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Krefeld

Liste für Umweltschutz, Klimagerechtigkeit & soziale Gerechtigkeit. NÄCHSTE ... ↑ Jens Voss: Krefeld: Wie Muslime ihre Religion in Krefeld leben. In …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Stadtgliederung und Bevölkerung
  3. 3. Geschichte
  4. 4. Politik und Stadtzeichen
  5. 5. Kultur, Bauwerke und Freizeit
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr und Bildung

Überblick und Lage

Krefeld ist eine linksrheinische Großstadt am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Die kreisfreie Stadt gehört zum Regierungsbezirk Düsseldorf, zur Metropolregion Rhein-Ruhr und zur Metropolregion Rheinland. Wegen ihrer bedeutenden Seidenstoffproduktion im 18. und 19. Jahrhundert trägt sie den Beinamen „Samt- und Seidenstadt“. Ende 2024 hatte Krefeld 231.406 Einwohner, zum 31. Dezember 2025 werden 230.738 Einwohner genannt. Die Fläche beträgt 137,78 km², die Höhe 38 m ü. NHN, die Bevölkerungsdichte 1675 Einwohner je km².

Krefeld liegt in der Krefeld-Kempener Platte, einem Teil der Niederrheinischen Tiefebene. Das Stadtzentrum liegt etwa sieben Kilometer vom Rhein entfernt, das Stadtgebiet reicht aber seit der Eingemeindung Linns bis an den Fluss. Die Uferlänge am Rhein beträgt 6,2 Kilometer. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt 12 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 13,1 Kilometer in West-Ost-Richtung. Die höchste natürliche Erhebung ist der Hülser Berg mit 63 m ü. NN; künstliche Erhebungen sind der Inrather Berg mit 87 m ü. NN und der Kapuzinerberg mit 77 Metern.

Das Klima ist atlantisch-maritim geprägt: Die Winter sind mild und schneearm, die Sommer mäßig warm. Das langjährige Mittel des Jahresniederschlags liegt bei 760 mm, die Jahresmitteltemperatur zwischen 10,6 °C und 11,1 °C. Geologisch bestehen die oberflächennahen Schichten vor allem aus Kies- und Sandablagerungen des Eiszeitalters; Löss- und Lehmböden machen Teile des Stadtgebiets zu guten Ackerstandorten.

Stadtgliederung und Bevölkerung

Krefeld gliedert sich seit dem 1. November 2025 in fünf Stadtbezirke: Mitte, Nord, West, Süd und Ost. Jeder Stadtbezirk hat eine Bezirksvertretung und einen Bezirksvorsteher. Vorher gab es neun Stadtbezirke; der Stadtrat beschloss im November 2023 die Verringerung auf fünf. Daneben gibt es 19 Stadtteile, darunter Innenstadt, Hüls, Bockum, Uerdingen, Oppum, Linn, Gellep-Stratum und Fischeln. Nachbarstädte sind unter anderem Duisburg, Meerbusch, Willich, Tönisvorst, Kempen, Moers und Neukirchen-Vluyn. Düsseldorf liegt südöstlich; das Zentrum ist etwa 19 km von der Krefelder Innenstadt entfernt.

Die Einwohnerzahl wuchs im 19. Jahrhundert stark. 1861 hatte Krefeld mehr als 50.000 Einwohner, im November 1887 überschritt die Stadt die Marke von 100.000 Einwohnern und wurde damit Großstadt. 1994 erreichte die Bevölkerung mit rund 250.000 ihren historischen Höchststand. Ende 2018 lebten 227.020 Menschen in Krefeld, davon 51,2 % weiblich. Im selben Jahr gab es 2.033 Geburten und 2.805 Sterbefälle; das negative Geburtensaldo wurde durch ein positives Wanderungssaldo ausgeglichen. Der Ausländeranteil lag 2018 bei 17,1 %, 35,9 % der Bevölkerung hatten einen Migrationshintergrund.

Religiös ist Krefeld vielfältig. Laut Zensus 2022 waren 34,9 % katholisch, 16,1 % evangelisch und 49,0 % konfessionslos, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder ohne Angabe. Ende 2024 waren nach städtischer Statistik 31,6 % katholisch, 14,0 % evangelisch und 54,4 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos. In Krefeld gibt es christliche Gemeinden verschiedener Richtungen, eine jüdische Gemeinde, muslimische Gemeinden und weitere Religionsgemeinschaften. Die Krefelder Mundart heißt Krieewelsch oder Krieewelsch Platt und gehört zum südniederfränkischen Dialektraum; in Hüls gibt es mit Hölsch Plott bereits eine nordniederfränkische Prägung.

Geschichte

Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Gellep errichteten die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. das Kastell Gelduba. Das Gräberfeld dort war von der Antike bis ins frühe Mittelalter belegt; 1962 wurde das besonders gut erhaltene Grab des Frankenfürsten Arpvar entdeckt. Krefeld selbst wurde 1105 erstmals im Urbar des Klosters Werden erwähnt. Am 1. Oktober 1373 erhielt der Ort durch Kaiser Karl IV. die Ermächtigung, mit den Rechten einer Stadt ausgestattet und befestigt zu werden; dieses Datum gilt als Geburtstag der Stadt.

Im 16. und 17. Jahrhundert prägten Reformation, Krieg und religiöse Toleranz die Entwicklung. 1560 wurde die Grafschaft Moers protestantisch. 1584 wurde Krefeld im Truchsessischen Krieg völlig zerstört und blieb fast zwei Jahrzehnte nahezu unbewohnt. 1598 wurden die Grafschaft Moers und Krefeld neutral erklärt. Diese Neutralität machte Krefeld im 17. Jahrhundert zu einem Zufluchtsort für religiös verfolgte Gruppen, besonders Mennoniten und später Quäker. 1683 wanderten 13 Familien, die „Original 13“, nach Amerika aus und gründeten in Pennsylvania Germantown. 1688 initiierten dort Abraham und Dirk Isacks op den Graeff, Gerrit Henderich und Franz Daniel Pastorius einen frühen schriftlichen Protest gegen die Sklaverei.

1702 fiel Krefeld an Preußen. Im 18. Jahrhundert stieg die Stadt durch die Familie von der Leyen zu einem wichtigen Zentrum der europäischen Seidenindustrie auf. Friedrich II. gewährte der Familie Monopolrechte für die Seidenproduktion. Um 1768 liefen allein für Friedrich und Heinrich von der Leyen über 700 Webstühle; rund 80 Prozent der produzierten Waren gingen in den Export bis nach Amerika und Russland. Krefeld gehörte neben Lyon und Zürich zu den Zentren der europäischen Seidenindustrie und wurde sehr wohlhabend. Im Siebenjährigen Krieg fand am 23. Juni 1758 die Schlacht bei Krefeld statt, bei der preußische Truppen französische Truppen besiegten.

Im 19. Jahrhundert wurde Krefeld wieder preußisch, Sitz des Kreises Krefeld und ab 1849 durch die Eisenbahn stärker vernetzt. 1828 rebellierten etwa 2000 Seidenweber gegen schlechte Bezahlung und eine geplante Lohnkürzung von 15 %. Karl Marx bezeichnete diesen Aufstand als den „ersten Arbeiteraufstand der deutschen Geschichte“. Die Stadt wuchs weiter; Adolph von Vagedes plante die Stadterweiterung mit den vier Wällen, die bis heute das Stadtbild prägen. Im 20. Jahrhundert wurde Krefeld im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört. Besonders der Luftangriff vom 21./22. Juni 1943 traf große Teile des Ostens und der Innenstadt; 1036 Krefelder starben, über 9000 wurden verletzt. Am 2. März 1945 marschierten US-Truppen ein. Nach 1945 kam Krefeld zur Britischen Besatzungszone. Die Stahlwerke erlebten in den 1950er Jahren einen Aufschwung, später führten Stahlkrisen und der Niedergang der Textilindustrie zum Strukturwandel.

Politik und Stadtzeichen

Die kommunale Verwaltung entwickelte sich von Amtmann, Schöffen, Bürgermeistern und Magistrat zur modernen Selbstverwaltung. Mit der Rheinischen Städteordnung von 1856 begann die moderne kommunale Selbstverwaltung, geführt von einem Oberbürgermeister und einem Rat. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die britische Militärregierung 1946 eine Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein: Der Rat wählte einen ehrenamtlichen Oberbürgermeister und zusätzlich einen hauptamtlichen Oberstadtdirektor. 1999 wurde diese Doppelspitze abgeschafft; seitdem ist der hauptamtliche Oberbürgermeister zugleich Vorsitzender des Rates, Leiter der Verwaltung und Repräsentant der Stadt. Frank Meyer (SPD) ist seit 2015 Oberbürgermeister und gewann 2025 die Stichwahl mit 55,0 % gegen Timo Kühn (CDU) mit 45,0 %.

Bei der Stadtratswahl 2025 erhielt die CDU 30,6 %, die SPD 26,0 %, die AfD 15,5 %, die Grünen 11,2 %, Die Linke 5,5 %, die FDP 3,5 %, Freie Wähler 3,3 %, LUKS 2,8 %, Die PARTEI 1,7 % und NG 0,03 %. Der Stadtrat hat 58 Sitze: CDU 18, SPD 15, AfD 9, Grüne 6, Linke 3, FDP 2, Freie Wähler 2, LUKS 2 und Die PARTEI 1. Nach der Wahl wurde eine große Koalition aus CDU und SPD gebildet, die 33 der 58 Sitze besitzt.

Das Stadtwappen wurde am 3. Juli 1950 genehmigt und von Wolfgang Pagenstecher entworfen. Es verbindet Symbole Krefelds und Uerdingens: vorn den heiligen Dionysius von Paris und das Moerser Landeswappen, hinten das Uerdinger Wappen mit zwei goldenen Schlüsseln und kurkölnischen Schilden. Die Stadtfarben sind schwarz und gold. Krefeld unterhält Städtepartnerschaften unter anderem mit Venlo, Leicester, Dünkirchen, Leiden, Charlotte, dem Landkreis Oder-Spree, Kayseri und Kropyvnytskyi. Die Partnerschaft mit Uljanowsk besteht formal, ruht aber wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Kultur, Bauwerke und Freizeit

Krefeld besitzt ein breites Kulturangebot. Das Stadttheater kooperiert seit 1950 mit den städtischen Bühnen Mönchengladbach und bietet Oper, Operette, Ballett und Schauspiel; die Niederrheinischen Sinfoniker sind überregional bekannt. Weitere Kulturorte sind unter anderem die Fabrik Heeder, das Kinder- und Jugendtheaterzentrum KRESCH, das Marionettentheater Krieewelsche pappköpp, der KulturPunkt-Friedenskirche, die Kulturfabrik, die Kulturrampe und der Jazzkeller. Literatur, Musik, Kino und regelmäßige Veranstaltungen wie der Rosenmontagszug, der Flachsmarkt an Burg Linn, die Sprödentalkirmes, der Kultursommer und Weihnachtsmärkte prägen das städtische Leben.

Wichtige Museen sind die Kunstmuseen Krefeld mit dem Kaiser-Wilhelm-Museum sowie Haus Lange und Haus Esters, die von Ludwig Mies van der Rohe im Bauhaus-Stil erbaut wurden. Das Museumszentrum Burg Linn umfasst Burg Linn, Jagdschloss und Archäologisches Museum. Dort werden unter anderem Funde aus Gelduba und das Fürstengrab des Arpvar gezeigt. Das Deutsche Textilmuseum in Linn besitzt über 25.000 Objekte aus vielen Epochen und Weltregionen. Das Haus der Seidenkultur zeigt in einer ehemaligen Paramentenweberei die Geschichte der Krefelder Samt- und Seidenherstellung, einschließlich mehr als 100 Jahre alter Jacquardwebstühle.

Krefeld gilt als wichtige Bauhaus-Stadt in Nordrhein-Westfalen. Trotz Kriegszerstörungen sind zahlreiche Gründerzeit- und Jugendstilfassaden erhalten, besonders in der Süd- und Weststadt sowie rund um den Bismarckplatz. Stadtbildprägend sind die vier Wälle, die im 19. Jahrhundert nach Plänen von Adolph von Vagedes entstanden. Bedeutende Bauwerke sind die Burg Linn, Haus Rath, die Mennonitenkirche von 1696, St. Dionysius, das Palais der Familie Von der Leyen als Kern des heutigen Rathauses, der Hauptbahnhof von 1907, das Stadtwaldhaus und die Krefelder Galopprennbahn. Denkmäler wie der „Meister Ponzelar“, das Synagogendenkmal und Stolpersteine erinnern an Stadtgeschichte und NS-Opfer.

Die Stadt besitzt viele Parks und Grünflächen, viele davon gehen auf frühere Privatgärten reicher Textilfabrikanten zurück. Dazu zählen Stadtwald, Sollbrüggenpark, Schönwasserpark, Greiffenhorstpark, Burgpark Linn und weitere Anlagen. Der Botanische Garten besteht seit 1928, umfasst 3,6 ha und rund 5000 Pflanzenarten. Der Krefelder Zoo wurde 1938 gegründet und beherbergt auf 13 ha etwa 820 Tiere aus 120 Arten. Für Sport und Erholung sind außerdem der Hülser Berg und der Elfrather See wichtig. In Krefeld gibt es über 250 Sportvereine; besonders bekannt sind der KFC Uerdingen 05, die Krefeld Pinguine, die HSG Krefeld Niederrhein, der Crefelder Hockey und Tennis Club sowie zahlreiche Wasser-, Ruder-, Schwimm- und Eissportvereine.

Wirtschaft, Verkehr und Bildung

Krefelds Wirtschaft war lange von der Textilindustrie geprägt. Nach dem Zusammenschluss mit Uerdingen 1929 kamen bedeutende Unternehmen des Fahrzeug- und Metallbaus, der Pflanzenölindustrie und der chemischen Industrie hinzu. Seit dem Niedergang der Textilindustrie ab den 1970er Jahren bestimmen vor allem chemische Industrie, Metallindustrie, Maschinenbau, Fahrzeugbau und Logistik die Stadt. 2016 betrug das Bruttoinlandsprodukt innerhalb der Stadtgrenzen 8,451 Milliarden Euro, das BIP pro Kopf 37.399 Euro. 2017 waren etwa 133.300 Personen beschäftigt; die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2018 bei 9,7 %.

Die chemische Industrie ist besonders in Uerdingen vertreten. Der Chempark Krefeld-Uerdingen umfasst 260 Hektar und beherbergt rund 40 Unternehmen. Bayer gründete dort 1877 ein Werk, zog sich aber bis 2017 aus dem Standort zurück. Weitere wichtige Branchen und Unternehmen sind Siemens Mobility im Schienenfahrzeugbau, das ICE-Instandhaltungswerk Krefeld-Oppum, Siempelkamp im Maschinen- und Anlagenbau, Deutsche Edelstahlwerke und Outokumpu in der Metallindustrie, Canon mit seiner Deutschland-Zentrale, Fressnapf, Primagas, Dextro Energy, Cargill, Saupiquet sowie Logistikstandorte von Bauhaus, DSV, Amazon und Asics. Die Textilindustrie ist kleiner geworden, bleibt aber sichtbar: Noch heute kommen etwa 80 Prozent aller in Deutschland produzierten Krawatten aus Krefeld.

Krefeld ist verkehrlich gut angebunden. Der Hauptbahnhof liegt an den Strecken Duisburg–Mönchengladbach und Kleve–Düsseldorf; seit 2022 halten auch ICE-Züge mit Fahrtziel Aachen und Berlin. Der öffentliche Nahverkehr wird durch Straßenbahnlinien, Buslinien und die Stadtbahnlinien U70 und U76 nach Düsseldorf getragen. Für den ÖPNV gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr und übergreifend der NRW-Tarif. Durch Krefeld führen die Autobahnen A 57 und A 44 sowie die Bundesstraßen B 9, B 57, B 288 und B 509. Der Rheinhafen in Linn ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort; außerdem gibt es den Uerdinger Steiger für Ausflugs- und Flusskreuzfahrtschiffe. Krefeld verfügt über mehr als 250 km ausgewiesene Radwege.

Die Trinkwasserversorgung erfolgt ausschließlich aus Grundwasser. Zwei Wasserwerke bereiten jährlich 11 Mio. m³ Rohwasser auf; das Leitungsnetz ist 836 km lang. Die Kläranlage Krefeld wurde 1974 in Betrieb genommen und gehört mit 1,2 Mio. Einwohnerwerten zu den größten in Deutschland. Krefeld ist Sitz mehrerer öffentlicher Einrichtungen, darunter IHK Mittlerer Niederrhein, Geologischer Dienst NRW, Gerichte, Krankenhäuser und Feuerwehr. Im Bildungsbereich gibt es 31 Grundschulen, vier Hauptschulen, sechs Realschulen, zehn Gymnasien, sieben Gesamtschulen, vier Berufskollegs und sieben Förderschulen. Die Hochschule Niederrhein hat seit 1971 ihren Hauptsitz in Krefeld und bietet dort unter anderem Chemie, Design, Elektrotechnik und Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheitswesen an.

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