte Empfängnis.
Der Legende nach brachten Anna und Joachim Maria im Alter von drei Jahren zur Erziehung in den Jerusalemer Tempel, weil sie damit ein Gelübde erfüllten. Einige apokryphe Schriften, darunter das Protoevangelium des Jakobus und das Pseudo-Evangelium des Matthäus, berichten außerdem, dass das Ehepaar ein Drittel seines Besitzes an Arme, Waisen, Witwen und Fremde in Not spendete.
Dreiheirat und Heilige Sippe
Im Frühmittelalter entstand, ausgehend von biblischen und apokryphen Aussagen über Jesu Verwandtschaft, die Vorstellung von Annas „Dreiheirat“ (trinubium) und der „Heiligen Sippe“. Nach dieser weiter ausgestalteten Legende heiratete Anna nach Joachims Tod Kleophas und Salomas. Von jedem der beiden soll sie ebenfalls eine Tochter namens Maria bekommen haben; diese Töchter wurden wiederum als Mütter von Jüngern und Aposteln angesehen.
Eine Legende Haimos von Auxerre, die in der Legenda Aurea des Dominikaners Jacobus de Voragine enthalten ist, nennt Anna und ihre Schwester Esmeria als Töchter von Susanna und Ysaschar. Esmerias Tochter Elisabet sei die Mutter Johannes des Täufers gewesen. Maria Salomas sei die Mutter von Jakobus dem Älteren und Johannes, Maria Kleophas die Mutter von Jakobus dem Jüngeren, Judas Taddäus, Simon Zelotes und Joseph Justus gewesen. Johannes Trithemius schrieb diese Legende später fälschlich Haimo von Halberstadt zu.
Entwicklung der Verehrung und bildliche Darstellungen
In frühchristlicher Zeit wurde Anna nicht verehrt. Die Verehrung begann zunächst zögerlich 550 mit dem Bau einer ihr gewidmeten Kirche in Konstantinopel. Erst 1142 ist wieder eine wichtige Station überliefert: Avda, die Witwe König Balduins, ließ neben dem Bethesdateich in Jerusalem die St.-Anna-Kirche errichten, weil dort die Wohnung Joachims und Annas vermutet wurde.
Seit dem 13. Jahrhundert stieg die Verehrung stark an und erreichte mit der Marienverehrung im 15. und 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Sie zeigte sich in Lebenslegenden, Wundererzählungen, Gebeten und Bildern. Besonders im deutsch-niederländischen Raum verbreitet waren Anna selbdritt mit Anna, Maria und dem Jesuskind, Anna als Lehrerin der lesenden Maria sowie Darstellungen der Heiligen Sippe.
1481 nahm Papst Sixtus IV. Annas Gedenktag in den römischen Kalender auf. Papst Gregor XIII. legte den Annentag 1584 auf den 26. Juli fest. Martin Luther und Kaiser Maximilian verehrten Anna besonders; Maximilian trat 1496 der Annenbruderschaft zu Worms bei. Humanisten beriefen sich auf Anna, um für die Unbefleckte Empfängnis Mariens zu argumentieren. Johannes Trithemius löste mit seiner Schrift De laudibus sanctissimae matris Annae eine Debatte aus.
Patronat, Wallfahrten und Reliquien
Anna wird unter anderem als Patronin von Neapel und der Bretagne sowie als Beschützerin von Müttern, Ehe, Hausfrauen, Witwen, Armen und zahlreichen Berufsgruppen verehrt, etwa Bergleuten, Webern, Schneidern, Müllern, Schiffern, Tischlern und Goldschmieden. Gläubige bitten sie um eine glückliche Heirat, Kindersegen, eine komplikationslose Geburt, das Wiederfinden verlorener Sachen und Regen. Nach christlicher Auffassung soll sie außerdem gegen Krankheiten, Gewitter und andere Gefahren schützen.
Zahlreiche Kirchen stehen unter ihrem Patrozinium, also unter ihrem Schutz als Namens- und Schutzheilige. In Düren befindet sich seit 1501 das angebliche „Annahaupt“, ein Schädelfragment als Reliquie. Die dortige spätgotische St.-Anna-Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1956 nach Plänen von Rudolf Schwarz neu gebaut. Weitere Reliquien werden unter anderem in Ste-Anne in Apt, Wien und Castelbuono auf Sizilien genannt.
Wichtige Wallfahrts- und Festorte sind Sainte-Anne-d’Auray in der Bretagne, wo Anna 1624 oder 1625 einem Bauern erschienen sein soll, Düren mit der Annakirmes und der Anna-Oktav sowie Forchheim mit dem Annafest um den 26. Juli. Weitere erwähnte Orte sind Annabrunn bei Mühldorf am Inn und der St. Annaberg in Schlesien. In verschiedenen deutschen Regionen wird das Annafest als Volksfest gefeiert.