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Peter Longerich
Heinz Peter Longerich (* 4. Februar 1955 in Krefeld) ist ein deutscher Zeithistoriker und Experte für die Geschichte des Nationalsozialismus.
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Fachgebiet und Bedeutung
Heinz Peter Longerich (* 4. Februar 1955 in Krefeld) ist ein deutscher Zeithistoriker. Sein Schwerpunkt ist die Geschichte des Nationalsozialismus, insbesondere die Geschichte des NS-Staats und des Holocausts. Er untersuchte unter anderem nationalsozialistische Propaganda, die Führung der NSDAP, die Judenverfolgung und den Weg zur sogenannten „Endlösung“. Damit beschäftigt er sich mit zentralen Fragen der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945, darunter der Organisation staatlicher Herrschaft, der Vorbereitung des Völkermords und der Beteiligung verschiedener Behörden und gesellschaftlicher Gruppen.
Ausbildung und wissenschaftlicher Weg
Longerich wuchs nach seiner Geburt in Krefeld-Uerdingen in Itzehoe auf und legte dort 1973 am Kaiser-Karl-Gymnasium das Abitur ab. Anschließend studierte er Geschichte, Soziologie und Staatsrecht an der Georg-August-Universität Göttingen. 1977 wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort arbeitete er als Hilfskraft an dem von Gerhard A. Ritter und Klaus Tenfelde geleiteten Projekt „Bibliographie zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 1863–1914“. Im Juli 1980 schloss er sein Studium mit dem Magisterexamen ab.
Im Juli 1983 wurde Longerich in München bei Gerhard A. Ritter promoviert. Seine Dissertation behandelte Die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop; Zweitgutachter war Wolfgang Hardtwig. Die zeitgenössische Rezeption hob hervor, dass Longerich mit seiner Untersuchung der „in eigener Regie“ betriebenen Auslandspropaganda des Auswärtigen Amtes eine „Forschungslücke geschlossen“ habe, weil frühere Arbeiten fast ausschließlich Joseph Goebbels’ Propagandaapparat berücksichtigt hatten.
Von Juli 1983 bis 1989 arbeitete Longerich am Institut für Zeitgeschichte in München. Dort war er als verantwortlicher Bearbeiter am Projekt „Rekonstruktion der Akten der Partei-Kanzlei, Teil II“ beteiligt. 1999 habilitierte er sich an der Universität der Bundeswehr in München mit einer Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Diese war bereits 1998 unter dem Titel Politik der Vernichtung im Piper Verlag erschienen.
Lehrtätigkeit und öffentliche Wirkung
Seit 1993 lehrte Longerich am Royal Holloway and Bedford New College der Universität London, seit 2000 als Professor für Moderne deutsche Geschichte. Dort war er außerdem Gründungsdirektor des Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History. Von 2012 bis 2018 lehrte er zugleich an der Universität der Bundeswehr in München und war außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität Erfurt. Außerdem ist er Herausgeber der Reihe Serie Piper Dokumentation.
Zu weiteren Stationen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gehören eine Gastprofessur am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main 2002/03 und die Forschung als „J.B. and Maurice Shapiro Senior Scholar in Residence“ am Centre for Advanced Holocaust Studies des Holocaust Memorial Museum in Washington 2003/04. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Longerich besonders durch seine Biografien über Heinrich Himmler (2008), Joseph Goebbels (2010) und Adolf Hitler (2015) bekannt. Diese Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erhielten international überwiegend positive Kritik.
Wichtige Schriften
Longerichs Monografien behandeln vor allem Institutionen, Personen und Entscheidungsprozesse im Nationalsozialismus. Zu seinen frühen Arbeiten gehören Propagandisten im Krieg. Die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop (1987), Die braunen Bataillone. Geschichte der SA (1989) und Hitlers Stellvertreter. Führung der NSDAP und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Heß und die Partei-Kanzlei Bormann (1992).
Mit Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung (1998) legte Longerich eine umfassende Darstellung der Judenverfolgung vor. Weitere Bücher untersuchen die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 und den Beginn des Genozids an den europäischen Juden, darunter Die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942. Planung und Beginn des Genozid an den Europäischen Juden (1998) und Wannseekonferenz. Der Weg zur „Endlösung“ (2016). Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“ (2001) sowie „Davon haben wir nichts gewusst!“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945 (2006) befassen sich mit Entscheidungswegen und der Haltung der deutschen Bevölkerung.
Zu den Biografien gehören Heinrich Himmler. Eine Biographie (2008), Goebbels. Biographie (2010) und Hitler. Biographie (2015). Spätere Monografien behandeln Antisemitismus: Eine deutsche Geschichte. Von der Aufklärung bis heute (2021), Außer Kontrolle. Deutschland 1923 (2022), Die Sportpalast-Rede 1943. Goebbels und der „totale Krieg“ (2023), Abrechnung. Hitler, Röhm und die Morde vom 30. Juni 1934 (2024) sowie Unwillige Volksgenossen. Wie die Deutschen zum NS-Regime standen. Eine Stimmungsgeschichte (2025).
Als Herausgeber war Longerich unter anderem an Die Ermordung der europäischen Juden. Eine umfassende Dokumentation des Holocaust (2. Auflage 1989), Die Erste Republik. Dokumente zur Geschichte des Weimarer Staates (1992), „Was ist des Deutschen Vaterland?“ Dokumente zur Frage der deutschen Einheit (4. Auflage 1996) und der vierbändigen Enzyklopädie des Holocaust (1998) beteiligt. Die Enzyklopädie entstand gemeinsam mit Eberhard Jäckel und Julius H. Schoeps.