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Heinrich Himmler
Himmler machte in den 1920er-Jahren als Reichsredner und Parteifunktionär Karriere und wurde 1929 von Adolf Hitler an die Spitze der damals noch der …
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Kernbedeutung und Machtstellung
Heinrich Luitpold Himmler (* 7. Oktober 1900 in München; † 23. Mai 1945 in Lüneburg) war ein deutscher NSDAP-Politiker und einer der Hauptverantwortlichen des Holocaust. Er wurde 1929 von Adolf Hitler an die Spitze der Schutzstaffel (SS) berufen, die damals noch der Sturmabteilung (SA) unterstellt war. In der Zeit des Nationalsozialismus baute Himmler seine Organisation und seine eigene Macht stark aus, besonders zwischen 1934 und 1936.
Als Reichsführer SS, Chef der deutschen Polizei, Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums ab 1939, Reichsinnenminister ab 1943 und Befehlshaber des Ersatzheeres ab 1944 hatte er im Zweiten Weltkrieg eine Machtstellung, die nur von Hitlers übertroffen wurde. Unter seiner Kontrolle standen unter anderem die SS, der Sicherheitsdienst (SD), die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und weitere Polizei- und Terrororgane. Mit ihnen wurde ein System der Überwachung, Verfolgung, Einschüchterung, Inhaftierung, Entrechtung und Ermordung aufgebaut.
Himmler war mitverantwortlich für den Holocaust, den Völkermord an den Sinti und Roma, die Ermordung von Millionen Zivilisten und Kriegsgefangenen im Zusammenhang mit dem Generalplan Ost sowie für zahlreiche weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Herkunft und Aufstieg
Himmler stammte aus einem bürgerlichen, römisch-katholischen bayerischen Umfeld. Sein Vater Joseph Gebhard Himmler war Oberstudiendirektor, seine Mutter hieß Anna Maria Heyder. Heinrich Himmler besuchte humanistische Gymnasien in München und Landshut und legte 1919 das Abitur ab. Am Ende des Ersten Weltkriegs hatte er eine Offiziersausbildung begonnen, kam aber nicht mehr an die Front; später wurde im NS-Regime wahrheitswidrig behauptet, er habe Fronterfahrung gehabt.
Nach dem Krieg studierte Himmler von 1919 bis 1922 Landwirtschaft an der Technischen Hochschule München und arbeitete danach als Laborant in einer Fabrik für künstliche Düngemittel. Er war seit 1928 mit Margarete Boden verheiratet. Mit ihr hatte er die Tochter Gudrun Burwitz und ab 1933 einen Adoptivsohn. Mit seiner späteren Geliebten Hedwig Potthast hatte er zwei weitere Kinder.
Politisch engagierte sich Himmler zunächst in der Bayerischen Volkspartei. Über völkische und paramilitärische Gruppen kam er zur NSDAP, der er am 1. August 1923 beitrat. Am 9. November 1923 beteiligte er sich am gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch. Nach der Neugründung der NSDAP 1925 stieg er als Parteiredner, Propagandafunktionär und SS-Funktionär auf. Am 6. Januar 1929 ernannte Hitler ihn zum Reichsführer SS.
Ausbau von Polizei und Terrorapparat
Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 arbeitete Himmler daran, Polizei und Sicherheitsorgane in die Hände der Nationalsozialisten zu bringen. In Bayern wurde er 1933 kurzzeitig Polizeipräsident von München und danach Chef der Bayerischen Politischen Polizei. Die politische Polizei war für die Verfolgung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner zuständig. Himmler verband ihre Arbeit eng mit der SS und übertrug dieses Modell schrittweise auf andere Länder des Reiches.
Am 20. April 1934 erhielt Himmler de facto die Befehlsgewalt über die preußische Gestapo. Sein enger Mitarbeiter Reinhard Heydrich leitete das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin. Beim sogenannten Röhm-Putsch am 30. Juni und 1. Juli 1934 spielte die SS eine zentrale Rolle bei der Ermordung der SA-Führung und weiterer politischer Gegner. Danach wurde die SS aus der SA herausgelöst; Himmler war nun nur noch Hitler persönlich verantwortlich.
Ein wichtiger Schritt war der Erlass vom 17. Juni 1936: Himmlers Parteiamt als Reichsführer SS wurde mit dem staatlichen Amt des Chefs der Deutschen Polizei verbunden. Die Polizei wurde zentralisiert und in Ordnungspolizei sowie Sicherheitspolizei gegliedert. Die Sicherheitspolizei umfasste Gestapo und Kriminalpolizei und wurde eng mit dem Sicherheitsdienst der SS verbunden. 1939 wurden Sicherheitspolizei und SD im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zusammengeführt. Himmler betrieb außerdem die Verfolgung homosexueller Männer und leitete Programme wie Lebensborn.
Ideologie, Germanisierung und Siedlungspläne
Himmler verband Machtpolitik mit einer rassistischen und völkischen Ideologie. Er bezog sich stark auf ein von ihm idealisiertes „Germanentum“ und besonders auf König Heinrich I. In Quedlinburg ließ er Feiern zu Heinrich I. organisieren und gründete 1938 die „König-Heinrich-I.-Gedächtnisstiftung“. Die Wewelsburg bei Paderborn sollte zu einer ideologischen Stätte der SS ausgebaut werden. Hinter solchen Symbolen stand der Versuch, Geschichte, Mythos, Germanenkult und pseudoreligiöse Vorstellungen zu einem Weltbild der SS zu formen.
Himmlers Siedlungspläne zielten auf ein „großgermanisches Imperium“. In einer Rede vom 8. November 1938 stellte er dieses als zukünftiges Ziel dar. Der Generalplan Ost sollte die eroberten Gebiete im Osten durch Vertreibung, Umsiedlung, Versklavung und Ermordung rassistisch neu ordnen. Slawische Bevölkerungen sollten entrechtet und reduziert werden; deutsche und sogenannte volksdeutsche Siedler sollten angesiedelt werden.
Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion 1941 wurden Himmlers Befugnisse nochmals erweitert. In einer Geheimrede vor SS-Gruppenführern in der Wewelsburg nannte er als Ziel die Dezimierung der slawischen Bevölkerung um dreißig Millionen. Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ermordeten im ersten Kriegssommer fast eine Million Menschen. Besonders brutale SS-Einheiten wie die Sondereinheit Dirlewanger wurden bei Massenverbrechen und der sogenannten Partisanenbekämpfung eingesetzt.
Holocaust und Kriegsschluss
Himmler setzte die „Endlösung der Judenfrage“ in Europa organisatorisch um. Dem Holocaust fielen zwischen 5,6 und 6,3 Millionen Menschen zum Opfer. Himmler handelte im Auftrag Hitlers, verfügte aber mit SS, Polizei und Verwaltung über die entscheidenden Mittel zur Durchführung. Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurden polnische Eliten und zahlreiche Juden ermordet, jüdische Menschen in Ghettos zusammengetrieben und deportiert. Frühere Pläne wie Deportationen nach Madagaskar wurden aufgegeben.
Mit dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 radikalisierte sich die Mordpolitik. Aus der Tötung bestimmter Gruppen wie kommunistischer Funktionäre und der sogenannten „jüdisch-bolschewistischen Intelligenz“ wurde die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung, einschließlich Frauen und Kinder. Bis Ende 1941 ermordeten Himmlers Einsatzgruppen etwa eine halbe Million Menschen. Ab 1942 wurden nach der Wannseekonferenz Deportationen in Vernichtungslager systematisch organisiert. In seinen Posener Reden vom 4. und 6. Oktober 1943 sprach Himmler offen von der „Ausrottung des jüdischen Volkes“ und nahm die Zuhörer in die Mitverantwortung.
Militärisch scheiterte Himmler, als er 1944/45 Kommandos an der Front übernahm. Als Oberbefehlshaber Oberrhein und später der Heeresgruppe Weichsel konnte er den Vormarsch der Alliierten und der Roten Armee nicht aufhalten. Zugleich versuchte er in der Endphase des Krieges, heimlich mit westlichen Vermittlern und Alliierten zu verhandeln. Er ermöglichte einzelne Freilassungen von Häftlingen, erließ aber auch Terrorbefehle: Im April 1945 ordnete er unter anderem an, Männer aus Häusern mit weißer Fahne zu erschießen, und befahl am 14. April, kein Insasse von Arbeits- oder Konzentrationslagern solle lebend zurückbleiben. Dies trug zu Massenhinrichtungen und Todesmärschen bei.
Flucht, Tod und Überlieferung
Nachdem Himmler über den schwedischen Grafen Folke Bernadotte eine einseitige Kapitulation gegenüber den Westmächten angeboten hatte, machten die Alliierten das Gesprächsangebot öffentlich. Hitler schloss Himmler aus der NSDAP sowie aus allen Partei- und Staatsämtern aus und ernannte am 29. April 1945 Karl Hanke zu seinem Nachfolger als Reichsführer SS.
Anfang Mai 1945 floh Himmler mit seinem Stab nach Flensburg. Nach dem Ende des Krieges in Europa durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 versuchte er unter falschem Namen zu entkommen. Am 21. Mai 1945 wurde er nahe Meinstedt von britischen Soldaten festgenommen. Am 23. Mai 1945 gab er in Lüneburg seine wahre Identität preis. Bei einer ärztlichen Untersuchung zerbiss er eine Blausäurekapsel und starb gegen 23:15 Uhr. Sein Leichnam wurde am 26. Mai 1945 an unbekannter Stelle in der Lüneburger Heide vergraben.
Von Himmler sind zahlreiche private und dienstliche Dokumente überliefert, darunter Tagebücher, Briefe, Fotos und Dienstkalender. Teile des Nachlasses gelangten in Archive wie die Hoover Institution, das Bundesarchiv, das Holocaust Memorial Museum und russische Archivbestände. Der Dienstkalender für 1941/42 wurde 1999 veröffentlicht; weitere Diensttagebücher für 1943 bis 1945 wurden 2020 publiziert und dokumentieren fast alle Tage vom 1. Januar 1943 bis zum 14. März 1945.